Stroot | Ich will nur spielen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 430 Seiten

Stroot Ich will nur spielen


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96215-459-2
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 430 Seiten

ISBN: 978-3-96215-459-2
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
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Der alleinerziehende Kriminalkommissar Maik Michalski sieht sich nach seiner Versetzung von Berlin in die Kleinstadt mit einer rätselhaften Mordserie konfrontiert. Im Stadtpark wird die Leiche einer jungen Frau gefunden: Der Toten fehlen die Augäpfel und in den gefalteten Händen hält sie einen Würfel. Es folgen weitere Frauenleichen, die auf ähnliche Weise zugerichtet wurden. Michalski und sein Partner geraten immer mehr unter Druck, denn der Täter treibt sein tödliches Spiel weiter  - und hat sein nächstes Opfer bereits auserwählt.

Marc Stroot wurde in Lohne (Oldenburg) geboren, lebt mittlerweile in Lingen (Ems). Nach dem Abitur studierte er Spanisch und Geschichte auf Lehramt in Bremen. Neben dem Beruf als Lehrer lebt er sich vielseitig aus. In seiner Freizeit kocht und liest er, gibt Zumbakurse, treibt viel Sport und genießt gerne guten Wein. Das Schreiben begleitet ihn seit Jugendzeiten, dem er sich täglich widmet.
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PROLOG


So riecht der Tod, dachte sie sich, als sie langsam wieder zu sich kam. Ihr dröhnte der Kopf. Ein leichtes Gefühl von Kopfschmerz und Trunkenheit ummantelte sie. Um sie herum war es schummrig düster. Fast schwarz. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Nur ein wenig Licht war auszumachen. Doch es war ihr nicht klar, wo dessen Quelle herrührte. Es war erdrückend und beklemmend in dieser Schwärze zu sein. Vollkommen orientierungslos blickte sie um sich. Aber sie erkannte diesen Ort nicht. Das jagte ihr Angst ein. Nicht zu wissen, wo man war. Was passiert war. Nur lose Erinnerungsfetzen drangen langsam an die Oberfläche und versuchten im Nebel der Unwissenheit einen Weg zu ihr zu finden. Wie in einem Sarg eingesperrt, kam sie sich vor. Eingezwängt auf engstem Raum und ohne die Möglichkeit, sich zu bewegen, in dieser Dunkelheit. Viel schlimmer als diese Finsternis empfand sie den Geruch. Ja, dieser widerliche, modrige und sich in der Nase festsetzende Geruch von Tod. Metallisch, schwer und feucht lag er in der Luft. Penetrant setzte er sich fest. Sie war sich sicher, dass er auch nicht so schnell wieder verschwinden würde.

Ihre Kleidung war klamm und klebte förmlich auf ihrer Haut. Sie trug immer noch das gleiche Outfit. Die Bluse und den Rock hatte sie zur Arbeit angezogen und sich nach Feierabend nur kurz frisch gemacht, ehe sie in den Biergarten hatte gehen wollen. Den Abend ausklingen lassen bei einem schönen kalten Bier nach einem langen Tag im Büro. Den Gesprächen der anderen Gäste lauschen und runterkommen. Die Abendluft einsaugen. Jetzt roch sie stattdessen ihren eigenen Schweiß. Muffig und streng. Schon leicht säuerlich, sodass es einem eigentlich das Würgen abverlangte.

Der Boden war kalt und hart. Beton oder Lehm, das konnte sie nicht feststellen. Ihr war extrem kühl. Sie konnte außer dem nichts mehr fühlen. So kalt war ihr in diesem … in diesem Raum? Wo genau befand sie sich? Einen Sarg schloss sie mittlerweile aus, denn sie saß. Sie saß, unfähig sich zu bewegen, auf einem Stuhl. Ihre Füße berührten den Untergrund. Barfuß und eiskalt. Ihre Arme waren an die Rückenlehne des Stuhles gefesselt. Auch die Beine waren nicht in der Lage, sich frei zu bewegen, da auch diese festgebunden waren. Kabelbinder oder Schnur. So wirklich konnte sie es nicht sagen. Alle Körperteile schienen vor Kälte taub und steif geworden zu sein. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Schwarz um sie herum. Schemenhaft versuchte sie, ihre Umgebung genauer wahrzunehmen. Sie kniff konzentriert die Augen zusammen, in der Hoffnung, so mehr zu erkennen. Geradeaus vor ihr meinte sie, eine Tür ausmachen zu können. Vielleicht war es auch nur die Tür eines Schrankes. Bei genauerem Hinsehen konnte man jedoch feststellen, dass es eine Tür sein musste, da unter ihrem Spalt etwas Licht hindurchsickerte. Sie selbst saß an einem Tisch, auf dessen Fläche nichts zu liegen schien. Die anderen Wände waren zu weit weg, um weitere Details erahnen zu können. Das Ganze wirkte sehr bedrohlich und schüchterte sie ein. Es war wie der Fall in ein schwarzes Loch, der nicht enden wollte. Doch da war dieser Türspalt, der ihr klarmachte, dass sie nicht fiel, sondern tatsächlich saß.

Bei einem war sie sich sicher. Es roch nach Tod. Sie erinnerte sich an ein von Maden zerfressenes Rehkitz, das sie einmal beim Joggen im Wald gefunden hatte. Es hatte ebenso abscheulich gerochen wie dieser Raum hier. Außerdem roch sie Fäkalien. Wo war sie hier nur gelandet? Ein Bunker? Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war, dass sie sich nach der Arbeit auf den Weg nach Hause gemacht hatte. Es war schon spät geworden, denn sie hatte noch einiges an Papierkram zu erledigen gehabt, weshalb sie die ganze Woche schon Überstunden geschoben hatte. Die Unterlagen für einen der wichtigsten Kunden mussten fertig werden, hatte Tom, ihr Chef, zu ihr gesagt. Ansonsten könne sie sich ziemlich sicher sein, dass sich der Kunde eine andere Firma für den Auftrag suchen würde. Deswegen war sie die letzten Tage sehr spät nach Hause gegangen. Beim Verlassen der Firma hatte sie sich wie immer Musik in die Ohren getan und ging zu Fuß los. Das machte sie immer so. Es tat gut, wenn man den lieben langen Tag nur gesessen hatte. Sie verfiel weiter in Gedanken auf der Suche nach den vergangenen Ereignissen. Jetzt im Spätsommer, Anfang September, war es noch lauwarm und leichter Wind war auf der Haut zu spüren. Wie auf Autopiloten geschaltet, ging sie ihren gewohnten Heimweg. Sie wollte sich noch kurz frisch machen und dann auf ein, zwei Bierchen in den schnuckeligen Biergarten unweit ihrer Wohnung. In gewohnter Weise nahm sie den Weg durch den Park. Um diese Zeit war dort niemand mehr. Zumindest meinte sie das.

Angespannt saß sie auf dem Stuhl. Was war passiert, fragte sie sich erneut. Ihre Atmung wurde schneller, die Atemzüge kürzer. Panik wallte in ihr auf und Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie hatte keine Ahnung, was los war. Diese Unwissenheit machte sie wahnsinnig. Jagte ihr eine tierische Angst ein. Irgendetwas musste doch vorgefallen sein. Aber außer einer erschreckenden Leere war nichts in ihrer Erinnerung. Absolut nichts. Verzweifelt kniff sie die Augen zusammen und versuchte sich fieberhaft an irgendetwas zu erinnern. Alles, was kam, waren Sekundenbruchteile von Bildern. Sie hatte um halb sieben den PC herunterfahren lassen. Dann nahm sie Mantel und Tasche, Kopfhörer in die Ohren, die Straße überqueren und in den Stadtpark gehen. Vogelgezwitscher und leichter Wind. Und dann … dann … dann war da nichts mehr. Sie war sich nicht sicher. Nur eines war klar: Sie saß jetzt hier. Allein. Gefesselt. Schmutzig. Und sie roch nach Pisse und Schweiß. Angstschweiß. Wo bin ich, schoss es ihr wieder durch den Kopf. Wer hat mir das angetan? Wird man mir etwas antun? Ihr wurde speiübel. Sie zerrte an der Lehne und an den Stuhlbeinen. Wurde immer panischer, fast hysterisch. Was war hier los, fragte sie sich. Ihr wurde schwindelig. Sie war nicht mehr bei sich selbst. Furcht bahnte sich ihren Weg weiter durch alle Teile ihres Körpers und lähmte sie.

„Hilfe!“, schrie sie völlig verzweifelt und schrill. „Ich brauche Hilfe!“

Nichts. Keine Reaktion. Kein Ton. Kein Geräusch war zu hören. Nur ihr hektischer Atem. Auch ihren Herzschlag konnte sie wahrnehmen. Ihr Herz hämmerte wie ein Rammbock gegen ein Tor und drohte ihren Brustkorb zu sprengen. Sie schloss die Augen und versuchte ruhiger zu atmen. Sich zu konzentrieren. Nichts. Rein gar nichts war zu hören.

So verharrte sie eine gefühlte Ewigkeit weiter und lauschte der Stille, die um sie herumschlich und sie packen wollte. Panik ergriff immer wieder Besitz von ihr. Sie wimmerte, Rotz lief ihr aus der Nase und Tränen brannten auf ihren Wangen. Plötzlich war ein Schlurfen oder etwas Ähnliches zu hören. Es schien sich auf sie zuzubewegen. Ein rhythmisches Schleifen von Schuhen über dem Untergrund war auszumachen. Es wurde immer stärker und härter und kam Stück für Stück näher. War das ihr Entführer? In ihrem Magen drehte sich alles um. Oder konnte das Hilfe sein? War da jemand, der sie aus dieser Situation herausholte? Sie verspürte Hoffnung. Zuversicht keimte in ihr auf.

„So hilf mir doch jemand! Hallo?!“ Sie schrie so laut sie konnte und hoffte inständig, dass sie Gehör fand. Leise bettelte sie vor sich hin und weinte. In dem Moment, in dem sie schon alle Hoffnung aufzugeben bereit war, vernahm sie ein Klappern. Das Klirren eines Schlüsselbundes. Es klackte, als der Schlüssel in das Türschloss gesteckt und gedreht wurde. Die Tür, die sie zuvor nur schemenhaft wahrgenommen hatte, öffnete sich und herein trat eine hochgewachsene Gestalt. Ein Mann. Ja, es war ein Mann. Da war sie sich sicher. Der Mann war recht schlank und schmal gebaut. Von der Statur her nichts, wovor man Angst haben müsste. Doch sie war wie gelähmt. Er schüchterte sie extrem ein. Statt in sein Gesicht sehen zu können, sah sie in eine Fratze. Nein, eine Maske. Es war die Maske eines Jokers, wie man ihn von Kartenspielen kannte. Sogar eine Narrenmütze trug die Pappschablone. In der Hand hielt der Mann eine Laterne oder Öllampe, die das Dunkel ein wenig erhellte. Das warme Licht erfüllte den Raum. Machte ihn wohliger, was angesichts des Gestankes eigentlich kaum möglich schien. Ihre Augen schmerzten kurz aufgrund der unerwarteten Helligkeit. Der Mann schloss behutsam die Tür, wobei diese klagend quietschte.

Er kam näher. Sie hörte seine tiefen Atemzüge. Mit wenigen großen Schritten war er bei ihr, riss den zweiten Stuhl vom Tisch, der sich ihr gegenüber befand, ließ sich auf ihn fallen und starrte sie, ohne etwas zu sagen, ununterbrochen durch die Maske an. Auch sie stierte ihn nur aus großen, von Angst getränkten Augen an. Ihr Mund war trocken, doch nach einigen vergeblichen Versuchen schaffte sie es, ihre Stimme zu finden.

„Was mache ich hier? Was wollen Sie von mir? Ich habe nichts getan! Ich will hier weg!“

Die Fragen und Sätze sprudelten nur so heraus und sie wurde immer lauter und hysterischer beim Anblick dieser Maske. Sie versuchte wieder und wieder, sich von ihren Fesseln zu lösen und schrie aus Leibeskräften wie eine Wahnsinnige, die sich aus ihrer Zwangsjacke befreien wollte. Mit einem lauten Knall schlug der Fremde eine Faust auf den Tisch, sodass dessen Platte erzitterte und sie abrupt schwieg.

„Halt verdammt noch mal dein Maul und hör zu!“, gab er ihr deutlich zu verstehen.

Seine Stimme war ihr unbekannt. Dessen war sie sich sicher, denn deren hoher Klang wäre ihr in Erinnerung geblieben. Der dünne Laut stand in unheimlichem Kontrast zur Härte der Worte. Sie erstarrte und tat, was er von ihr wollte.

Der Mann atmete tief ein und langsam wieder aus. Beinahe ein...



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