Störiko-Blume | Kinder- und Jugendbuchverlage | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 171 Seiten

Reihe: BRAMANNBasics

Störiko-Blume Kinder- und Jugendbuchverlage

Macher, Märkte, Medien
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95903-108-0
Verlag: bramann.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Macher, Märkte, Medien

E-Book, Deutsch, Band 6, 171 Seiten

Reihe: BRAMANNBasics

ISBN: 978-3-95903-108-0
Verlag: bramann.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Kinder- und Jugendbuchmarkt ist das zweitgrößte Teilsegment im Bereich der Publikumsverlage. Somit besitzen Kinder- und Jugendbücher nicht nur eine kulturelle Bedeutung, sondern haben auch einen hohen ökonomischen Stellenwert. Während sich das Umsatzvolumen der Belletristik seit der Jahrtausendwende auf einem Volumen oberhalb von 30 Prozent stabilisiert, verzeichnet das Kinder- und Jugendbuch weiterhin steigende Umsatzanteile und liegt aktuell bei rund 17 Prozent. Doch Marktdaten bieten nur das Grundgerüst für die gleichermaßen fundierten wie weitsichtigen Ausführungen. Im Vordergrund stehen die ?Macher?, die mit ihrer Individualität das Marktgeschehen prägen: Autorinnen und Autoren, Illustratoren und Buchgestalter, Entscheidungsträger in Verlagen, Lektorinnen, Übersetzer*innen und freie Mitarbeiter:innen, um nur einige von ihnen zu nennen.

Ulrich Störiko-Blume betreibt seit 2015 die ProjektAgentur in München, die Manuskripte an Kinder- und Jugendbuchverlage vermittelt. Seine Erfahrungen hat der Autor als Lektor und Verlagsleiter in bekannten Verlagen sowie in einschlägigen Verbänden der Branche gesammelt. Er hält Vorträge, schreibt Artikel in Fachzeitschriften und wirkt als Dozent am Zentrum für Buchwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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Typen von Kinder- und Jugendbuchverlagen und ihre Marktbedeutung


In Artikel 5 des Grundgesetzes heißt es: »Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten«. Im Rahmen der Gesetze kann also jeder, der schreiben will, das auch tun: was, wie, für wen, in welchem Umfang, in welcher Ausstattung auch immer.

Nirgendwo ist geregelt, wer Bücher für Kinder und Jugendliche schreiben und verlegen darf. Weil die Leser von KJB so besonders sind, sind es auch die Autoren, Illustratoren und Verlage, die für sie tätig sind. Sie erschaffen Bücher, die Kinder bzw. Jugendliche ansprechen.

Wenn man sich an einen Verlag wendet und mit ihm handelseinig wird, gilt § 1 des Gesetzes über das Verlagsrecht: »Durch den Verlagsvertrag über ein Werk der Literatur […] wird der Verfasser verpflichtet, dem Verleger das Werk zur Vervielfältigung und Verbreitung für eigene Rechnung zu überlassen. Der Verleger ist verpflichtet, das Werk zu vervielfältigen und zu verbreiten.«

Es hat sich bewährt, das Schreiben, Gestalten, Produzieren und Verbreiten von Büchern in Zusammenarbeit mit professionellen Verlagen abzuwickeln. Aber niemand ist zu dieser Art von Veröffentlichung verpflichtet, und die durch die Digitalisierung geschaffenen neuen Publikationswege wie das Self-Publishing eröffnen Möglichkeiten, auch ohne einen Verlag sein Buch herauszubringen (siehe Kap. 2.4).

Verlage, die Belletristik, Sachbücher oder KJB für eine allgemeine Leserschaft herausbringen, fasst man unter dem Begriff ›Publikumsverlage‹ zusammen – im Gegensatz zu Verlagen, deren Zielgruppen sich mit Wissenschaft, Fachwissen oder Ausbildung und Schule befassen. Kinder im Vorschulalter, Schulkinder und Heranwachsende sind ein besonderer Teil dieses Publikums. Je jünger sie sind, desto mehr werden sie durch Erwachsene vertreten, meistens die Eltern.

Die Kleinen können noch nicht lesen, sie sind also auf Bilder und Vorlesen angewiesen. Wenn sie das Lesen lernen, können und wollen sie nicht auf Anhieb umfangreiche Bücher, kleine Schriftgrößen, komplizierte Sprache, anspruchsvolle oder heikle Themen lesen. Daher gibt es für Leseanfänger besondere, auf ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse zugeschnittene Bücher. Es schließen sich dann die Bücher für die viellesenden Kinder an, später Jugendbücher und Bücher für junge Erwachsene.

KJBV gibt es in verschiedenen Formen: Zunächst Verlage, die auf das KJB spezialisiert sind; dann Verlage, die eine Abteilung haben, die sich um das KJB kümmert; schließlich Verlage oder Imprints, die innerhalb von großen Verlagsgruppen für das KJB zuständig sind.

Dabei ist es wichtig, die Sammelbezeichnung für diesen Verlagstyp nicht auf die Bücher selbst anzuwenden. Denn es gibt kaum ein einzelnes Buch, das man zutreffenderweise als ›Kinder- und Jugendbuch‹ bezeichnen sollte. Wohl aber gibt es, je nach dem Adressatenkreis, ein ›Kinderbuch‹ oder ein ›Jugendbuch‹. Nun mag man Bücher vorfinden, die sich einer solchen Adressierung entziehen. Und manche Leser ignorieren derartige Zuwidmungen. Seit einigen Jahren spricht man zudem von ›All-Age-Büchern‹, also Titeln, die für Leser jeden Alters interessant sind.

Am Bildhaftesten kann man sich dieses Szenario veranschaulichen, wenn man eine gut sortierte KJB-Abteilung einer Buchhandlung betritt. Als pragmatische Begriffe haben sich diese Kategorien bewährt:

Bilderbuch (Kleinkind, Kindergarten- und Vorschulkind)

Kinderbuch (Grundschulkind, Anfang der Sekundarstufe, vor der Pubertät)

Jugendbuch (meistens ab 12 Jahren; manchmal ergänzt um Junge Erwachsene, auch Young Adults genannt)

Der Aufbau vieler Verlagsprogramme folgt dieser Dreiteilung. Manche Verlage sind in allen Teilbereichen aktiv, andere spezialisieren sich auf Kategorien wie Bilderbuch oder Sachbuch.

Es kann auch vorkommen, dass ein Publikumsverlag ein einzelnes Kinderbuch herausbringt. In der Regel aber erscheinen KJB in den auf den Bereich spezialisierten KJBV. Die meisten dieser Verlage sind Mitglieder der avj (Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V.) – ein 1950 gegründeter freiwilliger Zusammenschluss, um die gemeinsamen Interessen gegenüber der Öffentlichkeit, der Politik und auch innerhalb der Verlagslandschaft zu organisieren und zu vertreten. In ihren jährlichen Mitgliederversammlungen tauschen die inzwischen über 100 Verlage ihre Erfahrungen aus.

»Die Mitgliedschaft in der avj können Verlage erwerben, die regelmäßig Bücher und/oder Medien für Kinder und Jugendliche in deutscher Sprache herausbringen und, sofern sie ihren Sitz in Deutschland haben, Mitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. sind.« heißt es auf der Website. Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz im Gebäude des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt/Main; die avj ist aber eine selbstständige Organisation mit einem gewählten Vorstand und einer hauptamtlichen Geschäftsführung, die eigene Mitgliedsbeiträge erhebt und dementsprechend ein eigenes Budget zur Verfügung hat. Verlage aus anderen deutschsprachigen Ländern, also Österreich und der Schweiz, können ebenfalls Mitglieder sein. Das Junktim einer Mitgliedschaft im Börsenverein des Deutschen Buchhandels für die in Deutschland ansässigen Mitgliedsverlage hat man eingeführt, um neben der Komponente Eigenverantwortung auch den Schulterschluss mit der zentralen Branchenorganisation zu gewährleisten. Denn es gibt viele gemeinsame Interessen, die sich etwa auf das Urheberrecht, Verlegerbeteiligung an der VG Wort, Preisbindung, Leseförderung und Branchenpolitik beziehen.

So wie das KJB absolut gewachsen ist und sich differenziert entwickelt hat, kann man das auch bei seinen Verlagen feststellen. Heute gibt es – trotz einiger Verlagsschließungen und Fusionen – um die Hälfte mehr KJBV als um die Jahrtausendwende. Es werden neue Verlage gegründet, manche eher klein, von wagemutigen #selbstständigen Unternehmern, andere werden von großen internationalen Verlagskonglomeraten inszeniert.

Klett Kinderbuch mit Sitz in Leipzig z.B. wurde 2008 unter dem Dach des großen Schulbuch-#Konzerns Klett gegründet; als der Bereich Kinderbuch nicht mehr zum strategischen Interesse des Konzerns zählte, konnte die Verlegerin Monika Osberghaus 2015 den Verlag selbst übernehmen. Entstanden ist ein Verlagsprogramm, dem es gelingt, zugleich anspruchsvoll, kindernah und wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Ein Baustein für eine solche Entwicklung ist sicher die Erkenntnis, dass man nicht alles selbst machen muss. So liegt der Vertrieb für Klett Kinderbuch in den Händen des dtv, der mit seiner Kinderbuch-Kooperation Dienstleister auch für weitere Kinderbuchverlage ist.

Ein anderes Mitglied dieser Kooperation ist seit 2012 der Usborne Verlag, die deutsche Tochter eines der größten Kinderbuchverlage der Welt. 2015 gründete HarperCollins, der zweitgrößte Publikumsverlag der Welt, mit HarperCollins Germany einen deutschen Verlag und fügte gleich eine Kinderbuch-Neugründung dazu: Dragonfly. Diese Gruppe erwarb Mitte 2020 SchneiderBuch von dem dänischen Medienkonzern Egmont, um den einstmals beliebtesten Lesefutter-Verlag (unvergessen: von Enid Blyton) wieder zu neuen Erfolgen zu führen (siehe Kap. 3.1).

2.1


Zahl und Struktur der Kinder- und Jugendbuchverlage


Kein KJBV ist verpflichtet, der avj beizutreten, aber es gibt kaum einen Verlag von Bedeutung, der dort nicht Mitglied ist. Deshalb gibt die folgende Tabelle, in der nur avj-Mitglieder erfasst sind, einen weitgehend zuverlässigen Überblick.

Quelle: avj - Kinder- und Jugendbuchverlage von A-Z/bis 1983 nur BRD+A+CH. Ab 2016 www.avj-online.de

Ein herausragendes Beispiel für Konzernbildung liefert Bertelsmann. Was 1835 mit dem Carl Bertelsmann Verlag in Gütersloh begann, wurde ein milliardenschwerer Weltkonzern. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Reinhard Mohn das Geschäftsmodell Buchclub; Millionen wurden Mitglieder, und es wurde die ganze Familie mit Lesestoff versorgt. Für den Schritt vom Buchverkäufer zum Buchverleger war 1972 die Verlagerung der Buchverlags-Zentrale von Gütersloh nach München entscheidend. Mit der Akquisition des Goldmann Verlags 1977 wurde die Grundlage dafür gelegt, im deutschen Sprachraum eine führende Rolle zu spielen. Mit dem Kauf des US-Verlags Doubleday begann 1986 der Sprung in den englischen Sprachraum, 1998 kam Random House dazu – seinerzeit ein Schock für die englischsprachige Verlagswelt – und 2001 wurde New York zum Hauptquartier der inzwischen weltweit größten Verlagsgruppe im...


Ulrich Störiko-Blume betreibt seit 2015 die ProjektAgentur in München, die Manuskripte an Kinder- und Jugendbuchverlage vermittelt. Seine Erfahrungen hat der Autor als Lektor und Verlagsleiter in bekannten Verlagen sowie in einschlägigen Verbänden der Branche gesammelt. Er hält Vorträge, schreibt Artikel in Fachzeitschriften und wirkt als Dozent am Zentrum für Buchwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.



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