Sudermann | Meine Dramen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 625 Seiten

Sudermann Meine Dramen


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3734-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 625 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3734-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Hermann Sudermann war ein deutscher Schriftsteller und Bühnenautor. Besonders bekannt sind seine Dramen, die schon zu Lebzeiten zu großen Erfolgen wurden. Dieser Band beinhaltet die Dramen: Die Ehre Der Bettler von Syrakus Heimat

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Zweite Szene


Die Vorigen. Wilhelm.

MÜHLINGK. Hä?

WILHELM. Der junge Herr Heinecke aus dem Hinterhause läßt melden, daß er sich um 2 Uhr die Ehre geben wird. –

Lenore macht eine unwillkürliche Bewegung und blickt nach der Uhr.

MÜHLINGK. Sieh da – wie ein großer Herr! ... Es ist gut. –

WILHELM. Mit Erlaubnis – er nannte noch einen anderen, der mitkommen wollte – Graf Trast – oder so –

MÜHLINGK aufspringend. Wie? Der Graf Trast! Trast und Compagnie, Curt. – Der Kaffeekönig! Winkt dem Diener. Diener ab.

CURT. Was so'n Commis für'n Glück hat.

MÜHLINGK. Oh, den müssen wir ja einladen, Amalie.

FRAU MÜHLINGK. Gut, morgen mittag.

LENORE. Wie – und Robert Heinecke nicht?

CURT beiseite. Immer besser.

MÜHLINGK. Hm! Eigentlich hast du recht. – Wenn man gelegentlich zu diesen Leuten herabsteigt, kettet man sie mit ihrem Gemütsleben an die Interessen der Firma. – So etwas bringt oft Tausende ein, Curt. – – Der junge Mensch hat sich unter Bennos Führung ganz hübsch eingearbeitet und da ich ihn auf fernere zehn Jahre nach den Antillen schicken will –

LENORE entrüstet. So war es nicht gemeint, Papa.

MÜHLINGK. Schadet nichts.

FRAU MÜHLINGK. Und du, Curt, paßt ein wenig auf, daß der junge Mensch keine Fauxpas begeht. Er kommt aus dem Hinterhause. So was färbt ab. –

CURT aufstehend. Pardon. Ihr wünscht doch, daß ich auch meine Freunde einlade.

MÜHLINGK. Gewiß, auch deine Freunde. Junggesellen haben immer Zeit.

CURT. Ich möchte bitten, daß Ihr mir das erlaßt. Ich kann unmöglich junge Männer aus guter Familie mit dem Sohne des Weist nach hinten. Herrn Heinecke gesellschaftlich bekannt machen.

LENORE leise zu ihm. Solltest du nicht eher den Bruder des Fräulein Heinecke im Auge haben?

CURT erschrocken, sich dann sammelnd. Wie meinst du das?

LENORE. Sei zufrieden, daß ich dir die Antwort schenke.

CURT. Bitte!

LENORE. Soll ich?

CURT. Du drohst mir wohl?

MÜHLINGK. Liebe Kinder, in diesem Hause gibt es keine Szenen.

FRAU MÜHLINGK. Wir wollen nichts gehört haben, Theodor. Ich ziehe mich nun zurück, Auch du ruhst wohl ein wenig?

Mühlingk küßt sie zeremoniell auf die Stirn.

CURT beiseite. Die gute, alte Zeit! Laut. Mahlzeit!

Frau Mühlingk will nach dem Hintergrunde ab. Mühlingk klingelt.

LENORE hinter Frau Mühlingk hereilend. Mutter!

FRAU MÜHLINGK sich umwendend, mit nervöser Freundlichkeit. Es ist gut. Laß nur. Ab.

Wilhelm tritt ein.

MÜHLINGK. Besuch wird nach meinem Arbeitskabinett gemeldet. Ab.

Diener ab.

Dritte Szene


Curt. Lenore.

Curt will gleichfalls ab.

LENORE. Mir scheint, daß wir miteinander zu sprechen haben, Curt.

CURT. Wir? ... Hä? Nein.

LENORE. Und du trägst kein Verlangen, mich zur Rechenschaft zu ziehn?

CURT. Dir scheint es nicht zu passen, daß ich mich ein wenig in der Welt umsehe ... Weil du vier Jahre älter bist als ich und mich einmal gehn gelehrt hast, möchtest du mich noch immer am Gängelbande halten. Du – aber gehn kann ich nun ... Es gibt sogar Damen, welche behaupten, ich ginge zu weit ... Bitte, laß mir meine Façon, selig zu werden. 

LENORE. Ich habe dir nie einen Vorwurf gemacht. Spiele den Lebemann, so viel du willst. Aber habe den Mut, es zu bekennen.

CURT. Würde mir schlecht bekommen!

LENORE. Du spielst den gehorsamen Haussohn, um dich hinterher über die Eltern lustig zu machen. – Glaube mir Curt, so richtest du deinen Charakter zugrunde.

CURT belustigt. Ach?

LENORE. Und um eines fleh ich dich an: Dies Haus und seinen Bezirk – die halte heilig.

CURT. Da wären wir nun mit Gottes Hülfe.

LENORE. Weißt du, was man zischelt und raunt hinten in den Höfen und Werkstätten? Daß du die Schwester Robert Heineckes mit deinen Aufmerksamkeiten verfolgst – daß du –

CURT achselzuckend. Ja, wenn du dir gestattest, den Klatsch der Hintertreppen herumzutragen!

LENORE. Curt – nicht diesen Ton! Ich habe dich heut vor den Eltern geschont. Das nächste Mal tu ich es nicht ... Und vor allem eins: Robert ist zurückgekehrt ... Wenn er seine Schwester schuldig fände ... Sei still, ich fürchte es nicht ... ich würde nicht wagen, es zu fürchten ... Aber das Mädchen ist eitel und leichtsinnig ... Wenn es so wäre ... Und durch deine Schuld, Curt, nimm dich in acht! ... Er würde dich zerschmettern.

CURT. Wer? Mein Commis? – Mit seinem Probenkoffer.

LENORE. Ah! ... Und daß du dich dazu hergibst, diesen deinen Commis zu bestehlen, daran denkst du nicht?

CURT. Was sind das für Ausdrücke? ... Bestehlen – um was denn?

LENORE. Um seine Stellung vor der Welt! Um seinen guten Namen?

CURT. Den Namen Heinecke. Pah!

Wilhelm bringt zwei Visitenkarten, die er Lenoren überreicht.

LENORE. Besuch für dich!

CURT. Wer denn?

LENORE. Lies!

CURT. Lothar Brandt ... Hugo Stengel ... Ach, ich lasse bitten. Wirft die Karte auf das Tischchen rechts. Diener ab.

Lenore wirft sich in den Schaukelstuhl.

CURT. Zeichen und Wunder. Du läufst ja heute nicht davon!

Vierte Szene


Die Vorigen. Hugo Stengel. Lothar Brandt.

LOTHAR. Morgen, lieber Junge!

CURT ihnen entgegengehend. Ihr kommt meinen Rappen besehen. Das ist nett von Euch.

HUGO mit einer Verbeugung gegen Lenoren. Wir nahmen uns die Freiheit.

LOTHAR gleichfalls. Falls wir das gnädige Fräulein nicht stören.

LENORE liebenswürdig. Durchaus nicht. – Ich gehe nur selten nach den Ställen. Die beiden räuspern sich.

CURT. Wollt Ihr also nicht Platz nehmen?

...



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