E-Book, Deutsch, Band 20, 176 Seiten
Reihe: Fear Street
Stine Fear Street 20 - Blutiger Kuss
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7320-0849-0
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Buchvorlage zur Horrorfilmreihe auf Netflix
E-Book, Deutsch, Band 20, 176 Seiten
Reihe: Fear Street
ISBN: 978-3-7320-0849-0
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Robert Lawrence Stine wurde am 8. Oktober 1943 in Columbus, Ohio in den USA geboren. Nach der Schulzeit schrieb er sich an der Ohio State Universität ein, die er mit dem Abschluss eines Bachelor of Art (BA) verließ. Danach arbeitete er als Lehrer, bevor er anfing, Bücher zu schreiben. Zehn Jahre war er auch Herausgeber von 'Bananas', einer humoristischen Zeitschrift für junge Leute in den USA. Daneben ist er bis heute Drehbuchschreiber für eine TV-Show für Kinder namens 'Eureeka's Castle'. In seiner Freizeit geht er gerne schwimmen und sieht sich alte Filme an. Heute lebt er mit seiner Frau Jane und Sohn Matthew unweit des Central Parks in New York. Stine hat über 100 Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht, die lustig, voller Abenteuer und Geheimnisse sind. Er findet es toll, für junge Leute zu schreiben, weil er Rückmeldungen von ihnen bekommt. So erinnert er sich an einen Brief von einem Jungen, der - während er eines von Stines Büchern las - so laut gelacht hatte, dass seine Eltern ins Zimmer stürzten, um zu sehen, was geschehen sei. Das mache ihn stolz, antwortete Stine dem Jungen. Später hat er sich mehr auf Thriller für Kinder und Jugendliche konzentriert und ist damit sehr erfolgreich. Inzwischen hat er mehr als 90 Millionen Bücher verkauft. Und dennoch ist es so, dass viele Erwachsene ihn nicht kennen. - 1995 hat er sein erstes Buch für Erwachsene geschrieben: Natürlich wieder eine Horror-Story. R. L. Stine schreibt auch unter den Pseudonymen: Eric Affabee, Zachary Blue, Jovial Bob Stine.
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1
Jessicas Sandalen klapperten auf den Holzplanken des Bürgersteigs, als sie an den kleinen Läden und Restaurants vorbeieilte. Vor dem Strandkaufhaus, dem größten Klamottenladen von Sandy Hollow, blieb sie stehen und warf einen Blick ins Schaufenster.
Auf einem handgeschriebenen Schild war zu lesen: Bikinis nur zur Hälfte.
Jessica gluckste in sich hinein. Sollte das ein Witz sein? Gab es jeweils nur ein Unter- oder ein Oberteil zu kaufen?
Jessica ließ ihren Blick über die Badeanzüge im Fenster wandern.
Die Sonne war inzwischen hinter den niedrigen, schindelgedeckten Häusern entlang der Hauptstraße verschwunden. Aus der Pizzeria auf der anderen Straßenseite drangen laute Stimmen und Gelächter.
„Wie aufregend!“ dachte Jessica. „Endlich ist wieder Sommer! Eine neue Saison. Neue Leute.“
Sie strich ihr kupferfarbenes Haar zurück, das sich leuchtend von ihrem schwarzen Baumwollpulli abhob, und öffnete die Tür.
Sie ging an den Badeanzügen und Pareos vorbei zu einem Ständer mit bunten Sommerröcken, Oberteilen und leichten Kleidern. Ich brauche etwas, das sexy, aber nicht zu auffällig ist, überlegte Jessica und zog einen Rock mit rot-gelbem Blumendruck und passendem Top heraus, den sie sofort wieder zurückhängte.
Bevor sie weitersuchen konnte, hörte sie Schritte auf dem Holzboden und eine Stimme hinter ihr begrüßte sie mit einem munteren „Hallo!“ Als Jessica sich umdrehte, war sie verblüfft, Lucy Franks zu sehen, ein Mädchen aus der Stadt, das sie schon seit Jahren kannte.
Sie begrüßten sich. „Arbeitest du hier?“, fragte Jessica, deren Blick zurück zum Kleiderständer wanderte.
„Ja, aber nur abends“, antwortete Lucy strahlend. „Die Stadt füllt sich langsam. Bin ich froh!“
„Ich auch“, sagte Jessica und hielt ein braunes Top hoch.
„Nicht deine Farbe“, sagte Lucy hilfsbereit. Dann fügte sie hinzu: „Dein Haar sieht super aus. Meins ist die reinste Katastrophe. Wegen der Feuchtigkeit habe ich ständig diese blöden Löckchen.“
„Aber die feuchte Luft ist gut für die Haut“, erwiderte Jessica, hängte das braune Top zurück und fuhr mit der Hand über den Kleiderständer. Jessicas Haut war makellos glatt und cremeweiß und bildete einen reizvollen Kontrast zu ihren dunkelbraunen Augen und den vollen roten Lippen. Die langen rötlichen Haare, die ihre hohen Wangenknochen umrahmten, verliehen Jessica etwas Dramatisches und ließen sie fast wie eine Filmschauspielerin aussehen.
„Es ist cool, dass endlich wieder Leben in die Stadt kommt“, sagte Lucy, während sie einen Stapel mit T-Shirts in Übergröße zusammenlegte. „Sandy Hollow ist so öde im Winter!“
„Stimmt, es ist fast, als würde man irgendwo in der Antarktis leben“, bestätigte Jessica.
„Und was hast du diesen Sommer vor?“, fragte Lucy.
„Wahrscheinlich einfach ein bisschen chillen“, erwiderte Jessica. „Was hältst du von diesem Teil?“ Sie griff nach einem kurzen blauen Sommerkleid, bei dem die Träger im Nacken gebunden wurden.
„Wonach suchst du denn?“, erkundigte sich Lucy und kam zu Jessica hinüber. „Eher was Schickeres?“
„Nein, bloß nicht zu elegant“, sagte Jessica und hielt nachdenklich das Kleid hoch. „Ich habe morgen Abend ein Blind Date.“
Lucy kicherte. „Ein Blind Date? Wow! So was gibt’s also noch?“
Jessicas dunkle Augen leuchteten auf. „Ich bin mehr oder weniger dazu überredet worden. Die Freundin einer Freundin meinte, da wäre dieser nette Typ und …“
„Wie heißt er?“, wollte Lucy wissen. „Kenne ich ihn vielleicht?“
„Gabriel Martins“, antwortete Jessica. „Aber alle nennen ihn nur Gabri.“
Lucy schüttelte den Kopf. „Noch nie gehört.“ Sie nahm Jessica das dunkelblaue Kleid aus der Hand und betrachtete es. „Probier’s mal an. Es wird dir wahrscheinlich super stehen, bei deiner Größe und mit deinen schönen, langen Beinen. Du siehst echt aus wie ein Model.“
Jessica lachte. „Hey, Lucy, du weißt aber, wie man den Umsatz steigert.“
Lucy wurde rot. „Nein. Ich mein’s ernst, Jessica, wirklich.“ Sie gab ihr das Kleid zurück und Jessica ging in die Umkleidekabine, um es anzuprobieren. Es passte perfekt.
„Hier draußen ist ein Spiegel, wenn du einen brauchst“, rief Lucy zu ihr herein.
„Nicht nötig. Es sitzt optimal“, erwiderte Jessica.
Nachdem sie das Kleid gekauft hatte, trat sie hinaus auf die Hauptstraße. „Endlich wieder Sommer!“, dachte Jessica glücklich, als sie nach erfolgreicher Mission die Straße überquerte und sich auf den Heimweg machte.
Gabri Martins war hochgewachsen und sehr schlank, mit einem blassen, schmalen Gesicht. Seine glatten schwarzen Haare trug er aus der Stirn gestrichen. Er hatte dunkle Augen und ein breites, freundliches Lächeln, das nicht so recht zu seinem ernsten Gesicht zu passen schien.
„Mann, sieht der gut aus“, dachte Jessica, als Gabri ihr in schwarzen Jeans und einem blassblauen T-Shirt vor dem einzigen Kino im Ort entgegenkam.
Jessica war als Erste beim Kino gewesen. Sie fühlte sich unsicher und wusste nicht, wie sie ihn überhaupt erkennen sollte. Während die Schlange der lachenden, plappernden Sommergäste ins Gebäude strömte, hatte Jessica unter dem Vordach gewartet und nervös an ihrem neuen Kleid herumgezupft. Warum hatte sie sich bloß zu einem Blind Date überreden lassen?
Nach einer Weile stellte sie fest, dass sie die Einzige war, die noch wartete. Der Film hat bestimmt schon angefangen, dachte sie mit einem Blick auf die große Uhr vor dem Supermarkt. Gabri taucht bestimmt nicht mehr auf.
Doch dann stand er plötzlich vor ihr, warf ihr sein offenes, freundliches Lächeln zu und alle Nervosität schmolz dahin. „Entschuldige, ich bin ein bisschen spät dran“, sagte er, nahm ihren Arm und führte sie nach drinnen.
Im Kino war es warm und dunkel. Jessica stolperte im Gang, weil ihre Augen sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Gabri konnte sie gerade noch festhalten, bevor sie hinfiel.
„Na, super, Jessica!“, schimpfte sie im Stillen. „So hinterlässt man einen bleibenden Eindruck. Was bist du nur für eine tollpatschige Kuh!“
Sie setzten sich in eine der vorderen Reihen. Jessica ertappte sich dabei, dass sie alle paar Sekunden zu ihrem Begleiter hinüberschaute. Sie war viel zu abgelenkt, um sich auf den Film konzentrieren zu können. Gabris Augen schienen im flackernden Licht der Kinoleinwand zu glühen. Obwohl es sich um eine Komödie handelte, sah er mit unbewegter Miene zu.
Ungefähr nach der Hälfte der Vorstellung beugte er sich zu ihr herüber und flüsterte: „Gefällt dir der Film?“
„Nicht besonders“, antwortete sie ehrlich.
„Dann lass uns gehen“, sagte er und lächelte sie auffordernd an.
Wenig später standen sie vor dem Kino. Die Luft roch frisch und salzig. Schmale Wolkenfetzen huschten über den Vollmond.
Swanny’s, eine Eisdiele gleich neben dem Kino, war bis obenhin voll mit Teenagern. Draußen hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet.
„Sollen wir uns etwas holen?“, fragte Gabri und zeigte auf die Schlange.
Jessica schüttelte den Kopf. „Nein, nur wenn du etwas möchtest.“
„Warum gehen wir nicht einfach an den Strand?“, schlug er vor. „Dort ist es ruhiger und wir können reden.“ Seine dunklen Augen hielten ihren Blick gefangen. Fast kam es ihr vor, als hätte er sie hypnotisiert.
„Äh, ja … warum nicht?“, brachte sie schließlich heraus und musste sich zwingen wegzuschauen.
„Er muss mich für einen schüchternen Trampel halten“, dachte Jessica bedrückt. „Dabei bin ich normalerweise so selbstbewusst. Warum fühle ich mich in seiner Gegenwart bloß so unbeholfen und unsicher?“
Sie gingen die Dune Lane entlang, die sich von der Stadt durch die hohen, grasbewachsenen Dünen bis zum Strand schlängelte. Es war nur ein kurzer Spaziergang, ungefähr zehn Minuten. Der tiefstehende, helle Mond schien sich mit ihnen zu bewegen und ihnen den Weg zu weisen.
Nachdem sie die Düne hinuntergerutscht waren, zogen sie ihre Schuhe aus. Der weiche Sand fühlte sich feucht und kühl unter Jessicas Füßen an. Sie genoss dieses Gefühl, die frische, salzige Luft und das weiße Licht des Mondes. Und vor allem genoss sie es, dies alles mit jemandem zu teilen.
Jessica holte tief Luft und schloss die Augen. „Es riecht so gut“, sagte sie glücklich und schlang die Arme um ihren Oberkörper, als wollte sie sich selbst umarmen.
„Ist dir kalt?“, fragte Gabri. Seine Stimme klang besorgt.
Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie, dass er sie anstarrte. „Dein Kleid ist toll“, sagte er. „Ich dachte nur, dass du vielleicht darin frierst. Also, ich …“
Jessica schüttelte den Kopf. „Weißt du, was ich jetzt am liebsten tun würde? Rennen!“
Bevor er antworten konnte, war sie schon losgeflitzt. Ihre nackten Füße wirbelten den nassen Sand auf, das Donnern der Wellen brauste in ihren Ohren und die Meeresbrise wehte ihr das kupferfarbene Haar aus dem Gesicht.
Es dauerte eine Weile, bis sie merkte, dass Gabri direkt neben ihr war und mit ihr Schritt hielt. Er flog genauso mühelos über den Sand wie sie. Seine dunklen Augen suchten ihre, während er die Arme seitlich ausstreckte, als wollte er im nächsten Moment abheben.
Jessica wandte sich vom Wasser ab und lief nun durch den tieferen Sand. Gabri folgte ihr grinsend, mal einen Schritt vorneweg, mal einen Schritt hinterher, aber immer an ihrer Seite.
Schließlich ließen sich die beiden in eine Düne fallen. Wie kleine Kinder kullerten sie lachend durch den Sand und das...




