E-Book, Deutsch, 504 Seiten
Stern Privacy-Handbuch
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-5334-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das deutsche Handbuch für digitale Privatsphäre
E-Book, Deutsch, 504 Seiten
ISBN: 978-3-6951-5334-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Privacy-Handbuch - Digitale Selbstverteidigung in Zeiten globaler Überwachung In einer Ära, in der Kriege mit Informationen geführt werden und Daten zur begehrtesten Ressource geworden sind, wird Datenschutz zur Frage der persönlichen Freiheit. Das Privacy-Handbuch ist der umfassende Leitfaden für digitale Selbstbestimmung, Privatsphäre und IT-Sicherheit im Alltag. Regierungen, Geheimdienste und große Technologiekonzerne überwachen unsere digitale Kommunikation in nie dagewesenem Ausmaß. Jede Suchanfrage, jede Nachricht und jeder Standort hinterlässt Spuren. Dieses Buch zeigt praxisnah, wie Sie Ihre digitale Freiheit schützen und Ihre Privatsphäre zurückgewinnen. Mit verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen vermittelt das Privacy-Handbuch, wie Sie: - sicher und anonym im Internet surfen, - Browser wie Firefox datenschutzfreundlich konfigurieren, - E-Mails verschlüsseln und sichere Messenger nutzen, - VPNs und Tor korrekt einsetzen, - Smartphones und Computer gegen Tracking und Überwachung absichern. Das Werk richtet sich an alle, die Verantwortung für ihre Daten übernehmen möchten - an Privatpersonen, Fachkräfte, Journalisten, Beamte und sicherheitsbewusste Nutzerinnen und Nutzer, die verstehen, dass digitale Souveränität keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Besonders in Zeiten globaler Spannungen, digitaler Kriegsführung und staatlicher Überwachung liefert das Privacy-Handbuch das notwendige Wissen, um sich im Netz sicher, anonym und informiert zu bewegen. Es verbindet technische Kompetenz mit gesellschaftlichem Bewusstsein - verständlich, praxisorientiert und unabhängig. Besonderheiten: - Praxisnaher Datenschutzratgeber auf Grundlage bewährter Open-Source-Lösungen - Aktuell, relevant und frei von kommerziellen Interessen - Geeignet für Einsteiger, Fortgeschrittene und IT-Professionals - Print-Version der bekannten Online-Plattform www.privacy-handbuch.de --- Das Privacy-Handbuch ist mehr als ein Ratgeber - es ist ein Plädoyer für digitale Freiheit und ein unverzichtbares Werkzeug für alle, die ihre Privatsphäre schützen und die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen möchten.
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Kapitel 1 Scroogled
Greg landete abends um acht auf dem internationalen Flughafen von San Francisco, doch bis er in der Schlange am Zoll ganz vorn ankam, war es nach Mitternacht. Er war der ersten Klasse nussbraun, unrasiert und drahtig entstiegen, nachdem er einen Monat am Strand von Cabo verbracht hatte, um drei Tage pro Woche zu tauchen und sich in der übrigen Zeit mit der Verführung französischer Studentinnen zu beschäftigen. Vor vier Wochen hatte er die Stadt als hängeschultriges, kullerbäuchiges Wrack verlassen. Nun war er ein bronzener Gott, der bewundernde Blicke der Stewardessen vorn in der Kabine auf sich zog.
Vier Stunden später war in der Schlange am Zoll aus dem Gott wieder ein Mensch geworden. Sein Elan war ermattet, Schweiß rann ihm bis hinunter zum Po, und Schultern und Nacken waren so verspannt, dass sein Rücken sich anfühlte wie ein Tennisschläger. Sein iPod-Akku hatte schon längst den Geist aufgegeben, sodass ihm keine andere Ablenkung blieb, als dem Gespräch des Pärchens mittleren Alters vor ihm zu lauschen.
„Die Wunder moderner Technik“, sagte die Frau mit Blick auf ein Schild in seiner Nähe: Einwanderung – mit Unterstützung von Google.
„Ich dachte, das sollte erst nächsten Monat losgehen?“ Der Mann setzte seinen Riesen-Sombrero immer wieder auf und ab.
Googeln an der Grenze – Allmächtiger. Greg hatte sich vor sechs Monaten von Google verabschiedet, nachdem er seine Aktienoptionen zu Barem gemacht hatte, um sich eine Auszeit zu gönnen, die dann allerdings nicht so befriedigend geworden war wie erhofft. Denn während der ersten fünf Monate hatte er kaum etwas anderes getan, als die Rechner seiner Freunde zu reparieren, tagsüber vorm Fernseher zu sitzen und zehn Pfund zuzunehmen –, was wohl darauf zurückzuführen gewesen war, dass er nun daheim herumgesessen war statt im Googleplex mit seinem gut ausgestatteten 24-Stunden-Fitnessclub.
Klar, er hätte es kommen sehen müssen. Die US-Regierung hatte 15 Milliarden Dollar daran verschwendet, Besucher an der Grenze zu fotografieren und ihre Fingerabdrücke zu nehmen –, und man hatte nicht einen einzigen Terroristen geschnappt. Augenscheinlich war die öffentliche Hand nicht in der Lage, richtig zu suchen.
Der DHS-Beamte hatte tiefe Ringe unter den Augen und blinzelte auf seinen Monitor, während er die Tastatur mit seinen Wurstfingern traktierte. Kein Wunder, dass es vier Stunden dauerte, aus dem verdammten Flughafen rauszukommen.
„n Abend“, sagte Greg und reichte dem Mann seinen schwitzigen Pass. Der Mann grunzte etwas und wischte ihn ab, dann starrte er auf den Bildschirm und tippte. Eine Menge. Ein kleiner Rest getrockneten Essens klebte ihm im Mundwinkel, und er bearbeitete ihn mit seiner Zunge.
„Möchten Sie mir was über Juni 1998 erzählen?“
Greg blickte vom Abflugplan hoch. „Pardon?“
„Sie haben am 17. Juni 1998 eine Nachricht auf alt.burningman über Ihre Absicht geschrieben, ein Festival zu besuchen. Und da fragten Sie: Sind Psychopilze wirklich so eine schlechte Idee?“
Der Interviewer im zweiten Befragungsraum war ein älterer Mann, nur Haut und Knochen, als sei er aus Holz geschnitzt. Seine Fragen gingen sehr viel tiefer als Psychopilze.
„Berichten Sie von Ihren Hobbys. Befassen Sie sich mit Raketenmodellen?“
„Womit?“
„Mit Raketenmodellen.“
„Nein“, sagte Greg, „überhaupt nicht“. Er ahnte, worauf das hinauslief.
Der Mann machte eine Notiz und klickte ein paarmal. „Ich frage nur, weil bei Ihren Suchanfragen und Ihrer Google-Mail ne Menge Werbung für Raketenzubehör auftaucht.“
Greg schluckte. „Sie blättern durch meine Suchanfragen und Mails?“ Er hatte nun seit einem Monat keine Tastatur mehr angefasst, aber er wusste: Was er in die Suchleiste eintippte, war wahrscheinlich aussagekräftiger als alles, was er seinem Psychiater erzählte.
„Sir, bleiben Sie bitte ruhig. Nein, ich schaue Ihre Suchanfragen nicht an“, sagte der Mann mit einem gespielten Seufzer. „Das wäre verfassungswidrig. Wir sehen nur, welche Anzeigen erscheinen, wenn Sie Ihre Mails lesen oder etwas suchen. Ich habe eine Broschüre, die das erklärt. Sie bekommen sie, sobald wir hier durch sind.“
„Aber die Anzeigen bedeuten nichts“, platzte Greg heraus. „Ich bekomme Anzeigen für Ann-Coulter-Klingeltöne, sooft ich eine Mail von meinem Freund in Coulter, Iowa, erhalte!“
Der Mann nickte. „Ich verstehe, Sir. Und genau deshalb spreche ich jetzt hier mit Ihnen. Können Sie sich erklären, weshalb bei Ihnen so häufig Modellraketen-Werbung erscheint?“
Greg grübelte. „Okay, probieren wir es mal. Suchen Sie nach coffee fanatics.“ Er war in der Gruppe mal ziemlich aktiv gewesen und hatte beim Aufbau der Website ihres Kaffee-des-Monats-Abodienstes geholfen. Die Bohnenmischung zum Start des Angebots hieß „Turbinen-Treibstoff“. Das plus „Start“, und schon würde Google ein paar Modellraketen-Anzeigen einblenden.
Die Sache schien gerade ausgestanden zu sein, als der geschnitzte Mann die Halloween-Fotos entdeckte – tief vergraben auf der dritten Seite der Suchergebnisse für Greg Lupinski.
„Es war eine Golfkriegs-Themenparty im Castro“, sagte er.
„Und Sie sind verkleidet als . . .?“
„Selbstmordattentäter“, erwiderte er kläglich. Das Wort nur auszusprechen, verursachte ihm Übelkeit.
„Kommen Sie mit, Mr. Lupinski“, sagte der Mann.
Als er endlich gehen durfte, war es nach drei Uhr. Seine Koffer standen verloren am Gepäckkarussell. Er nahm sie und sah, dass sie geöffnet und nachlässig wieder geschlossen worden waren; hier und da lugten Kleidungsstücke heraus.
Daheim stellte er fest, dass all seine pseudopräkolumbianischen Statuen zerbrochen worden waren und dass mitten auf seinem brandneuen weißen mexikanischen Baumwollhemd ein ominöser Stiefelabdruck prangte. Seine Kleidung roch nun nicht mehr nach Mexiko – sie roch nach Flughafen.
An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken, er musste über die Sache reden. Es gab nur eine einzige Person, die all das begreifen würde. Zum Glück war sie normalerweise um diese Zeit noch wach.
Maya war zwei Jahre nach Greg zu Google gekommen. Sie war es, die ihn überzeugt hatte, nach dem Einlösen der Optionen nach Mexiko zu gehen: Wohin auch immer, hatte sie gesagt, solange er nur seinem Dasein einen Neustart verpasste.
Maya hatte zwei riesige schokobraune Labradore und eine überaus geduldige Freundin, Laurie, die mit allem einverstanden war, solange es nicht bedeutete, dass sie selbst morgens um sechs von 350 Pfund sabbernder Caniden durch Dolores Park geschleift wurde.
Maya griff nach ihrem Tränengas, als Greg auf sie zugelaufen kam; dann blickte sie ihn erstaunt an und breitete ihre Arme aus, während sie die Leinen fallen ließ und mit dem Schuh festhielt. „Wo ist der Rest von dir? Mann, siehst du heiß aus!“
Er erwiderte die Umarmung, plötzlich seines Aromas nach einer Nacht invasiven Googelns bewusst. „Maya“, sagte er, „was weißt du über Google und das DHS?“
Seine Frage ließ sie erstarren. Einer der Hunde begann zu jaulen. Sie blickte sich um, nickte dann hoch in Richtung der Tennisplätze. „Auf dem Laternenmast – nicht hinschauen“, sagte sie. „Da ist einer unserer lokalen Funknetz-Hotspots. Weitwinkel-Webcam. Guck in die andere Richtung, während du sprichst.“
Letztlich war es für Google gar nicht teuer gewesen, die Stadt mit Webcams zu überziehen – vor allem, wenn man bedachte, welche Möglichkeiten es bot, Menschen die passende Werbung zu ihrem jeweiligen Aufenthaltsort liefern zu können. Greg hatte seinerzeit kaum Notiz davon genommen, als die Kameras auf all den Hotspots ihren öffentlichen Betrieb aufgenommen hatten; es hatte einen Tag lang Aufruhr in der Blogosphäre gegeben, während die Leute mit dem neuen Allesseher zu spielen begonnen und an diverse Rotlichtviertel herangezoomt hatten, doch nach einer Weile war die Aufregung abgeebbt.
Greg kam sich albern vor, er murmelte: „Du machst Witze.“
„Komm mit“, erwiderte sie, nicht ohne sich dabei vom Laternenpfahl abzuwenden.
Die Hunde waren nicht einverstanden damit, den Spaziergang abzukürzen, und taten ihren Unmut in der Küche kund, wo Maya Kaffee zubereitete.
„Wir haben einen Kompromiss mit dem DHS ausgehandelt“, sagte sie und griff nach der Milch. „Sie haben sich damit einverstanden erklärt, nicht mehr unsere Suchprotokolle zu durchwühlen, und wir lassen sie im Gegenzug sehen, welcher Nutzer welche Anzeigen zu sehen bekommt.“
Greg fühlte sich elend. „Warum? Sag nicht, dass Yahoo es schon vorher gemacht hat . . . “
„N-nein. Doch, ja, sicher, Yahoo war schon dabei. Aber das war nicht der Grund für Google, mitzumachen. Du weißt doch, die Republikaner hassen Google. Wir sind größtenteils als Demokraten registriert, also tun wir unser Bestes, mit ihnen Frieden zu schließen, bevor sie anfangen, sich...




