Stone | Western Legenden 29: Schmutziger Job | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 29, 182 Seiten

Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)

Stone Western Legenden 29: Schmutziger Job


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-539-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 29, 182 Seiten

Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)

ISBN: 978-3-95719-539-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In Lariat, einer kleinen Stadt in Nebraska, wartet auf Dawson ein gut bezahlter Job. Doch als er die genauen Hintergründe kennt, wechselt er die Fronten und muss um sein Leben kämpfen.

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Kapitel 2

Die beiden Pferde standen mitten im Hof, mit hängenden Köpfen und völlig ausgepumpt. Weißer Schaum bedeckte ihre zitternden Körper. Die Zungen hingen aus den Mäulern. Von allen Seiten stürmten einige Männer auf sie zu. Sie formierten sich zu einer Gruppe, die mit entsetzten Blicken auf das zertrümmerte Etwas starrte, welches die beiden Gäule im Schlepptau hatten und das einmal ein Pritschenwagen gewesen war.

„Das ist Miss Sherrys Zweispänner, Vormann! Jedenfalls das, was davon übrig geblieben ist. Hölle, wenn das Mädchen ...“

Der Mann verstummte, als ihn Ben Larkins harter Blick traf. Der Vormann verzog sein kantiges Gesicht und trat an den zerstörten Wagen heran. Er lugte ins Wageninnere, suchte nach möglichen Spuren und schüttelte den Kopf. „Möchte wissen, wie das passiert ist. Der Wagen ist total hinüber. Aber es sind keine Blutspuren zu sehen.“ Er wandte sich den Männern zu. „Race, lauf ins Haus und sag Mister Granfield Bescheid. Wir müssen sofort in die Sättel. Womöglich ist sie verletzt und liegt irgendwo da draußen. Und bei Gott, ich hoffe, dass es nichts Ernsteres ist.“ Etwas leiser setzte er hinzu: „Obwohl ich das bezweifle. So, wie der verdammte Wagen aussieht ...“

Der Angesprochene, ein krummbeiniger, schmalschulteriger Bursche, nickte eifrig und zuckte plötzlich merklich zusammen, als drüben vom Haupthaus die dröhnende Stimme von Charles Granfield erklang. „Was steht ihr da mitten im Hof herum? Zur Hölle, habt ihr nichts zu tun? Ihr werdet schließlich nicht fürs Herumstehen bezahlt. He, Larkin! Treib die Burschen ...“

Die Stimme erstarb, und einen kurzen Moment später zwängte sich Charles Granfields massige Gestalt zwischen den Männern hindurch. Vor dem zerstörten Wagen blieb er stehen. Um seine Mundwinkel begann es zu zucken, sein Gesicht wurde aschfahl. Er konnte ein harter, unduldsamer Mann sein, dieser Charles Granfield. Aber als er seine schwielige, lassonarbige Hand auf den Wagenrand legte, fing sie an zu zittern. Er schluckte mühsam, brachte zunächst keinen Ton heraus. Und für die umherstehenden Männer sah es für einen kurzen Augenblick so aus, als würde er zusammenbrechen.

Aber das tat er nicht. Er schüttelte mehrmals den Kopf. „Sherry!“, kam es heiser über seine Lippen. Seine Fingernägel gruben sich ins Holz des Wagens. Er sah mit brennenden Augen zu Ben Larkin auf. „Was steht ihr noch herum? In die Sättel, Männer! Wir müssen sie finden. Vielleicht liegt meine Tochter irgendwo da draußen und braucht dringend Hilfe.“

Ben Larkin fuhr sich mit beiden Händen über sein ausgebleichtes, kariertes Arbeitshemd, das er unter seiner braunen, ärmellosen Lederweste trug. Mit einem Räuspern in der Stimme sagte er: „Sie wollte in die Stadt, ein paar Besorgungen machen. Sie wird sicher den direkten Weg nach Hause genommen haben, Mister Granfield. Wir werden sie sicher schnell gefunden haben.“

Die Worte des Vormannes sollten beruhigend klingen. Aber das taten sie nicht. Viel zu groß klangen Larkins Zweifel durch, Charles Granfields jüngste Tochter noch lebend vorzufinden. Als hätte er das selbst gemerkt, klatschte er in die Hände und wiederholte mit rauer Stimme den Befehl des Ranchers.

In diesem Moment erklang Hufschlag, und alle wandten sich um. Ein Reiter preschte in die großzügige Hofeinfahrt hinein. Sogleich erkannten sie einen Fremden im Sattel eines schwarzen Rappen, auf dem hinter ihm eine Frau saß.

Charles Granfields Stimme dröhnte über den gesamten Hof: „Das ist Sherry! Sie lebt! Oh, Gott, sie lebt!“

*

Sherry hüpfte vom Pferd und lief ihrem Vater entgegen, der sie in die Arme nahm, während Ben Larkins Befehl über die Köpfe der umherstehenden Männer dröhnte: „Ihr seht, es ist alles in Ordnung, Männer. Geht zurück an eure Arbeit. Na, macht schon!“ Wieder klatschte er dabei in die Hände, um seinen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen. Nach und nach löste sich die Gruppe auf. Larkin selbst machte keinerlei Anstalten, den Schauplatz zu verlassen. Stattdessen lehnte er sich gegen einen Zaunpfahl und verschränkte die Arme ineinander. Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Aber die Blicke seiner Augen wanderten hektisch zwischen Vater und Tochter und Luke hin und her. Luke, der im Sattel sitzen geblieben war, beobachtete das Mienenspiel dieses grobschlächtigen Mannes, über den er sich im Augenblick nicht ganz klar werden konnte.

Granfield löste sich aus der Umarmung seiner Tochter und trat zu Luke ans Pferd, sah zu ihm auf und sagte: „Schätze, Sie waren wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um das Schlimmste zu verhindern, Mister. Steigen Sie vom Pferd und kommen mit ins Haus. Ich … wir schulden Ihnen 'ne ganze Menge.“

Freundlich gesprochene Worte, wie Luke fand. Aber der Ausdruck von Charles Granfields Augen passte nicht dazu. Etwas darin stimmte nicht. „Sie schulden mir gar nichts, Mister Granfield. Ein anderer hätte es auch getan, wäre er an meiner Stelle gewesen. Also machen wir keine große Sache daraus.“

Charles Granfield zog seine buschigen, eisgrauen Brauen zusammen. „Da wäre ich mir an Ihrer Stelle nicht so sicher. Jedenfalls, was die Gegend hier betrifft. Nun, Sie sind scheinbar fremd und kennen die Menschen hier nicht.“

„Hm“, machte Luke und dachte sofort: Und genau da liegt womöglich der Haken. Den Gedanken sprach er nicht aus. Er sah an Granfield vorbei zu Ben Larkin hin, der ihm verstohlen ein paar feindselige Blicke zuwarf. Plötzlich drehte sich der der Vormann unvermittelt um und ging davon. Luke wandte sich wieder dem Rancher zu. „Ich denke, ich werde Ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen, Mister Granfield. Es war nett, Sie und Ihre Tochter kennengelernt zu haben. Ich möchte mich jetzt ...“

Der Rancher schnitt ihm mit einer Handbewegung ins Wort. „Warum so eilig?“ Granfield erlaubte sich ein freundliches Lächeln. „Den Mann, der meiner Tochter das Leben gerettet hat, lasse ich nicht einfach so davonreiten, ohne ihm meine Gastfreundschaft zu erweisen. Und nun steigen Sie endlich vom Pferd herunter und kommen mit ins Haus.“ Immer noch blieben seine Augen kühl, was Luke nicht entging. Dennoch ließ er sich erweichen. „Wenn das so ist, Mister Granfield … dann sage ich nicht nein.“

*

Kathleen Granfield hatte die ganze Zeit auf dem Balkon gestanden und von dort aus das Geschehen beobachtet, das sich im Hof abgespielt hatte. Sie hielt die Arme ineinander verschränkt und lächelte. Es war kein freundliches Lächeln, und in ihren katzengrünen Augen lag eine gehörige Portion Boshaftigkeit. Dass ihre jüngere Schwester beinahe einem Unfall zum Opfer gefallen war, hätte sie mit Wohlwollen hingenommen. Ihre Rettung hingegen nicht. Sie waren einander so unterschiedlich, wie es zwei Schwestern nur sein konnten, und der Ursprung ihres Hasses lag bereits in den Jahren ihrer Kindheit zurück. Kathleen hatte gesehen, wie ihr Vater Sherry dankbar in die Arme geschlossen hatte. Ein Gefühl, das sie selbst nicht kannte, jedenfalls nicht mehr, seit ihre Mutter vor fünf Jahren gestorben war. Und das war etwas, das bitter an ihr nagte. Kathleens Fingernägel hatten sich bei jenem Anblick voller Zorn tief in die nackten Oberarme gebohrt. Jetzt sah sie, wie ihr Vater erneut seine Arme um Sherrys Schultern legte und gemeinsam mit diesem hochgewachsenen Fremden ins Ranchhaus ging.

Kathleen hatte diesen blonden, verwegen aussehenden Mann zuvor noch nie gesehen. Aber sie hasste ihn schon jetzt.

Eine Weile noch blieb sie auf dem Balkon stehen. Dann wandte sie sich ab und ging in ihr Zimmer.

*

„Ich werde mich jetzt zurückziehen und mich etwas hinlegen, Vater“, sagte Sherry.

Charles Granfield nickte verständnisvoll. „Tue das, mein Kind. Der Schreck sitzt dir noch gewiss in den Gliedern. Schlaf ist die beste Medizin.“ Granfield ließ einen Seufzer erklingen und wiederholte die Worte, die er bereits einige Male über seine Lippen gebracht hatte. „Mein Gott, Kind! Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist.“

„Aber der Wagen, Dad …, der ist hin“, erklärte sie schuldbewusst.

Granfield winkte ab. „Ein Wagen lässt sich schnell ersetzen, Kind – du nicht!“

Sie lächelte, und für Luke sah es so aus, als würde ein kleines Schulmädchen lächeln. Er konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Schließlich hatte er es ja anders bei ihr erlebt. Denn diese Sherry Granfield mit dem vielversprechenden Augenaufschlag hatte es scheinbar faustdick hinter den Ohren. Ob der alte Granfield in diesem Punkt über seine Tochter Bescheid wusste? Luke zweifelte daran. Nun, das ging ihn nichts an, und er schwieg sich beharrlich darüber aus.

Bevor sich Sherry abwandte, bedachte sie Luke Dawson mit einem vielsagendem Blick. „Wir sehen uns sicher später noch, nicht wahr, Cowboy?“

Luke tippte an die Hutkrempe. Höflich, wie er nun mal war. „Schon möglich, Miss Sherry“, sagte er. Aber er glaubte nicht daran.

Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Blinzeln, das selbst Charles Granfield nicht entgehen konnte, verschwand sie durch den großzügigen Patio die Treppe hinauf, die in die erste Etage führte. Nun waren Charles Granfield und Luke Dawson allein im Wohnraum. Der Rancher trat an eine Anrichte aus rustikalem Eichenholz und langte eine Flasche Wild Turkey Straight Bourbon und zwei Gläser heraus.

„Sie nehmen doch auch einen, nicht wahr?“

„Da sage ich nicht nein.“

Granfield schenkte ein und reichte Luke ein Glas. Die...



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