E-Book, Deutsch, 330 Seiten
Stone Das xte Gebot
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96089-252-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 330 Seiten
ISBN: 978-3-96089-252-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seattle wird erschüttert durch eine Reihe grauenhafter Morde. Für Detective Peter Tao ist das eine Möglichkeit, auf der Karriereleiter nach oben zu gelangen. Aber bisher sucht er vergebens nach einer Spur. Wie sucht der Mörder seine Opfer aus? Was will er erreichen? Mit einer langen Liste an Verdächtigen, die scheinbar nichts verbindet, steht Peter vor einem Rätsel. Doch dann bekommt er den einen Hinweis und plötzlich fügen sich die Puzzleteile zusammen. Zu dumm nur, dass ausgerechnet seine neue Bekanntschaft, der geheimnisvolle Bryce Carrick, ein Teil des Puzzles zu sein scheint ...
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Kapitel 1
Ein neuer Tag, eine neue Leiche.
Ich hielt dem uniformierten Polizisten, der den Tatort bewachte, meine Marke unter die Nase und schlüpfte unter dem Absperrband durch. Der Wind, der von der nahe gelegenen Elliott Bay herüberwehte, kroch unter die Kleidung und brachte mich dazu, den Mantelkragen hochzuschlagen. Die aufgehende Sonne trug kaum dazu bei, die Kälte zu vertreiben.
„Hey, Detective Tao.“ Dr. Jill Trencher, die Gerichtsmedizinerin von King County sah auf. Der Tote lag auf dem Rücken, seine Jeans war halb heruntergezogen, Arme und Beine waren angelegt, die Augen weit geöffnet. Es schien zumindest, als wäre das Opfer männlich, ganz sicher war ich nicht. Die flache Brust unterstützte meine Annahme, aber es waren keine männlichen Genitalien zu sehen. Wo diese hätten sein sollen, war nur getrocknetes Blut.
„Was haben wir, Jill?“
Sie stand auf. „Weiß, männlich, Mitte zwanzig.“
Ich kniete mich hin, begutachtete den Körper und versuchte, mir die Gesichtszüge des jungen Mannes und sein Äußeres einzuprägen. Kurzes, hellbraunes Haar, Augenfarbe wie ein matter Penny. Gedrungener, muskulöser Körper. „Ursache und Zeitpunkt des Todes?“
„Todeszeitpunkt … gegen Mitternacht. Was das Wie betrifft – er hat eine Wunde im Nacken. Ich denke, der Mörder hat die Wirbelsäule durchtrennt. Der Tod ist ziemlich schnell eingetreten und schien schmerzlos gewesen zu sein.“
„Sogar die Kastration?“
„Es sieht so aus, als wäre die post mortem vorgenommen worden. Ich kann Ihnen mehr sagen, wenn ich ihn auf dem Tisch habe. Hier bin ich durch. Die Spurensicherung war auch schon da. Wir haben nur noch auf Sie gewartet. Sie haben länger gebraucht als gewöhnlich, um herzukommen.“
Ich stand auf und sah sie mürrisch an. „Ich war zu Hause im Bett und genau da sollte ich auch jetzt noch sein.“ Es gab keinen Grund, ihr zu sagen, dass ich nicht allein gewesen war oder wer mein Bett geteilt hatte. „Ich bin nicht der Detective in Bereitschaft.“
„Es war seine Schuld.“ Jill deutete hinter mich.
Ich drehte mich um und erblickte meinen Partner, Detective Jamey Nolan. „Warum bist du nicht zu Hause bei Chelsea?“
Er rollte mit den Augen und steckte seine Hände in die Taschen. „Ich war zufällig gerade auf dem Revier, als der Anruf der Hafenpatrouille hereinkam. Hörte sich nach einem interessanten Fall an, also habe ich ihn übernommen.“
„Soll ich dir vielleicht danken?“
„Ich schätze, du wirst dich damit abfinden müssen.“
Ich schnaubte, weil mir keine schlagfertige Erwiderung einfiel. Außerdem – ein Mann, der ermordet und kastriert worden war, konnte tatsächlich ein interessanter Fall werden. Eine erfrischende Abwechslung zu den Bandenmorden, die Jamey und ich zuletzt untersucht hatten, war es allemal.
„Seid ihr Jungs hier fertig? Kann ich die Leiche wegbringen lassen?“, fragte Jill.
Ich zückte mein Telefon und schoss ein paar Bilder vom Gesicht des Opfers.
„Ja, sind wir. Genug gejammert, Tao?“, fragte Jamey.
„Nicht annähernd“, antwortete ich grinsend. „Aber den Rest spare ich mir auf für später, wenn wir allein sind.“
Jamey und ich traten zur Seite und beobachteten, wie Jill und ihre Assistenten den Toten fortschafften.
„Also, warum warst du in aller Herrgottsfrühe auf dem Stützpunkt?“
Jamey antwortete nicht. Stattdessen drehte er sich weg und starrte auf die Bucht hinaus. Ich trat näher, legte sacht eine Hand auf seine Schulter. „Habt ihr wieder Probleme, Chelsea und du?“
Jamey funkelte mich an, aber aufgrund der Vergangenheit war meine Vermutung naheliegend. „Du kennst uns doch. Irgendwas ist immer.“
„Willst du darüber reden?“
Er sah mich kurz von der Seite an und schüttelte den Kopf. „Jetzt nicht.“
„Okay. Lass es mich wissen, wenn du es dir anders überlegt hast.“
Jamey wackelte mit den Augenbrauen und grinste mich breit an. „Ich will doch der Planung deiner Abendgestaltung nicht in die Quere kommen.“
Ich boxte ihm spielerisch mit dem Ellbogen in den Magen, was ihn vorgeben ließ, ich hätte ihn schwer getroffen. Soweit ich sagen konnte, war Jamey der einzige Arbeitskollege, der wusste, dass ich schwul war. Aber nicht, weil ich es ihm erzählt hatte. Er hatte es selbst rausgefunden – nicht wirklich überraschend bei seinen sechsundzwanzig Jahren Erfahrung als Detective – vor fünf Jahren schon, kurz nachdem wir begonnen hatten, zusammen zu arbeiten. Es machte ihm nichts aus. Tatsächlich mochte er es … nein, er liebte es, mich damit aufzuziehen.
„Wenn du dir wirklich Sorgen um meine Abendgestaltung gemacht hättest, hättest du den Fall nicht angenommen.“
Seine Augen wurden groß und er schlug die Hand vor den Mund. „Hattest du wieder – wie war nochmal sein Name?“
„Wenn du Haro meinst, dann ja. Er war letzte Nacht bei mir und wir haben beide geschlafen, als der Anruf kam.“
„Das ist jetzt was? Das vierte Mal, dass er bei dir übernachtet hat?“
„Das sechste Mal sogar“, erklärte ich. Als Jamey zwinkerte, fügte ich hinzu: „Dass du mir nicht auf falsche Gedanken kommst. Wir führen keine Beziehung. Haro und ich haben einfach viel gemeinsam, nämlich konservative, altmodische Eltern, die nicht so gut damit umgehen könnten, einen schwulen Sohn zu haben.“
„Ja, aber auch aus dieser Art von Bindung kann manchmal mehr werden.“
Ich warf ihm einen Seitenblick zu. „Selbst wenn das Schicksal vorgesehen hätte, dass ich mit einem Mann eine feste Beziehung eingehe, was lässt dich annehmen, dass ich es damit eilig habe?“
Er tätschelte meine Wange. „Ich will doch nur, dass mein bester Freund glücklich ist. Wenigstens einer von uns sollte das sein.“ Sein Gesicht wurde wieder traurig und ich wünschte, ich könnte etwas tun, um ihm zu helfen, aber solange ich nicht wusste, was los war ... „Ich brauche einen Kaffee, was ist mit dir?“
„Auf jeden Fall. Ich hatte noch keinen, seit ich heute Morgen so brutal geweckt wurde.“
„Ach, hör schon auf zu maulen.“
Wir steuerten den nächstgelegenen Starbucks an. In Seattle zu leben, bedeutete, dass es praktisch an jeder Ecke einen gab.
„Ich werde nicht aufhören, Blödmann. Ich hatte auf einen morgendlichen Blowjob gehofft.“
„Halt die Klappe, Peter. Du weißt, dass ich nichts von deinem Sexleben hören will.“
„Das liegt daran, dass du eifersüchtig bist. Vermutlich hattest du seit Monaten keinen Sex mehr.“
Statt mir jedoch eine schlagfertige Antwort um die Ohren zu hauen, wurde Jamey still. Ich wollte ich schon auffordern, mir zu erzählen, was ihn bedrückte, aber weder Ort noch Zeit erschienen mir passend, das Thema zu vertiefen. Also warteten wir schweigend, um die Straße zu überqueren. Im Coffeeshop waren drei Leute vor uns und offenbar hatte der Typ direkt vor der Theke noch nie eine Bestellung aufgegeben, denn er schien überwältigt von der Auswahl.
„Was hältst du von der Leiche?“, fragte ich.
Jamey sah sich um und flüsterte: „Das ist vielleicht nicht der richtige Ort, um sich über einen Toten zu unterhalten, dem sein bestes Stück abgeschnitten wurde.“
Ich zuckte mit den Schultern, denn es kümmerte mich nicht wirklich, ob jemand mithörte. Endlich an der Reihe bestellte Jamey für uns beide. „Zwei venti Pike’s Place Roasts, einen mit einem extra Schuss Espresso.“ Er lehnte sich zu der hübschen Frau an der Kasse. „Mein Kumpel hier braucht was zum munter werden, weil jemand seinen Schönheitsschlaf gestört hat.“
Sie kicherte und musterte mich. „Sieht nicht aus, als ob er allzu viel Schönheitsschlaf nötig hätte.“
Jamey lachte und ich spürte die Hitze in meinen Wangen aufsteigen.
„Ich bin gleich zurück“, murmelte ich, um der Situation zu entkommen. Hastig drehte ich mich um und eilte in Richtung der Toiletten. Ich konnte Jamey noch immer lachen hören, als die Tür hinter mir zufiel.
Da ich nicht wirklich pinkeln musste, spritzte ich mir lediglich kaltes Wasser in mein gerötetes Gesicht und wartete einen Moment, ehe ich in den Gastraum zurückkehrte. Jamey hatte sich derweil in einer Ecke niedergelassen und grinste noch immer bis über beide Ohren. Auf dem Weg zu ihm wurden unsere Namen aufgerufen, sodass ich auf halber Strecke kehrtmachte, der Barista unsere Getränke abnahm und mich bedankte. Als ich erneut den Raum durchquerte, warf ich einen Blick auf die Namen an unseren Bechern. Sein Name war falsch geschrieben – Jamie – wie gewöhnlich. Meiner war korrekt, aber darunter standen eine Telefonnummer und der Name Lisa. Ich sah zurück zur Kasse. Die Frau winkte mir zwinkernd zu und wieder konnte ich die Hitze in meinem Gesicht nicht kontrollieren, was Jamey ein erneutes Lachen entlockte. Mein letztes bisschen Selbstbeherrschung hielt mich davon ab, den heißen Kaffee nach ihm zu werfen.
„Du bist so ein Arsch“, murmelte ich, als ich mich ihm gegenübersetzte.
„Wirst du sie anrufen?“
„Ach, leck mich doch“, knurrte ich. Bemüht, mir dabei nicht anmerken zu lassen, dass ich es doch ein klein wenig komisch fand. Aber wirklich nur ein kleines bisschen.
„Sie wird am Boden zerstört sein.“
„Selbst wenn sie mein Typ wäre, sie ist mindestens zehn Jahre jünger als ich.“
„Oh, stimmt. Ich hatte Darren vergessen. Du stehst ja auf ältere Männer.“ Geschockt von...




