E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten
Reihe: Löwenstein & Berger Thriller
Stoltz Die Patienten
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-8221-1
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 1, 320 Seiten
Reihe: Löwenstein & Berger Thriller
ISBN: 978-3-7325-8221-1
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Niemand hört dich schreien ...
Ein bestialischer Frauenmord in einer Klinik für psychisch Kranke auf einem abgelegenen Gutshof im Taunus! Die Polizei soll behutsam vorgehen, fordert der charismatische Leiter der Anstalt, Dr. Jonas Klinger. Doch will er wirklich nur seine Patienten schützen?
Allein die Polizeipsychologin Caro Löwenstein darf auf dem Hof ermitteln. Mehr noch: Sie soll für die Dauer der Untersuchungen dort wohnen. Ihr Kollege, Kommissar Simon Berger, ist strikt gegen diese Idee - doch er hat auch mit eigenen Problemen zu kämpfen.
Bald stößt Caro auf finstere Geheimnisse, die sich in dem Anwesen tief im Wald verbergen. Aber eines ahnt sie nicht: Der Mörder hat sie bereits als sein nächstes Opfer auserkoren ...
Ein rasanter Psychothriller für alle Leser von Sebastian Fitzek und Andreas Winkelmann - der erste Fall für Caro Löwenstein und Simon Berger.
Löwenstein und Berger ermitteln weiter in 'Todeskalt'!
eBooks von beTHRILLED: mörderisch gute Unterhaltung.
Nikolas Stoltz schreibt und liest am liebsten spannende Krimis und Thriller. Ihn fasziniert die menschliche Psyche in all ihren Facetten - vor allem die Abgründe. In "Die Patienten" lebt er außerdem seine Vorliebe für ungewöhnliche Orte und sogenannte "Lost Places" aus. Nikolas Stoltz wurde 1973 in Lübeck geboren und lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Bonn.
Autoren/Hrsg.
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3
Die Reifen wirbelten Staub auf, als Kriminalkommissar Simon Berger auf den Schotterweg abbog. Die Fahrt von Wiesbaden ins Silberbachtal im Taunus hatte knapp eine halbe Stunde gedauert.
Durch die dichten Baumkronen fiel kaum Licht. Der Weg war zunehmend von der Natur zurückerobert worden, und der Wagen streifte immer wieder Büsche, die über die Fahrbahn wucherten. Ein verrostetes Zauntor, das mit Stacheldraht gesichert war, stand offen, wirkte aber alles andere als einladend.
Ein paar Hundert Meter voraus erreichten die Ermittler ein in die Jahre gekommenes Gutshaus aus rotem Backstein, das mit Efeu zugewachsen war. Das breite Eingangsportal mit zwei römischen Säulen passte überhaupt nicht zum Rest des Gebäudes, sollte aber vermutlich einen feudalen Eindruck vermitteln. Links neben dem Haupthaus stand eine Scheune, die – den neuen Fenstern zufolge – erst vor kurzer Zeit in ein Wohnhaus umgebaut worden war. Um das Hofgelände herum verteilten sich einige Blockhütten, aus deren Schornsteinen Rauch aufstieg. Ein mächtiger Ahornbaum zwischen den Häusern bildete mit seinen rötlich gefärbten Blättern einen einsamen Farbtupfer unter dem grauen Oktoberhimmel. Auf dem Schotterplatz vor dem Gutshaus parkten mehrere Polizeifahrzeuge und der Einsatzwagen der Spurensicherung.
Berger stellte den Wagen ab und stieg aus. Er hatte eine athletische Figur, kurze dunkle Haare und einen Dreitagebart. Seine braunen Augen wirkten wach, aber auch stets leicht melancholisch. Kantige Gesichtszüge und tiefe Falten spiegelten die Härte seines Jobs wider, was von einer länglichen Narbe über seiner rechten Augenbraue noch unterstrichen wurde.
»Der Hof sieht irgendwie unheimlich aus«, sagte Caro. »Und das soll ein … wie hast du es genannt? … Therapiezentrum sein?«
»Soweit ich weiß, hat ein Psychologe den Hof gekauft und in eine Klinik umgewandelt. Vermutlich haben sich die Patienten in ihre Häuser zurückgezogen. So ein schrecklicher Mord spricht sich schnell herum.«
»Ja, vermutlich.« Caro spürte, wie eine Gänsehaut ihre Arme überzog, als sie das Gutshaus betrachtete.
Eine Autotür klappte. Ein uniformierter, blonder Polizist kam auf sie zu. »Kommissar Berger, Frau Löwenstein? Ich bringe Sie zum Tatort. Wir müssen allerdings ein Stück durch den Wald laufen.«
Er steuerte einen schmalen Weg an, der vom Hof wegführte. »Folgen Sie mir bitte.«
»Wer hat das Opfer entdeckt?«, fragte Berger, der von seiner Dienststelle offensichtlich nur wenige Informationen über den Mord erhalten hatte.
»Wiebke Böhm. Eine Patientin aus der Kolonie. Sie wollte heute Morgen in der Kapelle beten gehen.«
»Kolonie?«, hakte Caro nach.
»Ja, die Bewohner nennen die Klinik so«, erwiderte der Polizist. »Silberbachkolonie.«
»Und das Opfer?«, erkundigte sich Berger.
»Sie war ebenfalls eine Patientin hier.« Der uniformierte Kollege zeigte auf den Hof. »Sie hieß Nicole Bachmann.«
»Hmm. Sind Sie selbst auch aus der Gegend?«
»Ja, zwei Orte weiter«, antwortete der Polizist.
Rechter Hand lichtete sich der Wald, und ein abgeerntetes Feld kam zum Vorschein. Kurz darauf erreichten sie einen Wegpunkt, an dem ein vergilbtes Kreuz stand.
»Kennen Sie die Leute, die in der Kolonie wohnen?«, fragte Caro.
»Nein. Ich habe aber gehört, dass es vor ein paar Jahren Ärger gab, als die Einrichtung eröffnet wurde. Die Bewohner der anliegenden Dörfer hatten wohl Angst vor den Patienten, aber das hat sich schnell wieder gelegt. Vermutlich deshalb, weil die Leute hier in einer anderen Welt leben.«
Caro starrte ihn an. »Wie meinen Sie das?«
»Die Kolonie ist abgelegen, und keiner von den Bewohnern verlässt das Gelände.«
»Aber sie müssen sich doch versorgen«, gab Berger stirnrunzelnd zu bedenken.
»Soweit ich weiß, erzeugen die Menschen hier sämtliche Lebensmittel selbst.«
»Damit leben sie gesünder als wir alle zusammen«, erwiderte Caro.
Berger nickte.
Die Gruppe überquerte eine Holzbrücke, die über einen Bach führte. Auf der linken Seite erhob sich ein Backsteingebäude, durch das der Wasserlauf mitten hindurchführte. Eine Wassermühle. Im Schatten der Bäume wirkte das alte Gemäuer schwermütig, genau wie das Gutshaus. Mehrere Fenster waren zerbrochen oder mit Brettern zugenagelt, das Fundament bröckelte vor sich hin. Moos bedeckte die Wände. Wieder richteten sich Caros Nackenhaare auf.
»Sieht echt trostlos aus«, bemerkte sie.
Berger kräuselte die Stirn, sodass sich seine Falten tiefer gruben. »Wohnen möchte ich hier auch nicht.«
Der Streifenpolizist bog an einer Gabelung rechts ab. »Wir sind gleich da.«
Auf beiden Seiten des Weges standen bunte Holzfiguren, die aus Baumstümpfen geschnitzt worden waren. Düster dreinblickende Fratzen mit verzerrten Gesichtern und unförmigen Kopfbedeckungen. Die merkwürdigen Pfähle verstärkten Caros beunruhigendes Gefühl noch.
Etwa hundert Meter voraus tauchte die Kapelle auf: ein viereckiger Felssteinbau mit einem Satteldach, auf dem ein spitzes Türmchen thronte. Auf der Vorderseite gab es eine Rundbogentür, darüber ein Steinkreuz. Vor dem Gotteshaus warteten mehrere Polizisten und Kollegen der Spurensicherung.
Simone Schweitzer, die Rechtsmedizinerin des Landeskriminalamtes, stand etwas abseits der Gruppe und telefonierte. Caro mochte die etwa fünfzigjährige Frau mit der dickrandigen Brille – trotz ihrer ruppigen Art.
»Simone!« Berger lief bereits auf die Kollegin zu.
Sie legte auf und funkelte Berger an. »Schau an, der Kommissar kommt auch endlich.« Anschließend begrüßte sie Caro freundlich.
»Die Leiche läuft schon nicht weg«, erwiderte Berger zwinkernd.
Die Pathologin rollte mit den Augen. »Sieh dich erst mal um, dann vergehen dir die Scherze. Die Spurensicherung ist bereits durch, ihr könnt den Tatort also direkt begutachten.«
Zu dritt betraten sie die Kapelle. Caros Magen verkrampfte sich, als sie das Szenario erfasste. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, dann zwang sie sich, das Opfer erneut anzusehen.
Eine nackte Frau hing in der Mitte des Raumes an einem Deckenbalken. Stricke fraßen sich in ihre Handgelenke. Der Kopf war zur Seite gefallen, und das dunkle Haar klebte auf den Schultern. Das Gesicht wirkte noch im Tod schmerzverzerrt. Quer über den Bauch klaffte eine tiefe Wunde, aus der Gedärme herausquollen. Blut war in alle Richtungen gespritzt, die Beine hinabgeronnen und hatte unter ihrem Körper eine dickflüssige Lache gebildet.
»Oh mein Gott!«, entfuhr es Caro. Während ihrer Weiterbildung zur Tatortanalystin hatte sie viele schreckliche Bilder gesehen – in Büchern und auf Leinwänden. Eine grausam zugerichtete Leiche direkt vor sich zu erleben, war jedoch eine andere Dimension. Sie schloss erneut die Augen.
Berger wandte sich an Simone Schweitzer. »Ich nehme an, die Todesursache war Verbluten?«
»Nach meinen ersten Untersuchungen, ja. Der Blutverlust war massiv, sodass der Tod innerhalb weniger Minuten eingetreten ist. Sie muss furchtbar gelitten haben, ein so tiefer Schnitt durch die Eingeweide ist extrem schmerzvoll.«
»Kannst du schon sagen, wann sie gestorben ist?«
»Der Körpertemperatur zufolge heute Nacht zwischen ein und drei Uhr morgens.«
»Und die Tatwaffe?«
»Ein Messer oder ein Schwert. Für eine detaillierte Beurteilung muss ich aber erst noch die Schnittränder untersuchen.«
Caro zwang sich, die hängende Frauenleiche erneut anzuschauen. Es kam ihr vor, als würde sie die Schreie der Frau hören. Als hätte der Mörder sein vor Blut triefendes Messer gerade aus ihr herausgezogen.
»Es sieht nach einem Ritualmord aus«, sagte sie leise. »Vielleicht mit einem religiösen Hintergrund.«
Die Rechtsmedizinerin nickte. »Verdammt makaber, in einer Kapelle.«
Berger ging um die Leiche herum. »Ist sie vergewaltigt worden?«
»Ich denke nicht. Mir sind auf den ersten Blick keine Verletzungen im Genitalbereich aufgefallen. Aber auch das kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen.«
Das Mordopfer musste etwa in Caros Alter gewesen sein, Mitte bis Ende dreißig, schlank und vermutlich attraktiv, wenn man sich die leichenblasse Haut und die verzerrten Gesichtszüge wegdachte. Warum war sie auf solch barbarische Art hingerichtet worden?
Berger untersuchte das Seil. Der Täter hatte es über einen Balken der Dachkonstruktion geworfen, dann das Opfer damit gefesselt, in die Höhe gezogen und anschließend das andere Ende an einem Fenstergitter befestigt. »Eine Frau können wir wohl ausschließen. Der Mörder muss ziemlich kräftig sein.«
»Das sehe ich genauso«, gab ihm Caro recht. »Auch die Brutalität der Tat spricht für einen Mann.«
»Mir sind noch weitere Schnittwunden aufgefallen«, meldete sich Simone Schweitzer zu Wort. »Am Rücken und auf der Unterseite der linken...




