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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 366 Seiten

Reihe: Wolf & König

Sturm Todesangst

Kopfgeld für Karin Wolf. Ein Dresden-Krimi
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-946734-55-0
Verlag: edition krimi
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kopfgeld für Karin Wolf. Ein Dresden-Krimi

E-Book, Deutsch, Band 5, 366 Seiten

Reihe: Wolf & König

ISBN: 978-3-946734-55-0
Verlag: edition krimi
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Dresden werden kurz hintereinander zwei Jugendliche brutal ermordet. Kriminalkommissarin Karin Wolf und ihrem Team läuft die Zeit davon. Sie müssen den Täter fassen, bevor der erneut zuschlägt. Zusätzlich schwebt über Karin eine schreckliche Bedrohung: Ein krimineller Politiker hat ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt und sie damit ins Fadenkreuz eines eiskalten Killers gebracht. Karins Partnerin Sandra König setzt alle Hebel in Bewegung, um die tödliche Gefahr von ihrer Freundin abzuwenden.

Andreas M. Sturm legt nach ?Vollstreckung?, ?Albträume?, ?Leichentuch? und ?Trauma? mit ?Todesangst? seinen fünften Dresden-Krimi um das Ermittlerduo Karin Wolf und Sandra König vor. Der 1962 in Dresden geborene und dort lebende Autor ist Diplom-Betriebswirt und war nach seiner Berufsausbildung zum Werkzeugmacher viele Jahre in der Informatik tätig. Andreas M. Sturm schreibt bereits seit seiner Jugend. Während es damals eher Novellen und Western waren, sind es seit 2009 Krimis, in denen er sein Faible für dieses Genre auslebt. Neben seinen Dresden-Krimis schreibt er Kurzgeschichten und ist Herausgeber von Anthologien, dazu gehören die bei Krimilesern beliebten Serien-Highlights ?Giftmorde?, ?Sachsenmorde? und ?Weihnachtsmorde?.
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Es war nicht leicht für Karin und Sandra zum Tatort vorzudringen. Vor den Absperrbändern drängelten sich Gaffer und jeder von denen kämpfte mit vollem Körpereinsatz um eine günstige Position. Die Gelegenheit, den Schauplatz eines Mordes auf den Speicherchip zu bannen, wollte sich keiner entgehen lassen.

Nur mithilfe ihrer Ellbogen gelang es den zwei Kommissarinnen, die menschliche Barriere zu durchbrechen. »Ich glaube, die würden auch zu öffentlichen Hinrichtungen gehen«, sagte Karin laut genug, damit es die Umstehenden hören konnten.

Sandra nickte stumm und ließ ihre Blicke abfällig über die Schaulustigen gleiten.

Diese ließen sich nicht im Geringsten stören. Im Gegenteil, als sich herumsprach, dass zwei offensichtlich höhere Beamte am Ort des Geschehens eingetroffen waren, wurden die Auslöser der Kameras noch eifriger bedient.

Über so viel Ignoranz verwundert, wandten sich Karin und Sandra an die Streifenpolizisten, die bereits vor Ort waren. Auf Karins Frage schilderten die Beamten die vorgefundene Lage. Ein älteres Ehepaar hatte nach dem Einkaufsbummel die Leiche in seinem Fahrzeug entdeckt und sofort die 110 gewählt. Die herbeigerufene Streife hatte umgehend die Einsatzzentrale verständigt, und da die beiden Kommissarinnen in der Nähe wohnten, waren sie die Ersten am Tatort.

Gerade als Karin und Sandra einen Blick auf den BMW werfen wollten, fuhr das Fahrzeug der KTU vor. Karin machte auf der Stelle kehrt und steuerte zielsicher auf den Tatortfotografen zu. »Hi Matthias, kannst du bitte die ganzen Schaulustigen mit ablichten, aber unauffällig?«, bat sie mit gedämpfter Stimme.

Hauptkommissar Matthias Lee, der Karin schon viele Jahre kannte, zwinkerte ihr verschwörerisch zu und machte sich an die Arbeit.

Karin wollte wieder zu dem BMW gehen, da sah sie, dass Sandra zwei Overalls abgefasst hatte und schon dabei war, in ihren zu schlüpfen. Genervt stöhnte sie auf, dann lächelte sie entsagend, ging zu ihrer Partnerin und schnappte sich den zweiten Schutzanzug.

Günther Lachmann, der Chef der KTU, trat zu ihnen. »Na, da hab ich ja großes Glück, dass wir so schnell hier waren. Wie ich euch zwei kenne, wärt ihr mit euren Straßenklamotten fröhlich am Tatort rumgetrampelt.« Er versteckte seinen Tadel hinter einem breiten Grinsen.

Karin lächelte säuerlich, schnallte ihren Rucksack ab und streifte den Overall über. Sie mochte diese Dinger nicht. Es dauerte nie länger als fünf Minuten, bis sie unter der Kunststoffhülle völlig durchgeschwitzt war und deshalb vermied sie, wo es nur ging, sie zu tragen.

Amüsiert studierte Sandra die Leidensmiene der Freundin. Karin, die ahnte, welche Gedankenflut sich hinter diesem Grinsen zusammenbraute, seufzte tief. »Verkneif dir’s! Nicht das einer von denen«, sie wies mit einer knappen Bewegung ihres Kopfes zu den Gaffern, »deine Kommentare aufschnappt und wir sie später bei Facebook entdecken. Heutzutage kann man nie wissen, nicht das einer dieser Ärsche ein Richtmikrofon bei sich hat«, fügte sie düster hinzu.

»Hast ja recht. Die Dinger gibt es jetzt sogar fürs iPhone.« Sandra setzte eine empörte Miene auf.

»Tu bloß nicht so! Du liebst diese Teile doch heiß und innig.« Jetzt war es an Karin, zu grinsen. Sie wusste, dass ihre Partnerin ein absoluter Technikfreak war und sich wie ein Kind bei der Weihnachtsbescherung über jedes neue Gerät hermachte.

Mit einem energischen Ruck zog sie den Reißverschluss nach oben und ging gemeinsam mit Sandra zu dem BWM. Wie ein Spürhund lief Karin einmal um den Wagen herum und blieb vor der geschlossenen Hintertür stehen. Sie bückte sich und schaute durch die Scheibe. Als ihr Hirn den Anblick verarbeitet hatte, überfiel sie nacktes Grauen. Fassungslos starrte sie auf den toten Jungen, der wie ein Stück Abfall auf dem Rücksitz lag.

»Mein Gott«, sagte sie erschüttert, »das ist ja noch ein halbes Kind. Wie alt wird der sein? Höchstens vierzehn. Der hatte doch sein ganzes Leben noch vor sich.«

Karin versuchte ihre Betroffenheit zu verdrängen und beschloss Fahrzeug und Leiche zu inspizieren. Vorsichtig öffnete sie eine der Hintertüren, beugte sich ins Auto und eine Mischung aus Blut- und dem typischen Neuwagengeruch schlug ihr entgegen. Ohne die Lage des Opfers zu verändern, hob sie mit zwei Fingern eine seiner dichten Locken, um sich die Wunde näher zu betrachten. Als sie das Ausmaß der Zerstörung registrierte, zog sie zischend die Luft ein. »Wenigstens hat er nicht leiden müssen. Bei einem so brutalen Schlag geht es schnell.« Traurig suchte Karin den Blick ihrer Partnerin, als sie ihm begegnete, entdeckte sie Entsetzen und Wut darin.

»Der arme Junge«, sagte Sandra mit zusammengebissenen Zähnen. »Machen wir, dass wir den Mistkerl finden, der das getan hat … Ja, ja, ich weiß, ich soll nicht voreilig sein«, setzte sie schnell hinzu, als sie Karins skeptische Miene bemerkte, »es könnte auch eine Frau gewesen sein.«

Karin wollte darauf eingehen, doch das satte Dröhnen eines schweren Motorrads unterbrach sie. Dr. Bretschneider, der Gerichtsmediziner, bockte seine Harley auf, setzte den Helm ab und trat zum Auto. Nach einem kurzen Gruß beugte er sich interessiert über die Leiche. Genau wie Karin untersuchte er als Erstes die Kopfwunde.

»Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass die Todesursache diesmal eindeutig ist.« Der Doktor tat es Karin nach und umrundete einmal das Fahrzeug. »Vermutlich stand der arme Kerl neben dem Wagen, als er von hinten niedergeschlagen wurde. Um so hart zuzuschlagen, muss man ausholen, das geht in dem engen Auto nicht. Anschließend hat ihn der Täter höchstwahrscheinlich einfach auf die Rückbank geworfen.« Er holte seinen Arztkoffer aus der Satteltasche und nach einem knappen: »Na, da woll’n wir mal«, machte er Miene, mit der Untersuchung der Leiche zu beginnen.

»Sekunde«, sagte Karin und drängelte sich vor, »ich will mir mal die Tüten ansehen, die hier rumliegen.« Sie zerrte die Plastikbeutel aus dem Fußraum und begann darin herumzuwühlen. Mit erstauntem Blick hob sie nach wenigen Minuten ihren Kopf. »Hier drin sind nur Luftpolsterfolien und Schaumgummiteile. Vielleicht gehört das den Besitzern des Fahrzeugs? Ich geh sie gleich mal fragen.«

Dr. Bretschneider holte tief Luft, schüttelte dann aber nur lächelnd den Kopf. Er kannte Karins impulsiven Charakter und da er sie mochte, sah er über ihr rüdes Benehmen hinweg.

Kurz entschlossen wollte Karin in Richtung des Streifenwagens losmarschieren, doch nach einem Schritt hielt sie inne und verzog nachdenklich das Gesicht. »Mir kommt da so ein Gedanke«, brummte sie. »Ich möchte zu gern wissen, was der Tote in seinen Taschen hat.«

Sie schob den Gerichtsmediziner zum zweiten Mal beiseite, ignorierte sein gespielt empörtes Schnaufen, kroch erneut auf den Rücksitz und filzte die Taschen der Leiche. Freudestrahlend kam sie wieder zum Vorschein und hielt ein schwarzes Plastikkästchen von der Größe einer Zigarettenschachtel in der Hand. »Du als alter Technikprofi kannst mir doch sicher erzählen, was das ist«, wandte sie sich an Sandra.

»Das habe ich überhört. Zeig mal her!« Sandra nahm Karin die Kapsel einfach aus der Hand und begutachtete sie fachmännisch. »Ich muss es noch genauer checken, aber ich will einen Monat keine Schokolade essen, wenn das nicht ein Jammer ist.«

Karin verstand nur Bahnhof. »Wenn ich so gucke«, sie riss ihre Augen weit auf, »dann bedeutet das, dass ich keinen Schimmer habe, was du da murmelst.«

Interessiert beäugte Sandra das Teil von allen Seiten. »Ja«, sagte sie schließlich, »ich bin mir sicher.« Dann hob sie ihren Kopf und blickte in Karins erwartungsvolles Gesicht. »Statt abends immer in deinen Romanen zu schmökern, solltest du dir lieber mal ein Beispiel an mir nehmen und deine Nase in eine Fachzeitschrift stecken.«

Karin verdrehte die Augen.

»Also, ein Jammer ist ein Störsender. Wenn der Besitzer seinen Wagen mit dem Funkschlüssel verschließen will, stört der Jammer das Signal und die Türen bleiben offen. Wenn er dann ohne zu kontrollieren einfach weggeht, darf er laufen«, dozierte Sandra mit einer Miene, mit der sie die strengste Religionslehrerin mühelos in den Schatten stellen könnte.

»Und diese Angeberkarre«, ihre rechte Hand winkte lässig zum Fahrzeug, »ist ein BMW X6 Xdrive 40D, der wie gemacht für diese kleinen Scheißerchen ist.« Strahlend hielt sie den Jammer in Höhe.

»Wusst’ ich’s doch«, triumphierte Karin. »Die...


Andreas M. Sturm legt nach ›Vollstreckung‹, ›Albträume‹, ›Leichentuch‹ und ›Trauma‹ mit ›Todesangst‹ seinen fünften Dresden-Krimi um das Ermittlerduo Karin Wolf und Sandra König vor. Der 1962 in Dresden geborene und dort lebende Autor ist Diplom-Betriebswirt und war nach seiner Berufsausbildung zum Werkzeugmacher viele Jahre in der Informatik tätig. Andreas M. Sturm schreibt bereits seit seiner Jugend. Während es damals eher Novellen und Western waren, sind es seit 2009 Krimis, in denen er sein Faible für dieses Genre auslebt. Neben seinen Dresden-Krimis schreibt er Kurzgeschichten und ist Herausgeber von Anthologien, dazu gehören die bei Krimilesern beliebten Serien-Highlights ›Giftmorde‹, ›Sachsenmorde‹ und ›Weihnachtsmorde‹.



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