Struck | Blind Date mit Möwe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Reihe: Lübbe

Struck Blind Date mit Möwe

Roman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-5605-1
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-5605-1
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wahre Liebe schaut nur auf das Innere, findet Lisa. Komisch, dass sie trotzdem noch nicht den Richtigen gefunden hat. Deshalb meldet Freundin Mareike sie bei der Webseite 'The Voice of Love - Stimme der Liebe' zu einem Online-Date an. Die Regeln dort: Die Kamera bleibt aus, und es gibt keine Infos über Aussehen, Beruf oder finanziellen Status. Stattdessen nur zwei Stimmen, die über das reden, was im Leben wirklich zählt. Jonas ist wegen einer Wette dort, um seinen Freunden zu beweisen, dass das Aussehen bei einem Date nicht wichtig ist. Lisa und Jonas sind laut Computer das perfekte Match, und schon bald knistert es gewaltig. Doch dann begegnen sie sich, ohne es zu ahnen, leibhaftig ...

Die idyllische Lübecker Altstadt, das Seebad Travemünde und das Naturparadies auf dem Priwall bieten die Kulisse für diese warmherzige und humorvolle Liebesgeschichte.



Yvonne Struck ist in Lübeck aufgewachsen und verbrachte ihre gesamte Kindheit an der Ostseeküste. Als Diplom-Biologin kennt sie die Arbeit im Naturschutzbereich. Sie arbeitet als Autorin und hat bisher erfolgreich Jugendbücher verfasst.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Lisa


Antonios Eiscafé an der Travemünder Vorderreihe ist der perfekte Ort für ein erstes Date. Eisessen wird im Internet empfohlen, weil es nicht so lange dauert wie ein Restaurantbesuch, und das Spaghettieis schmeckt hier wirklich göttlich. Außerdem ist es an der Vorderreihe wunderschön: Kleine Geschäfte und Restaurants reihen sich in schmalen Häusern aneinander, Menschen bummeln durch die Fußgängerzone, und man kann über die Trave mit ihren vielen Segelbooten bis hinüber zur Halbinsel Priwall blicken. Wenn ich hier bin, fühle ich mich immer ein bisschen wie im Urlaub.

Normalerweise jedenfalls. Heute hingegen eile ich im Slalom durch die entspannt schlendernden Menschen, rufe alle zwei Sekunden laut »Entschuldigung!« und bleibe schließlich keuchend vor den ersten weißen Sonnenschirmen mit der Aufschrift »Antonio’s« stehen. Trotz des Gerennes bin ich eine Viertelstunde zu spät. Hastig zupfe ich das gelbe Sommerkleid zurecht und bewege die verschwitzten Zehen, die leider nicht wie geplant von schicken Riemchensandalen umrahmt werden, sondern in klobigen gelben Gummistiefeln stecken. Na ja, wenigstens farblich passt mein Outfit super zusammen … Das ist aber auch schon das einzige Gute, das man darüber sagen kann! Aber hätte ich deswegen absagen sollen? So kurzfristig wäre das ja alles andere als nett gewesen. Apropos: Eigentlich müsste mein Date schon hier sein, oder?

Ich lasse den Blick über die kleinen Bistrotischchen schweifen. Familien mit Sand im Haar und Touristen in Lübeck-T-Shirts (Modell »Holstentor«), zwei Frauen, die die Köpfe zusammenstecken, mehrere Rentnerpaare … und ein einzelner Typ im hellgrauen Anzug. Das muss er sein.

»Tarzan93?«, frage ich, als ich an seinem Tisch ankomme.

»Möwe197?«, fragt er zurück.

»Genau.« Ich lasse mich auf den Stuhl ihm gegenüber sinken und lächele ihn an. »Sorry, dass ich zu spät bin.«

»Macht ja nichts.«

Er lächelt zurück und nimmt sich dann die Eiskarte.

»Weißt du schon, was du bestellen willst?«, fragt er.

Ich nicke, und er fängt an zu blättern. »Ich schau mal schnell, okay?«

Doch in dem Moment steht schon Antonio neben unserem Tisch.

»Ciao, Lisa! Spaghettieis wie immer?«

»Na klar!« Ein Eis ist genau das, was ich jetzt brauche.

»Und für den Signore?«

Tarzan guckt noch einmal in die Karte und sagt dann: »Ein Bier bitte.«

Bier im Eiscafé? Ernsthaft?

»Una birra, prego.« Antonio lässt sich nichts anmerken, aber der Blick, den er Tarzan93 im Fortgehen zuwirft …

Der nimmt sich noch einmal die Karte, und ich nutze die Gelegenheit, um ihn ausgiebig zu mustern. Dunkle Haare, vorne gegelt, blaue Augen und ein markantes Kinn mit leichten Bartstoppeln … Eigentlich sieht er ziemlich gut aus. Und auch der Anzug steht ihm. Wäre zwar nicht gerade das Outfit, das ich für ein Eiscafé gewählt hätte, aber vielleicht ist er ja direkt von der Arbeit gekommen, genau wie ich.

Tarzan93 klappt die Karte wieder zu.

»Nimmst du doch noch ein Eis?«, frage ich.

»Nein, wieso?« Er sieht mich verwirrt an.

»Na ja, ich dachte … Weil du die Karte noch mal … Aber ist auch egal.«

Er reibt sich das Kinn. »Ehrlich gesagt, stehe ich nicht so auf Eis.«

»Echt nicht?«, platzt es aus mir heraus. »Ich liebe Spaghettieis!«

»Okay …« Er zieht kurz die Augenbrauen hoch und fischt dann sein Handy aus der Tasche. Er wird doch nicht … Nein, er tippt nur kurz irgendwas und legt es dann neben das Bierglas.

Und jetzt? Am besten, wir beginnen noch mal von vorne. Wie war das mit den zehn besten Gesprächseinstiegen für erste Dates? Die habe ich heute Morgen extra gegoogelt, aber irgendwie ist mein Kopf im Moment komplett leergefegt.

Tarzan93 sagt auch nichts, er schiebt sein Handy auf der Tischplatte hin und her. Doch Rettung naht, und zwar in Gestalt von Antonio, der genau in diesem Moment eine riesige Eisschale vor mir abstellt.

»Prego, Signora! Ich habe extra noch ein paar frische Erdbeeren draufgetan.« Er zwinkert mir zu. »Weil du es bist.«

Ich strahle ihn an. »Danke schön!«

Während Antonio das Bier serviert, tauche ich den Löffel in meine Eisspaghetti. Luftiges Vanilleeis mit fruchtiger Erdbeersoße … Und dazu frische Erdbeeren! Mmh! Ich nehme gleich noch einen zweiten Löffel.

Tarzan trinkt währenddessen von seinem Bier. Drei große Schlucke.

»Übrigens, entschuldige noch mal die Verspätung«, sage ich dann, bevor sich wieder so ein peinliches Schweigen ausbreiten kann, und strecke die Beine unter dem winzigen Tischchen aus. »Du glaubst nicht, was mir vorhin passiert ist. Ich war nämlich gerade …«

»Sind das etwa Gummistiefel?« Tarzan93 starrt auf meine Fußbekleidung, die selbst hier im Schatten fröhlich vor sich hin leuchtet.

»Ja. Sind es.« Mist, warum klang das so verlegen? Ich wollte doch selbstbewusst und witzig auftreten!

Ich atme tief ein. »Jedenfalls, das mit den Gummistiefeln. Ich komme nämlich direkt von der Arbeit, und da …«

»Was arbeitest du denn? Bauarbeiterin?« Er lacht meckernd. Ist ja auch ein echter Brüller, der Spruch!

Ich kann es mir nicht verkneifen. »Und wenn?«, frage ich zurück.

»Ehrlich?« Schlagartig wird er ernst. »Klar. Natürlich. Ich wollte damit auch nicht sagen …«

»Schon gut«, antworte ich. Was für ein Typ!

In dem Moment klingelt das Handy neben seinem halbvollen Bierglas. Tarzan93 – wie heißt er eigentlich in echt? – greift danach.

»Oh, sorry, wichtiger Termin. Ich muss. Sorry, sorry, sorry!« Er leert sein Glas in einem Zug, wirft einen Fünfeuroschein auf den Tisch und springt auf. »Ciao!«

Ich starre ihm fassungslos hinterher. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Der haut einfach ab und lässt mich tatsächlich mit der ältesten Ausrede der Welt hier sitzen! Dabei wollte ich ihm doch gerade erklären, warum ich hier in Gummistiefeln zum Sommerkleid sitze.

Ich arbeite nämlich in der Naturstation auf dem Priwall, und wir sind heute mit unserem Exkursionskutter »Albatros« rausgefahren, um Jungfische für das neue Aquarium zu fangen. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel, der Ostseewind blies mir ins Gesicht, und der Bug des Kutters hob sich mit jeder Welle an und klatschte dann wieder zurück aufs Wasser. Es war himmlisch!

Ein Stück vor dem Strand setzte unser Ehrenamtler Heinz den Anker, und ich schnappte mir den Kescher und fing an, nach den Fischen Ausschau zu halten. Tatsächlich entdeckte ich bald einen ganzen Schwarm. Ich sah zwar im Augenwinkel schon die Nils Holgersson näher kommen, dachte aber, ich wäre schneller. Doch genau in dem Moment, als ich mich mit ausgestrecktem Arm weit über die Reling lehnte, passierte es. Heinz rief noch: »Achtung, Lisa!«, doch da erreichte uns die Riesenwelle der Ostseefähre schon. Der Kutter schwankte, ich auch, und – platsch – fiel ich in die Ostsee. Das Wasser war trotz der Sommerhitze eiskalt, und ich wusste einen Moment lang nicht, wo oben und unten war. Dann tauchte ich prustend wieder auf, Hose und Shirt klebten an meinem Körper, und wo war mein Kescher? Schwimmend drehte ich mich im Kreis, bis ich ihn ein Stück weit entfernt treiben sah. Ich schaffte es mehr schlecht als recht, mit dem Teil in der Hand zum Kutter zurückzuschwimmen, und als ich ihn zu Heinz nach oben schob, zuckte sein Schnurrbart verdächtig.

»Na, das war ja ’n schöner Platscher.«

»Sehr witzig«, brummelte ich.

Er hielt mir die Hand hin und zog mich zurück aufs Boot. »Mensch, ich hab dich doch noch gewarnt!«

»Ja, ich weiß.«

Zum Glück hatte ich Wechselkleidung in der Naturstation, aber als ich dann später zum Date aufbrechen wollte, stellte ich fest, dass ich meine Riemchensandalen zu Hause vergessen hatte. Und die Chucks waren immer noch klatschnass. Damit standen zur Auswahl: klobige Arbeitsschuhe oder eben die Gummistiefel. Deshalb klopfte ich die verkrusteten Matschreste von den Stiefeln, polierte sie auf Hochglanz und rannte los.

An dieser Stelle der Story hätte Tarzan93 zum Beispiel fragen können, welche Arbeit ich eigentlich in der Naturstation mache, wenn ich nicht gerade ins Wasser falle (oder so.) Schon wären wir im Gespräch gewesen. Doch stattdessen … Ich starre den Geldschein neben dem leeren Bierglas an. Ich meine, klar, es war nicht das tollste Date der Welt. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus uns was geworden wäre, liegt vermutlich im Minusbereich. Aber trotzdem! Ich habe noch nicht mal mein Eis aufgegessen.

Die Dame mit dem weißen Kurzhaarschnitt am Nebentisch wirft mir einen mitleidigen Blick zu, wahrscheinlich hat sie alles mitbekommen. Ich zwinge mich zu einem Lächeln und tauche den Löffel in das halb geschmolzene Spaghettieis. Von so einem arroganten Typen lasse ich mir doch mein Eis nicht verderben! Aber egal, wie sehr ich mich auch bemühe, es zu genießen: Irgendwie schmeckt es heute anders als sonst. Ich bezahle bei Antonio und mache mich seufzend auf den Weg nach Hause.

Zehn Minuten Fußweg und neunzehn Minuten Zugfahrt später komme ich in Lübeck an. Vor dem Bahnhof steht eine riesige Menge an Fahrrädern, aber meines leuchtet mir schon fröhlich türkis-schwarz geringelt entgegen. Mit dreizehn Jahren hatte ich nämlich die Nase voll von dem pinken Fahrrad, das ich mir ein Jahr vorher noch voller Überzeugung ausgesucht hatte, und habe es türkis gestrichen. Doch vermutlich hätte ich die alte Farbe vorher abschleifen müssen, denn das Türkis...


Struck, Yvonne
Yvonne Struck ist in Lübeck aufgewachsen und verbrachte ihre gesamte Kindheit an der Ostseeküste. Als Diplom-Biologin kennt sie die Arbeit im Naturschutzbereich. Sie arbeitet als Autorin und hat bisher erfolgreich Jugendbücher verfasst.






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