E-Book, Deutsch
Reihe: dp Verlag
Strick Das Erbe der Silverstones
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-516-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
Reihe: dp Verlag
ISBN: 978-3-98637-516-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wenn die Vergangenheit dich plötzlich einholt …
Ein Liebesroman für Fans von spannenden Familiengeheimnissen
Besser kann das Leben kaum werden! Als junger Hotelerbe kümmert sich Michael um die Luxushotels seiner Familie in Südengland, Rio de Janeiro und Dubai. Sein Glück wird vollkommen, als er die warmherzige Lebenskünstlerin Stephanie kennenlernt und die beiden ein Paar werden. Doch Michael hegt schon länger den Verdacht, dass es in seiner Familie ein düsteres Geheimnis gibt, dessen Ursprung in seiner Kindheit liegen muss. Im Landhaus seiner Großmutter in Devon findet er Briefe, die genau das bestätigen. Dann zeigt sich, dass die Vergangenheit noch eine Rechnung mit ihm offen hat, denn sein Vater erhält ein mysteriöses Erpresserschreiben, dem Michael auf den Grund gehen will. Ihm wird klar, dass er sich mit Stephanie an seiner Seite den Dämonen seiner Vergangenheit stellen muss …
Erste Leser:innenstimmen
„Sehr spannend, ich konnte es bis zum Schluss nicht zur Seite legen!“
„Eine wundervolle Familiensaga mit viel Herzschmerz, viel Spannung und Action vor der malerischen Kulisse Cornwalls.“
„Der Schreibstil von Sabine Strick gefällt mir sehr gut, das Buch reißt einen vollkommen mit!“
„Die Geschichte ist romantisch, spannend, geheimnisvoll und berührend. Eine wunderbare Lektüre, die ich gerne weiterempfehle!“
Sabine Strick wurde in Berlin geboren und wuchs dort auf. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie bereits als Kind und sie begann im Alter von siebzehn Jahren, an ersten Romanen zu arbeiten. Doch erst 2017 entschloss sie sich, endlich die notwendigen Schritte für Veröffentlichungen in die Wege zu leiten. Und dann ging auf einmal alles recht schnell: Sie wird nun von der Agentur Ashera vertreten und veröffentlicht seit 2018 mehrere Romane in verschiedenen Genres bei verschiedenen Verlagen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Rio de Janeiro, 1989
Micaels Herz klopfte so heftig, dass es seine Brust zu zerreißen drohte, als er auf seinen kurzen Beinchen so schnell er konnte an Wellblechhütten und Holzverschlägen vorbeirannte, vor denen finstere Gestalten hockten. Ihm wurde klar, dass er in einer von Rios zahlreichen Favelas sein musste, aber er hatte keine Ahnung, wie er da herauskommen und nach Hause finden konnte, zu dem schönen großen Hotel, in dem er lebte. Er wollte zurück zu seiner Mutter, sich in ihre Arme kuscheln und ihr vertrautes Parfüm riechen. Wo war sie? Warum war sie nicht gekommen, um ihn zu holen? Nur mit Mühe konnte er die Tränen unterdrücken, die er seit dem Vortag zurückhielt.
Seine Lunge schmerzte vom Rennen und er bekam kaum noch Luft. Dennoch musste er weiterlaufen, damit der Mann und die Frau, die ihn gefangen gehalten hatten, nicht einholen und erneut einsperren konnten.
Die Beine gaben unter Micael nach, er strauchelte und fiel in eine Pfütze. Da bemerkte er den brennenden Durst in seiner Kehle, schöpfte hastig mit seinen kleinen Händen das dreckige Wasser und trank davon.
„Hey, Kleiner, was ist los mit dir?“ Er wurde von kräftigen Händen gepackt und auf die Füße gestellt. Micael starrte auf einen Mund voller Zahnlücken. Augen hart wie Stahl musterten abschätzend seine Kleidung, die zwar verschmutzt war, aber intakt und von sichtlich guter Qualität. „Du bist doch nicht von hier, oder?“
Micael schüttelte den Kopf, riss sich los und lief weiter. Er fröstelte, obwohl die Nachtluft mild war. Es waren Müdigkeit, Erschöpfung und Angst, die ihn frieren ließen. Doch er konnte sich nicht erlauben, ein Plätzchen zum Ausruhen zu suchen. Seine Mutter hatte ihn stets vor den Gefahren gewarnt, die in seiner Heimatstadt lauerten. Sie würde aufgebracht sein, weil er sich von Fremden hatte ansprechen lassen, die ihn und seinen Bruder nur wenige Meter vom Hotel entfernt in ein Auto gezerrt hatten, als die Nanny einen Moment lang nicht aufgepasst hatte. Und vor allem würde sie böse sein, weil er Rafael bei den Fremden zurückgelassen hatte. Doch sein Zwillingsbruder hatte fest geschlafen und nicht reagiert, als Micael ihn angestupst hatte. Bis er zu sich gekommen wäre, wäre die Gelegenheit womöglich vorbei gewesen. Micael hatte sich gesagt, dass er schnell entwischen und mit seinen Eltern zurückkehren würde, um Rafael da herauszuholen. Aber was, wenn er die Hütte nicht wiederfand oder Rafael inzwischen nicht mehr dort war? Sein Vater würde ihm den Hintern versohlen, so viel war sicher. Und seine Mutter würde heftig weinen, weil Rafael weg war. Bei diesen Gedanken liefen Micael nun doch Tränen über die kindlich runden Wangen. Er schluchzte kurz auf, wischte die Tränen mit dem Handrücken weg und stolperte weiter durch die Nacht.
Als es heller wurde und er besser sehen konnte, bemerkte er, dass die abgerissenen Hütten in Häuser aus Stein übergegangen waren und die Lehmwege in asphaltierte Straßen, in denen nur wenige Menschen geschäftig ihrer Wege gingen und sich nicht um ihn kümmerten. Er kletterte auf eine niedrige Mauer, stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte sich suchend nach dem Meer um. Sein Zuhause lag direkt am Strand von Ipanema, er würde nur am Wasser entlanglaufen müssen und wäre wieder daheim.
Aber so sehr er auch Ausschau hielt, er konnte das Meer nicht entdecken. In der Ferne erblickte er immerhin den Corcovado mit der Christus-Statue, den er vor Kurzem mit seinen Eltern besichtigt hatte. Er erinnerte sich, dass dahinter der Zuckerhut auf seiner winzigen Halbinsel vor der Küste lag – wenn er den Berg fand, wäre er am Meer. Außerdem gab es an beiden Orten viele Touristen, die fotografierten und sich von Taschendieben bestehlen ließen. Sicher würde ihm von denen weniger Gefahr drohen als von seinen Landsleuten in den Favelas und sie würden ihm helfen. Micaels Vater war Engländer, daher hatte er Vertrauen zu Menschen, die aus dem Ausland kamen, um sich Rio anzusehen. So orientierte er sich in Richtung des Corcovado, schlief in einem versteckten Winkel eines Hauses einige Stunden, stahl vor Hunger etwas zu essen von einem Straßenhändler und sprang schließlich in einen Bus, von dem er hoffte, dass er ihn an sein Ziel bringen würde. Dann legte sich eine Art Nebel über alles.
Brighton, 2017
Vor Michael Silverstones Augen verblasste die Vision des Zuckerhuts langsam, als er aus dem Fenster auf den üppig begrünten Hotelgarten hinunterstarrte, dessen Friedlichkeit in so scharfem Kontrast zu seinem düster-bedrohlichen Traum stand. Der vielmehr eine Erinnerung war. Eine der ersten längeren Erinnerungen seines Lebens musste ausgerechnet die seiner Entführung sein.
Er atmete tief durch und zwang sich, geistig wieder in das luxuriös eingerichtete Büro seiner Mutter zurückzukehren, in dessen Besprechungsecke sie saßen, um dem Gespräch zwischen ihr und seiner jüngeren Schwester Claudia zu folgen. Sie diskutierten seit mindestens zehn Minuten darüber, ob sie das Zimmermädchen entlassen sollten, das sich ungefragt ein Partykleid von einem Hotelgast hatte, um sich damit ins Nachtleben von Brighton zu stürzen. Auch wenn sie das Kleid am nächsten Tag gereinigt zurückgebracht hatte, war die Sache aufgeflogen und hatte bei der Dame der High Society, die im Fünfsternehotel Silverstone Brighton logierte, verständlicherweise für Unmut gesorgt.
„Sag endlich auch mal was dazu, Micael“, forderte seine Mutter Mariana ihn auf und schlug die schlanken Beine übereinander. „Sollten wir …“ Sie unterbrach sich plötzlich und blickte Michael prüfend an. „Hattest du letzte Nacht wieder den Traum?“
Er nickte und runzelte gleich darauf die Stirn. „Woran hast du das gemerkt?“
Sie seufzte und strich sich die langen schwarzbraunen Haare zurück. „Ich sehe es dir einfach an, .“
Michael betrachtete seine Mutter nachdenklich. Sie war eine attraktive Frau und sah bedeutend jünger aus als einundfünfzig. Besonders seit sie vor einigen Monaten aus Rio de Janeiro zurückgekehrt war, wo sie ein minimal-invasives Lifting hatte vornehmen lassen, wie sie es genannt hatte. Seitdem lag ihre seidige hellbraune Haut wieder straff über den bereits früher vom Schönheitschirurgen perfekt verfeinerten Zügen.
Michael war stolz auf seine Mutter, doch es war ein merkwürdiges Gefühl, dass Mariana nun als seine ältere Schwester durchging. Hingegen hatten auch die besten plastischen Chirurgen nicht die Spuren von Trauer und Bitterkeit tilgen können, die die Tragödie von Rafaels Verschwinden um ihren sinnlichen Mund und in den dunklen Augen eingegraben hatte. Aber vielleicht konnte auch nur er das sehen, weil ihn die gleichen Erinnerungen quälten. Und ihn in unregelmäßigen Abständen im Traum durch eine Favela hetzen ließen.
Doch das war über siebenundzwanzig Jahre her, und es verstörte ihn, dass ihn diese Alpträume nicht endlich losließen. Gerade so, als wolle sein als vermisst geltender Zwillingsbruder ihn immer wieder an seine Existenz erinnern.
Michael rieb sich konzentriert mit den Fingerspitzen über die Stirn, und es gelang ihm, den verängstigten fünfjährigen Jungen hinter sich zu lassen und in den Modus des stellvertretenden Hotelleiters zu schalten. „Wir werden Heather nicht kündigen, sondern es bei einer Abmahnung belassen“, bestimmte er. „Ich rede mit ihr und auch mit dem Gast. Heather wird sich entschuldigen und damit hat es sich. Sie arbeitet immerhin schon seit fünf Jahren für uns, und wir waren immer zufrieden mit ihr. Ich weiß nicht, was sie geritten hat, aber ich fände eine sofortige Kündigung zu hart.“
„Du bist zu weich, Michael“, kritisierte Claudia. „Im Gran Hotel Lisboa würde das nicht durchgehen, João hätte sie sofort gefeuert.“ Ihre graublauen Augen, die einen faszinierenden Kontrast zu ihrer beigebraunen Haut und den dunklen Augenbrauen bildeten, funkelten.
„Ich bin nicht dein Mann und dies hier ist das Silverstone Brighton, nicht euer Hotel in Lissabon – ich lege Wert darauf, dass unsere Angestellten fair behandelt werden“, stellte Michael klar und strich sich eine dunkle Locke aus der Schläfe, die sich aus seinen im Nacken zusammengebundenen Haaren gelöst hatte.
„Noch hat aber Dad das Sagen und nicht du“, trumpfte sie auf. „Und er wird sie rausschmeißen, wenn er von der Sache erfährt.“ Ihre scharfgeschnittenen Züge, die sie vom Vater geerbt hatte, verhärteten sich.
„Untersteh dich, ihm davon zu erzählen! Du interessierst dich doch auch sonst nicht für die Angestellten, warum mischst du dich nur ein, wenn du jemandem eins auswischen kannst? Außerdem untersteht die Personalabteilung mir und nicht Vater.“ Er fragte sich kopfschüttelnd, warum seine Schwester mit den Jahren immer boshafter wurde.
„Kinder, fangt nicht an zu streiten“, warf Mariana müde ein. „Mach es so, Micael, rede mit Lady Ashburn und lass deinen Charme spielen. Sie wird hoffentlich nicht auf einer Kündigung bestehen. Ihr Kleid ist ja nicht zu Schaden gekommen. Aber Heather werde ich ins Gewissen reden, ich denke, ich kann da deutlicher werden als du.“
„Gut.“ Michael warf einen Blick auf seine weißgoldene Rolex.
Claudia blickte ihren Bruder an. „Kommst du nachher mit ins ? Freunde von mir haben dort einen Tisch reserviert.“
Michael zögerte. Er hatte nicht viel übrig für mondäne Clubs und für Claudias versnobte Freunde noch viel weniger. „Ich bin kaputt, ich arbeite schon die ganze Woche praktisch Doppelschicht, seit der Empfangschef krank ist. Ich muss noch bis zweiundzwanzig Uhr unten weitermachen und möchte dann gleich ins Bett.“
„Ach, du bist so...




