Stevens / Suchanek | Rachejagd - Verraten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Die Rachejagd-Trilogie

Stevens / Suchanek Rachejagd - Verraten

Thriller
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-641-27467-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Die Rachejagd-Trilogie

ISBN: 978-3-641-27467-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Grauen ist noch lange nicht vorbei ...

Anna und Nick haben gerade erst verarbeitet, dass sie beinahe einem perfiden Mörder zum Opfer gefallen wären, und wollen eigentlich ihre wiedergefundene Zweisamkeit genießen. Da treffen sie bei einer Hochzeit auf ihren alten Freund Roger Beckett. Er bittet sie um Hilfe bei der Aufklärung eines mysteriösen Todesfalls. In dem Forschungslabor, in dem Roger arbeitet, ist ein Kollege ums Leben gekommen. Eigentlich unmöglich bei den strengen Sicherheitskontrollen. Als Roger in seinem Haus attackiert wird, forschen Anna und Nick nach und machen eine unfassbare Entdeckung: Der Unbekannte, der ihr Leben in Chicago zur Hölle gemacht hat, treibt weiterhin ein böses Spiel mit ihnen. Sein Racheplan ist noch umfassender und grausamer als geahnt. Ein tödliches Rennen gegen die Zeit beginnt.
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2. KAPITEL


»Es ist etwas passiert.« Roger rieb sich die müden Augen, wandte den Blick dem Fenster zu. »Und ich komme alleine nicht weiter.«

Er hatte sie in einen der angrenzenden Räume des Hotels geführt. Sarahs Eltern hatten keine Kosten und Mühen gescheut und das gesamte Hotel für die Hochzeitsgesellschaft gebucht.

Der Raum roch nach frischem Putzmittel und lederbezogenen Sesseln. Hierher konnten sich die Herren später zurückziehen, ein Glas mit Hochprozentigem in der einen, eine Zigarre in der anderen Hand. Es lagen sogar Holzscheite im Kamin.

Vermutlich würde Nicks Vater ebenfalls dabei sein.

Nick ließ den Gedanken fallen wie ein heißes Eisen, an dem er sich die Finger verbrannt hatte.

»Was ist los?«

Rogers Gesicht war noch immer dem Fenster zugewandt, er rang mit sich.

Anna ging vorsichtig näher, berührte ihn an der Schulter.

»Jemand ist gestorben«, brach es aus ihm heraus.

»Das … tut mir leid«, flüsterte sie.

Die Antwort bestand aus einem bitteren Lachen. »Nicht nötig. Er war ein Mistkerl.«

Annas Brauen hoben sich, sie wechselte einen kurzen Blick mit Nick, schwieg jedoch.

Sobald er dazu bereit war, würde Roger weitersprechen, das wusste Nick. So war es bei Verhören auch immer. Einfach schweigen und warten, dann kamen die Antworten von ganz alleine.

Nick ging zur vorbereiteten Anrichte, betrachtete die Glasflakons und entschied sich für eine bauchige Flasche mit bernsteinfarbener Flüssigkeit darin. Torfiger Geruch stieg ihm in die Nase, als er drei Gläser fingerbreit füllte. Eines reichte er Anna, das andere bekam Roger in die Hand gedrückt.

»Auf …«

Bevor Nick den Satz zu Ende bringen konnte, hatte der Freund aus alten Tagen bereits alles hinuntergestürzt.

»… uns«, beendete Nick und trank ebenfalls.

Anna stellte ihr Glas wieder auf den Tisch und betrachtete Roger eingehend. Ihr Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an.

Sie alle kannten ihn als ruppigen Macho. Der Erste, der sich damals einen Glimmstängel angezündet hatte, ständig am Prahlen war und dabei keinen Fettnapf ausließ. Roger war auch der Erste gewesen, der einen Joint angeschleppt hatte. Nick wusste bis heute nicht, wie der alte Freund in Highschool-Tagen an Hanf gelangt war.

»Spuck es aus.« Nicks Geduld war aufgebraucht.

»Ich arbeite in einem Labor«, sagte Roger langsam. »Mit hochgefährlichen Viren und Nerventoxinen.«

»Sprichst du von biologischen Waffen? Für das Militär?« Nicks Interesse erwachte.

»Auch.« Roger nickte zögerlich. »Aber es geht nicht darum, neue zu entwickeln. Wir arbeiten an Antiviren, damit wir im Fall der Fälle bereits Impfstoffe und Heilmittel für die Bevölkerung bereithalten können. Außerdem erforschen wir Behandlungsmethoden für Menschen, die mit Nervengiften in Berührungen gekommen sind.«

Nick hatte genug Briefings gelesen, um zu wissen, dass Roger sich hier auf sehr dünnes Eis begab. Wenn er Arbeiten für die Regierung – also das Militär – ausführte, durfte er mit niemandem darüber sprechen.

Es galt als offenes Geheimnis, dass gerade autokratische Staaten geheime Forschungen betrieben. Sollte den USA irgendwann ein biologischer Angriff drohen, gab es längst Dutzende von Gegenmitteln für Stoffe, die der breiten Öffentlichkeit noch nicht einmal bekannt waren. Bedauerlicherweise gab es mindestens zehnmal so viele designte Viren.

Und gerade im Bereich der Nervengifte hatte Nowitschok traurige Berühmtheit erlangt. Ein ehemaliger russischer Spion und seine Tochter waren in England damit vergiftet worden.

»Ich kann hier nicht ins Detail gehen.« Roger warf Anna einen gehetzten Blick zu. »Das alles muss natürlich unter uns bleiben.«

»Selbstverständlich«, versicherte sie.

Roger entspannte sich ein wenig. »Wir arbeiten unter anderem auch mit der neuartigen mRNA-Methode, um besagte Gegenmittel für Viren herzustellen. Wir schleusen quasi ein Bauteil des Virus – ein Protein – in den Körper ein, damit das Immunsystem Antikörper dagegen bildet. Das ist mein Gebiet. Ich bin Leiter für ein militärisches Projekt. In unserem Labor herrschen die höchsten Sicherheitsvorkehrungen.«

»Aber es ist etwas schiefgegangen?«, fragte Nick.

»So ist es. Ein Kollege ist gestorben. Er hatte in einem der Labore zu tun und wollte an einem Virus arbeiten.«

»Welche Art von Virus?«

»Das ist eben das Seltsame. Er wollte an diesem Morgen einen völlig ungefährlichen Grippeerreger sequenzieren, einen neuen Stamm aus Südamerika. Standard. Das Ding mutiert alle paar Monate.«

Nick war kein Spezialist für Viren, doch jeder Teenager wusste, dass eine Grippeimpfung jährlich aufgefrischt werden sollte, weil es hier zahlreiche Virenstämme und ständige Mutationen gab.

»An so etwas stirbt man kaum«, sagte Anna.

»Eben. Sein Anzug war undicht, allein das ist schon seltsam. Wir achten peinlich genau auf die Unversehrtheit des Materials, vor jedem Betreten des Labors erfolgt eine sorgfältige Überprüfung.«

Nick ging zur Anrichte, schenkte sich nochmals fingerbreit Whiskey ein und genoss das torfige Aroma. »Du willst also sagen, dass dein Kollege mit einem undichten Anzug in das Labor ging, ein eigentlich ungefährliches Grippevirus entnommen hat, aber dann daran starb?«

Gerade Menschen jenseits der fünfzig konnten auch an einer Grippe sterben. Oder jene mit geschwächtem Immunsystem. Das geschah allerdings nicht innerhalb von wenigen Minuten.

»Er hat einen ärztlichen Check-up durchlaufen, wie jeder von uns«, machte Roger diesen Gedanken direkt zunichte. »Außerdem war er gerade mal Anfang vierzig.«

»Die Sache wurde doch sicher untersucht?«, fragte Anna.

Roger fuhr sich erneut durch die Haare. »Wenn man das so nennen kann. Ein Team der internen Sicherheit hat alle Daten eingesackt, und Anwälte haben uns noch einmal an die Verschwiegenheitsklausel in unseren Verträgen erinnert. Insbesondere gegenüber Journalisten dürfen wir kein Wort über die Sache verlieren.« Er blickte in Richtung Anna. »Die Strafe für einen Verstoß liegt irgendwo im Millionenbereich.«

»Wir sind hier unter alten Freunden, mach dir keine Gedanken«, versicherte sie. »Außerdem schütze ich meine Quellen.«

»Warum erzählst du uns das dann alles? Was erwartest du denn von uns?«, fragte Nick.

»Na, du bist doch beim FBI!«

Nick lachte auf. »Eine offizielle Ermittlung müsste aber von oben abgesegnet werden. Inklusive Budget und Team. Und wenn das losgeht, kann jeder Idiot eins und eins zusammenzählen. Der Schulfreund eines Angestellten …«

»… leitenden Angestellten, mit einem Sequenzierungsteam unter sich«, korrigierte Roger.

»… ermittelt in einem Biowaffenlabor«, schloss Nick unbeirrt.

Roger schien sich bereits Gedanken über das Problem gemacht zu haben, denn er erwiderte sofort: »Aber unter dem Radar?«

»Damit kommen wir nicht an die Unterlagen heran.«

»Willkommen in meiner Welt«, sagte Anna mit einem Grinsen. »Wir Reporter bekommen die offiziellen Unterlagen nie. Aber irgendwie gelingt es uns doch, Mister FBI.«

Nun musste Nick ebenfalls lächeln. »Ich sage ja auch nicht, dass es unmöglich ist. Wir waren ja schon mehr als einmal … kreativ.«

Wobei er gerade gar nicht daran denken wollte, was Noriss mit ihm anstellen würde, wenn er erneut Beweismittel zurückhielt. Oder mitten in eine Ermittlung schlitterte, die das Militär betraf. Vermutlich war die Zornesröte vom letzten Mal nichts gegen das, was Nick dann erwartete.

»Ich kenne diesen Blick«, sagte Anna. »Du denkst schon darüber nach, wie es möglich wäre.«

»Nein. Ja. Eventuell.«

Er wollte Roger helfen. Trotzdem hatte er nicht vergessen, dass Anna und er gerade erst knapp mit ihrem Leben davongekommen waren. Das Blitzen in ihren Augen verriet ihm jedoch, dass auch sie darauf brannte, mehr über die Hintergründe dieses dubiosen Todesfalls zu erfahren.

»Ich könnte bei Mike anfragen«, überlegte Nick laut. »Solange wir Noriss raushalten …«

»Und Zane hilft uns bestimmt ebenfalls«, warf Anna schnell ein.

Roger wirkte gleichermaßen erleichtert wie auch beunruhigt. »Ihr müsst aber vorsichtig sein. Ich meine: vorsichtig. Bei uns geht es um Regierungsaufträge in Millionenhöhe. Da steht für die da oben viel auf dem Spiel.«

»Ich kenne das von früheren Ermittlungen«, sagte Nick. »Sobald es an die Chefetagen geht, gibt es einen ganzen Berg von Papierkram und Anwälten.«

Oftmals waren Nachforschungen im Sand verlaufen, weil man ihnen Steine in den Weg legte. Bei Mord in einer Firma waren die Verantwortlichen in den oberen Rängen meist bis zu einem gewissen Grad hilfsbereit, wollten die Ermittlungen unterstützen. Bei allen anderen Untersuchungen, also Geldwäsche, Sabotage oder Firmenspionage, konnte das FBI in den seltensten Fällen auf Unterstützung hoffen.

»Ihr seid das dynamische Duo, ihr bekommt das hin«, sagte Roger in die einsetzende Stille.

»Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht«, flüsterte Anna.

Nach einem beeindruckenden gemeinsamen Chemieprojekt in der Highschool hatten sie diesen Spitznamen erhalten. Schon damals hatten sie sich perfekt ergänzt, auch wenn am Ende eines der Reagenzgläser explodiert war. Am optimalen Teamwork hatte sich nichts geändert, lediglich ihre Berufe hatten sie meist auf die gegenüberliegenden Seiten...


Stevens, Nica
Nica Stevens (*1976) leitete jahrelang ein Familienunternehmen und war zusätzlich als Dozentin tätig, bis sie nach der Geburt ihres zweiten Sohnes beruflich kürzertrat und durch die gewonnene Zeit zu ihrer Leidenschaft des Geschichtenerzählens zurückfand. Ihr Debüt »Verwandte Seelen« wurde auf Anhieb zum Bestseller. Seitdem lebt Stevens ihren Traum, arbeitet hauptberuflich als Autorin und schafft es immer wieder, mit ihren Büchern restlos zu begeistern.

Suchanek, Andreas
Andreas Suchanek (*1982) verfasste bereits in Jugendjahren seine ersten Geschichten und Romane. Nach dem Studium der Informatik begann er damit, seine Geschichten hauptberuflich zu veröffentlichen. Seinen bisher größten Erfolg hatte Suchanek mit der Urban-Fantasy-Reihe »Das Erbe der Macht«, die mit dem Deutschen Phantastik Preis und dem LovelyBooks Leserpreis ausgezeichnet wurde. Er ist für seine gemeinen Twists bekannt.Mit Nica Stevens verbindet ihn eine enge jahrelange Freundschaft. Als Autorenduo Stevens & Suchanek schreiben sie rasante Thriller.



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