E-Book, Deutsch, Band 28, 182 Seiten
Stone Western Legenden 28: Schwarzes Gold
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-538-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 28, 182 Seiten
Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)
ISBN: 978-3-95719-538-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Eine Ölquelle auf dem Gebiet einer Ranch in Osttexas, ein tödlich verwundeter Rancher. Als Luke Dawson den Mann findet, gibt er dem Sterbenden ein Versprechen. Ein höllisches Spiel aus Geldgier, Intrigen und Macht beginnt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Prolog
Vor wenigen Minuten hatten die letzten Gäste die Ranch verlassen. In der Ferne drang noch das knatternde Motorengeräusch des Autos zu ihm heran, das immer leiser wurde, bis es dann ganz verstummte. Eine angenehme Stille umfing ihn, und ein kühler Nachtwind trug den würzigen Duft von Salbei zu ihm heran, der ihm angenehm in die Nase stieg. Die Nacht war sternenklar, der Mond leuchtete als silbrige Scheibe vom Himmel herab. Ein entspanntes Lächeln legte sich um Luke Dawsons Lippen. Auch drinnen im Haus war es still geworden. Er genoss diesen Moment der Ruhe, stopfte seine Pfeife und setzte sich zum Rauchen in den Schaukelstuhl. Ein melancholischer Ausdruck erschien in seinem Gesicht, das bereits von einigen Falten durchzogen war.
Das war also das Ende eines Tages, der seinen 70. Geburtstag bedeutet hatte.
Siebzig Jahre …
Eine lange Zeit für einen Mann, der ein bewegtes und abenteuerliches Leben hinter sich gebracht hatte, und der erst in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden war. Aber noch immer pulsierte die vitale Kraft früherer Tage in ihm, und sein Geist war jung geblieben.
Zum Teufel, was bedeutet schon die Siebzig, wenn ein Mann noch Ziele hat ..., und Träume, sinnierte er in Gedanken und gab sich im gleichen Augenblick die Antwort selbst: Nichts!
Und dennoch wurde ihm bewusst, dass der Kreis, der noch Verbliebenen von Jahr zu Jahr immer weniger wurde. Er erinnerte sich an viele, die nicht am heutigen Tag erschienen waren, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Sie würden es nie wieder tun, und der Gedanke daran stimmte ihn plötzlich traurig. Nun, es war eine schöne Feier gewesen, und es wurde keine Mühe gescheut, es allen Gästen so angenehm wie möglich zu machen. Luke lächelte. Im Grunde war das alles eher Rhianna zu verdanken. Denn sie hatte sich wie immer als hervorragende Gastgeberin erwiesen. Ja, wahrhaftig, das hatte sie im Blut. Er selbst hingegen eher weniger.
Rhianna …, eine tolle Frau! Er liebte sie noch genauso, wie am ersten Tag. Die Welt könnte im Sturm untergehen. Aber an seiner Liebe zu ihr würde sich nie etwas ändern. Ebenso wenig wie die zu seinen drei Kindern, Jim, Tyler und Nancy.
Luke lehnte sich im Schaukelstuhl zurück. Er zog an seiner Pfeife und merkte, dass sie ausgegangen war. Missmutig nahm er sie aus dem Mund, um sie zurück in die Brusttasche seines Hemdes zu befördern, als ein ratschendes Geräusch ihn herumfahren ließ. Nancy war aus dem Haus gekommen, lautlos wie ein Schatten, und stand nun neben ihm auf der Veranda. Sie lächelte, als sie ihm das aufflammende Streichholz entgegenhielt. Die Pfeife wanderte wieder in seinen Mund. Luke nahm seiner Tochter das Streichholz aus der Hand und setzte seine Pfeife erneut in Brand. Dichte Qualmwolken umwölkten sein Gesicht, während er zu Nancy aufsah. Und wieder einmal stellte er fest, wie sehr sie Rhianna ähnelte. Nicht nur äußerlich, im ganzen Wesen war sie wie ihre Mutter. Nur die Haarfarbe machte einen Unterschied. Nancy war blond, Rhianna rothaarig. Mit ihren fünfundzwanzig Jahren war sie die jüngste seiner drei Sprösslinge, das Nesthäkchen. Sie hatte recht früh die Firebrand-Ranch verlassen, um nach El Vado zu ziehen. Gemeinsam mit einem jungen, ehrgeizigen Burschen namens Lance Waggoner, den sie vor drei Jahren geheiratet hatte. Sehr zu Lukes Leidwesen, denn es hatte lange gedauert, bis er sich an diesen schlaksigen Burschen gewöhnen konnte, der als Zeitungsmann beim El Vado Chronicle arbeitete und so gar nicht in das Bild eines Mannes passen wollte, das Luke sich insgeheim für seine Tochter gewünscht hatte.
Aber sie schien mit diesem Lance Waggoner glücklich zu sein. Und nur allein das zählte.
Luke schnippte das erloschene Streichholz achtlos auf die Bretterbohlen der Veranda. Er richtete seinen Blick nach vorn, paffte ein paar Züge und raunte: „Bist noch nicht müde, was?“
Nancy zog einen Stuhl heran und ließ sich rittlings darauf nieder. Sie lächelte ihren Vater an und spöttelte: „Wie fühlt sich ein Mann, der nun langsam in ein Greisenalter gekommen ist?“
„Greisenalter? Sieh dich vor, du unverschämte Göre. Ich nehm‘s sogar noch mit ‚nem ausgewachsenen Grizzly auf.“
Sie lachte perlend auf. „Dir glaube ich das sogar aufs Wort. Wie hatte dich vorhin Mrs Hodges genannt? Brummbäriger Eisenfresser, nicht wahr? Ja, das bist du. Ein brummbäriger Eisenfresser. Aber vielleicht ist das einer der tausend Gründe, weshalb ich dich so lieb habe.“
„Das hast du sehr schön gesagt, Nancy. Aber Rose Hodges hatte schon immer 'n verdammt loses Maul“, sagte Luke, aber sein Schmunzeln nahm die Schärfe aus seinen Worten.
Nancy rückte näher zu ihm heran und legte ihre Hand auf seinen Arm. „Dad?“
Er blickte sie fragend an und wusste sofort, dass sie etwas auf dem Herzen hatte. Denn er bemerkte, den ernsten Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Na, was kommt jetzt?“
Ein paar Herzschläge lang zögerte sie, dann sagte sie: „Dad, Lance und ich gehen nach Texas.“
Luke nahm die Pfeife aus dem Mund und zog die Stirn in Falten. „Nach Texas? Wie kommt ihr beide denn auf diese Schnapsidee?“
Nancy schüttelte den Kopf. „Das ist keine Schnapsidee, Dad! Lance hat die Ranch seines Vaters in Vernon geerbt.“
„Hm“, machte Luke und kratzte sich mit dem Pfeifenstiel an die Wange. „Ich dachte immer, die beiden hätten sich nie verstanden, und Lance wäre deshalb von dort abgehauen.“
„Ja, das ist schon richtig. Aber es gab außer Lance niemanden, der als Erbe in Frage gekommen wäre. Bevor sein Vater starb, kam es zu einer Aussöhnung der beiden.“
„Davon hast du mir nie etwas erzählt, Kind. Weiß deine Mutter davon?“
„Ich habe es ihr vorhin gesagt.“
Luke nahm es mit einem Kopfnicken zur Kenntnis. Er wandte den Blick und sah auf den Boden. Er schwieg einen Moment, dann sagte er: „Nun, Nancy, Texas ist nicht aus der Welt. Und um dich mache ich mir keine Sorgen. Du weißt über das Leben auf einer Ranch Bescheid, kennst dich aus. Aber dein Mann? Wie ich ihn einschätze, ist der Bursche alles andere als einer, der sich mit dem Ranchleben zurechtfinden würde. Erst recht nicht mit Rindern und Pferden.“
„Um die geht es auch weniger, Dad?“
Luke hob den Blick in ihre Richtung. „Sondern?“
„Öl, Dad! Man ist auf dem Anwesen der Waggoner-Ranch auf Öl gestoßen, einige Monate bevor Lances Vater starb. Nicht nur eine Quelle, Dad, sondern gleich mehrere. Und es wurde bereits begonnen, das Öl zu fördern.“
Luke stieß einen erstaunten Pfiff aus. „Öl? Donnerwetter, Kindchen! Du bringst ja Neuigkeiten, die deinen alten Vater mächtig ins Staunen versetzen? Wahrhaftig! Aber wieso hast du nichts …“
„Lance und ich mussten uns erst darüber klar werden, was das alles für uns bedeuten würde“, schnitt Nancy ihm ins Wort. „Deshalb hatten wir beschlossen, erst einmal nichts davon zu erwähnen.“ Sie legte den Kopf schief. „Bist du jetzt deshalb böse?“
Luke lachte auf. „Unsinn, Kind! Aber eine solche Sache ist gewiss kein Pappenstiel, Nancy! Das erfordert 'ne ganze Menge. Die Ölbranche ist 'n knallhartes Geschäft. Das kannst du mir glauben.“
Sie nickte. „Darüber sind Lance und ich uns im Klaren, Daddy. Aber es gibt einen Mann namens Chance Buckner. Der ist Anwalt und ein langjähriger Freund der Familie. Zudem kennt er sich in der Ölbranche sehr gut aus. Und er ist einer, der sich ganz sicher nicht übers Ohr hauen lassen wird. Er wird mit Rat und Tat zur Seite stehen, bis Lance und ich uns in die Sache eingelebt haben.“
„Das kann dauern. Und es wird kein Spaziergang werden, Nancy.“
Nancy sah ihren Vater fest in die Augen. „Wir werden es schaffen, Dad!“
Luke antwortete mit einem bedächtigen Nicken. Er kannte seine Tochter. Sie hatte ihren eigenen Kopf – schon immer gehabt. Nancy hatte sich entschlossen, und keine Macht der Welt würde sie nunmehr von ihrem Vorhaben abbringen können. Sie war eine, die stets wusste, was sie wollte. Und wenn sich eine Nancy Dawson etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es bedingungslos durch. Das war eine Eigenschaft, die sie sowohl von ihrem Vater als auch von der Mutter geerbt hatte.
„Diesem Buckner kann man trauen?“
Nancys Antwort kam kurz und knapp. „Ja.“
Und für Luke Dawson musste diese Antwort reichen. Nachdenklich blickte er auf seine bereits wieder erkaltete Pfeife und drehte sie in den Händen. „Du hast einen Entschluss gefasst, mein Kind. Ich kann und will dir nicht mit gutgemeinten Ratschlägen kommen. Oder dir mit mahnendem Zeigefinger eines Schulmeisters irgendwelche Weisheiten um die Ohren schlagen. Ganz sicher nicht, Nancy. Ich wüsste ja nicht einmal, wohin euch euer Weg führen wird. Zum Teufel, keiner kann so was sagen. Das einzige, was mir bleibt ist, dass ich euch beiden, dir und Lance, alles Glück der Welt wünsche. Verdammt, Mädchen …, und das von ganzem Herzen.“
Nancy legte ihren Arm um seine Schulter und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Dabei sagte sie leise: „Ich hatte gehofft, dass du es so ansehen wirst, Dad.“
Luke grinste sie schief an. „Was hast du denn sonst erwartet? Etwa Hausarrest für eine ungezogene Göre?“
Sie lachte. „Das nicht gerade.“
„Wenn wir schon dabei sind: Wie hat deine Mutter überhaupt auf diese tollkühne Sache reagiert?“
„Genau wie du, Dad. Nur ihr Wortlaut war etwas anders.“
„Verstehe. Nun, wir werden helfen, wo wir können, Nancy. Aber frag mich nicht, wie‘s in...




