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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 600 Seiten
Stevens / Frank / Salomo Geister Fantasy Dreierband 1008
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7452-3317-9
Verlag: Alfredbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 600 Seiten
ISBN: 978-3-7452-3317-9
Verlag: Alfredbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dieser Band enthält folgende Romane: Der Ruf des Totenbeschwörers (Klaus Frank) Dämonentöter (Steve Salomo) Das Rätselhafte Artefakt (Francis Stevens) Sandy Rendall wälzte sich unruhig in ihrem Bett hin und her. Sie stöhnte. Es war ein ängstliches, furchtsames Stöhnen. Sie sah sich durch einen Wald rennen. Es war hell, und doch war es nicht Tag. Es war eine eigenartige Dämmerung, die aber nicht zwischen Tag und Nacht lag. Ein Zustand, den es in der realen Welt nicht gab. Sie fühlte sich verfolgt, sie wusste, dass er hinter ihr her war. Sie lief keuchend, mit klopfendem Herzen. Sie hatte Angst. Furchtbare Angst. Aber sie wünschte sich auch, dass er sie einholen würde. Sie sehnte sich danach, in seinen starken Armen zu liegen. Sie wünschte sich, seine warmen, zärtlichen Lippen auf den ihren zu spüren, seine verlangenden Berührungen auf ihrem Körper. Plötzlich schreckte das sechzehnjährige Mädchen zusammen! Vor ihr tauchte er auf, aus einem dichten, schimmernden Nebel. Eine hoch gewachsene Gestalt, gekleidet in einen langen, nachtschwarzen Umhang.
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»Nun, was halten Sie davon?«, fragte mich der Mann, der sich mir als Jules Vernon vorgestellt hatte; ein Name, den ich mir sicher gut würde merken können, wenn ich nur an den Schriftsteller Verne dachte. Sein Schädel war vollkommen blank rasiert, in seinem Gesicht wucherte ein schwarzer, leicht geschwungener Schnurrbart, wodurch der Mann, der recht groß war, wie ein skrupelloser Finsterling wirkte. Aber ich spürte, dass er ein durchaus zuvorkommender Zeitgenosse war, dessen tiefsinniger Charme hinter einer Wand aus Kaltschnäuzigkeit verborgen lag; das war eine Kombination, die so manch einen Gesprächspartner zunächst einmal brüskieren musste. Dass der erste Eindruck keineswegs stimmte, verrieten am ehesten seine blauen Augen, die belustigt zu funkeln begannen, wenn etwas ihn erfreute.
Ich blickte auf die Kopie der Akte, die vor mir lag. Vernon hatte mehrere Passagen daraus zitiert, und ich musste zugeben, dass sie äußerst umfangreich war. Es gab kaum ein Jahr aus meinem Leben, das unerwähnt geblieben war. Auch Daten aus meiner Kindheit fanden sich dort, inklusive dem Tod meiner Eltern.
Ganz vorn befand sich ein Foto von mir, und ich rätselte, wann es aufgenommen worden war, doch ich vermochte diese Frage nicht zu beantworten. Der Fotohintergrund gab keinen Aufschluss über den Ort, an dem ich mich befunden hatte; mit einiger Sicherheit waren wesentliche Details mit einem Bildbearbeitungsprogramm entfernt worden. Ich konnte lediglich sagen, dass es neueren Datums war, wenngleich ich fand, dass ich auf dem Foto älter als die zweiunddreißig Jahre aussah, die ich kürzlich geworden war. Vielleicht lag das am Ausdruck meiner Augen, die ein wenig zu niedergeschlagen blickten. Wenn ich nur gewusst hätte, was ich in dieser Sekunde empfunden und gedacht hatte. Es musste ein Sommertag gewesen sein, denn ich trug ein kurzärmliges Hemd, und mein blondes Haar war von der Sonne heller geworden, als es sonst der Fall gewesen wäre.
Ich löste mich von der Begegnung mit mir selbst und hob den Blick. »Ihr Angebot ist verlockend«, antwortete ich endlich, aber so zaudernd, dass meine Aussage ins Gegenteil verkehrt wurde, »aber ich kann kaum glauben, dass der Verfassungsschutz mich so ohne Weiteres gehen lassen will. Man könnte fast annehmen, denen liegt nicht viel an mir.«
Vernon lächelte und breitete seine Arme in einer genauso umfassenden wie nichtssagenden Geste aus. »Wären Sie etwa enttäuscht deswegen? Immerhin hat man Sie in den Innendienst versetzt, und ich vermute, dort wären Sie noch lange geblieben. Aber wir wissen, Sie sind jemand, der an die Front gehört, immerhin haben Sie dort Ihre größten Erfolge aufzuweisen. Jede Menge Ermittlungen, an denen Sie beteiligt waren, waren ein großer Erfolg.«
Ich zuckte mit den Schultern, ohne seine Worte zu kommentieren. Gedankenverloren blickte ich auf ein großes Bild, das hinter Vernon an der Wand hing und eine blühende Landschaft zeigte; der Optimismus, der in jedem Farbklecks steckte, wirkte maßlos überzogen. Wenn Gott so etwas einmal im Sinn gehabt hatte, dann musste er die Lust an der Umsetzung verloren haben. Das Bild diente als Fensterersatz, denn dieses Büro, in dem ich mich nun seit mehr als einer halben Stunde befand, lag im Untergeschoss. Über mir erstreckte sich der gläserne Koloss des Europäischen Parlaments, das gleichermaßen einschüchternd wie beeindruckend auf mich wirkte.
Vor wenigen Stunden war ich mit der Maschine aus Düsseldorf in Straßburg gelandet, und nach einer etwas langatmigen Anmeldeprozedur war ich von einer hübschen und ein wenig geschwätzigen Frau durch diverse Flure hinunter zum Untergeschoss in dieses Büro begleitet worden.
Dass mein Chef mich in den Innendienst versetzt hatte, war immer noch ein Schock für mich, auch wenn ich es vermied, meinen Unmut zum Thema zu machen. Es war, wie so oft, wenn es um den Verfassungsschutz ging, eine politische Entscheidung von ziemlich weit oben gewesen. Man zog mich aus dem Verkehr und hoffte, dass Ruhe einkehren würde. Skandale wurden, wenn sie von Agenten verursacht wurden, am liebsten unter den Teppich gekehrt – meist zusammen mit den betroffenen Agenten.
»Sie haben einen Mann daran gehindert, eine Frau zu vergewaltigen.« Vernon warf einen Blick in die Akte und blätterte erst einige Seiten vor, dann wieder zurück, aber ich nahm an, er kannte diese Passage beinah auswendig, und seine vorgebliche Suche nach den richtigen Zeilen diente nur einer simplen Effekthascherei »Ein Rechtsradikaler, Stefan Schulmann, mehrfach vorbestraft, für seine Brutalität bekannt. Die Frau, die ihn nicht kannte, ging ihm am helllichten Tag in die Falle, und er verschleppte sie in seine Wohnung und fiel über sie her. Da Sie ihn in einer anderen Sache observierten, war es kein Wunder, dass Sie schnell zur Stelle waren. Sie rissen ihn von der Frau fort und machten ihn kampfunfähig.« Vernon grinste mich an, in seinen Augen funkelte es vor Vergnügen. »Andere Stimmen fanden schärfere Worte für das, was Sie mit ihm anstellten, darunter befanden sich auch die Anwälte Schulmanns, was Ihr Pech war.«
Ich nickte mit verkniffenem Gesichtsausdruck, während ich mich fragte, warum der Mann so ausführlich auf diesem Thema herumritt; schließlich kannte ich alle Details. Machte es ihm Freude?
»Schulmann erlitt unter anderem einen Kieferbruch, einen Jochbeinbruch, er verlor eine Menge Zähne und noch mehr Blut, außerdem trug er Quetschungen davon, und er hat auf seinem rechten Auge bis heute nur noch eine stark eingeschränkte Sehfähigkeit. Von Kleinigkeiten wie einer ausgerenkten Schulter oder seiner gebrochenen Nase müssen wir erst gar nicht reden. Seine Anwälte haben Ihrem Laden die Hölle heiß gemacht, und Sie können von Glück sagen, dass es keine ernsteren Konsequenzen für Sie gab. Jemand hielt seine schützende Hand über Sie.«
»So, tat das jemand?«, warf ich giftig ein. »Hören Sie, ich sage nicht, dass es richtig war, was ich gemacht habe, aber Schulmann ist ein Schwein, er hätte keine Skrupel gehabt, die Frau über Tage hinweg zu vergewaltigen. Ich vermute, am Ende hätte er sie umgebracht oder Schlimmeres.« Ich zwang mich zur Ruhe. Auf gar keinen Fall wollte ich die Fassung verlieren, was manchmal vorkam, wenn ich an diese Angelegenheit dachte.
»Schlimmeres? Was könnte denn schlimmer sein als der Tod?«
»Als ob Sie das nicht wüssten. Er hätte durchaus geplant haben können, die Frau als Dauergast zu behalten, damit er und seine Jungs regelmäßig Spaß haben konnten. Einige rechtsradikale Gruppierungen haben außerdem recht gute Kontakte in den Osten, somit wäre nicht auszuschließen gewesen, dass die Frau als Prostituierte in Polen oder Tschechien enden sollte. Von dort wäre sie niemals wieder aufgetaucht. Sie wäre einfach von der Landkarte verschwunden.« Ich blickte Vernon an und spürte, dass allein die Erinnerung mein Blut in Wallung brachte. Zwar hatte ich vorhin eingeräumt, dass ich einen Fehler begangen haben mochte, aber ich sah das im Grunde völlig anders. Aber ich hatte gelernt, dass es klug war, wenn man die Wahrheit nicht unverblümt aussprach. Wenn Politik ins Spiel kam, war die Wahrheit selten gut. »Das wäre schlimmer als der Tod, meinen Sie nicht auch?«
»Nichts ist schlimmer als der Tod.« Nicht Vernon sagte diese Worte, sondern ein Mann, der ein wenig versetzt hinter ihm saß und bislang schweigsam und scheinbar ohne großes Interesse das Gespräch verfolgt hatte. Seinen Namen immerhin kannte ich bereits: Albert Armstrong.
Stocksteif saß er auf seinem Stuhl und fixierte mich mit finsteren, verschlossenen Blicken. Seine näselnde Stimme hallte unangenehm in meinen Ohren nach. Ich wusste nicht viel über den Mann, nur das, was Vernon mir zu Beginn unseres Gesprächs verraten hatte: Armstrong entstammte einem alten, äußerst vornehmen Londoner Familiengeschlecht und hatte, so zumindest kam es bei mir an, nie einen Handschlag getan, sondern war allein durch die Erbfolge zu einem immensen Vermögen gekommen. Er fungierte als Berater dieser seltsamen Organisation, die mich verpflichten wollte.
Ohne auf Armstrongs provozierende Bemerkung einzugehen wandte ich mich an Vernon: »Da Sie ja alles über mich wissen, scheinen Sie ja wirklich an mir interessiert zu sein. Aber worin genau bestünde denn meine Aufgabe?«
»Wunderbar, Herr Fuller. Sehr direkt, das gefällt mir.« Vernon lachte dröhnend, Armstrong hingegen verzog griesgrämig seine Miene. »Wie ich bereits sagte, handelt es sich um eine recht neue Einheit, die den geschmeidigen Namen Institute of paranormal Activities trägt.«
»Macht sich gut auf einer Visitenkarte.«
»Die Kurzform ist IPA. Aber uns gefällt am besten der Begriff Phenomena, das ist ja nun wirklich ein visitenkartentauglicher Name, finden Sie nicht? Phenomena wurde von der Europäischen Union erschaffen und hat die Aufgabe, paranormalen Auffälligkeiten nachzugehen. Die Sinnhaftigkeit wurde in diesem Hause mehrere Male kontrovers erörtert, aber aus meiner Sicht war es gut, dass man sich zur Gründung entschloss. Zumindest steckt mehr dahinter als sinnlose Verschwendung von Steuergeldern.«
»Paranormale Auffälligkeiten?«, stammelte ich. »Was meinen Sie damit? Vorkommnisse ähnlich wie bei Akte X?«
Vernon verzog voller Missmut das Gesicht. »Akte X ist nun sicher nicht unser Vorbild. Wir hoffen, unsere Aufgaben dezenter zu lösen. Dazu bedarf es selbstredend einer gewissen Qualität beim Mitarbeiterstamm.« Er deutete...




