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E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Stockheim Land der Empörer

Euro-Krise, Integration, Schulden und Sozialstaat: Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86413-461-6
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Euro-Krise, Integration, Schulden und Sozialstaat: Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-86413-461-6
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Deutschland, Land der Empörer. Jeder wird niedergemacht, der Klartext redet und mutig die Probleme anspricht. Politiker sprechen Wahrheiten nicht mehr an, wichtige Entscheidungen werden vertagt und zerredet. Stattdessen gilt: schönfärben, weich spülen, rumeiern, beschwichtigen. Empörung über mutige Vorschläge. Empörung, wenn gegen die Political Correctness verstoßen wird. Das prägt unsere Debattenkul- tur. Die Empörer blockieren, die Mutlosen resignieren. Gute Politiker fallen den Empö- rern zum Opfer und treten zurück. Die Folge: Die wirklichen Probleme in Deutschland bleiben ungelöst. Wegweisende Entscheidungen bei Integration, Schulden, Zukunft des Sozialstaates und Euro-Krise bleiben auf der Strecke, weil mutiges Vorausden- ken in der Empörungswelle untergeht. Warum ist das so? Warum geht das nicht anders? Ulrich Stockheim zeigt in seinem neuen Buch auf, wie die perfekt geölte deutsche Empörungsmaschine funktioniert und nach welchem Muster Empörung aufgebaut wird. Er plädiert für eine neue Debattenkultur. Was wir brauchen, ist der Mut zu Klar- text. Denn nur so wird Deutschland seine wirklichen Probleme in den Griff bekommen.

Ulrich Stockheim gehört zu den führenden Kommunikationsberatern für Wirtschaft und Politik. Der Diplom-Volkswirt startete 1993 seine Karriere als Finanzjournalist der Zeitschrift Wertpapier, fünf Jahre arbeitete er beim Wirtschaftsmagazin Capital, dessen New Yorker Korrespondent er 1998 und 1999 war. Nachdem er drei Jahre als Geschäftsführer des Wertpapier-Verlages gearbeitet hatte, gründete er Stockheim Media. Die Kommunikationsberatung ist heute in Köln, Frankfurt und New York tätig. Ulrich Stockheim ist Autor der Bücher Inside Wall Street und Mr. Daks - Aktienstrategien für alle. Er tritt regelmäßig als Kommunikations- und Finanzexperte in TV-Talkshows auf.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1:
Im Land der Empörer


Ob Euro-Krise, Rente, Hartz-IV oder Integration: Die drängenden Probleme unseres Landes kommen nicht vom Fleck. Dass die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg Deutschland wochenlang beschäftigt und sein Rücktritt ein mediales Erdbeben auslöst, wirft ein bedenkliches Licht auf unsere Debattenkultur. Das Einzige, was sich unaufhaltsam bewegt, ist die Schuldenuhr.

»Wir erleben eine Krise der politischen Kommunikation.«

(Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Bundesverteidigungsminister und Opfer seiner eigenen Kommunikation)

»Manchmal muss die Politik Konflikte inszenieren, damit die Leute sich für das Thema interessieren.«

(Angela Merkel)

Land der Empörer. Das passt eigentlich nicht zu Deutschland. Denn worüber sollte man sich empören? Die Welt liebt uns. Laut einer Umfrage der BBC sind wir das beliebteste Land der Welt. Überall auf der Erde rollt man uns den roten Teppich aus, den Urlaubern, die aus Deutschland Milliarden in die entlegensten Winkel des Globus tragen, den tüchtigen Mittelständlern und Unternehmern, die Deutschland zum Exportland Nummer eins gemacht haben, der Fußballnationalmannschaft, die den besten Fußball der Welt spielt. Unsere Forscher sind von Boston bis Shanghai ebenso willkommen wie die Entwicklungshelfer, die unermüdlich Brunnen im Sudan graben und Dörfer mit Essen versorgen. Wer es in China, Amerika oder sonst wo auf der Welt geschafft hat, fährt Mercedes, Porsche oder BMW – die Chinesen machen gerade Volkswagen zum größten Autobauer der Welt. Umwelttechnik-Firmen liefern Brennstoffzellen-Kraftwerke nach Kuwait, bauen Windräder in Kalifornien und erzeugen Solarstrom in der afrikanischen Wüste. Im Jahr drei der Finanzkrise produziert die Wirtschaft Wachstumsraten wie in den Schwellenländern, die Arbeitslosigkeit sinkt unter 3 Millionen – auch darüber staunt die Welt.

Im Land der Dichter und Denker, der sauberen Flüsse, kristallklaren Bergseen, naturgeschützten Berge und müllfreien Küsten, der mittelalterlichen Städte und architektonischen Avantgarde, im Land der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler wie Gerhard Richter, Neo Rauch und Andreas Gursky, im Land der Pkw-Maut-freien Autobahnen, im Land der Altpapiersammler, Joghurtbecherspüler und Kompostierer würden Milliarden Menschen dieser Welt gerne leben. Menschen, die hungern; Menschen, die seit Generationen Kriege erleben; Mütter, deren Töchter bei Ehebruch gesteinigt werden; Menschen, die durch Erdbeben, Tsunamis, Schlammlawinen und Waldbrände alles verlieren; Menschen, deren Kinder in Steinbrüchen arbeiten; Menschen, deren Angehörige in Afghanistan von Drohnen während der Hochzeit in die Luft gesprengt werden; Menschen, die im Gefängnis sitzen und ihren Nobelpreis nicht entgegennehmen können, weil sie ihre Meinung sagen.

Mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung kann sich nicht vorstellen, dass es möglich ist, nachts zu schlafen ohne die Angst, am nächsten Tag nicht mehr aufzuwachen; dass man operiert wird, wenn es nötig ist; dass niemand auf der Straße schlafen muss; dass der Staat jedem seiner Bürger ein Mindestmaß zum Leben zur Verfügung stellt, sodass niemand verhungert; dass seit 60 Jahren Frieden herrscht und kein Soldat mehr die Waffen gegen die Bürger richtet; dass jeder zur Schule gehen darf; dass für jedes Kind ein Kindergartenplatz da ist und dass es Universitäten gibt, an denen man kostenlos studieren kann. Das können sich Milliarden Menschen alles nicht vorstellen, und es braucht nicht viel Fantasie, zu behaupten: Auf jeden Bundesbürger kommen mindestens 20 Menschen aus dem Ausland, die sofort mit ihm tauschen würden, die von heute auf morgen von Kundus nach Köln, von Somalia nach Stuttgart, von Bagdad nach Berchtesgaden, von Kalkutta nach Künzelsau oder von Port-au-Prince nach Paderborn ziehen würden.

Die Deutschen müssen in den vergangenen sechs Jahrzehnten eine Menge richtig gemacht haben. Sonst wären sie nicht da, wo sie sind. Die Deutschen haben ein neues Land aus den Trümmern des Krieges aufgebaut, Wohlstand geschaffen und gleichzeitig den sozialen Ausgleich im Auge behalten. Sechs Jahrzehnte Aufbau bedeuten sechs Jahrzehnte an einem Strang ziehen mit dem gemeinsamen Ziel, dass es immer allen besser gehen soll – »Wohlstand für alle«. Wegbereiter dessen, was Deutschland heute ist, waren politische Überzeugungstäter wie Konrad Adenauer, Willy Brandt, Ludwig Erhard, Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Franz-Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher oder Helmut Kohl. Klarer Kurs, klare Überzeugungen, klare Worte.

60 Jahre Aufbau, Wohlstand, deutsche Teilung, Wiedervereinigung, Europa, Sozialstaat – ein großes Land mit großen Leistungen. Doch jetzt hakt es. Was Deutschland bisher stark gemacht hat, haben Wähler und Gewählte vergessen. Auf die entscheidenden Fragen der Zukunft findet unser Land keine Antworten. Ob Euro-Krise, Rente, Sozialstaat, Schulden oder Integration: Wer Klartext spricht und Lösungen vorschlägt, dem schlägt Empörung entgegen. Und so macht keiner mehr den Mund auf, wenn es konkret werden soll. Die Empörer knebeln die Mutlosen. So fallen auch keine Entscheidungen mehr, die nachhaltig sind. Sie werden über Bord gespült, wenn die nächste Empörungswelle nur kräftig genug ist und alles infrage stellt.

Debatte führen heißt heute rumeiern, schönfärben, weichspülen, statt Klartext zu sprechen, Argumente und Gegenargumente zuzulassen, Lösungen vorzubereiten, Entscheidungen zu treffen. Am Ende bleiben faule Kompromisse, die weniger wehtun als die Wahrheit. Die bittere Folge für den Staat: Die Schulden steigen unaufhörlich weiter, weil ein Kompromiss immer schlechter und meistens teurer ist als die beste Lösung. Es liegt in unserer Debattenführung beziehungsweise Nicht-Debattenführung, dass die Schulden steigen. Verschieben wir die Entscheidungen weiter, weil wir die Empörung vermeiden wollen, kommen wir nie von unseren Schulden runter.

Dieses Buch handelt von einer ganz einfachen Hoffnung. Der Hoffnung nämlich, in einem Land zu leben, in dem wieder sachliche, offene Debatten um die drängenden Probleme unseres Landes geführt werden. Debatten etwa um die Zukunft des Euro, die Finanzierung des Sozialstaates, das brüchige Rentensystem oder die Integration von Ausländern in Deutschland. Debatten, in denen es Spaß macht, seine Meinung zu sagen, weil der Wettbewerb um das bessere Argument alle anspornt – auf der Suche nach der besten Lösung. Argumente und Lösungen für ein vereintes Europa, das nicht allein von Hunderten Milliarden Rettungsgeldern zusammengehalten wird. Antworten auf die Frage, wie wir statt 40 Milliarden Euro für Hartz-IV-Leistungen 40 Milliarden für neue Arbeitsplätze ausgeben können. Debatten, die klar sagen, dass die Jungen die Alten nicht mehr alleine finanzieren werden können und darum die Rente radikal umgebaut werden muss – verbunden mit klaren Entscheidungen. Eine Debatte darüber, wie wir es wirklich schaffen, Ausländer in Deutschland so zu integrieren, dass sie gemeinsam mit uns Deutschen unser Land nach vorn bringen – denn ohne junge Ausländer können wir das jetzige Sozialsystem nicht mehr finanzieren. Am Ende einer guten und offenen Debatte, so der Idealfall, weiß jeder, was zur Entscheidung ansteht. Und es wird auch entschieden.

Guttenbergs Rücktritt, Pseudoskandale und zunehmende Politikverdrossenheit


Würde die Hoffnung Wirklichkeit werden, dann lebten wir in einem Land, wo auch solche Positionen akzeptiert werden, die nicht ins eigene Weltbild passen, und Meinungsstreit nicht mit Dauerempörung verwechselt wird. Das ist eine einfache Hoffnung. Schließlich leben wir in der freiesten Gesellschaft aller Zeiten, da sollte das möglich sein. Die Wirklichkeit aber ist eine andere. In ihr fehlt es an gelebter Streitkultur, an Respekt vor dem Argument der Gegenseite. Es geht längst nicht mehr um Argumente, um das öffentliche Räsonieren. Die Wirklichkeit im politischen Geschäft wird dominiert von den Empörern, die Rücktritte fordern, »Skandal« schreien, blockieren und protestieren. Die Empörer lesen zwischen den Zeilen das, was sie selbst dort vermuten, weil es in ihr Weltbild passt. Ihnen stehen die Mutlosen in der Politik gegenüber, die vor der Empörungswelle zurückschrecken. Sie bewegen nichts.

Die Bühne dieses Theaters bieten die Medien. Sie inszenieren den Skandal und ziehen Empörung der Begeisterung vor. Eine Rücktrittsforderung ist spannender als Applaus für ein Argument. Ein knackiges Empörer-Zitat schafft es ohne Umleitung schnell in die Presse, während die gut recherchierte Story zum Luxusartikel wird. Was Medien melden und tagelang die Schlagzeilen beherrscht, wird immer grotesker. Nichtigkeiten bekommen großen Raum, weil sie durch Empörung hochgepusht werden. Die Visualisierung der Empörung findet in den TV-Talkshows statt – als unendliche Fortsetzungsgeschichte mit den immer gleichen Darstellern.

Der Rücktritt des Jahres 2011 sollte zu denken geben. In Karl-Theodor zu Guttenbergs vorläufigem Abgang von der politischen Bühne kristallisiert sich das ganze Elend der deutschen Debattenkultur. Man könnte eine ganze Doktorarbeit zum Phänomen zu Guttenberg schreiben, darüber, wie sich erst jemand gegen die Empörer positioniert, um dann in einer von ihm selbst ausgelösten Empörungswelle unterzugehen.

Da sich fast jeder, der publiziert, auf irgendeine Weise in den vergangenen Monaten mit zu Guttenberg beschäftigt hat, will ich an dieser Stelle nur den Aspekt beleuchten, der beiträgt zur Analyse des Landes der Empörer. Es ist eine sehr subjektive Sicht, aber wer agiert bis dato beim Fall zu Guttenberg schon objektiv? Wer den Mann als Wirtschafts- und...


Ulrich Stockheim gehört zu den führenden Kommunikationsberatern für Wirtschaft
und Politik. Der Diplom-Volkswirt startete 1993 seine Karriere als Finanzjournalist
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Geschäftsführer des Wertpapier-Verlages gearbeitet hatte, gründete er Stockheim
Media. Die Kommunikationsberatung ist heute in Köln, Frankfurt und New York
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