Stratz | Friede auf Erden! (Historischer Roman) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 90 Seiten

Stratz Friede auf Erden! (Historischer Roman)

Bereicherte Ausgabe. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-7583-074-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bereicherte Ausgabe. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg

E-Book, Deutsch, 90 Seiten

ISBN: 978-80-7583-074-6
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Rudolf Stratz' historischem Roman 'Friede auf Erden!' wird die Geschichte einer jungen Frau im 17. Jahrhundert erzählt, die inmitten des Dreißigjährigen Krieges um ihr Überleben und ihre Liebe kämpft. Stratz' literarischer Stil zeichnet sich durch detaillierte Beschreibungen der historischen Ereignisse und der inneren Konflikte der Charaktere aus. Der Roman bietet einen tiefgreifenden Einblick in die Lebensrealitäten dieser turbulenten Zeit und bildet den literarischen Kontext des späten 19. Jahrhunderts ab. Stratz nutzt eine Mischung aus Fakten und Fiktion, um eine fesselnde Geschichte zu präsentieren, die den Leser in den Bann zieht. Rudolf Stratz, als deutscher Schriftsteller und Dramatiker, war bekannt für seine Werke, die historische Ereignisse und Geschichten mit großer Sensibilität darstellten. Seine Fähigkeit, komplexe Charaktere zu schaffen und historische Hintergründe lebendig werden zu lassen, spiegelt sich auch in 'Friede auf Erden!' wider. Dieser Roman ist nicht nur ein fesselnder historischer Roman, sondern auch ein facettenreiches Porträt einer Zeit des Umbruchs. Mit seiner eindrucksvollen Sprache und seiner mitreißenden Handlung empfiehlt sich 'Friede auf Erden!' für Leser, die Geschichten über starke Frauen, historische Dramen und komplexe Beziehungen mögen.

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2.


In schrägen Strahlen zitterte die scheidende Sonne durch das lichtgrüne, feuchtglänzende Laubwerk. Ein würziger weißlicher Dunst stieg aus dem Boden, in dessen weichem Moos die Schritte lautlos verhallten. Auch sonst regte sich nichts ringsum. In feierlichem Schweigen dämmerte die Maienlandschaft zur Nacht hinüber.

Herr Albin sah rechts und links. Kein Baum und Strauch entging seinem Auge. Aber dies Auge weidete sich nicht an der Waldespracht; es blickte spähend und finster – überall eines Feindes oder eines reißenden Wolfes gewärtig.

»So schreiten wir durch dies Leben!« dachte er bei sich, indes er behutsam durch das Dickicht sich den Weg bahnte. »Rings um uns lauert das Verderben und die Gefahr und die Versuchung. Wer sich hier beugt, nur eine Blume am Bachrand zu pflücken, den mag im selben Augenblick eine Musketenkugel aus dem nächsten Busche fällen – und wer hier stehen bliebe, auf den Vogelgesang zu horchen und zum Abendhimmel hinaufzuschauen, dem springt wohl unversehens einer rücklings mit scharfem Schwerte bei. So heißt es: Wache und bete! Sei eingedenk, daß du auf einer Pilgerfahrt durch dies Erdental schreitest, und hoffe auf die Stunde der Erlösung. Mög' die mir Gottes Gnade auf grüner Heide bescheren ... das Gesicht wider den Feind in ehrlichem Feldtod –-«

Er hemmte seinen Schritt, denn vor ihm lichtete sich der Wald. Ein Tal breitete sich sanft abfallend zu seinen Füßen aus.

Im Tale unten lag ein Dorf. Noch konnte man im Abendschatten deutlich die Reihen spitzgiebliger Häuser erkennen, die still zwischen dem Grün hochaufgeschossener Bäume dalagen.

Ueber dem Dorfe, höher als der Obrist von Habstein selbst stand, erhob sich altersgrau und finster, wie ein lauerndes Ungetüm, eine mächtige Burg. In feurigem Glanze lag das Abendrot auf den trotzig aussteigenden Quadern, den ragenden Türmen der Umwallung, von der sich, langen Spinnenarmen gleich, hohe Mauern den Abhang hinab ins Tal zogen, wie um das Dörflein unten zu umklammern und festzuhalten.

Und tiefe Stille ringsum! Kein Lebenszeichen von dem Schlosse, kein Hahnenschrei aus dem Dorf, kein Kuhgebrüll oder Hundekläffen oder Jauchzen spielender Kinder, kein Rauchwölkchen über den moosbedeckten Firsten.

Ein eigenes Gefühl des Grauens erfaßte den Obristen. Noch niemals hatte er, im lärmenden Kriegslager, von seinen Reitern umringt, im Kreise der Kameraden diese Empfindung gehabt, dies plötzlich auftauchende Gefühl der tiefsten Einsamkeit und Verlassenheit auf der Welt, als sei er der einzige Mensch auf Erden, ohne einen Freund, allein in der mitleidlosen Natur.

Und wie er da in das stille Tal hinabsah, da meldete sich in ihm wieder jene leise, unerklärliche Sehnsucht, die er schon so oft empfunden. Das Grauen verschwand in ihr. Nur eine Art Traurigkeit blieb übrig, ein schwermütiger Drang, ein unbestimmtes geheimnisvolles Glück zu suchen, das irgendwo auf der Welt zu finden war.

Im Feldlager gewiß nicht. Im Waffengeklirr und Fluchen und lärmenden Gelagen gewiß nicht.

Aber wo sonst? Herr Albin sann nach. Und indes er grübelte, nahm sein Sehnen eine immer festere Gestalt an.

Die Gestalt eines Weibes.

Da erschrak er – denn er merkte, daß ihn der Teufel wieder neckte – und fuhr aus seinem Sinnen auf.

In das Dörflein hinunter wagte er sich so wenig wie in das Schloß. So zog er in weitem Bogen um die Burg herum, die über ihm in unheimlichem, rotem Glanze lag, und schlug sich mühsam am Fuß des Hügels durch halb eingestürztes Mauerwerk und mannshohe Brombeerhecken hindurch.

»Der Böse weicht nicht von mir!« sprach er zu sich in dieser sauern Arbeit. »Er will, daß ich meine Gelübde breche. Mit Wein und Gold hat er mich schon versucht. Nun kann er leicht zu seiner schlimmsten Waffe gr ...«

Er verstummte in staunender Ueberraschung. Die Brombeerhecke über ihm hatte sich geteilt, und zwischen den schwankenden Zweigen sah ein süßes, schwermütiges Gesicht auf ihn hernieder. Die schmalen Lippen waren halb geöffnet, die großen, dunklen Augen hingen halb ängstlich, halb verlangend an seiner Gestalt, und braunes Seidenhaar umflutete in reichlichem Gelock die zarten Schulten«.

Die beiden standen still und schauten sich an. Da hörte Herr Albin eine zitternde Stimme. Leise und lockend klang sie an sein Ohr.

»Herr – seid Ihr ein Christ?«

»Ich bin ein katholischer Edelmann,« sprach Herr Albin finster und langsam. »Aber dichdich kenne ich –« und zögernd hielt er die umgedrehte Klinge vor sich, also, daß das Kreuz des Handgriffes zwischen ihm und dem bösen Feinde stand.

»Was entsetzt Ihr Euch denn?« fragte er höhnisch, als er sah, wie sein Gegenüber rasch zurückfuhr.

Da tauchte der blasse, schöne Kopf wieder aus den Zweigen auf.

»Ich erschrecke vor Eurem Schwerte! Tut mir nichts zu leide! Ich sah Euch vom Turme oben und merkt' Euch an Gewandung und Gebaren an, daß Ihr einer von gutem Adel seid – darum schlich ich zu Euch hinab. Herr – um Jesu willen – erbarmt Euch!«

Er sah zu ihr auf. »Was begehrt Ihr?« fragte er lauernd.

Da neigte sie sich zu ihm herab, daß ihre dunklen Augen dicht vor ihm in feuchtem Glanze schimmerten und ihr warmer Atem sein Gesicht berührte, und deutete auf das finstere Gemäuer über sich und bat leise: »Folgt mir, Herr!«

Herr Albin lachte zornmütig auf! Eine eigene, frohe Kampfbegier reckte sich in ihm. Dem Teufel soll man ja nicht ausweichen, sondern ihn dreist an den Hörnern packen, daß er das Wiederkommen vergißt!

Und laut sprach er: »Wohl, Fräulein, ich folge Euch!«

»Mög' es Gott dem Herrn lohnen!« Mit flüchtigen Sprüngen huschte sie vor ihm einen steilen, vielfach von Geröll überschütteten und verwachsenen Ziegenpfad hinauf. So sehr er sich auch anstrengte, er vermochte sie, durch die schweren Reiterstiefel und die Sporen behindert, nicht einzuholen. Sie glitt leichtfüßig vor ihm her, einem Irrlicht gleich, und wandte nur zuweilen den Kopf nach ihm, in ernster Sorge, ob er ihr auch folge.

Nun hatte sie die Wallmauer oben erreicht. Er sah, wie ihre schlanke Gestalt in der Torwölbung verschwand, und trat hinter ihr in den Burghof.

Hohes Gras sproßte da überall zwischen verkohlten und halb zermorschten Balken. Ein Schwarm Krähen hob sich lärmend von dem hohen Bergfried, über dessen Zinnen statt des Spitzdaches sich junge Bäume wölbten. Die letzten Strahlen der Abendsonne leuchteten von außen durch die leeren Fensterhöhlen des Herrenhauses herein, das völlig kahl als ein Steingerippe dastand, indes das zusammengestürzte Holzwerk, mit Steinen untermischt und von Brennesseln überwuchert, den Boden bedeckte.

Wohin Herr Albin sah, überall ragten von der mächtigen Burg nur noch die Mauern. Ihr Inneres war zerstört und ausgebrannt, wie überall in deutschen Landen, und machte in dem rötlichen Dämmerlicht, in dem klagenden Geschrei der Krähen, einen unheimlichen, gespenstigen Eindruck.

Wem mochte das Schloß gehört haben? Unwillkürlich blickte der Obrist zu dem Torbogen auf, über dem ein halbzerstörtes Wappen – wie es schien, ein springender Hund – prangte. Der darunter eingemeißelte Spruch war noch lesbar.

Das Purkstâl hat ange

vangen ze pauen her Kaspar

von Ampringen den

naechsten nach unser Frauwen tag

Nativitatis da von Krist gpurd

waren ergangen

MCCXXVIII Jar.

Da weckte ihn die Stimme seiner Führerin aus dem Sinnen.

»Beliebt es dem Herrn?« fragte sie demütig.

Sie stand auf der anderen Seite des Hofes vor einem Quergebäude, dem einzigen, das die Feuersbrunst verschont, Wohl war auch hier das Dach halb eingestürzt und hingen Tür und Läden windschief in den Angeln. Doch mochte es zur Not noch als Behausung dienen.

So schritt er also auf den Eingang zu, und zugleich verschwand jene in der dunklen Wölbung. Er hörte, wie eine Holztreppe unter ihrem leichten Fuße knarrte, und tastete sich selbst vorsichtig durch das Dämmern ihr nach.

Nun stand er auf dem Söller. Die wurmstichigen Dielen erkrachten unter seinem schweren Tritt, und ein dicker Staub wirbelte auf. In den Ecken hingen mächtige Spinngewebe. Ein Modergeruch umwehte ihn. Es schien, als seien Jahre vergangen, seit der letzte Mensch diese Räume betrat.

Wohl richteten sich da und dort ernste, hochmütige Gesichter auf den Eindringling. Aber die Gesichter waren nicht von Fleisch und Blut. Die Ahnenbilder, die an den Wänden hingen, hatten auch den Zeiten ihren Tribut entrichtet. Vielfach von Säbelhieben kreuz und quer zerfetzt, von Staub bedeckt und mit zersprungenen Farben, schienen sie so recht den Untergang ihres stolzen Geschlechtes zu verkörpern, wie die zerbrochenen alten Kriegswaffen und das verrostete Feldgerät alter Jahrhunderte, das, mit Hirschgeweihen vermengt, zwischen ihnen und am Boden lag.

Am Ende des Söllers war eine schwere Eichentüre. Die ging jetzt geräuschlos auf. In ihr stand, von gedämpftem, aus dem Gemache dringendem Lichtschein umflossen, die schlanke Gestalt und winkte Herrn Albin mit großen Augen geheimnisvoll zu.

Jetzt galt's.

Nie hatte der von Habstein noch solches Behagen am Kampfe wider den Bösen empfunden wie diesmal! Das war doch eine Versuchung, an der man seine Kraft erproben konnte! Er wußte, wie es in solch verhexten Burgen zuging: Ein...



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