Strukul | Medici - Der Niedergang einer Familie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 496 Seiten

Reihe: Die Medici-Reihe

Strukul Medici - Der Niedergang einer Familie

Historischer Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-641-23816-2
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, Band 4, 496 Seiten

Reihe: Die Medici-Reihe

ISBN: 978-3-641-23816-2
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der französische Hof im Jahr 1600: Als Heinrich IV. Maria de‘ Medici zur Frau nimmt, hat er nicht mit der Rache seiner Mätresse Henriette d’Entragues gerechnet. Henriette besitzt ein schriftliches Eheversprechen ihres Geliebten, mit dem sie den König nun erpresst. Eine noch größere Gefahr stellt aber eine Gruppe von adeligen Verschwörern dar, die den König stürzen wollen. Als Heinrich IV. tatsächlich das Opfer eines tödlichen Komplotts wird, beginnt der Siegeszug des geschickt agierenden Kardinals Richelieu. Die machtbewusste Maria de‘ Medici gehört zu seinen größten Unterstützern – und begibt sich damit in eine verhängnisvolle Abhängigkeit …

Matteo Strukul wurde 1973 in Padua geboren. Er hat Jura studiert und in Europäischem Recht promoviert. Er gehört zu den neuen Stimmen der italienischen Literatur. Seine historischen Romane erobern regelmäßig die italienischen Bestsellerlisten. Strukul lebt mit seiner Frau Silvia abwechselnd in Padua, Berlin und Transsilvanien.
Strukul Medici - Der Niedergang einer Familie jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


6


Das Treffen mit der Königin

Nach Einbruch der Dunkelheit wollte Maria den Spion treffen, von dem Leonora Galigai gesprochen hatte. Auf Anraten der Freundin hatte sie die Kutsche genommen, um zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren, einem kleinen Haus in der Rue de Vaugirard. Sie hatte einen Wagen ohne Wappen gewählt, um kein Aufsehen zu erregen. Begleitet wurde sie von ein paar Wachen, die wie normale Edelleute gekleidet waren.

Leonora Galigai erwartete sie dort. Die Königin hatte das Gefühl, es sei nicht das erste Mal, dass Leonora diese Hütte für ihre heimlichen Treffen nutzte. Doch sie wollte nicht danach fragen. Am Hof gingen jedenfalls Gerüchte um, die diesen Verdacht bestätigten.

Seit ein paar Tagen war es für einige der angesehensten Adligen kein Geheimnis mehr, dass Monsieur de Montreval auf ihr Geheiß ins Jenseits befördert worden war. Die königlichen Wachen hatten ihn bäuchlings am Boden der Markthallen vorgefunden. Eine rasche Bestandsaufnahme hatte ergeben, dass der Edelmann von zwei Dolchstichen niedergestreckt worden war.

Natürlich konnte niemand beweisen, dass Leonora dahintersteckte, doch die Tatsache, dass Montreval die Galigai wenige Wochen zuvor beleidigt hatte, ließ in vielen den Verdacht aufkommen, dass das Geschehene ein Racheakt der Dame d’atours sei. Sicher, es hätte auch ihr Galan, Concino Concini, der Florentiner Edelmann mit dem bekanntermaßen feurigen Temperament sein können, doch die Art des Vorgehens sah nicht nach ihm aus. Je länger sie darüber nachdachte, desto mehr war Maria überzeugt, dass es Leonora gewesen sein musste, die diesen Mord in Auftrag gegeben hatte.

Maria kannte Leonora und wusste, dass sie von einem eisernen Willen und außergewöhnlicher Aggressivität angetrieben wurde. Diese Charakterzüge erschreckten sie. Doch sie wusste ebenso, dass sie im Louvre in einem Schlangennest lebte, dass der gesamte französische Adel gegen sie eingenommen war. Weil sie Italienerin war, schlimmer noch, aus Florenz stammte, weil sie schön und anziehend war und nicht von Blutadel, wie es von einer Königin verlangt wurde. Maria war die Cousine jener Caterina de’ Medici, die bis vor zehn Jahren die verhassteste Königin der französischen Geschichte gewesen war. Und nun schien sie ihren Platz einzunehmen.

Daher war es letzten Endes gar nicht so seltsam, mit unbedingter und unnachgiebiger Entschlossenheit für die eigene Sicherheit zu sorgen, indem sie den laut Leonora besten Spion am Platze auf ihre Seite brachte. Maria vertraute der Freundin, auch wenn es ein nicht unerhebliches Risiko darstellte, einen solchen Mann anzuheuern, damit Heinrich wieder in Besitz dieses dummen Versprechens käme, das er vor langer Zeit Henriette d’Entragues gegeben hatte.

Seit sie nach Paris gekommen war, war ihr bewusst, dass sie Schwierigkeiten am besten dadurch vermeiden konnte, dass sie vertrauenswürdige Freunde um sich scharte und dem Ehemann trotz seiner Laster treu zur Seite stand, ohne allzu eifersüchtig zu sein oder sich zu beklagen. Heinrich war kein kleiner Junge mehr, und mit der Zeit würde er sich sicher bändigen lassen. Seine erotischen Leidenschaften würden mit zunehmendem Alter nachlassen, und dann wäre sie die einzige Frau in seinem Leben, sie, seine Gemahlin und Königin.

Kurz und gut, sie konnte die Zeit für sich arbeiten lassen, ohne unnütze Intrigen anzuzetteln. Sie war schön und wusste, wie sie ihm Vergnügen bereiten konnte. Und doch ließ sich nicht leugnen, dass dieses schriftliche Versprechen – schlimmer noch, dieses offizielle, unter den Augen von Zeugen verfasste Dokument – kein geringfügiges Problem darstellte. Es war etwas, das über dumpfen Neid und sinnlose Komplotte bei Hofe hinausging.

Es war kein Geheimnis, dass nicht allein Henriette, sondern ihre ganze Familie und sogar ein Teil des Adels außerordentlich daran interessiert waren, dass der König sie zurückweisen und Henriette zur Frau nehmen würde.

Maria glaubte nicht, dass Heinrich so weit gehen würde, auch weil sie sich ihrer eigenen Überlegenheit recht sicher war, doch andererseits konnte sie nicht ausschließen, dass dieses Problem, das im Augenblick noch beherrschbar war, sich zuspitzen würde, insbesondere wenn es von Unzufriedenheit und Neid genährt wurde. Und genau das waren die Empfindungen der Familie von Henriette. Das galt vor allem für ihren Halbbruder Charles de Valois, den Grafen von Auvergne, der keinen Hehl daraus machte, dass er auf den Thron von Frankreich aus war. Und ein Nachkomme aus einer königlichen Verbindung vermochte bereits begrabene Hoffnungen wieder anzufachen. Umso mehr, als auch Charles de Gontaut, Herzog von Biron, Marschall von Frankreich sich seinen Vorteil sichern wollte. Zu den Forderungen von Henriette d’Entragues gesellten sich also weitreichende und noch weit gefährlichere Machenschaften. Heinrich schien das gar nicht zu bemerken. Oder er gefiel sich so sehr in der Rolle des großen Liebhabers, dass er für diese finsteren Ränke blind war.

Er war gewiss nicht dumm; die Tatsache, dass er den Valois die Krone entrissen hatte, war Beweis genug für seine Gerissenheit und Tüchtigkeit. Doch nun war er müde, er wollte nichts als Ruhe und Frieden und neigte deshalb dazu, die subversiven Kräfte zu unterschätzen, die von Tag zu Tag stärker wurden.

Der König hatte für die Eheschließung mit Margarete von Valois, der Reine Margot, päpstlichen Dispens erhalten. Jene Königin war einst so schön, wie sie nun furchtbar und aufmüpfig war. Noch dazu war sie grausam und der Wollust ergeben, der sie ohne Rücksicht auf Verluste in Orgien jeglicher Art nachging. Es hieß, ihre sexuellen Begierden überstiegen bei Weitem die ihres Ex-Gemahls, sodass sie als Entschädigung für die Scheidung eine Zahlung von dreihunderttausend Livre und eine Schar junger Liebhaber erhalten habe, die sie zu jeder Tages- und Nachtzeit besitzen und benutzen konnte.

Ob an diesen Geschichten nun etwas Wahres dran war – Maria hatte die Königin nur ein einziges Mal gesehen, und ihr Eindruck war der einer klugen Frau, mit der das Leben und das Alter nicht die geringste Nachsicht gehabt hatten. Fast sah es sogar so aus, als hätten die Jahre sich gegen sie verschworen und ihr alle frühere Schönheit genommen.

Doch mochte auch die legendäre Anmut vergangen sein, so galt dies nicht für ihren ausgesuchten Geschmack und die exquisite Art, sich zu kleiden. Ganz zu schweigen von ihrem Scharfsinn und der Liebe zur Kunst, die ihre faszinierende Ausstrahlung ausmachten.

Nun war jedoch weniger Margot das Problem, als vielmehr der Titel der Königin von Frankreich. Denn es war eine Tatsache, dass dieses vom König selbst unterschriebene Dokument in den falschen Händen zu einer Waffe werden konnte. Der Graf von Auvergne und der Herzog von Biron zählten genau darauf.

Maria seufzte.

Als die Kutsche endlich ans Ziel gelangt war, ging einer ihrer beiden adligen Begleiter voraus und half ihr auszusteigen.

Der andere klopfte an die Tür des Häuschens in der Rue de Vaugirard, und sobald sie geöffnet wurde, verschwand die Königin im Innern.

Die beiden Männer bewachten den Eingang. Doch zu dieser Stunde, lange nach Sonnenuntergang, lag die Straße verlassen unterm nächtlichen Himmel, keine Menschenseele war zu sehen.

Drinnen fand sich Maria in einem winzigen und schwach erleuchteten Raum wieder. Im Halbschatten erblickte sie Leonora. Sie trug Schwarz, und allein die Perlen ihrer schönen Kette reflektierten das schwache Licht der Kerzen.

Auf einem Samtsessel in der Ecke, dessen Bezug schon ganz verschlissen war, entdeckte sie einen Mann. Dieser hatte sich bei ihrem Eintreten erhoben und sich verbeugt. Er hatte den breitkrempigen Hut mit der großen Feder abgenommen, und als er sich nun wieder aufrichtete, war sein Gesicht zu sehen.

Maria sah einen durchdringenden Blick in einem Allerweltsgesicht, er hatte graue Augen und braunes Haar. Die Spitzen des sorgfältig gestutzten und pomadisierten Schnauzbartes wiesen nach unten, seine Züge waren fein, wenn auch nicht aristokratisch.

Er war weder groß noch klein. Sehnig, jedoch nicht schmächtig. Er trug ein dunkelgraues Wams, Pluderhosen und kniehohe Stiefel.

Das Bild wurde vervollständigt von einem Degen mit Griffkorb, der in der Scheide steckte, die wie eine schwanzartige Verlängerung unter dem Stoffmantel hervorlugte.

Alles in allem hätte sie ihn für einen der vielen Edelleute gehalten, die in Paris ihr Glück suchten. Und damit hätte sie gar nicht so falsch gelegen.

Leonora Galigai verlor keine Zeit. »Eure Majestät, ich danke Euch, dass Ihr gekommen seid. Ich habe das Vergnügen, Euch den Mann vorzustellen, der von nun an alle Probleme lösen und sich voll und ganz unserer Sache widmen wird.«

»Ich heiße Matteo Laforgia, doch ich habe meinen Namen in Mathieu Laforge geändert. Ich stamme aus Venedig, Eure Majestät, und bin daher von Natur aus Euer Verbündeter, kämpften doch meine Republik und die Eure, die von Florenz, so oft Seite an Seite. Doch aus Vorsicht gebe ich mich lieber als Franzose aus. Dieser Umstand wird Euch nützen, denn niemand wird annehmen, dass eine Dame wie Ihr sich einem Mann wie mir anvertraut, noch dazu einem Franzosen. Auf solch einfache Weise werden wir mögliche Verdächtigungen entkräften.«

Maria nickte. Dann sagte sie: »Monsieur Laforge, wie ich sehe, fehlt es Euch nicht an Tatkraft. Ich nehme an, dass Leonora Euch das Problem bereits umrissen hat, das nicht nur uns betrifft, sondern ganz Frankreich bedroht.«

»Die Sachlage könnte nicht klarer sein, meine Königin.«

»Sehr gut. Worum ich Euch also bitte, ist, so schnell wie möglich das bewusste Dokument wiederzubeschaffen. Ich habe keine Ahnung, wo Henriette d’Entragues es versteckt...


Strukul, Matteo
Matteo Strukul wurde 1973 in Padua geboren. Er hat Jura studiert und in Europäischem Recht promoviert. Er gehört zu den neuen Stimmen der italienischen Literatur. Seine historischen Romane erobern regelmäßig die italienischen Bestsellerlisten. Strukul lebt mit seiner Frau Silvia abwechselnd in Padua, Berlin und Transsilvanien.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.