Stone | Western Legenden 26: Der Damm von Baxter Ridge | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 26, 178 Seiten

Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)

Stone Western Legenden 26: Der Damm von Baxter Ridge


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-536-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 26, 178 Seiten

Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)

ISBN: 978-3-95719-536-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Luke Dawson bringt den toten Viehtreiber nach Baxter Ridge, dessen letzter Wille es war, dort beerdigt zu werden. Kurz darauf gerät Luke in einen Kampf zweier hitzköpfiger Parteien, in den auch Trailboss Nolan Harper und seine Mannschaft hineingezogen werden.

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Prolog

Das Knattern eines heranfahrenden Automobils durchdrang die Stille des jungen Morgens und Luke Dawson zog ärgerlich die Brauen zusammen. Eine Weile hatte er auf der Veranda seines doppelstöckigen Ranchgebäudes gesessen, in Ruhe seine morgendliche Pfeife geraucht und den Sonnenaufgang beobachtet, der sich hinter den fernliegenden Hügelketten vollzogen hatte. Ein Ritual, das sich seit vielen Jahren vollzog, und auf das Luke nie mehr verzichten würde. Er war nun einmal ein Mann, der von jeher mit der Natur im Einklang stand. Und gerade den Frühling liebte er am meisten. In dieser Jahreszeit war die Luft angefüllt mit dem Duft des Salbeis, dem harzigen Geruch der Lodgepole-Fichten und dem Duft blühender Creosotbüsche. Dies alles gab es um seine Ranch herum in Hülle und Fülle. Dieser Ford, der jetzt über die breite Hofeinfahrt gefahren kam, war für ihn nur ein lästiger Störfaktor, der einfach nicht in die gesamte Umgebung passen wollte. Aber auch hier in dem Landstrich, der nicht großartig besiedelt war, hatte der Fortschritt Einzug gehalten und in Lukes Augen bereits deutliche Spuren hinterlassen. Und gerade die knatternden Benzinkutschen, die die Luft verpesteten, waren ihm ein mächtiger Dorn im Auge. Immer mehr nahmen diese Dinger zu, und in El Vado, die Stadt, die der Ranch am nächsten lag, füllten sie die Straßen und parkten die Gehsteige zu. Jeder, der etwas auf sich hielt, tauschte Pferd gegen ein Automobil und war auch noch stolz darauf. Für einen Mann wie Luke Dawson unfassbar. Er konnte es nicht begreifen.

Dicht vor der Veranda kam das knatternde Gefährt zum Stehen, und es war Jim, Lukes ältester Sohn, der aus dem Wagen stieg und mit einem breiten, stolzen Lächeln zu seinem Vater herübersah. „Morgen, Dad“, dröhnte es zu Luke heran, der sich inzwischen aus seinem Stuhl erhoben und die Verandastufen erreicht hatte. „Den habe ich gerade bei Crusader, dem Autohändler in El Vado abgeholt. Fabrikfrisch. Was sagst du dazu? Ist das nicht ein herrlicher Wagen?“

„Zum Teufel“, brummte Luke und klopfte seine Pfeife am Haltebalken aus. „Jetzt haben wir schon vier von diesen stinkenden Krachmachern auf der Firebrand stehen. Was soll das hier werden, Jim? Und wo soll das enden? Bald können wir selbst ’nen verdammten Autohandel aufmachen, statt Rinderzucht zu betreiben. Zur Hölle mit diesen luftverpestenden Dreckschleudern.“

Jim lachte laut, strich mit der Handfläche über das Verdeck seines neuen Ford T. „Ich weiß einfach nicht, was du hast, Dad. So ein Auto erspart viel Zeit, und es lässt sich bequem darin fahren. Komm, wir beide machen ’ne kleine Spritztour und fahren ein bisschen übers Land.“

Luke machte eine unwirsche Handbewegung und schüttelte energisch den Kopf. „Tu nur, was du nicht lassen kannst, Jim. Aber ohne mich.“ Er deutete mit einer ruckartigen Kopfbewegung zum Pferdestall. „Da drinnen stehen die Fortbewegungsmittel, die für mich geeignet sind. Ja, ich werde eine sogenannte Spritztour machen – im Sattel meines Braunen, mein Sohn.“

Jim, der eine große Ähnlichkeit mit seinem Vater hatte, als dieser noch wesentlich jünger war, zuckte nur verständnislos mit den Schultern. In vielen Dingen waren sie sich einig, Vater und Sohn. Aber wenn es um den Fortschritt des Landes ging, kamen sie einfach auf keinen gemeinsamen Nenner.

„Wie du meinst, Dad. Gott sei Dank sieht Mom die Sache anders an. Zum Geier, die stellt sich nicht so verknöchert gegen den Fortschritt wie du. Und Linda und meinen beiden Kindern werde ich damit ’ne tüchtige Freude gemacht haben – von mir selbst einmal abgesehen.“

Luke war seinem Sohn auf ein paar Schritte nähergekommen und legte ihm die lassonarbige Rechte auf die Schulter. Als er sprach, tat er es mit einem Lächeln: „Lass gut sein, Jim. Telefone und Autos passen nun einmal nicht in meine Weltanschauung.“

„Und was ist mit der Eisenbahn? Die war ja zu deiner Zeit auch schon revolutionär und hatte riesige Auswirkungen auf ein neues Leben, findest du nicht?“

„Scheiß drauf, da war ich jünger“, brummte Luke und schlenderte gemächlich zum Pferdestall. Jim, der ihm eine kurze Weile hinterherblickte, schüttelte nur den Kopf. Dann warf er einen liebevollen Blick auf seinen neu errungenen Fort T, der im Volksmund Tin Lizzy1 genannt wurde, und das strahlende Lächeln eines stolzen Besitzers zog über sein markant geschnittenes Gesicht. Seine Hand strich liebevoll über das Verdeck der neuen Errungenschaft hinweg. Vergessen war der kurze Dialog mit seinem Vater.

*

Als Luke Dawson im Sattel des Braunen saß, fühlte er sich wie ein Mann von vierzig statt der fünfundsiebzig, die er bereits an Jahren zählte. Und auch die Figur, die er als Reiter dabei machte, glich der eines wesentlich Jüngeren. Luke war es von jeher gewohnt, auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen. Und er würde erst damit aufhören, wenn die Zeit gekommen wäre, Abschied von Gottes Erden nehmen zu müssen. Er war ein Mann, der in diesem Land aufgewachsen war und den eine unstete Triebhaftigkeit über den Großteil seines Lebens hinweg begleitet hatte. Zur Ruhe gekommen war dieser Mann nie, auch nicht, als er sich vor vielen Jahren entschloss, gemeinsam mit seiner Frau Rhianna auf der Firebrand-Ranch zu leben.

Rhianna, so war ihm schon lange klar, war der ruhende Pol in seinem Leben. Ein Leben ohne sie und auch den Kindern, die bereits erwachsen waren, war für ihn unvorstellbar. Aber ein anderer Wesenszug in ihm zwang ihn immer wieder in den Sattel. Er brauchte nun einmal die Weite dieses Landes, mit den unzähligen Bergen, Tälern, Wäldern, Flüssen und Prärien – diese Freiheit, die er damit verband – wie die Luft zum Atmen.

Zappelfuß-Dawson, so hatten ihn viele Menschen genannt. Und damit war schon viel über diesen Mann gesagt.

Der Ausritt, den er jetzt unternommen hatte, hatte kein bestimmtes Ziel. Er ritt des Reitens willen, ließ sich und sein Pferd dabei treiben wie ein Blatt im Wind. So, wie er es früher oft getan hatte. Irgendwann lenkte er seinen Braunen einen schmalen Pfad entlang, der hinauf zu einer Felsleiste führte. Dort angekommen, verhielt er sein Pferd, legte sein rechtes Bein über den Sattel und gönnte sich eine kurze Pause. Die Blicke seiner zusammengezogenen Augen spähten hinunter in ein ausgedehntes Talbecken, durch das sich die Hauptstraße zog, die nach El Vado führte. Parallel zur Straße schlängelte sich der Rio Chama durch das wellenförmige Land. Hinter dem Fluss stieg das Land seicht an und war mit mehreren Gruppen von Chihuahua-Fichten bestückt. Diese Fichten zeichneten sich durch ihre extrem spitzen Nadeln und ihre immergrüne Farbe aus.

Luke zog sein Rauchzeug aus der Brusttasche seines grauen Flanellhemdes. Früher hatte er sich häufig Zigaretten gedreht oder Zigarren geraucht, seit ein paar Jahren war er auf Pfeife umgestiegen. Gemächlich begann er, seine Pfeife zu stopfen, als er aus südlicher Richtung ein Fahrzeug kommen sah, hinter dem sich eine dichte, gelbliche Staubwolke auftürmte. Es war ein Roadster, in dem zwei Personen saßen. Der Fahrer schien es ziemlich eilig zu haben, denn er drückte tüchtig aufs Gaspedal. Das Knattern und Rattern des Wagens unterbrach die harmonische Stille, und wieder einmal zogen sich Lukes Brauen verärgert zusammen. Pfeife und Tabak wanderten zurück in die Brusttasche. Die Lust auf Rauchen war ihm vergangen. Plötzlich mischte sich ein rasselndes Geräusch zum Rattern des Motors, und der Wagen verlangsamte das Tempo, bis er zum Stehen kam. Es dauerte einen Moment, bis Luke begriff, dass das Auto einen Defekt haben musste und daher nicht weiterfahren konnte. Die beiden Insassen stiegen aus und Luke erkannte einen Mann und eine Frau. Die Frau gestikulierte wild auf den Fahrer ein, der das Verdeck der zweigeteilten Motorhaube öffnete, einen prüfenden Blick in den Motorraum warf und nach einer Weile nur noch ratlos die Arme hob und wieder senkte. Das führte dazu, dass das Gekeife und Gezeter der Frau bis an Lukes Ohren drang, während dieser mit breitem Grinsen das Szenario dort unten verfolgte. Schließlich riss die Frau die Beifahrertür auf und warf sich auf den Sitz. Dann verschränkte sie ihre Arme ineinander und senkte ruckartig den Kopf. Für Luke eindeutig eine Geste des Schmollens. Der Mann indes verschloss den Motorraum, trat wütend mit dem Fuß gegen das linke Vorderrad und sah sich hilfesuchend nach allen Seiten um.

Luke war nicht der Mann, der sich mit Autos auskannte, was nicht verwunderlich war, denn er mochte sie ja auch nicht. Aber dieses seltsame Pärchen dort unten war in Not geraten, und irgendwie musste geholfen werden. Er wusste zwar nicht wie, aber eine Lösung würde sich schon finden. Luke zog den Braunen herum, lenkte ihn den Pfad hinunter, den er vorhin gekommen war, und führte das Tier zur Hauptstraße zu den beiden in Havarie geratenen Menschen heran. Er verhielt den Braunen neben dem Roadster, es war ein blauer Wagen vom Fabrikat Saxon Motor Company2 mit der schlichten Typenbezeichnung A, und warf der Frau auf dem Beifahrersitz einen flüchtigen Blick zu. Dabei tippte er höflich an die Krempe seines Texashuts. Zu dem Mann gewandt, der immer noch recht hilflos vor dem Wagen stand, fragte er: „Gibt es Probleme?“

Der Mann trat hinter der Motorhaube hervor und rief ärgerlich: „Ob es Probleme gibt? Guter Mann! Diese Karre ist uns hier mitten in der Prärie verreckt. Dabei haben meine Frau und ich den Wagen erst vor wenigen Wochen direkt in Chicago vom Werk abgeholt. Eine Schande ist das!“

Er war ein recht junger Mann, noch keine dreißig Jahre alt, blassgesichtig und nicht...



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