E-Book, Deutsch, Band 3, 368 Seiten
Reihe: Shifter-Island
Stone / Wagner Shifter Island - Der Geist des Magiers
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7390-4
Verlag: ONE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das große Finale der hochromantischen Fantasy-Trilogie: Shapeshifter, Forbidden Love & prickelnde Gefühle
E-Book, Deutsch, Band 3, 368 Seiten
Reihe: Shifter-Island
ISBN: 978-3-7517-7390-4
Verlag: ONE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Nai steht alles auf dem Spiel: das Band zu ihrem Schicksalsgefährten, die Sicherheit ihrer Familie und ihre eigene Freiheit. Die Akademie der Hochmagier ist völlig anders, als sie es ich vorgestellt hat, und Nai wünscht sich nichts sehnlicher, als zurück an Rage' Seite zu kehren. Doch als dunkle Mächte nicht nur Shifter Island, sondern auch High Mage Island bedrohen, müssen sich die Magier und Gestaltwandler zusammenraufen, um nicht jede Hoffnung auf Frieden zu verlieren. Nai muss sich fragen, wer wirklich auf der Seite des Bösen und des Guten steht - und wem sie vertrauen kann.
Leia Stone ist eine USA-Today-Bestseller-Autorin, die schon zahlreiche Bücher veröffentlicht hat. Wenn sie nicht gerade mit ihren zwei Kindern durchs Haus tobt, schreibt sie neue Geschichten oder vergräbt ihre Nase in einem Buch. Zusammen mit ihrem Mann, den Zwillingen und dem Hund der Familie lebt sie in Spokane Valley, Washington.
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KAPITEL 2
Reyna, mein Großvater und ich standen auf einem Hof vor einem riesigen Gebäude namens »Bibliothek der Aufzeichnungen«. Drei Stufen führten hinauf zu einer großen Steinterrasse vor einer Schiebetür aus Glas. Die Front des Bauwerks bestand durchgehend aus Fenstern. Ein sanfter Schimmer unmittelbar nach dem Eingang hielt die Dunkelheit drinnen in Schach. Trotz des Lichts konnte ich im Gebäude niemanden ausmachen, was hoffentlich bedeutete, dass wir allein waren. Über den von einer hüfthohen Hecke umgebenen Hof verteilten sich mehrere Bänke aus Stein. Obwohl pechschwarze Finsternis herrschte, kauerten wir hinter einem Buchsbaum.
»Warum noch mal verstecken wir uns?«, flüsterte ich.
Mein Blick wanderte von Grandpa, der mit geschlossenen Augen so langsam ein- und ausatmete, dass er schlafend wirkte, zu Reyna, die mich ignorierte.
»Kian ist da drin«, antwortete mein Großvater.
Ich versteifte mich. Wie vermochte Grandpa das von draußen zu sagen? Ich wollte es gar nicht wissen.
Aber es schien eine coole Jedi-Kraft zu sein, die ich hoffentlich irgendwann auch lernen würde.
Reyna verstärkte den Griff um ihr Schwert und knurrte. »Der alte Knochensack wird versuchen, Nai daran zu hindern, ihren Namen als deine Erbin einzutragen.«
Grandpa grinste. »Der ›alte Knochensack‹ ist mindestens fünfhundert Jahre jünger als ich. Aber du hast recht. Er wird es versuchen.« Kurz tippte er sich ans Kinn, bevor er den Kopf schüttelte. »Er muss Wind von Nais Anwesenheit hier bekommen haben.«
Reyna rieb sich die Hände. »Wie sieht der Plan aus? Soll ich sein Haus anzünden oder so?«
Mein Großvater reagierte mit einem missbilligenden Laut auf ihren Vorschlag, ich hingegen sah darin eine brauchbare Idee.
Mit einem weiteren Kopfschütteln bahnte sich Grandpa mit dem Gehstock einen Weg aus dem Gebüsch. Für seinen zusehends schlechteren Zustand bewegte er sich erstaunlich leise. »Nein, das geht nicht. Es würde uns am Ende auf den Kopf fallen. Aber wir brauchen eine Ablenkung.« Er sah mich an. »Wenn Kian herausrennt, huschst du hinein, suchst die Meisterschriftrolle und unterschreibst mit deinem Namen unter dem deiner Mutter. Verstanden?«
Ich schluckte, ehe ich nickte, denn was hatten wir schon für eine Wahl? »Verstanden.«
Meinen Namen auf eine Schriftrolle schreiben. Wie schwer konnte das sein?
Reyna wippte auf den Fersen und grinste wie eine Irre. »Was für eine Ablenkung? Soll ich jemanden abmurksen?«
Grandpa verdrehte die Augen. »Ich täusche einen Herzinfarkt vor. Hoffentlich können deine Fähigkeiten als Schauspielerin deinem Blutdurst das Wasser reichen. Komm mit.«
Er humpelte auf das Gebäude zu, bis er sich im Sichtbereich der Doppeltür befand.
»Aaarrrh!«, rief er und umklammerte seine Brust.
»Showtime.« Reyna zwinkerte mir zu, sprang hinter der Hecke hervor und eilte zu ihm.
»Hilfe!« Sie fiel auf die Knie, fasste sich ebenfalls an die Brust und röchelte dramatisch.
Ich runzelte die Stirn. Einen Moment lang verwirrte mich, warum sie einen Herzinfarkt vortäuschte. Dann dämmerte es mir. Reyna war seine Schildwächterin. Wenn ihn so etwas ereilte, wirkte es sich auf sie aus ...
Hieß das, auch sie würde in wenigen Monaten sterben?
Der Gedanke entsetzte mich. Aber bevor ich darüber brüten konnte, glitten die Schiebetüren auf. Kian und dessen Sohn Julian, den ich auf der Alpha-Insel schon gesehen hatte, rannten heraus und kamen schlitternd zum Stehen.
»Was ist hier los?« Erschrocken blickte Kian auf Reyna und Grandpa hinab.
Die Adern am Hals der Schildwächterin traten hervor. »Kriege ... keine ... Luft.«
Mein Großvater lag auf der Terrasse aus Stein und zitterte so heftig, als hätte er einen epileptischen Anfall. Ich war mir nicht sicher, ob das zu den Symptomen eines Herzinfarkts gehörte, doch sowohl Kian als auch sein Penner von einem Sohn glotzten wie gebannt hin. Ich nutzte die Ablenkung, schlich unbemerkt um sie herum und durch den Eingang hinein. Danach dauerte es einen Moment, bis sich meine Augen an die Helligkeit anpassten. Der Duft von Öl und Leder stieg mir in die Nase. Einen Atemzug später sah ich mich um, und mir fiel die Kinnlade runter.
Heilige Mutter Magierin.
Die Bibliothek der Aufzeichnungen erwies sich als ... gewaltig.
Bücherregale erstreckten sich vom Boden bis zur Decke, alle gefüllt mit kaffeebraunen Lederbänden, jeweils etwa zwei Zentimeter dick. Zu meiner Linken befand sich ein zum Glück unbesetzter Empfangsschalter. Ich huschte in die erste Regalreihe und suchte die Buchrücken ab.
10.000 v.?Chr.
9.999 v.?Chr.
9.876 v.?Chr.
Du lieber Magierhimmel! Es handelte sich um Daten – die das Alter meines Großvaters bei Weitem überstiegen! An sich logisch, immerhin lebte er bereits seit tausend Jahren, und ich hatte fünf seiner Vorgänger kennengelernt. Allein das ergab sechstausend Jahre – sofern sie alle ihre volle Lebensspanne ausgeschöpft hatten und nicht vorzeitig umgekommen waren.
Jeder Augenblick in diesem Raum warf zig neue Fragen auf.
Konzentrier dich!, herrschte ich mich in Gedanken an.
Als ich zum nächsten Regal trat, stellte ich fest, dass es mit 8.000 v.?Chr. begann. Somit wusste ich zumindest, in welche Richtung ich musste. Ich rannte durch die Gänge, bis ich das aktuelle Jahrhundert erreichte. Für jedes Jahr gab es ein eigenes Buch. Grandpa hatte gesagt, ich sollte meinen Namen unter den meiner Mutter setzen. Allerdings konnte er nicht im diesjährigen Buch stehen ... weil sie gestorben war.
Verflixt.
Das Jahr meiner Geburt.
Ich rannte zurück zu 1999 und öffnete das Buch. Hastig blätterte ich durch die Seiten für Luft, Feuer, Wasser ... Da! Ich fand das Geistelement.
Meistermagier: Geoff Drudner
Erbin/Erbe:
Dort stand nichts.
Leer?
Gedämpft drangen Stimmen an mein Ohr. Ich schlich zum Ende der Regalreihe, spähte um die Ecke und beobachtete, wie Kian und sein Sohn zurück ins Gebäude marschierten.
»Was für ein Trottel«, sagte Kian barsch, die Augen zu Schlitzen verengt.
Ich eilte zurück und schnappte mir die Bücher für 1998 und 2000. Dann huschte ich in der Hoffnung, den Magiern auszuweichen, mehrere Reihen weiter. Ich musste mich nur eintragen ... Oh Mist! Ich hatte keinen Stift dabei.
»Glaubst du, sie ist hier?«, fragte Kians Sohn.
Mein Herz donnerte wild gegen die Rippen, als sie den Empfangsschalter passierten und tiefer in die Bibliothek der Aufzeichnungen vorrückten.
Kian versetzte dem jüngeren Magier einen Klaps auf den Hinterkopf. »Natürlich ist sie das«, erwiderte er knurrend. »Jetzt lass sie uns suchen.«
Sie spähten in die diesem Jahrhundert näheren Reihen. Ich rannte zum Empfangsschalter und versteckte mich dahinter, als Kian aus dem Gang auftauchte, in dem ich mich eben noch befunden hatte.
»Wo ist die Kleine? Ich weiß, dass sie hier ist«, raunte er barsch.
Meine Hände zitterten, während ich den Rücken des Buchs von 1998 umklammerte. War es das letzte Jahr der Ausbildung meiner Mutter gewesen? Vielleicht hatte sie sich 1999 nicht mehr eingetragen, weil sie mit mir schwanger gewesen war. Hatte das der Erbfolge einen Riegel vorgeschoben? Ich wusste nicht, wie es genau funktionierte, aber Grandpa hatte ausdrücklich gesagt, mein Name müsste unter den meiner Mutter. Wieder suchte ich die Seite für das Geistelement. Mein Blick heftete sich dort auf die Namen.
Meistermagier des Geistelements: Geoff Drudner
Erbin: Elia Drudner
Aufnahme: abgeschlossen am 2. August 1998
JA!
Ich wirbelte herum, erspähte einen Stift oben auf dem Pult und schnappte ihn mir.
»Schon komisch, dass Sodbrennen und ein Herzinfarkt so ähnliche Symptome haben«, meinte Reyna, als sie die Halle betrat.
»Wo ist sie?«, zischte Kian und kam durch einen anderen Gang angerannt.
Ich blendete sie aus und kritzelte mit zittriger Hand meinen Namen in Schreibschrift hin.
Nai Crescent. Dann fügte ich aus einem Bauchgefühl heraus einen Bindestrich und Drudner hinzu.
Sobald ich den Stift von der Seite hob, flammte Licht vom Papier auf, und Hitze wehte mir ins Gesicht. Ich schloss die Augen, um nicht geblendet zu werden, als die Magie über mich hinwegströmte.
»Nein!«, schrie Kian auf. Die Panik in seiner Stimme brachte mich zum Grinsen.
Dann erlosch das Licht, und ich blinzelte. Kian, sein Sohn, Grandpa und Reyna starrten mich von gegenüberliegenden Seiten über den Empfangsschalter hinweg an.
»Oh. Hi, Leute.« Ich lächelte. Hoffentlich bedeutete das Lichtspektakel, dass ich als Erbin des Geistelements an Bord war.
»Überprüf die Bücher«, herrschte der Meister des Wasserelements seinen Sohn an.
Der junge Magier rannte zu den Regalen und begann,...




