Stone | Western Legenden 11: Der Marshal von Cow Springs | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 11, 166 Seiten

Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)

Stone Western Legenden 11: Der Marshal von Cow Springs


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-411-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 11, 166 Seiten

Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)

ISBN: 978-3-95719-411-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der ehemalige Revolvermann Ben Stryker kehrt zurück nach Cow Springs. Dort versucht er den Tod seines besten Freundes, dem Marshal von Cow Springs, aufzuklären. Dabei stößt er in ein Wespennest voller Hass und dunkler Intrigen. Schon bald gerät Stryker in den Sog dieser Machenschaften. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt. Die Printausgabe umfasst 198 Buchseiten.

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1. Kapitel

Arizona kannte er noch nicht. Nur vom Hörensagen. Vermutlich war es hier auch nicht anders, als unten in Texas. Oder anderswo. Für ihn spielte das keine Rolle. Und im Grunde war es ihm auch völlig egal. Er war sattelmüde und sehnte sich nach einem heißen Bad, einer Rasur und einem vernünftigen Mahl. Seine eigene Küche hatte er gründlich satt, die fast ausschließlich nur aus Bohnen, Speck und Trockenfleisch bestand. Zählte man noch den Kaffee dazu, war das wirklich alles, was er sich selbst anzubieten hatte.

Nach einem langen Ritt durch staubiges und menschenleeres Land lagen nun die ersten Häuser von Cow Springs vor ihm. Früher gehörte dieses Land den Apachen. Aber diese Zeit war seit einigen Jahren vorbei.

Nun, in Cow Springs, so wusste Ben Stryker, würde er einem Mann begegnen, den er lange Zeit nicht mehr gesehen hatte, der ihm aber immer noch sehr viel bedeutete.

Seinen Auftraggeber kannte er persönlich nicht. Auch nicht den Job, der ihn erwartete. Ben Stryker wusste nur, dass es sich um eine lukrative Sache handeln sollte, bei der ein Mann wie er dringend gebraucht wurde.

Ja, ein Mann wie er.

Schon längst machte er sich keine Illusionen mehr darüber, dass es wieder mal nicht ohne Pulverrauch abgehen würde. Denn auch hier in Arizona eilte ihm sein Ruf bereits voraus. Und der hinterließ einen bitteren Geschmack auf der Zunge.

Irgendwann, so schwor er sich, würde er seinen Remington an den Nagel hängen und friedlich seines Weges ziehen.

Nun, möglicherweise nur noch dieser eine Job, und dann wäre es so weit.

Ja, vielleicht.

Aber wer wusste das schon ...

*

Doc Rulltyre schob seine rundliche Gestalt durch die Pendeltüren des Sugarhead-Palace hinaus ins Freie. Sein Gesicht war verschwitzt und gerötet. Die Folge einiger Drinks, die er sich eben noch nach einem üppigen Mittagsmahl einverleibt hatte. Mit einer fahrigen Bewegung wischte er sich den Schweiß von der Stirn und trat auf die schmutzigen Gehsteigbohlen. Dabei schwankte er ein wenig und spürte sogleich einen lästigen Druck in der Magengegend.

„Verdammter Brandy“, fluchte er leise vor sich hin. „Ich sollte nicht schon mittags damit anfangen.“

Mit dieser Erkenntnis, die er bereits öfter getroffen hatte, sah er sich verstohlen zu beiden Seiten um. Niemand war in der Nähe. So hob er sein rechtes Bein, verzog das Gesicht und drückte ungeniert die Luft geräuschvoll aus seinem Darm. Übler Gestank hüllte ihn ein. Aber er fühlte sich befreit. Ein erleichtertes Stöhnen folgte, und er fischte eine von seinen dicken Zigarren aus der Rocktasche, kramte in den Hosentaschen nach einem Streichholz, fand eins und zündete die Zigarre an. Dann lehnte er sich an einen schlanken, von Pferden angeknabberten Stützpfeiler. Paffend zog er an seiner Zigarre, bis dichter Tabakqualm sein schwammiges Gesicht umwölkte. Und durch diese Schwaden hindurch sah er den Reiter, der aus südlicher Richtung über die Main Street geritten kam.

Pferd und Reiter waren staubbedeckt, schienen einen langen Ritt hinter sich zu haben. Der Mann hatte seinen Hut tief ins Gesicht gezogen, sodass dieses vor Rulltyres Augen verborgen blieb. Seine Kleidung war vom vielen Waschen ausgeblichen und wirkte abgetragen.

Aber das tat nichts zur Sache.

Doc Rulltyre hatte diesen Mann noch nie zuvor gesehen. Und doch ahnte er, wer er war, und weshalb ihn sein Weg in diese Stadt geführt hatte.

Die Blicke aus rot geränderten Augen folgten dem Reiter, bis dieser hinter der Biegung der Straße verschwunden war.

Noch vor ein paar Minuten hatte der Doc beabsichtigt, den Weg zu seiner Praxis einzuschlagen, die sich ein paar Häuserreihen weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand. Diesen Gedanken verwarf er ganz schnell. Stattdessen verharrte er eine Weile auf dem Gehsteig und paffte heftig an seiner Zigarre.

Eine kurze Zeit lang später sah er den Mann wieder auftauchen, zu Fuß und ohne Pferd, um in Fentons Barbierladen zu verschwinden.

Rulltyre war sich seiner Sache jetzt sicher. Er warf seine halb gerauchte Zigarre in den Straßenstaub, löste sich vom Haltebalken und setzte sich in Bewegung. Mit schnellen, unsicheren Schritten überquerte er die Straße, erreichte das Marshal Office und trat ein, ohne anzuklopfen.

Rulltyre fand den Marshal zusammengesunken auf einem Stuhl hinter dem Schreibtisch vor. Seine langen Beine lagen übereinandergeschlagen auf der narbigen Schreibtischplatte.

Er schien ein Nickerchen gemacht zu haben. Jetzt schrak er plötzlich hoch, und sogleich dröhnte Rulltyre des Marshals Reibeisenstimme entgegen: „Verdammt noch mal, Doc Rulltyre! Kannst du nicht anklopfen, wie’s jeder normale Mensch auch tun würde? Zum Teufel mit dir, du verfluchter Quacksalber!“

Rulltyre schenkte der barschen Zurechtweisung keine Beachtung. Schließlich kannte er den Marshal lange genug, um für dessen unsensible Äußerungen empfänglich zu sein.

„Er ist angekommen, Keith“, kam es stattdessen über Rulltyres Lippen.

Marshal Keith Holbrooks Beine verschwanden von der Tischplatte. Langsam zog sich seine hagere Gestalt aus dem Stuhl und richtete sich auf, starrte dem Doc stirnrunzelnd und verschlafen entgegen.

„Von wem redest du?“

Rulltyre trat dicht an den Schreibtisch heran, bis sein rundlicher Bauch die Tischplatte berührte.

„Von dem Kerl, nach dem Broderick Rodeen geschickt hat. Von wem wohl sonst?“

„Hm ...“, machte Holbrook und rieb sich übers unrasierte Gesicht. „Bist du sicher?“

Rulltyre nickte. „Ziemlich.“

„Wie sah der Bursche aus?“

„Hager und abgerissen. Wie ein Wüstenwolf. Ungefähr deine Größe. Er kam vor wenigen Minuten auf ’nem langbeinigen Falben die Straße entlang geritten. Jetzt sitzt er bei Fenton. Brauchte wohl dringend ’ne Rasur.“

„Ach, sieh mal einer an! Verdammt noch mal, Doc! Die Beschreibung könnte auf jeden Zweiten hier in der Gegend passen.“

„Ich habe den Mann vorher noch nie gesehen. Also ein Fremder. Aber eins und eins lassen sich prima zusammenzählen, nicht wahr? Fremde verirren sich selten in unsere Stadt. Es sei denn, sie werden gerufen. Und der Kerl wirkte nicht wie einer, der nur so auf der Durchreise ist.“

„Na, dann werde ich mir den Vogel mal genauer ansehen“, brummte der Marshal. Er ging um Rulltyre herum zum Waffenständer. Dort blieb er stehen und langte nach einer Winchester, zog sie heraus und riss den Repetierer einmal vor und zurück. Dann klemmte er sich die Waffe unter den Arm.

Rulltyre, der den Marshal die ganze Zeit beobachtete, verzog sein Gesicht.

„Denkst du, dass es nötig ist? Das Gewehr, meine ich.“

„Nur zur Sicherheit. Bis ich weiß, ob es wirklich der Kerl ist, den wir erwarten.“

„Soll ich mitkommen?“

Holbrook, der sich schon fast an der Tür befand, drehte den Kopf in Rulltyres Richtung.

„Danke. Aber mit meinem Job werde ich schon allein fertig. Dafür werde ich bezahlt. Kümmere du dich lieber um deine Patienten.“

Das klang nicht freundlich und Doc Rulltyre sandte dem Marshal einen grimmigen Blick hinterher, als dieser aus dem Office verschwand.

„Du eingebildetes Arschloch“, kam es über seine Lippen, ohne dass Holbrook es hätte hören können. „Der Teufel soll dich holen!“

Aber er grinste dabei. Das nahm den Stachel aus seinen Worten.

Wieder spürte er, dass es in seinen Därmen drückte. Wie vorhin auf dem Gehsteig, ließ er seinen Druck ab, hinterließ eine übel riechende Duftwolke und folgte Marshal Holbrook nach draußen.

*

Keith Holbrook erreichte Roscoe Fentons Frisiersalon. Er legte die Winchester in seine rechte Hand und spähte durch das große Fenster hinein. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich im Fensterglas. Erkennen konnte er also nicht viel. Der Marshal stieß die Tür nach innen auf. Ein schrilles Glöckchen kündigte seine Ankunft an. Frischer, seifiger Duft stieg ihm in die Nase. Aber den beachtete er nur am Rande. Vielmehr interessierte ihn der Mann, der sein frisch rasiertes Gesicht und den neuen Haarschnitt im Spiegel betrachtete.

Denn den erkannte er sofort.

Holbrook stieß die Tür mit dem Absatz ins Schloss und lehnte sich an den Türrahmen. Er hob die Waffe, richtete den Lauf auf den breiten Rücken des Mannes. Er grinste schief. Aber der schroffe Ton in seiner Stimme strafte diesem Grinsen Lügen, als er sagte: „Du bist jetzt hübsch genug, Ben Stryker. Dreh dich langsam zu mir herum. Und lass die Finger da, wo ich sie sehen kann.“

Roscoe Fenton, der neben dem Frisierstuhl stand, starrte Holbrook entgeistert an. Dabei machte er unweigerlich einen Schritt zur Seite.

Ben Stryker wandte sich dem Marshal zu. Er schob das Frisiertuch achtlos beiseite, erhob sich aus dem Frisierstuhl und trat auf Holbrook zu. Sein breites Schmunzeln zog sich durch sein frisch rasiertes, wettergebräuntes Gesicht. Zwei wasserblaue Augen lagen darin verborgen, die einen scharfen Kontrast zu seiner Gesichtshaut bildeten. Es waren Augen, die sich je nach Gemütsfassung stark verändern konnten. In diesem Augenblick waren sie hell – Holbrook bemerkte den amüsierten Ausdruck darin. Aber auch eine leichte Spur von Gefahr.

Etwa zwei Meter vor Holbrook blieb Stryker stehen. Sein dunkles Timbre wehte zu ihm heran: „Keith Holbrook, hol’s der Teufel. Hast ja ’n hübsches Abzeichen auf deiner Brust. Alle Achtung. Aber wozu die verdammte Artillerie?...



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