Stiller | Mörderisches Somerset - Schatten über Glastonbury | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 208 Seiten

Reihe: Somerset-Cosy-Krimi

Stiller Mörderisches Somerset - Schatten über Glastonbury


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8436-8
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 9, 208 Seiten

Reihe: Somerset-Cosy-Krimi

ISBN: 978-3-7517-8436-8
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Fund eines alten Fotos in den Unterlagen ihrer Tante Sheila deckt ein lang gehütetes Familiengeheimnis auf, das Junes Leben auf den Kopf stellt. Warum haben ihre Eltern ihr die Umstände ihrer Geburt verschwiegen und sie belogen? Gemeinsam mit ihren Freunden Pomona und Rufus macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Ein zerknickter Flyer vom Glastonbury Festival 1984 führt die drei zu einer legendären Rockband und einem Mann, der möglicherweise Junes Vater ist. Doch ihr erstes Zusammentreffen nimmt einen unerwarteten Verlauf: Ein Journalist, der an einem Buch über ihn arbeitete, wird ermordet. Sollte er zum Schweigen gebracht werden? Und wenn ja, von wem? Was geschah vor fünfunddreißig Jahren wirklich und was hat Junes vermeintlicher Vater damit zu tun? June, Pomona und Rufus ermitteln auf eigene Faust und kommen dabei einem gefährlichen dunklen Geheimnis auf die Spur.

Über die Serie: Traumhafte Gärten, eine wunderschöne Landschaft und mystische Orte - dafür steht die Grafschaft Somerset. Als die junge Londonerin June das Cottage und den Buchladen ihrer Tante erbt, beschließt sie, dort neu anzufangen. Doch auch in der südenglischen Idylle gibt es dunkle Schatten und Verbrechen ... Wie gut, dass ihr die quirlige Pomona mit ihrem Hang zu Tarot und Esoterik und der sympathische Antiquar Mr. Whalley bei ihren Ermittlungen zur Seite stehen. Und dann gibt es da den attraktiven Detective Sergeant Sean Darcy, der bei der Verbrecherjagd auch noch ein Wörtchen mitzureden hat ...

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!



Geboren in den wilden Siebzigern in Westfalen, entdeckte Dorothea Stiller schon früh ihre Liebe zum geschriebenen Wort. Ihre Liebe zu Großbritannien ist in ihrer erfolgreichen Krimiserie »Mörderisches Somerset« auf jeder Seite spürbar. Das liebenswert-unkonventionelle Ermittlertrio um die verkopfte und nüchterne Buchhändlerin June, der flippigen Esoterikliebhaberin Pomona und dem klugen und loyalen Antiquar Whalley erlebt in der Heimat von König Artus und dem Musikfestival Glastonbury spannende Abenteuer, die stets mit einer Prise Humor gewürzt sind. Heute lebt die Autorin mit Mann, zwei Kindern und Kater Findus am Rande des Ruhrgebiets und arbeitet als freie Übersetzerin, Lektorin und Schreibcoach.

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Prolog


Glastonbury, September 1987

Vorsichtig schließt Sheila die knarzende Tür zu ihrem WG-Zimmer. »Sie schläft jetzt. Hat ne Weile gedauert.«

Rosemary verharrt wie gelähmt in dem winzigen Flur mit dem schmutzigen Teppich und der vergilbten Tapete. Der penetrante Geruch von Patschuli und Räucherstäbchen kann die muffige Mischung aus kaltem Zigarettenrauch und feuchten Wänden nicht überdecken. Noch immer trägt sie den regenfeuchten Wollmantel über dem Arm. Wortlos nimmt Sheila ihn ihr ab und geht voraus in die Wohnküche. Dort wirft sie den Mantel auf das fadenscheinige Sofa in der Ecke. Rosemary runzelt die Stirn und blickt sich skeptisch um.

»Ja, los, sag schon!« Sheila greift sich die zerknickte Packung Embassy No. 1 vom Tisch, fischt eine Zigarette heraus und zündet sie an. »Reden wir darüber, wie perfekt dein Leben ist und wie ich es mal wieder verbockt habe.«

Sie zieht zweimal, verzieht das Gesicht, löscht die Kippe in der überquellenden Spüle und wirft sie in eine zerdrückte Cider-Dose.

»Nein, Sheila.« Rosemary schiebt das halbvolle Marmite-Glas und den Teller mit der angegessenen Banane beiseite und setzt sich an den Küchentisch. »Lass uns lieber darüber reden, dass Juniper heute hätte sterben können. Das hier ist doch kein Wettbewerb! Es geht einzig und allein um deine Tochter.«

Sheila nickt stumm, presst die Lippen aufeinander. »Ich weiß. Danke, dass … dass du sie ins Krankenhaus gefahren hast. Ich mach uns nen Tee.«

Sheila räumt die schmutzigen Tassen, Gläser und Teller auf die Abtropffläche, nimmt den Wasserkocher und füllt ihn. »Verdammt, alles steht voll. Jules ist mit dem Abwasch dran«, flucht sie leise, klaubt zwei Tassen aus dem Berg und spült sie ab. »Aber der ist einfach zur Bandprobe abgehauen.«

»Hat June noch einmal gespuckt?«, fragt Rosemary. Ihr Blick fällt auf das grüne Rizla-Päckchen mit dem abgerissenen Deckel. Sie atmet tief durch.

»Nein. Sie war vollkommen erschöpft. Hat noch ein bisschen geweint und ist dann eingeschlafen. Wie ein Stein.«

Sheila fischt zwei Teebeutel aus einer Packung auf dem Regal und lässt sie in die Tassen fallen, dann gießt sie Wasser hinein und öffnet die Kühlschranktür. »Milch ist aus.« Sie zuckt die Achseln, trägt die Tassen zum Tisch, lässt sich in den verschlissenen Sitzsack fallen und zieht die Beine an. Unter dem Tisch liegen ein leerer Joghurtbecher und ein Wachsmalstift. Rosemary schiebt beides mit dem Fuß beiseite.

»Es war ein verdammter Unfall, Romilly!«, presst Sheila hervor. »Ich hab einfach nicht mitgekriegt, dass sie schon wach war.«

»Und der Becher stand hier in der Küche?« Rosemary macht eine vage Handgeste.

»Jules, Roseanne und ich hatten gestern ein paar Leute da. Nichts Wildes.« Sheila pustet sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Ich hab nicht viel getrunken. Ehrlich! Wir haben nur ein bisschen was geraucht. Ich hab das im Griff.«

»Hast du das?« Rosemary zieht die Augenbrauen hoch. Grimmig schiebt Sheila den Unterkiefer vor und verschränkt die Arme vor der Brust.

»Ja, habe ich!« Sie funkelt ihre Schwester trotzig an. »Wir wollten heute Morgen aufräumen, gestern waren wir zu müde. Ich konnte doch nicht ahnen, dass June … Die Gläser standen halt noch auf dem Tisch. Muss irgend so ein süßes Zeug gewesen sein. Snakebite and Black oder so. Wahrscheinlich dachte sie, es ist Ribena. Das ist ihr Lieblingssaft.«

»Komm schon, Sheila.« Rosemary sieht sich in der Küche um. »Mir geht es nicht darum, dir Vorwürfe zu machen. Ich weiß, du liebst sie, und das war alles nicht leicht. Aber das geht so nicht weiter! Das ist nicht der richtige Ort, um ein Kind großzuziehen. Chaos, Alkohol, der offen rumsteht, keiner, der mitdenkt und aufpasst. Außerdem habe ich das Gefühl, dass du gerade dabei bist, wieder …« Mit dem Kopf deutet sie auf die Blättchen.

»Nur ein bisschen Weed, Romilly! Ich hab das im Griff, ehrlich! Und ich hab das Glas nicht stehen lassen. Das war nicht meins … ich …« Sheilas Stimme zittert, sie bricht ab. »Wenn du nicht gerade bei Mum und Dad gewesen wärst, hätte ich sofort den Notarzt gerufen. Ich hab das doch richtig gemacht. Ich bin doch keine schlechte Mutter! Ich …«

Rosemary schweigt, steht auf und geht vor ihrer Schwester in die Hocke. Sie legt ihr die Hände auf die Schultern. Es ist eigenartig. Als ob sie in einen Zerrspiegel schaut. Ihre Schwester, die ihr bis aufs Haar gleicht … und doch unterschiedlicher nicht sein könnte. »Nein, Sheila. Du bist keine schlechte Mutter. Aber das heute … Das hätte auch schiefgehen können. Das weißt du. Warum zieht ihr nicht lieber zu Mum und Dad, du und June?«

»Und dann in diesem Haus sitzen, wo jeder meiner Schritte kontrolliert würde?« Sheila zieht die Stirn kraus und schüttelt den Kopf. »Außerdem schämen sie sich doch für mich, weil ich mich ohne einen passenden Vorzeigemann hab schwängern lassen. Was sollen sie denn dann den Nachbarn sagen? Ist ihnen doch ganz recht, dass ich nach Bristol gegangen bin und keiner was mitbekommen hat.«

»Sei nicht ungerecht«, widerspricht Rosemary. »Natürlich war es für sie erst einmal schwierig, sie stammen eben noch aus einer anderen Generation. Aber Mum und Dad lieben dich sehr, und die kleine June sowieso.«

»Du weißt, das würde nur wieder Krach geben. Ich habe es doch schon lange nicht mehr zu Hause ausgehalten.« Sheila schüttelt den Kopf.

»Sie machen sich halt Sorgen um dich.«

»Eben. Ich kann mir vorstellen, wie das zu Hause gehen würde: ›Wo willst du hin?‹ – ›Wen hast du getroffen?‹ – ›Hast du schon was gegessen?‹ – ›Hast du die Kleine schon hingelegt?‹ – ›Wie geht es dir?‹. Und ja, ich weiß, sie meinen es gut. Aber das würde alles nur schlimmer machen. Ich käme mir vor, als wäre ich zwölf. Und jeden Tag würde ich spüren, was ich für eine verfluchte Versagerin bin.«

»Unsinn, Sheila!« Rosemary streicht ihr über die Oberarme. »Du bist keine Versagerin, du hast nur … du bist noch mit deinen inneren Dämonen beschäftigt. Und so ein Kind – das ist eine große Belastung. So viel Verantwortung – und man ist ständig fremdbestimmt. Du wärst nicht die Erste, die erschöpft und überfordert ist. Lass dir bitte helfen, ja?«

»Aber ich kann nicht nach Hause, Romilly. Ich halte das nicht aus.« Sheila kaut auf ihrem Daumennagel. »Was, wenn die vom Krankenhaus die Behörden benachrichtigen? Meinst du, sie nehmen mir June weg?«

Rosemary richtet sich langsam auf, setzt sich wieder an den Tisch. »Möglich, ich weiß es nicht. Was ist denn mit dem Vater? Wäre das keine Option? Ich meine …«

»Nein!«, stößt Sheila entschlossen hervor. »Das haben wir doch schon durch. Kommt nicht in Frage! Da besteht kein Kontakt, und das ist auch gut so.«

»Willst du mir denn nicht wenigstens endlich verraten …«

Mit einem grimmigen Kopfschütteln fällt Sheila ihr ins Wort. »Glaub mir, Rom, ich habe meine Gründe.«

»Okay, okay.« Rosemary hebt beschwichtigend die Hände. »War nur so ein Gedanke.«

»Du wärst ne fantastische Mutter, weißt du das?« Sheila betrachtet ihre Schwester lächelnd. »Das mit Frank ist ne richtig ernste Sache, oder? Könntest du dir vorstellen, mit ihm …? Ich meine nur.«

Rosemary lächelt. »Schon, ja. Er ist definitiv der Richtige. Aber … meine Frauenärztin hat mir wenig Hoffnung gemacht. Frank und ich haben schon darüber gesprochen. Er war ein bisschen enttäuscht, aber sehr verständnisvoll. ›Zur Not adoptieren wir eben‹, hat er gesagt.«

»Scheiße, tut mir leid. Ich wollte nicht … Das war unsensibel.« Sheila stemmt sich aus dem Sitzsack und angelt sich die Teetasse vom Tisch. »Das wusste ich überhaupt nicht. Siehst du? Ich kriege nichts mit. Du hättest das gewusst, wenn ich Probleme hätte, schwanger zu werden.«

»Hör auf, dich fertig zu machen, ja?« Rosemary nimmt ebenfalls einen Schluck Tee. »Damit ist doch niemandem geholfen. Willst du es nicht wenigstens noch einmal bei Mum und Dad versuchen? Da warst du stabiler.«

»Stabil. Ja. Wie unter Glas.« Sheila pustet in ihre Tasse. »Immer unter Beobachtung. Und klar, ich weiß. Sie machen sich nur Sorgen um mich. Sie meinen es gut. Du, Mum, Dad. Weißt du, manchmal habe ich Angst, dass ich kaputt bin, Rom. Richtig kaputt. Mal geht’s, dann wieder gar nicht. Wie bei so ner Marionette, wenn man die Schnüre durchschneidet. Mal fühl ich mich wie Wonder Woman, Energie für zehn. Und dann, zwei Wochen später, kann ich kaum aufstehen. Da hilft kein Tee und keine verdammte Therapiegruppe im Gemeindehaus.«

»Ich glaube, das ist mehr als nur ein bisschen Überforderung. Du solltest dir Hilfe suchen. Richtig professionelle, meine ich.« Rosemary sieht sie ernst an.

»Aber wie? Mit dem Kind und all dem?« Sheila sieht auf, mustert Rosemary. »Und was, wenn du und Frank euch …« Es fällt ihr sichtlich schwer, es auszusprechen, aber das braucht sie auch gar nicht, denn Rosemary versteht sofort, was ihre Schwester sagen möchte. »Ich meine nur, bis ich mein Leben auf die Reihe gekriegt habe.«

»Um ehrlich zu sein, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich wollte es nicht vorschlagen, weil …« Rosemary zuckt mit den Schultern.

»Schon gut, ich weiß.« Sheila lächelt schwach, presst die Lippen zusammen. In ihren Augen schimmern Tränen. »Sie hätte es gut bei euch. Ne super Wohnung in Camden, eine tolle Kita gleich um die Ecke. Frank hat einen...


Stiller, Dorothea
Geboren in den wilden Siebzigern in Westfalen, entdeckte Dorothea Stiller schon früh ihre Liebe zum geschriebenen Wort. Ihre Liebe zu Großbritannien ist in ihrer erfolgreichen Krimiserie »Mörderisches Somerset« auf jeder Seite spürbar. Das liebenswert-unkonventionelle Ermittlertrio um die verkopfte und nüchterne Buchhändlerin June, der flippigen Esoterikliebhaberin Pomona und dem klugen und loyalen Antiquar Whalley erlebt in der Heimat von König Artus und dem Musikfestival Glastonbury spannende Abenteuer, die stets mit einer Prise Humor gewürzt sind. Heute lebt die Autorin mit Mann, zwei Kindern und Kater Findus am Rande des Ruhrgebiets und arbeitet als freie Übersetzerin, Lektorin und Schreibcoach.



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