E-Book, Deutsch, Band 4, 176 Seiten
Reihe: Fear Street
Stine Fear Street 4 - Ohne jede Spur
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7320-0875-9
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Buchvorlage zur Horrorfilmreihe auf Netflix
E-Book, Deutsch, Band 4, 176 Seiten
Reihe: Fear Street
ISBN: 978-3-7320-0875-9
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Robert Lawrence Stine wurde am 8. Oktober 1943 in Columbus, Ohio in den USA geboren. Nach der Schulzeit schrieb er sich an der Ohio State Universität ein, die er mit dem Abschluss eines Bachelor of Art (BA) verließ. Danach arbeitete er als Lehrer, bevor er anfing, Bücher zu schreiben. Zehn Jahre war er auch Herausgeber von 'Bananas', einer humoristischen Zeitschrift für junge Leute in den USA. Daneben ist er bis heute Drehbuchschreiber für eine TV-Show für Kinder namens 'Eureeka's Castle'. In seiner Freizeit geht er gerne schwimmen und sieht sich alte Filme an. Heute lebt er mit seiner Frau Jane und Sohn Matthew unweit des Central Parks in New York. Stine hat über 100 Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht, die lustig, voller Abenteuer und Geheimnisse sind. Er findet es toll, für junge Leute zu schreiben, weil er Rückmeldungen von ihnen bekommt. So erinnert er sich an einen Brief von einem Jungen, der - während er eines von Stines Büchern las - so laut gelacht hatte, dass seine Eltern ins Zimmer stürzten, um zu sehen, was geschehen sei. Das mache ihn stolz, antwortete Stine dem Jungen. Später hat er sich mehr auf Thriller für Kinder und Jugendliche konzentriert und ist damit sehr erfolgreich. Inzwischen hat er mehr als 90 Millionen Bücher verkauft. Und dennoch ist es so, dass viele Erwachsene ihn nicht kennen. - 1995 hat er sein erstes Buch für Erwachsene geschrieben: Natürlich wieder eine Horror-Story. R. L. Stine schreibt auch unter den Pseudonymen: Eric Affabee, Zachary Blue, Jovial Bob Stine.
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1
Als Mom und Dad die erste Nacht nicht nach Hause kamen, haben wir uns zuerst nicht besonders darüber aufgeregt. Bei uns lief nämlich eine Riesenparty.
Eigentlich war das gar nicht geplant. Wir fühlten uns ein bisschen einsam, und deshalb lud Mark Gena ein. Dann rief ich Lisa und Shannon an, meine beiden neuen Schulfreundinnen. Die luden noch ein paar andere Leute ein, und bevor wir richtig wussten, was los war, feierten plötzlich ungefähr zwanzig Leute in unserem Wohnzimmer, das Mark und mir immer noch so neu und ungemütlich vorkam.
Wir waren erst vor zwei Monaten hier eingezogen – Anfang September –, um rechtzeitig mit Beginn des Schuljahres an der Shadyside Highschool anfangen zu können. Und obwohl dieses Haus zweimal so groß war wie unser altes in Brooklines, war es viel älter und wirkte heruntergekommener.
Die Leute, die wir an der Highschool kennenlernten, verhielten sich immer ganz merkwürdig, wenn wir ihnen sagten, dass wir in der Fear Street wohnten. Sie fingen sofort an, uns Geschichten über furchtbare Dinge zu erzählen, die in unserer Straße und den dichten Wäldern dahinter passiert waren. Geschichten über unheimliche Gestalten, über Menschen, die einfach verschwanden und nie wieder auftauchten, über Geister und lauter solche Sachen.
Ich bin sicher, dass Mark diese Schauergeschichten für wahr hält. Er glaubt nämlich immer alles, was man ihm erzählt. Obwohl mein Bruder ein Jahr älter ist als ich, bin ich längst nicht so gutgläubig wie er und viel zynischer.
Mark ist ein richtig netter Kerl. Offen und geradlinig – und so sieht er auch aus. Mit seinen breiten Schultern, dem kräftigen Hals, den blond gelockten Haaren und den tiefgrünen Augen wirkt er ein bisschen wie ein Bodybuilder. Aber sein Aussehen täuscht – er ist nicht blöd oder naiv, er hat einfach Vertrauen zu anderen Menschen. Er zieht die Leute nie auf, und ich glaube, er merkt es nicht mal, wenn er selber auf den Arm genommen wird.
Mark schließt ganz leicht neue Freundschaften, weil ihn alle auf Anhieb sympathisch finden. Bei mir ist es da schon schwieriger. Wahrscheinlich schreckt mein etwas schräger Sinn für Humor einige Leute erst mal ab. Deswegen waren die meisten unserer Partygäste auch neue Freunde von Mark, die er in der kurzen Zeit kennengelernt hatte.
Ich hatte einen ganz guten Draht zu Lisa und Shannon, mit denen ich in eine Klasse ging, aber so richtig dick befreundet waren wir bis jetzt nicht. Außerdem war mir noch kein Junge über den Weg gelaufen, der mir wirklich gut gefiel. Mark hatte da mit Gena Rawlings mehr Glück gehabt.
Gena war auch der Grund für den großen Krach am Frühstückstisch, der an diesem Morgen stattfand. Mark hatte einen richtig heftigen Auftritt mit meinen Eltern, bevor er zur Schule ging. Mom und Dad waren nämlich mit Gena überhaupt nicht einverstanden und wollten nicht, dass Mark und sie sich weiterhin sahen. Dabei waren die beiden regelrecht unzertrennlich. Es war wirklich rührend, sie zu beobachten. Mark entwickelt immer gleich ziemlich starke Gefühle, wenn er mit einem Mädchen zusammen ist, aber ich glaube, er war noch nie so verliebt wie in Gena.
Als er Mom und Dad fragte, was ihnen denn an Gena nicht passen würde, und sie ihm keine richtige Antwort geben konnten, platzte ihm der Kragen.
Zu Recht, finde ich. Meine Eltern sind normalerweise wirklich nett und reden immer ganz ehrlich mit uns. Ich verstand auch nicht, was sie gegen Gena hatten.
„Wahrscheinlich kommst du wegen ihr gar nicht mehr zum Lernen“, sagte mein Vater. Ziemlich lahmes Argument. Mark war schon immer ein guter Schüler gewesen. Er arbeitet wirklich hart für die Schule – im Gegensatz zu mir – und nimmt seine Noten so ernst wie alles andere in seinem Leben auch.
Ich kann gut verstehen, dass Mark sauer wurde und Dad anschrie. Natürlich feuerte mein Vater sofort zurück und sagte eine Menge Dinge, die er besser nicht gesagt hätte. Daraufhin lief Marks Gesicht krebsrot an, und er brüllte eine Menge Dinge, die er besser nicht gesagt hätte. Als sich dann auch noch Mom einmischte, wurde es so laut, dass ich dachte, die Küchenwände mit der abblätternden gelben Farbe würden gleich Risse bekommen und zusammenstürzen.
Ich machte mich auf meinem Stuhl möglichst klein und starrte meinen Pfannkuchen an. Mir war der Appetit gründlich vergangen. Ich weiß auch nicht, warum Mark so auf diese Gena abfährt, aber ich finde, meine Eltern haben kein Recht, deswegen auf ihm herumzuhacken. Und schon gar nicht gleich am frühen Morgen.
Es war unser lautester Streit seit langer Zeit. Der letzte hatte noch in Brookline stattgefunden, als Mark und ich uns das Auto geliehen hatten, ohne unseren Eltern Bescheid zu sagen, und sie es als gestohlen gemeldet hatten. Dafür bekamen wir zwei Monate Ausgangsverbot. Keine große Sache.
Aber das hier war eine große Sache für Mark. „Ich bin sechzehn. Ich weiß genau, was ich tue!“, schrie er.
Mom und Dad lachten laut los, was ich ziemlich gemein fand.
Mark wurde natürlich noch wütender und griff nach seinem Pfannkuchen, um ihn quer durch den Raum zu schleudern. Ich konnte förmlich schon sehen, wie er mit einem dicken, fetten Splash an der Wand landete.
Aber Mark bremste sich im letzten Moment und knallte den Pfannkuchen nur wütend auf seinen Teller. Dann stand er auf, drehte sich wortlos um und stapfte durch die Küchentür, die er mit voller Wucht hinter sich zuschlug.
Mom und Dad waren ziemlich blass geworden. Sie sahen sich über den Tisch hinweg an und schüttelten den Kopf. „Du wirst zu spät zur Schule kommen“, sagte mein Vater nach einer ganzen Weile. Seine Stimme klang ein bisschen zittrig. Dieses Gebrülle hatte ihn ziemlich aufgeregt.
Unsere Eltern waren überhaupt sehr nervös, seitdem wir nach Shadyside gezogen waren. Wahrscheinlich hatte es mit dem Umzugsstress und ihrem neuen Job zu tun, obwohl sie das ja eigentlich hätten gewohnt sein müssen. Wegen ihrer Arbeit zogen wir nämlich ständig um. In den letzten acht Jahren hatten wir in sechs verschiedenen Städten gelebt.
Das war natürlich nicht einfach für sie – aber für Mark und mich auch nicht. Ich hatte jedes Mal Schwierigkeiten, Freunde zu finden, weil ich genau wusste, dass wir in einem Jahr oder so wieder umziehen würden und ich sie dann zurücklassen musste. Meine Mutter hielt mir oft vor, dass ich eine Einzelgängerin sei, aber das war doch auch kein Wunder. Ich meine, warum sollte ich mich denn erst auf Leute einlassen, wenn ich genau wusste, dass es nur für eine kurze Zeit sein würde?
Aber was soll’s. Seufzend griff ich nach meiner Schultasche und schaute aus dem Küchenfenster. Mark war mit seinem Bogen im Garten hinter dem Haus und verschoss mit verkniffenem Gesicht einen Pfeil nach dem anderen.
Mein Bruder ist nämlich ein begeisterter Bogenschütze. Das Erste, was er nach unserem Einzug machte – noch bevor er sich sein neues Zimmer ansah –, war, einen Baum auszusuchen, an dem er seine Zielscheibe aufhängen konnte. Er ist ziemlich gut in dieser Sportart und ein hervorragender Schütze. Aber wenn man bedenkt, wie viele Stunden er mit seinem Hobby zubringt, kann man das ja wohl auch erwarten.
„Es ist die beste Art, Frust loszuwerden“, sagt er immer zu mir. Ich schätze, heute Morgen hatte er das dringend nötig, denn er sah immer noch verdammt wütend aus. Er feuerte einen Pfeil nach dem anderen auf die Zielscheibe und wartete nicht einmal ab, ob er mit dem einen sein Ziel getroffen hatte, bevor er den nächsten aus dem Köcher zog.
„Eines Tages wird er noch jemandem ein Auge ausschießen!“, jammert Mom ständig. Manchmal gibt sie sich nämlich besondere Mühe, wie eine besorgte Mutter zu klingen, weil ihr das im Grunde gar nicht liegt. Sie ist noch ziemlich jung und echt in Ordnung.
Dad ist eigentlich auch ganz okay, obwohl er genauso ernsthaft ist wie Mark. Es ist nicht ganz leicht, sich mit ihm zu unterhalten, weil er ständig etwas anderes im Kopf zu haben scheint. Aber vielleicht ist das auch nur mein Problem.
Normalerweise haben wir selten solche Streitereien wie heute Morgen. Ich finde, wir kommen ganz gut miteinander aus. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass Mom und Dad wegen ihrer Arbeit so viel unterwegs sind, dass wir kaum Gelegenheit haben, uns in die Wolle zu kriegen.
Ich griff mir Marks Jacke und seine Schultasche, stürmte durch die Hintertür und schaffte es irgendwie, ihn rechtzeitig zur Bushaltestelle zu lotsen. Wir verabschiedeten uns nicht mal von Mom und Dad.
Wir kamen nicht auf den Gedanken, dass es vielleicht das letzte Mal war, dass wir unsere Eltern gesehen hatten.
„Wenn ich bloß wüsste, was ihnen an Gena nicht passt!“, seufzte Mark, als wir auf den Bus warteten.
„Vielleicht finden sie, dass sie zu klein für dich ist“, witzelte ich. Gena war nämlich wirklich einen Kopf kleiner als Mark.
„Meinst du?“
„War doch nur Spaß“, seufzte ich. Warum musste ich Mark bloß immer erklären, wenn ich einen Scherz gemacht hatte?
Gena war zwar klein, aber um es mal direkt zu sagen – sie hatte eine umwerfende Figur und war ausgesprochen hübsch. Sie hatte lange schwarze Haare, die ihr bis zur Taille reichten, eine makellose Haut und wunderschöne dunkle Augen, die die Jungs völlig verrückt machten. Alle Typen an der Schule fanden Gena unheimlich sexy – und das war sie wirklich.
Jetzt, um zehn Uhr abends, ohne Eltern in der Nähe und inmitten der spontanen Party in unserem Wohnzimmer, saß sexy Gena auf dem Schoß meines Bruders auf dem Sofa.
Ich musste wieder an den Streit von heute Morgen denken und sah besorgt...




