E-Book, Deutsch, Band 11, 224 Seiten
Reihe: Liliane Susewind ab 8
Stewner Liliane Susewind – Ein Eisbär kriegt keine kalten Füße
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7336-0176-8
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 11, 224 Seiten
Reihe: Liliane Susewind ab 8
ISBN: 978-3-7336-0176-8
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tanya Stewner wurde 1974 im Bergischen Land geboren und begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben. Sie studierte Literaturübersetzen, Englisch und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Wuppertal und London und widmet sich inzwischen ganz der Schriftstellerei. Ihre Trilogie über die Elfe »Hummelbi« hat unzählige Fans, und ihre Kinderbuchserie »Liliane Susewind« ist ein Welterfolg, der fürs Kino verfilmt wurde. Die Autorin lebt mit ihrer Familie am Rhein.
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Schnurrdame mit Sonderwunsch
»Wachen Sie sofort auf!«, miaute eine durchdringende Stimme.
Liliane Susewind, genannt Lilli, fuhr aus dem Schlaf hoch. »Was?«
Neben ihr saß eine orange getigerte Katze auf dem Bett – Frau von Schmidt, die wohl vornehmste Schnurrdame der Welt. Lilli verstand ihr Miauen ganz genau, denn Lilli konnte mit Tieren sprechen. »Beenden Sie unverzüglich Ihr Herumgedöse!«, verlangte die Katze. »Ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen!«
Lilli rieb sich die Augen. »Ist was passiert?«
»Nein, keineswegs.«
»Warum wecken Sie mich dann?«
»Das habe ich Ihnen doch gesagt!«, miezte Frau von Schmidt. »Ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen!«
»Ach ja.«
Der Schwanz der Katze schlug ungeduldig auf das Laken.
»Was denn?«, hakte Lilli nach.
»Ich habe einen Plan«, erklärte die Katze mit funkelnden Augen.
»Was für einen Plan?«
»Ein über die Maßen ausgefuchstes Vorhaben!« Frau von Schmidt setzte sich kerzengerade auf. »Es ist derartig imposant, dass es mir selbst den Atem verschlägt!«
Lilli runzelte die Stirn. Was für eine Schnapsidee hatte die Katze jetzt wieder?
Frau von Schmidt warf sich in Pose und eröffnete: »Ich werde mich verlieben!«
Lilli starrte sie an.
»Das ist mein sagenhafter Plan für dieses Frühjahr!«, rief die Katze. »Ich werde eine Romanze erleben! Ist das nicht phänomenal?«
»Äh … ja«, sagte Lilli. »In wen wollen Sie sich denn verlieben?«
»Ach, das ist doch nebensächlich. Es wird sich bestimmt leicht jemand finden, der mir den Hof macht. Immerhin bin ich mit einzigartiger Schönheit, wahnwitzigem Charme und überragender Intelligenz gesegnet.«
Lilli konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Der Gummibaum in der Zimmerecke wuchs daraufhin um mehrere Zentimeter. Das hatte mit Lillis zweiter Besonderheit zu tun: In ihrer Nähe gediehen Pflanzen außergewöhnlich gut, und wenn sie lachte, schoss um sie herum sofort alles in die Höhe oder blühte auf. Der Gummibaum stieß schon beinahe an die Decke und würde – wie es mit allen Zimmerpflanzen im Hause der Susewinds irgendwann geschah – bald in den Garten umgesiedelt werden müssen.
»Es geht ja vor allem darum, dass ich bewundert werde und mich auf sensationelle Weise in ein Techtelmechtel stürze!«, sprach Frau von Schmidt weiter. »Hach, das wird einfach zauberhaft! Meinen Sie nicht auch?«
»Öhm …« Lilli biss sich auf die Zunge, um nicht wieder zu lachen. »Ja klar.«
»Gut, dann stellen Sie doch eine Liste möglicher Kandidaten zusammen«, ordnete die Katze an. »Ich werde die Vorschläge dann prüfen.«
Lillis Augen wurden groß. » soll Ihnen jemanden suchen?«
»Selbstverständlich. Wer denn sonst?«, fragte Frau von Schmidt. »Niemand kennt so viele interessante Herrschaften wie Sie, Madame. In der Fülle Ihrer Bekannten wird sich doch sicherlich jemand befinden, der es wert ist, von mir in Erwägung gezogen zu werden.«
»Ich …«, stammelte Lilli. »Also …«
Die Katze hüpfte vom Bett. »Nach dem Frühstück nennen Sie mir bitte mindestens fünf Anwärter. Bis dahin Adieu.« Damit stolzierte sie davon.
Lilli setzte sich auf die Bettkante und raufte sich die Haare. Wenn sich diese Katze einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, ließ sie sich leider auch nicht wieder davon abbringen.
»Lilli!«, hörte sie ein leises Bellen. »Was hockst du denn so trübe da rum?« Gleich darauf stieß eine Hundenase sie an. Lilli blickte auf und sah in zwei liebe braune Augen.
»Ach, Bonsai …« Sie knuddelte den kleinen weißen Zottelhund, der schon viele Jahre ihr engster Vertrauter war. Auch mit ihm konnte sie ganz normal in Menschensprache reden – er verstand trotzdem jedes Wort. »Es ist nichts Schlimmes. Schmidti hat nur einen neuen Spleen.«
»Was denn für einen?«, wollte Bonsai wissen. »Einen blauen?«
Lilli grinste. »Du weißt nicht, was ein Spleen ist, oder?«
»Nö!«, rief der Hund fröhlich.
»Ein Spleen ist, wenn man sich was Verrücktes in den Kopf gesetzt hat«, erklärte Lilli. »Schmidti will sich verlieben. Und ich soll jemanden für sie suchen.«
»Mach dir keinen Stress!« Bonsai wedelte mit dem Schwanz. »Schmidti kann sich ja in mich verlieben. Ich bin der Hammer!«
Lilli lachte. Gleich darauf stieß die Spitze des Gummibaums an die Decke. Lilli stand auf und betrachtete den Baum. Es war nun wirklich Zeit für ihn, nach draußen zu kommen. Da Lilli täglich im Garten ihre Runde drehte, wuchsen dort noch andere exotische Pflanzen wie er.
»Ich schlage Schmidti gern vor, dass sie sich in dich verlieben soll«, sagte Lilli zu Bonsai.
»Primchen!«, kläffte der Hund zufrieden.
Lilli lächelte und machte sich auf den Weg ins Bad. Als sie kurz darauf ins Erdgeschoss ging und das Esszimmer betrat, saßen ihr Vater, ihre Mutter und ihre Oma bereits am Frühstückstisch.
»Guten Morgen, Schatz!«, rief ihr Vater, der Ferdinand Susewind hieß.
»Morgen«, antwortete Lilli und setzte sich zu ihnen, während ihr Vater eine leere Müslischale über den Tisch auf sie zusausen ließ.
Lillis Mutter, Regina Susewind, schaute hinter ihrer Zeitung hervor und warf ihrem Mann einen strafenden Blick zu. »Keine Frühstücksgeschosse!«
»Nee, stimmt«, sagte Lillis Vater, zwinkerte Lilli aber zu. Dann stutzte er. »Was ist los? Du siehst total nachdenklich aus!«
»Bin ich auch.« Lilli warf einen Seitenblick auf Frau von Schmidt, die sich auf dem Sofa zusammengerollt hatte. Dann erzählte sie ihren Eltern und Oma vom neuesten Einfall der Katze.
»Sag ihnen auch, dass wir die Sache schon geklärt haben!«, bellte Bonsai, der neben Lillis Stuhl saß. »Schmidti verknallt sich in mich!«
Lilli übersetzte. Daraufhin fuhr die Katze in die Höhe. »Natürlich kommen bekannte Bekannte nicht in Frage!«, meckerte sie und lief schnell zu ihnen herüber. »Herr von Bonsai verehrt mich ja sowieso. Ich möchte aber einen neuen furiosen Bewunderer, der mir schmachtend zu Füßen liegt!«
»Was miezt sie denn?«, erkundigte sich Bonsai. Katzisch und Hundisch waren ganz unterschiedliche Sprachen, und deshalb musste Lilli immer zwischen den beiden vermitteln. Vorsichtig übersetzte sie, was Frau von Schmidt gesagt hatte.
Bonsai schnaufte laut. »Kein Ding! Wenn Schmidti unbedingt will, dass ich schmatzend bei ihren Füßen rumliege, kann ich das machen.« Er ließ sich vor der Katze fallen und schmatzte laut.
Frau von Schmidt beachtete ihn jedoch nicht weiter und sprang auf den Tisch.
Lillis Mutter, die das gar nicht mochte, schien etwas sagen zu wollen, aber Oma Susewind stieß sie mit dem Ellbogen an. »Was schwebt der Katze denn vor?«, erkundigte sich Oma bei ihrer Enkelin.
Lilli fragte Frau von Schmidt.
»Oh, mir schwebt ein wahrer Prinz der Unwiderstehlichkeit vor!«, säuselte die Katze. »Stattlich soll er sein, gewitzt, mit Manieren so poliert wie meine Krallen, nachdem ich sie abends am Kratzbaum geschärft habe.« Sie seufzte und schien tief bewegt von ihrer Beschreibung. »Wen haben Sie da vorzuschlagen, Madame? Bitte nennen Sie mir nun die Kandidaten.«
Rasch ging Lilli im Kopf alle Kater der Gegend durch. »Also, da wäre Smartin aus der Glockengasse, dann Karl Friedrich von Familie Krüpfkorn-Käsbeck. Außerdem gibt es noch Sylvester und Polyester von hinter dem Park und …« Lilli dachte nach. »Und natürlich Sir Smoky von Pong. Außerdem … wie heißt er noch? Bonsai?«
»Ja?«, schmatzte Bonsai.
»Wie heißt noch mal der Kater aus dem gelben Haus, den du immer Puschel-Heini nennst?«
»Oh, Sie meinen den plüschigen Mortimer?«, fiel die Katze ein.
»Genau!«
»Der? Ach nein.« Unzufrieden fuhr sich Frau von Schmidt über die Schnurrhaare. »Diese Leute kenne ich ja alle schon! Ich will aber frischen Wind! Außerdem ordentlich Aufregung und viel Brimborium!« Sie leckte sich die Pfote. Dann hob sie abrupt den Kopf, als hätte sie eine Idee. »Ha! Wer sagt denn, dass mein Verehrer unbedingt ein Schnurrherr sein muss?« Ihre Augen blitzten auf. »O ja, natürlich!« Begeistert schaute sie Lilli an. »Da Sie ja für mich und den Bewerber dolmetschen werden, könnte ich mich herablassen, meinen Horizont zu erweitern und mich auf ganz neue Gefilde einzulassen.«
»Sie meinen, es muss kein Kater sein?«, wunderte sich Lilli.
» bin ja auch kein Kater«, warf Bonsai schmatzend ein.
»In der Tat!« Frau von Schmidt schien zu grübeln. »Womöglich könnte ich mit einer dieser Mampf-Herrschaften anbändeln …«
»Mit einer Kuh?«, rief Lilli verdutzt.
»Oder mit einem dieser einbeinigen Geflügelherren …«
»Einem Flamingo?«
»Die sind farblich wirklich über die Maßen eindrucksvoll«, überlegte Frau von Schmidt laut. »Aber sind sie auch geistreich und romantisch veranlagt?«
Lilli hob die Brauen. Das hatte sie sich noch nie gefragt.
»Wissen Sie was?« Die Katze sprang vom Tisch. »Wir begeben uns auf der Stelle in den Zoo! Dort gibt es gewiss die spritzigsten Exemplare möglicher Verehrer für mich.« Aufgeregt tippelte sie zur Zimmertür. »Kommen Sie! Alle werden sich um mich reißen!«
In diesem Moment betrat Jesahja den Raum. Jesahja Sturmwagner war Lillis bester Freund. Seit ein paar Wochen wohnte er bei ihnen, da seine Eltern für längere Zeit geschäftlich in Brasilien waren. »Morgen«, sagte er freundlich und setzte sich an den Frühstückstisch. Er war frisch geduscht, seine schwarzen Locken glänzten noch feucht, und er sah wie immer umwerfend aus.
Lillis Vater, Lillis Mutter und Oma sagten...




