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E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

Stöcken Krieger der Steppe


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96087-329-7
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Im Kampf um den Frieden: Was wärst du bereit, für dein Leben zu opfern?
Die Kupferblut-Saga geht packend und abenteuerlich weiter

3000 v. Chr. – die Kupferzeit in Osteuropa: Neval ist ein talentierter, aber ungestümer Bogenschütze des Steppenreitervolks. Als er einer Fremden das Leben rettet, indem er ihre Verfolger vom Felsläuferclan leichtfertig tötet, wird er vom Stammesrat verbannt und schließt sich dem Schwarzen Clan an, um Krieger zu werden. Dort lernt er nicht nur Gehorsam, sondern begreift auch, dass der hart erkämpfte Frieden ernsthaft bedroht wird. Kann er noch bewahrt werden oder ist es dafür längst zu spät?

Erste Leserstimmen
„Ein rasantes Abenteuer mit interessanten Charakteren und überraschenden Wendungen.'
„Ich bin sofort eingetaucht in diese Welt rund um die Clan-Konflikte in der Steppe.'
„Wie hier die Entwicklung eines jungen Ausreißers erzählt wird, hat mich sehr bewegt.“
„Krieg, Liebe und Intrigen – hat man einmal angefangen, kommt man nicht mehr los davon!“



Julia Lalena Stöcken, 1989 in Niedersachsen geboren, hat eine tiefe Leidenschaft für alles Vergangene und stöbert mit Vorliebe in Museen und alten Gemäuern. Die Begeisterung dafür hat sie ihrer Mutter zu verdanken, die ihr schon früh historische Romane nahegebracht hat - und der Wunsch, die Charaktere mögen nach ihrem Willen handeln, trieb sie dazu, selbst mit dem Schreiben anzufangen. Eng verbunden damit ist das Zeichnen und Skizzen ihrer Charaktere pflastern ihr Arbeitszimmer.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


„Danke, Katho.“ Neval lehnte sich auf dem Rücken seines Pferdes nach vorn, ergriff den Lederbeutel, den ihm sein Gegenüber reichte, und befestigte ihn an seinem Gürtel.

Der Anführer der Ockerschürfer lächelte. „Ich danke dir, Junge.“

Neval nickte knapp, bevor er seinen Blick an dem älteren Mann vorbei und über das kleine Lager schweifen ließ, das am Ufer des Grauwasserflusses lag. Die Frühlingssonne hatte den Zenit bereits überschritten und die Schatten der Zelte fielen in östliche Richtung, wo sich der Große Wald erstreckte. Am Flussufer wuschen zwei Frauen Kleidung und sahen selbst dann nicht auf, als lautes Kindergebrüll ertönte.

„Du kannst bleiben, wenn du willst“, riss Kathos Stimme ihn aus den Gedanken. „Über Nacht, meine ich.“

Kopfschüttelnd wandte Neval sich dem Ockerschürfer zu und klopfte behutsam auf den Beutel an seiner Hüfte. „Burvis braucht den Ocker sofort.“

„Dann solltest du bereits unterwegs sein, nicht?“ Kathos struppiger Bart entblößte ein breites Grinsen.

„So ist es.“ Der Steppenreiter schnalzte, lenkte seine Stute herum und hob zum Abschied die Hand. „Bis bald.“

„Grüß deinen Häuptling. Und sei vorsichtig, Junge“, rief Katho ihm nach, doch statt einer Antwort drückte der Reiter seiner Stute die Fersen in die Flanken und drängte sie auf den Umriss des Waldes zu. Ärgerlich presste Neval die Lippen zusammen. Es gab keinen Grund, zur Vorsicht zu mahnen. Das Dorf des Steppenreitervolks lag bloß einen halben Tagesritt entfernt und das Licht würde halten, bis er sein Ziel erreichte.

Der Reiter gelangte auf die Kuppe des seichten Hügels, der eine gute Aussicht auf das Lager, die Ebene und den sich hindurchschlängelnden Grauwasserfluss bot. Aus diesem Grund stellte das Steppenreitervolk seit jeher Wachen dort auf, was Neval für überflüssig hielt. Vielleicht damals, als der Schwarze Clan die Stämme der Ebene unterjocht hatte und jederzeit ein Angriff zu erwarten gewesen war. Jetzt wachten die Männer bloß über einen Haufen harmloser Handwerker, die nach dem Tod des Schwarzen Fürsten und dem damit einhergehenden Frieden aus dem Westen gekommen waren, um am Fluss Ocker zu schürfen und mit den Steppenreitern Tauschhandel zu betreiben. Neval grüßte die beiden Wachen knapp, bevor er den Hügel hinunterritt. Von rechts kreuzte der Fluss seinen Weg, aber das Wasser war weder tief noch reißend und mit seiner Stute Keve mühelos zu durchqueren.

Nach einer Weile passierte der junge Steppenreiter die Waldgrenze. Die Knospen der Haselsträucher brachen auf und entfalteten zarte grüne Blätter, die lockeres Buschwerk bildeten, über dem die Ulmen blühten. Dunkles Sternmoos wuchs zwischen den Baumwurzeln, vereinzelt trieben die ersten gelben Blüten des Goldhahnenfußes zum Licht empor und kündeten vom Frühling. Doch die nachmittägliche Sonne sank tiefer und die Luft kühlte rasch ab. Den in einen dichten grauen Rentierpelz gehüllten Mann störte das wenig und er sog unerschrocken die kalte Luft in seine Lunge. Obwohl ihn allein in diesen Wäldern unterwegs zu sein weder Argwohn noch Furcht verspüren ließ, trug er Bogen und Pfeiltasche mit sich.

Neval lenkte Keve auf einen schmalen Pfad, der sie durch einen Hort niedriger Ulmenschößlinge führte, bevor sie einen anderen Teil des Waldes erreichten, der weniger licht und einladend wirkte. Das Buschwerk verdichtete sich und die Bäume wurden knorriger und älter, als stammten sie aus einer längst vergessenen Zeit. Ein Zauber hing in der schweren modrigen Luft des uralten Waldes, schützte ihn vor Fremden, die ihn spürten und fürchteten – Jelens Einfluss. Neval hingegen trug die Zeichen des Hirschgottes als Beweis seiner Ergebenheit auf der Haut.

Auf dem Weg begegnete er einer weiteren Wache, dann öffnete sich unvermittelt der Wald und gab den Blick frei auf das Dorf der Steppenreiter. Auf der von Menschenhand geschaffenen Lichtung drängten sich aus Ästen geflochtene Rundhütten, deren Dächer mit trockenem Gras gedeckt waren, dazwischen liefen Frauen, Kinder und Jäger. Neval atmete tief ein, bevor er sich nach links wandte, wo sich etwas abseits der Behausungen der Pferdekorral befand.

Neben der Pforte lungerte ein Junge herum, der dem Reiter sofort Hilfe anbot. Neval ließ die Stute in seiner Obhut zurück, dann nahm er den Weg hinauf zur Hütte des Schamanen. Der saß inmitten einer Gruppe von älteren Kindern und hielt seinen Unterricht ab. Den Platz an seiner Seite besetzte Lazda, Nevals jüngerer Bruder.

Neval blieb außerhalb des Kreises stehen. „Sei gegrüßt, Burvis.“

Überrascht hob der Schamane seine schweren Lider einen Spalt, ehe er eine einladende Geste mit der Hand vollführte. „Neval. Setz dich.“

„Ich wollte nur …“, begann er, aber Burvis schaute ihn mit Nachdruck an. Widerwillig schloss Neval den Mund und setzte sich in die zweite Reihe.

Nun ließ der Schamane seinen Blick in die Runde schweifen. Unzählige Falten hatten sich im Lauf der Zeit in sein ausgemergeltes Gesicht gegraben und sein Haar leuchtete weiß wie Schnee. Dabei war er schon alt gewesen, als Neval an diesem Unterricht teilgenommen hatte – wie alt tatsächlich, wusste er nicht, bloß dass Burvis drei Häuptlinge überlebt hatte. „Wisst ihr, warum sich unser Volk Steppenreiter nennt?“

Ein Junge hob die Hand. „Wir haben die Pferde in die Ebene gebracht.“

„Nein“, widersprach der Schamane kopfschüttelnd. „Der Graslandclan besaß auch damals schon Pferde.“

Dem Jungen kroch die Röte in die Wangen und Neval grinste hämisch.

„Neval, sag du es uns“, forderte Burvis mit hochgezogenen Brauen.

Geräuschvoll atmete Neval ein und wieder aus. „Der Graslandclan besaß Pferde, aber die Steppenreiter waren die Ersten, die sie geritten haben“, presste er hervor.

„So ist es“, bestätigte der Schamane. „Die Menschen der Ebene erblickten unsere Vorfahren zum ersten Mal, als sie auf Pferden die Steppe durchquerten, und nannten sie Steppenreiter. Unser Volk war aus den nordöstlichen Wäldern gekommen, um neu zu beginnen, deswegen legten sie ihre alte Sprache ab und nahmen die der Ebene an. Ebenso gaben sie den Namen ihres Volkes auf.“

„“, flüsterte Neval gelangweilt.

„Richtig. Das Volk des Waldes – das sind wir noch immer, denn wir folgen Jelen.“ Burvis wandte sich an Lazda. „Erzähl die Geschichte von Savien.“

Sein Schüler strich sich anmutig eine helle Haarsträhne hinter das Ohr. „Savien war der Mann, der unser Volk in die Ebene geführt hat.“

Neval legte den Kopf in den Nacken und beobachtete den kaum mehr zu erkennenden Umriss eines Vogels am sich verdunkelnden Himmel. Obwohl er die Geschichte schon unzählige Male gehört hatte, lauschte er dem angenehmen Klang von Lazdas Stimme.

„Eines Tages jagte Savien einen Hirschbock, aber als er ihn stellte, erschoss er ihn nicht.“

Neval schloss die Augen …

„Er zeigte Demut vor der Natur“, fuhr sein Bruder fort. „Da offenbarte sich der Hirschgott und versprach, die Steppenreiter zu schützen, wenn sie im Großen Wald blieben und ihn verehrten. Savien stimmte zu.“ Die Worte verklangen und Neval hob die Lider, wandte seinen Blick wieder dem Kreis zu. Savien war längst tot, aber sein Name nicht. Die Schamanen trugen ihn weiter in jede Generation, damit die Herkunft der Steppenreiter und der Ursprung ihres Glaubens niemals verlorenginge.

„Um Jelen zu ehren, müssen alle Jungen dieselben Fähigkeiten beherrschen wie unsere Vorfahren“, sprach Burvis jetzt.

Nein, nicht alle. Neval sah hinüber zu seinem Bruder, aber der erwiderte seinen Blick nicht, sondern starrte ins Leere, so als wäre er in Gedanken woanders. Aber Neval wusste es besser. Lazda war niemals unaufmerksam.

„Innerhalb eines Jahres werdet ihr diese Fähigkeiten erlernen, danach legt ihr die Prüfung ab.“

Unwillkürlich brannten die Zeichen auf Nevals Haut – Jelens Zeichen, die ihm nach der Prüfung in Brust und Schultern eingeritzt und mit Asche gefärbt worden waren. Zwölf Sommer war er alt gewesen, als er sie bekommen hatte, das war inzwischen fünf Jahre her. Sie wiesen ihn als erwachsenen Mann und vollwertiges Mitglied des Steppenreitervolkes aus, aber niemand schien diese Tatsache zu kümmern. Im Großen Krieg hatte er Seite an Seite mit den Rebellen gekämpft und geblutet, trotzdem wurde seinem jüngeren Bruder, der keine Prüfung abgelegt hatte, mehr Achtung zuteil als ihm. Nevals Kiefer knackte.

„Was für Prüfungen sind das?“, fragte ein Junge neugierig und riss Neval aus seinen Gedanken. Die Augen des Jungen leuchteten so wie einst seine.

„Ich erzähle es ein anderes Mal“, entgegnete Burvis. „Es wird dunkel. Geht nach Hause.“

Enttäuschtes Murmeln schwoll an und ließ den Schamanen lächeln, doch er blieb dabei, und der Sitzkreis löste sich auf.

Neval erhob sich ebenfalls und schob sich an den Kindern vorbei auf Burvis zu. „Ich habe den Ocker, den du wolltest.“ Er reichte Kathos Lederbeutel weiter.

„Gut.“ Der Schamane griff danach. „Ich danke dir für deine Mühe.“

„Es war keine Mühe.“ Selbst Neval bemerkte die Bitterkeit seiner Worte und räusperte sich rasch.

Auch Burvis entging der Unterton nicht, denn er hob die weißen Brauen und musterte ihn eingehend. „Für dich sicherlich nicht, aber ich bin alt und ich danke dir.“ Er senkte leicht das Haupt. „Du kannst gehen.“

***

Feuchtes kühles Moos berührte Vanias Rückgrat und sie erschauerte, als ihr Gefährte sie sanft darauf bettete. Sein vertrautes Gesicht mit den schmalen schwarzen...



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