Styles | Die Rückkehr des stolzen Kriegers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 326, 256 Seiten

Reihe: Historical

Styles Die Rückkehr des stolzen Kriegers


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6525-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 326, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6525-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kara kann ihre große Liebe Ash nicht vergessen. Die Leidenschaft, die der stolze Krieger in ihr weckte. Die Wut, dass er unbedingt kurz nach ihrer Hochzeit in den Kampf ziehen musste. Die Trauer, dass er nie von dort zurückkehrte. Trotzdem heiratet sie jetzt einen anderen, um ihrem Sohn das Erbe zu sichern. Doch gerade als sie vor den Altar tritt, ruft jemand hinter ihr: 'Kara ist meine Ehefrau!' Ihr stockt der Atem, als sie sich umdreht ... Aber so gern sie sich sofort in Ashs Küssen verlieren möchte, ist sie hin- und hergerissen. Sie braucht keinen Helden, sondern einen Mann, auf den man sich verlassen kann! Ist Ash noch der Richtige für sie?



Obwohl Michelle Styles in der Nähe von San Francisco geboren und aufgewachsen ist, lebt sie derzeit mit ihrem Ehemann, drei Kindern, zwei Hunden, zwei Katzen, Enten, Hühnern und Bienenvölkern unweit des römischen Hadrianswalls im Norden Englands. Als begeisterte Leserin war sie schon immer an Geschichte interessiert, darum kann sie sich am besten bei einem historischen Liebesroman entspannen. Besonderes Interesse hat sie an der Lebensweise der einfachen Leute in der Antike. Im Laufe ihrer Recherchen lernte sie auch, zu kochen wie die alten Römer und mit einer Spindel umzugehen. Wenn sie nicht gerade ihren Leidenschaften, dem Schreiben, Lesen oder historischen Recherchen nachgeht, pflegt sie ihren ein wenig verwucherten Garten oder macht Handarbeiten.

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1. KAPITEL

Frühherbst, 793 n. Chr., Sand in Raumerike, südöstliches Norwegen

Sieben Jahre waren vergangen, doch Ash Hringson weigerte sich, darüber nachzudenken, wie viele Tausend Meilen er zurückgelegt hatte, seit er das letzte Mal in Sand gewesen war, der Hauptstadt von Raumerike. Viel lieber wäre er sofort nach Jaarlshiem weitergereist, wo er zu Hause war. Aber die Pflicht verlangte von ihm, dem König von seinen Reisen zu berichten und ihn in seine Zukunftspläne einzuweihen.

Ash rieb sich mit einer Hand übers Kinn, seine Finger strichen über die kleine sichelförmige Narbe. Seit er aufgebrochen war, hatte er über dreißig Kämpfe und kleinere Scharmützel miterlebt. Zwar wies sein Gesicht nur kleinste Narben auf, doch wenn er ging, war das Humpeln nicht zu übersehen. Das war ein Überbleibsel aus einer Schlacht, die drei Jahre her war und durch die sich eine Verletzung verschlimmert hatte, die ihm in einem fränkischen Verlies zugefügt worden war. Er wusste, er war nicht mehr jener sorglose junge Mann, der aus Raumerike voller Abenteuerlust und in der Überzeugung aufgebrochen war, dass eine glorreiche Zukunft auf ihn wartete. In seiner Vorstellung war Raumerike immer noch so wie an dem Tag, an dem er das Land verlassen hatte.

Völlig unerwartet überkam ihn das Gefühl, wieder dort zu sein, wo er hingehörte. Er war zurück in der Heimat, an jenem Ort, an dem er für niemanden ein Fremder war.

Er lächelte spöttisch. Was er geschafft hatte, musste genügen, um zumindest ein gewisses Maß an Respekt von seinem Vater zurückzugewinnen. Es war nicht länger seine Bestimmung, mit gesenktem Haupt im Schatten des Lebens zu wandeln. Er war zu einem Anführer geworden, er hatte nichts mehr von einem Feigling, der andere in einer Feuerhölle sterben ließ.

In den sieben Jahren seiner Abwesenheit hatte es in der Stadt einige Veränderungen gegeben. Sie war ein wenig größer geworden, aber die Straßen verliefen noch alle so, wie er es in Erinnerung hatte. Ein anderer Schmied pries jetzt seine Dienste an, und es sah so aus, als wäre die Halle des Königs neu aufgebaut worden. Der Markt entlang der Kaimauer war ausladender als früher, und es wurden mehr Stoffe und Felle angeboten. Die Fischhändler hatten ihre Stände immer noch in der rechten Ecke, wo sie frischen Hering und mehr verkauften.

Mehrere Kaufleute warfen ihm einen Seitenblick zu, wurden bleich und wandten sich ab, sobald er näher kam. Dann schlossen sie hastig die Läden an ihren Ständen. Unwillkürlich hielt Ash das Heft seines Schwerts fester umschlossen, zwang sich aber sogleich zur Ruhe.

Wussten sie noch von der Schmach, die er über seinen Vater und über das Land gebracht hatte? Erinnerten sie sich an die Brüder, Freunde und Cousins, die in jener schicksalhaften Nacht durch seine Gedankenlosigkeit den Tod gefunden hatten? Sahen sie ihn deshalb wie jemanden an, der von den Toten auferstanden war? Oder war es nur das für Raumerike typische Misstrauen gegenüber jedem Fremden?

Zugegeben, er trug die Kleidung der Viken, doch sein Herz schlug für Raumerike. Er hatte nie vergessen, woher er kam. Und deshalb war er auch zurückgekehrt – um mit seinem Vater Frieden zu schließen, wenn das möglich war, und um den jungen Kriegern von Raumerike zu zeigen, wie sie ihren Mann stehen konnten, anstatt auf der feindseligen See vom Tod ereilt zu werden.

Er fühlte sich versucht, den Neugierigen, Zweiflern und Neinsagern zuzurufen, dass nicht länger die Worte Schande und Feigling auf seiner Stirn standen. Der Jugendliche, der in einem Sturm sein Schiff auf Grund gesetzt hatte, nur weil er zu versessen auf Reichtum gewesen war, hatte seine Lektion gelernt. Das Leben eines Mannes war wertvoller als irgendwelche teuren Gegenstände und kostbarer als Gold.

Aber er schwieg und ging in Ruhe weiter.

Mit entschlossener Miene lenkte er seine Schritte in Richtung der Halle des Königs. Zuerst zum König, dann zu seinem Vater und schließlich zu seiner Frau. Er kannte die angemessene Reihenfolge. Jetzt kannte er sie.

Kara würde das verstehen. Er war sich sicher, dass sie es verstehen würde. Wobei ihm sein Gedächtnis die Erinnerung an die genaue Tonlage ihrer sanften Stimme verweigerte, und genauso wollte ihm nicht einfallen, welchen Farbton genau ihre goldblonden Haare hatten. Seit ihrer ersten Begegnung im Kindesalter und seit dem Tag, an dem sie seinem Falken den gebrochenen Flügel verbunden hatte, war sie von allen diejenige gewesen, die stets treu zu ihm gestanden hatte. Das letzte Bild, das er noch vor sich sah, zeigte sie mit stolz erhobenem Kopf, während ihr eine Träne über die Wange lief und sie ihn anflehte, er möge als Held zurückkehren.

Ash verdrängte die Gedanken an Kara, so wie er es in den letzten sieben Jahren immer wieder gemacht hatte. Schon bald würde er sich an alles erinnern können, was sie anbetraf. Doch zuerst musste er seiner Pflicht gegenüber dem König und dem Land nachkommen.

„Warum wandelst du inmitten der Lebenden, Geist?“, rief ihm eine ältlich klingende weibliche Stimme zu, die von einem Marktstand herüberschallte, an dem Kochtöpfe verkauft wurden. „Und warum ausgerechnet heute?“

Ash zuckte zusammen, als er durch den Zuruf irritiert verkehrt auftrat und sein in Mitleidenschaft gezogenes Bein mit seinem ganzen Gewicht belastete. Er zwang sich dazu, sich den Tod jedes ihrer Söhne ins Gedächtnis zu rufen, ehe er antworten würde. Die beiden ältesten waren im Sturm ums Leben gekommen, der jüngste hatte mit ihm zusammen die Gefangenschaft erduldet und ihn mit seinen Geschichten von lange zurückliegenden Heldentaten am Leben erhalten. Ash hatte geweint, als sein letzter Freund gestorben war.

Einen Tag und eine Nacht hatte er an der Seite des Leichnams in diesem Drecksloch zugebracht, dann war es ihm endlich gelungen, den fränkischen Wachmann zu überwältigen, der geschickt worden war, um nach den beiden zu sehen. Danach hatte er die Flucht durch den schmalen, stinkenden Abfluss angetreten. Auch jetzt, sechs Jahre später, konnte er noch immer nicht in einem geschlossenen Raum schlafen, und er konnte auch keine unterirdischen Räume betreten.

Zum ersten Mal auf dieser verfluchten Reise waren die Götter ihm gnädig gewesen. Nachdem er dem Abfluss entstiegen war, hatte er im Hafen ein Viken-Schiff entdeckt, sofort angeheuert und sich fortan als Söldner verdingt.

„Ich bin kein wandelnder Geist, ich bin ich selbst, Hildi, Mutter von Kriegern und eine Perle unter den Frauen.“ Ash nannte die Namen ihrer drei Söhne, die mit ihm gesegelt waren und die alle ihr Leben verloren hatten. „Ich bin gekommen, um dir Tribut für das Leben deiner tapferen Söhne zu zahlen. Alle drei tafeln jetzt mit Odin. Fass meine Hand an, ich bin wirklich hier.“

Mit einem knochigen Finger stieß sie ihn an. „Pah! Deine Zunge ist noch immer genauso wortgewandt, Ash Hringson. Hoffentlich steckt dieses Mal in deinen Worten mehr Wahrheit. Lebendig, nicht ertrunken. Das ist wahrhaftig etwas Neues.“

„Ich habe überlebt, aber ich werde ihren Tod wiedergutmachen. Das verspreche ich dir, Hildi, so wie ich es allen versprochen habe, die mir gefolgt waren.“ Er sah Hildi in die Augen. „Deine Söhne sind jetzt in Walhalla, sie teilen sich nicht die Tiefen mit Ran. Was könntest du Besseres für sie wollen?“

„Daran habe ich nie gezweifelt.“ Die Frau bellte eine Anweisung und kam um den Marktstand herum zu ihm.

Sie wirkte etwas gebeugter und etwas faltiger, aber im Wesentlichen war sie immer noch die gleiche Frau, die sich unter Tränen von ihren Söhnen verabschiedet hatte. Die drei waren mit Ash zusammen zu einer Reise aufgebrochen, um etwas zu erledigen, das dafür hatte sorgen sollen, dass ihre Mutter nicht länger auf dem Markt arbeiten und Fisch verkaufen müsste. Ash ließ den Kopf nach vorn sinken.

Der allzu vertraute Geschmack nach Bedauern machte sich in seiner Kehle breit. Er wusste längst nicht mehr, wie oft er sich gewünscht hatte, dass er ums Leben gekommen wäre, nicht aber so viel würdigere Männer wie Hildis Söhne. Im Geiste erhöhte er die Summe, die er ihr schuldete. Natürlich würde das ihre Kinder nicht wieder lebendig machen, aber ihr Leben würde zumindest ein wenig erleichtert werden.

„Der König ist immer noch der König?“, fragte er, als er darauf vertrauen konnte, dass seine Stimme ihm nicht versagte.

„Aye. König Eystienn klammert sich am Thron fest. Sein Augenlicht lässt nach, sein Schwertarm ist nicht mehr so stark, aber sein Geist ist noch immer hellwach. Es bleibt abzuwarten, ob er im Bett oder mit dem Schwert in der Hand sterben wird.“

„Er sollte zuerst meine Geschichte hören, bevor ich dir den Tribut zahle. Ich möchte nicht, dass das jemand infrage stellt. Ist er heute auf seinem Thron, oder ist er auf der Jagd?“

Sie sah ihn verwundert an und lachte spöttisch. „Weder noch. Heute ist er bei der Hochzeit.“

„Wessen Hochzeit?“

Die ältere Frau schaute über ihre Schulter und zog ihr Tuch enger um sich. „Die Hochzeit deiner Frau. Sie heiratet wieder, und der gesamte Hof ist anwesend.“

„Kara Olofdottar ist meine Frau“, erklärte er entschlossen. „Es gab keine Scheidung, und es wird auch keine Scheidung geben. Sie gehört mir, und was mir gehört, das behalte ich. Das ist der Wahlspruch meines Vaters und damit auch meiner.“

„Dann solltest du wohl besser deinen Anspruch auf sie anmelden, Ash Hringson.“ Die alte Dame hielt inne und lächelte ihn zahnlos an. „Bevor es ein anderer macht. Beim nächsten Mal solltest du früher zurückkehren, wenn du die Dinge...



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