Struck | Jungs, meine Mutter und der ganze andere Mist | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Struck Jungs, meine Mutter und der ganze andere Mist


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0677-4
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-7325-0677-4
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Marie ist Expertin in Sachen Liebe - zumindest theoretisch, denn die Dr.-Sommer-Fragen aus der Bravo könnte sie alle beantworten. Doch in der Praxis sieht das leider völlig anders aus: Ihre Erfahrung beschränkt sich auf Knutschübungen mit dem eigenen Unterarm. Dabei würde sie viel lieber Flo küssen, den Bruder ihrer besten Freundin Sonja! Aber der beachtet sie gar nicht.

Sonja ist ihr da keine Hilfe, sie benimmt sich plötzlich sehr komisch. Dann fängt zu Hause auch noch Maries Mutter an zu spinnen. Und hoffentlich sieht niemand die peinlichen Zeichnungen, die Maries rechte Hand ganz von alleine in ihr Bioheft kritzelt ...

Mit vielen witzigen Scribbles wie arme einsame Würstchen oder grinsende Penisse.



Yvonne Struck, geboren 1976 in Lübeck, hat schon als Kind gerne geschrieben und gewann mit 13 Jahren sogar einen Preis für ein Gedicht: Eine coole Jeans! Heute lebt und arbeitet sie als Jugendbuchautorin in Kleve am Niederrhein und schreibt witzige Romane für Mädchen (und Jungen) ab 12 Jahren. Caro Dendorfer ist freischaffende Illustratorin und Lettering Artist. Mit Mann, Kindern und Katze lebt und arbeitet sie im wunderschönen München. Unter dem Pseudonym LUCKYme!CARO betreibt sie einen Blog und ihre Social Media Kanäle auf Instagram und facebook.
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Autoren/Hrsg.


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1. November, Mo.


Mama hat Magen-Darm. Heute Morgen hing sie über der Kloschüssel und würgte so laut, dass man es durch die ganze Wohnung hören konnte. Nicht, dass das nötig gewesen wäre– ich stand ja direkt vor der Badtür. Ich war nämlich extra früh aufgestanden, um Sonja vor der ersten Stunde abzuholen. (Sie ist meine beste Freundin seit der ersten Klasse.)

»Mama? Dauert das noch lange? Ich hab’s eilig!«, rief ich.

Mama würgt nämlich immer nur rum, gekommen ist noch nie was. Über eine Woche geht das nun schon so.

Mama nuschelte: »Gleich, Marie, gleei-wurgsaaaaarghö-platschplatschplatsch.«

Heute ist also doch was gekommen.

Dann drehte sich der Schlüssel im Schloss, und Mama kam mit kreidebleichem Gesicht heraus. Aus der Kloschüssel stank es wie alter Apfelsaft, sauer-eklig. Ich spülte vorsichtshalber noch zweimal nach, bevor ich mich draufsetzte.

Nach der ewigen Warterei war ich natürlich viel zu spät dran, um Sonni noch abzuholen. Typisch.

2. November, Di.


Mama hat immer noch Magen-Darm, aber heute bin ich noch früher aufgestanden und war vor ihr im Bad. Jetzt stand SIE vor der Tür und hibbelte rum: »Mach auf, Marie, ich halt’s nicht mehr aus!«

Sieht sie mal, wie das ist.

Irgendwann war Ruhe, dafür hat’s dann aus der Spüle in der Küche nach saurem Apfelsaft gerochen. Tat mir ja schon leid, irgendwie. Aber ich kann mir doch von ihrer komischen Grippe nicht alles versauen lassen!

Obwohl – genützt hat es nichts. Ich war zwar rechtzeitig bei Sonja, aber Flo hab ich nicht gesehen. Er musste erst zur zweiten Stunde.

Flo ist Sonnis großer Bruder. Er ist schon sechzehn und hat eine eigene Band, und Schulsprecher ist er auch. Außerdem hat er die schönsten Augen der Welt. Grün. Ich steh total auf grüne Augen und dann noch zusammen mit braunen Haaren… Wie bei Flo eben! Wenn er mich ansieht, kribbelt es ganz wahnsinnig in meinem Bauch. (Das ist ein irres Gefühl! So eine Mischung aus Glück und Angst– ich grinse über das ganze Gesicht und würde mich dabei am liebsten in Luft auflösen.)

Nur nicht heute Morgen, wie gesagt.

Wieder ein Tag verschwendet.

5. November, Fr.


Sonni weiß nicht, dass ich in Flo verliebt bin. Und sie soll es auch nicht wissen! Flo hat nämlich jede Menge »Groupies«– so nennt Sonja die Mädels in unserer Schule, die in ihn verknallt sind. Und wie sie dabei guckt! Mit einer Mischung aus Mitleid und Auslachen. Mich soll sie nicht so angucken!

7. November, So.


Als ich heute Morgen in die Küche kam, sagte Papa gerade zu Mama: »Das ist doch nicht mehr normal. Vielleicht solltest du mal einen Test machen.«

Ich frage also: »Was für einen Test?«

Mama zu mir: »Ach, nichts.« Und dann sagt sie zu Papa: »Ja, mal sehen.«

Als ob ich gar nicht da wäre!

Nein, noch schlimmer. Als ob ich ein kleines Kind wäre, das nichts mitkriegt. Aber ich bin fast vierzehn. (Na gut, eigentlich dreizehneinhalb.)

Ich also noch mal: »Was denn nun für einen Test?«

Aber ich hab wieder keine Antwort gekriegt. Dabei kann ich es mir schon denken. Sie will testen, ob sie gefährliche Bakterien in der Sch… hat. Wegen der Magen-Darm-Sache. Bäh!

10. November, Mi.


Ich habe ihn gefunden! Den Test. Er lag im Badmülleimer unter einem Haufen zusammengeknülltem Klopapier. Das Teil sah aus wie ein Fieberthermometer mit einem kleinen Fenster darin. Aber von wegen Bakterien-Test. In dem Fenster war ein kleines Kreuz und daneben stand: schwanger.

Deswegen hängt Mama die ganze Zeit über dem Klo! Sie hat es nicht mal geleugnet, als ich sie gefragt habe.

»Ja, für uns ist es auch noch ganz frisch, aber du kriegst bald ein Geschwisterchen!«, strahlte sie. »Freust du dich?«

Warum, bitte, sollte ich mich darüber freuen?

Genau das hätte ich normalerweise gesagt, aber sie sah so glücklich aus, da ging das irgendwie nicht. Also habe ich nur mit den Schultern gezuckt und mich verkrümelt, um Sonja anzurufen und mich aufzuregen.

Aber nicht mal auf meine Freundin ist Verlass. Sonja fing gleich an zu kreischen, wie süß sie das findet, dass wir bald ein Baby haben und dass sie dann immer vorbeikommt. Die hat gut reden! Sie kann ja abends wieder nach Hause gehen.

Warum versteht mich bloß keiner? Ich meine, es ist ja nicht so, dass mein Meerschweinchen schwanger wäre. Das fände ich natürlich auch süß. (Obwohl es eher nicht passieren wird, Rasputin ist ein Männchen.)

Aber meine Mutter? Wenn das Baby kommt, bin ich schließlich schon vierzehn, da hat man echt keine Lust mehr auf Geplärre die halbe Nacht und so einen kleinen Hosenscheißer, um den alle herumtanzen.

15. November, Mo.


Mama und Papa spinnen jetzt schon. Mama kam heute mit einem hellblauen Strampler nach Hause, dabei kommt das Baby erst in acht Monaten. Und sie weiß noch nicht mal, ob es überhaupt ein Junge wird.

»Hellblau kann auch ein Mädchen tragen«, hat sie gesagt und das olle Frotteeteil ganz verliebt angeguckt. Wenigstens hat sie nicht gesagt, rosa kann auch ein Junge tragen.

21. November, So.


Oh Gott, das wird mir erst jetzt klar. Meine Mutter ist schwanger! Das heißt ja, sie hatte Sex, und zwar mit meinem Vater! Bäh!

22. November, Mo.


Sonni findet es ganz normal, dass Eltern Sex haben. Aber ich glaube, sie sagt das nur, weil sie cool sein will. Ich meine, wenn andere Sex haben, klar. Junge Leute. Aber meine eigenen Eltern?! Außerdem sind die schon fast vierzig!

Klar weiß ich, dass es theoretisch möglich ist. Ich habe sie schließlich schon öfter nackt gesehen, als ich noch kleiner war. War alles dran, was man dazu braucht.

Aber jetzt weiß jeder, dass sie tatsächlich Sex hatten! Und zwar nicht vor ewig langer Zeit (vor meiner Geburt zum Beispiel), sondern irgendwann vor ein paar Wochen. Meine Eltern! Wahrscheinlich sogar in unserem Haus, während ich nebenan gelesen oder geschlafen oder an Flo gedacht habe. Das will sich doch nun wirklich keiner vorstellen.

28. November, So.


Heute Abend hab ich’s nicht mehr ausgehalten. Mama ist echt anstrengend, seit sie schwanger ist. Erst jubelt sie den ganzen Tag, und abends heult sie. Dass sie nicht weiß, wie sie das schaffen soll mit zwei Kindern und Job und so. ZWEI Kinder? Hallo? Die hat mich echt mit dem kleinen Schreihals in einen Pott geschmissen!

Also hab ich mir meine Jacke geschnappt und bin raus.

Es war schon halb acht, als ich bei Sonni klingelte. Dreimal. Keiner da. Keiner da? Von wegen. Keiner darf zur Tür, wohl eher. Ihre Eltern sind nämlich irgendwas Wichtiges in einer Wirtschaftsberatungsfirma und arbeiten immer mindestens bis sieben, und danach wollen sie ihre Ruhe – auch sonntags. Ruhe heißt vorm Fernseher hocken und Rotwein trinken, sagt Sonni, und keine nervigen Türklingler, Anrufer oder sonstigen Störer. Ich tastete nach meinem Handy. Dies war schließlich ein Notfall! Aber die Innentasche meiner Jacke war leer, und im gleichen Moment fiel es mir ein: Das Handy lag noch in meinem Zimmer auf dem Bett.

Also bin ich zum Spielplatz, der ist gleich bei uns um die Ecke, und hab mich auf die Schaukel gesetzt. Da war es wenigstens schön ruhig. Und das Schaukeln war auch witzig, hab ich schon ewig nicht mehr gemacht.

Ich schaukelte so in der Dämmerung vor mich hin, und nach einer Weile wurden meine Nasenspitze und mein Po ziemlich kalt. Ich überlegte gerade, ob ich wieder nach Hause gehen sollte, als plötzlich aus dem Piratenboot ein Schatten auftauchte. Da hab ich vielleicht Schiss gekriegt! Am liebsten wär ich weggerannt, aber mein Po war wie auf der Schaukel festgefroren. Der Schatten kam näher. Es war ein Junge, der sich die Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte. Ich war kurz davor zu schreien, da setzte er sich auf die Schaukel neben mich, schob die Kapuze nach hinten und sagte: »Hi.«

Ich klappte den Mund wieder zu. Aus der Nähe sah er nämlich überhaupt nicht gefährlich aus. Er kam mir sogar irgendwie bekannt vor. Ging der vielleicht auf unsere Schule?

Dann fiel mir ein, dass ich besser auch mal was sagen sollte.

»Hi«, krächzte ich, und er grinste. Was gab es da zu grinsen?

»Alles klar?«

»Ja«, zischte ich.

Mit einem Satz sprang er von der Schaukel und trottete davon. Wahrscheinlich war er beleidigt. Auch egal.

Was hatte er in dem Boot gemacht?

Und überhaupt, was für ein doofer Spruch: »Alles klar?«

Nichts war klar.

29. November, Mo.


Sonni findet das romantisch: der geheimnisvolle Unbekannte auf dem Spielplatz. Und sie meint, dass aus uns vielleicht ein Liebespaar wird. So ein Quatsch! Aber sie weiß ja auch nicht, dass ich bald mit Flo zusammenkommen werde.

Nur leider weiß Flo das auch noch nicht. Heute Morgen hab ich Sonni wieder abgeholt, und gerade als wir loswollten, kam er aus dem Haus. Mein Herz klopfte so heftig, ich dachte, das sieht man bestimmt durch die Jacke. Aber er hat nur kurz »Hi« gesagt und ist an mir vorbeigeschlappt.

8. Dezember, Mi.


Mama kocht jetzt nur noch gesunde Sachen. Ganz toll. Eigentlich darf ich mir mittwochs immer ein Essen wünschen, aber als ich Pommes und Hähnchennuggets gesagt hab, ist sie blass geworden und zum Klo gerannt. Stattdessen gab es dann Nudeln mit Tomatensoße. Im Prinzip auch nicht schlecht, wenn sie nicht die Soße aus frischen Tomaten gemacht hätte. Wegen der Vitamine. Nichts gegen Vitamine, aber die Stückchen darin waren echt widerlich. Dann hat sie gesagt, sie...


Yvonne Struck, geboren 1976 in Lübeck, hat schon als Kind gerne geschrieben und gewann mit 13 Jahren sogar einen Preis für ein Gedicht: Eine coole Jeans! Heute lebt und arbeitet sie als Jugendbuchautorin in Kleve am Niederrhein und schreibt witzige Romane für Mädchen (und Jungen) ab 12 Jahren.

Caro Dendorfer ist freischaffende Illustratorin und Lettering Artist. Mit Mann, Kindern und Katze lebt und arbeitet sie im wunderschönen München. Unter dem Pseudonym LUCKYme!CARO betreibt sie einen Blog und ihre Social Media Kanäle auf Instagram und facebook.



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