Stone | Mein Engel namens Amalie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Stone Mein Engel namens Amalie


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-1338-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7515-1338-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Skandal! Man sah, wie Alex seine Hand unter Amalies Röcke schob - niemand glaubt dem Medicus, dass er eine Verletzung untersuchen wollte! Ist eine Hochzeit noch vor Heiligabend die Lösung?



Lyns Ausflug in die Romanliteratur begann in den 90-ern. Am Valentinstag des Jahres 1996 unterschrieb sie ihren ersten Vertrag mit dem kanadischen Verlag Harlequin. 'Blumen, Süßigkeiten, Küsse und auch noch ein Buchverkauf! Es wird nie wieder so einen Tag wie diesen geben!'sagt sie begeistert! Lyn studierte Kunst und arbeitete in Europa, wo sie viele der Schauplätze aufsuchte, die heute in ihren historischen Romanen auftauchen. Zu der Zeit malte sie die historischen Sehenswürdigkeiten, die sie auf ihren Reisen besichtigte, und verkaufte die Gemälde. Zeitweise verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt als Designerin von Buchcovern, bis sie die Seiten wechselte und nicht mehr die Cover gestaltete, sondern die Romane verfasste, da sie förmlich süchtig nach den Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln war... 'Selbst zu schreiben war definitiv eine meiner besten Entscheidungen', bekennt sie. Heute leben sie und ihr Mann in North Alabama in der Nähe ihrer beiden Kinder und vier Enkel, die einen großen Beitrag zu ihrer Arbeit leisten, indem sie sich z. B. an der Recherche für ihre Romane beteiligen, und außerdem eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für die Personen in ihren Romane sind.

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1. KAPITEL

Ein britisches Hospital in Salamanca, Spanien

Ich werde nicht mitkommen, Harlowe, also Schluss damit!“, sagte Alexander Napier, allgemein Alex genannt. Er kümmerte sich nicht weiter um den englischen Leutnant, sondern konzentrierte sich auf die Übungen, die er beinahe stündlich absolvierte. „Au! Verdammt!“ Mühsam, mit zusammengebissenen Zähnen, streckte er abermals sein Bein.

„Lässt du für einen Moment von deinen Folterübungen ab und hörst mir zu?“, verlangte Michael Harlowe.

Alex unterbrach seine Anstrengungen, sah zu dem jungen Mann hoch und runzelte drohend die Stirn. „Bist du nicht für einen so kleinen Gockel ein bisschen frech? Ich würde dir raten, lieber noch um einen Fuß zu wachsen, ehe du es mit jemanden von meiner Größe aufnimmst.“

Michael auf seinem schmalen Feldbett machte eine Geste, als gäbe er auf. Doch Alex wusste es besser. Den Leutnant konnte nichts aufhalten, nicht einmal ein Captain, der fast doppelt so groß und schwer war wie er selbst und um sechs Jahre erfahrener. Und Vernunftgründe würden auch nicht zu ihm durchdringen, da schon wütende Appelle, den Mund zu halten, nichts ausgerichtet hatten. Der kleine Kerl war zu durchschaubar. Seit Tagen kauten sie dieses Thema durch, während der Zeitpunkt, dieses primitive Spital in Salamanca zu verlassen und ausgeschifft zu werden, immer näher rückte. Harlowe ließ einfach nicht nach und fand ständig neue Argumente.

„Wenn du partout nicht mit mir kommen willst, um dich auf Balmsley zu erholen, was willst du denn dann tun? Es ist wohl sinnlos, nach Kilamahew zurückzukehren, oder?“

Alex streckte sein Bein und drückte es gegen die Matratze. Der Schmerz sollte aufhören! „Das war auch nicht mein Plan.“ Er hatte sich überlegt, in London eine Wohnung suchen, zu sehen, ob er allein zurechtkäme.

Sein Freund grinste. „Also Edinburgh? Und bei deinem Onkel wohnen? Weißt du, du gehst auf die Dreißig zu. Ich kann dir zumindest Beschäftigung bieten.“ Jäh wurde er ernst. „Alex, bitte lass mich das für dich tun. Du hast mir das Leben gerettet!“

Alex schnaubte. „Wenn ich einfach liegen geblieben wäre und dich da direkt neben mir hätte verbluten lassen, wie hätte ich je wieder in den Spiegel schauen können?“

Das tat Michael mit einer Geste ab. „Du kommst mit mir, klar? Und wenn ich dir Laudanum in den Rachen schütten und dich bewusstlos mitschleifen muss!“

Alex fragte sich, ob der Bursche tatsächlich so weit gehen würde, um seinen Kopf durchzusetzen. Aber was konnte es schaden, nachzugeben? Offensichtlich bekümmerte es Michael, derart in seiner – Alex’ – Schuld zu stehen. Dabei empfand er selbst es nicht so; so weit es ihn anging, waren sie quitt, denn Michael seinerseits hatte verhindert, dass man Alex das Bein amputierte. Ein gerettetes Leben oder ein gerettetes Bein – hier an diesem elenden Ort mit Tod und Sterben ringsum kam das sowieso einem verdammten Wunder gleich.

Noch eine weitere Überlegung brachte Alex dazu nachzugeben. Maidstone lag nicht so weit von Balmsley entfernt, war sogar näher als London, und er musste dort, wenn möglich, unbedingt eine wichtige Angelegenheit klären.

„Gut, ich komme auf einen kurzen Besuch mit, wenn du nur aufhörst, mich zu plagen. Bis ich wieder auf den Beinen bin.“

Abscheulich, wie Michael seinem Blick auswich und die Lippen zusammenpresste.

„Ich weiß, was sie sagen, aber ich werde wieder laufen können! Vertue dich nur nicht!“, beharrte Alex. Er hatte es schon oft gesagt und arbeitet höllisch daran, damit es wahr würde. Es war fast sechs Wochen her, und es gab Fortschritte, das merkte er.

„Wenn wir zurück sind, wirst du dem besten Arzt Englands vorgestellt werden“, versprach Michael. „Was wissen diese Kurpfuscher hier schon? Zu Silvester wirst du tanzen, garantiere ich dir.“

Alex knurrte zustimmend. Bis zum neuen Jahr waren es beinahe vier Monate. Bis dahin …

Das wackelige Feldbett knarrte, als Michael sich aufsetzte. „Bis dahin würde ich mich wirklich gern deiner geschickten Feder bedienen wollen. Ich werde meine Memoiren schreiben, pass nur auf!“

Alex lachte laut heraus. „Deine ganzen zweiundzwanzig Lebensjahre oder nur die wichtigen Ereignisse?“

Michael schmunzelte einfältig. Unter anderem war es auch das, was Alex an Harlowe so sehr mochte. Er war ein Mann, der über seine eigene Narrheit lachen konnte, kannte das Geheimnis, wie man überlebte. Manchmal war Lachen der einzige Schutz, der einem geblieben war.

Es war schon Ende Oktober, als sie endlich in London eintrafen. Michael verkaufte umgehend und ohne Skrupel sein Offizierspatent, und Alex tat es ihm grämlich nach. Obwohl er überzeugt war, dass er letztendlich wieder würde laufen können, sah er doch ein, dass die Armee für ihn Vergangenheit war. Er hatte mehr als genug davon.

Im Stillen gestand er sich ein, dass dieser Besuch nur eine Verzögerungstaktik war. Es war höchste Zeit, dass er sich der Aufgabe stellte, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, doch er brauchte noch ein paar Wochen, um entsprechende Vorbereitungen zu treffen, in die Zivilisation zurückzufinden und wieder ein Mensch zu werden.

Gefragt hatte Alex nicht, trotzdem wunderte er sich schon, was Michaels Familie, und besonders dessen Vater, der zweite Baron Harlowe, davon halten mochte, dass sein ältester Sohn einen Schotten als Schoßhündchen mitbrachte. Vermutlich nicht viel, doch es würde sowieso nur bei einem kurzen Besuch bleiben.

Der Tag war eisig, und die Kälte kroch ihm bis ins Mark, während ihre Kutsche holpernd die zwanzig Meilen bis Balmsley, dem Familiensitz der Harlowes, zurücklegte.

Alex dachte an seinen kunstvollen Krankenstuhl. Michael hatte darauf beharrt, einen solchen bei einem Londoner Handwerker zu erwerben. Sie waren fast eine Woche geblieben, bis das Gerät so abgeändert war, dass Alex es eigenhändig von der Stelle bewegen konnte. Seltsam, dass diese Dinger nicht von vornherein so gefertigt wurden. Aber Michaels diesbezügliche Idee war großartig gewesen, und Alex erlangte mit dem Gerät ein gewisses Maß an Selbstständigkeit. Natürlich würde er dieses Hilfsmittel nur für eine befristete Zeit benötigen, aber man konnte es ja anschließend verkaufen.

Krücken, die auf seine Größe von mehr als sechs Fuß passten, waren nicht zu finden gewesen; er wollte sich darum kümmern, sobald sie ihr Ziel erreicht hatten. Wenn nötig, würde er sie eigenhändig schnitzen.

Michael war inzwischen ungewöhnlich still geworden. Alex wusste, er überlegte wie er seiner Familie am geschicktesten erklären konnte, warum er in Begleitung dieses außergewöhnlichen Gastes zu Hause erschien.

Wenn die Familie ihn, den Schotten, so sehr ablehnte, dass sie ihn fortschickte, würde er sich zumindest die Reisekosten leisten können. Sein ausgezahlter Sold war höher ausgefallen als erwartet, und sein Offizierspatent hatte ihm eine beträchtliche Summe eingebracht. Davon ließ sich eine Weile leben.

Wenn alles fehlschlug, würde er vermutlich immer noch seinen Onkel bitten können, ihm in Edinburgh eine Arbeit im klerikalen Bereich zu überantworten. Man würde sehen. Selbst unter besten Voraussetzungen waren sie beide nie gut miteinander zurechtgekommen. Onkel William hatte es ihm verübelt, dass er die Blackwatch-Farben angelegt und unter der englischen Flagge gedient hatte. Hatte es Weglaufen genannt, und Alex schätzte, das war es auch gewesen, doch er hatte nicht gewusst, was er sonst hätte anfangen sollen. Und den einzigen Beruf, den er gelernt hatte, hatte er nicht mehr ausüben wollen.

„Da!“, rief Michael und zeigte aus dem Fenster. „Da über den Bäumen siehst du Balmsleys Türme!“

Alex seufzte. „Es ist eine Burg?“

„Nein! Nur ein Herrenhaus. Aber es ist groß, nicht wahr? Ich liebe es. Hätte nie gedacht, dass es mir so sehr fehlt.“ Ungläubig schüttelte er den Kopf. „Ich war so verflucht wild darauf, fortzukommen. Aber Vater wird jetzt teuflisch froh sein, mich wiederzusehen, pass nur auf! Auch froh, dich hierzuhaben, wette ich. Immerhin hast du mir meine elende Haut gerettet. Ich bin sein einziger Erbe. Amalie ist nur ein Mädchen.“

„Wie alt ist deine Schwester?“

„Vierundzwanzig“, antwortet Michael abwesend, den Blick immer noch fest auf das Herrenhaus geheftet, das jede Minute näher kam, während der Wagen über die lange, baumgesäumte Auffahrt ratterte.

„Zwei Jahre älter als du? Wirklich? So, wie du über sie sprichst, habe ich die ganze Zeit gedacht, sie wäre noch ein Kind.“

„Ist sie auch. Frauen werden nie erwachsen.“

Alex schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. „Ah, Halowe, du musst wahrhaftig noch eine Menge lernen.“

Seine Worte blieben unbeachtet, da die Kutsche vor dem riesigen roten Sandsteingebäude zum Stehen kam, das mit einem doppelflügligen Portal aus dicken Eichenbohlen prunkte. Im gleichen Moment flog einer der Türflügel auf, und ein kleiner weißhaariger Gentleman stürzte ihnen daraus entgegen. Ohne Hut, die Brokatweste offen, mit loser Halsbinde, deren Enden im Wind flatterten. „Michael!“, rief er.

Mit begeistertem Aufschrei stieß Michael den Wagenschlag auf, sprang hinaus und umarmte den alten Herrn. Wie toll tanzten sie umher und schlugen einander auf den Rücken. Gewiss konnte es doch nicht der Baron persönlich sein, wenn auch von Hartlepool aus ein Reiter vorgeschickt worden war, um ihre Ankunft anzukündigen.

Unbeweglich wie ein Gepäckstück...



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