Sülter | Yula und die Sterne | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Sülter Yula und die Sterne

Die Beyond Berlin-Saga: In Berlin angesiedelte Dystopie
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95936-433-1
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Beyond Berlin-Saga: In Berlin angesiedelte Dystopie

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

ISBN: 978-3-95936-433-1
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Berlin, in einer nicht so fernen Zukunft.Die Menschheit hat die Sterne erreicht, doch ihre Erde stirbt. Und mit ihr auch die Errungenschaften der Zivilisation. Die meisten Überlebenden fristen ein erbärmliches, von Angst und Armut geprägtes Leben in den Dunklen Zonen. Das System hat sie vergessen und ermöglicht nur wenigen Auserwählten die Zuflucht in abgeschotteten Oasen.Aus den Ruinen West-Berlins macht sich Yula in den blühenden Osten der Stadt auf, um ihre Familie zu vereinen, beginnt damit aber eine Reise, die ihr eigenes Schicksal und das der gesamten Menschheit beeinflussen könnte ...Yulas atemlose Heldenreise findet ihren Abschluss. Lesen Sie die ganze Geschichte aus der Feder des DPP-Preisträgers Björn Sülter in dieser spannenden Gesamtausgabe!

Der Autor, Übersetzer und Journalist Björn Sülter schreibt und spricht seit mehr als zwanzig Jahren über Medien. Als Autor kennt man ihn für das im Jahr 2019 mit dem 'Deutschen Phantastik Preis' ausgezeichnete Sekundärwerk 'Es lebe Star Trek ¿ Ein Phänomen, zwei Leben', die mehrteilige Reihe 'Die Star-Trek-Chronik' sowie die Jugenbücher der Reihe 'Ein Fall für die Patchwork-Kids'. Als Chefredakteur betreut er die Printmagazine 'Geek!' und 'TV-Klassiker' sowie das von ihm herausgegebene Onlineportal 'Planet Trek'. Als Kolumnist schreibt er für die 'TV Serienhighlights' und 'Planet Trek'. Dazu ist er als freier Mitarbeiter bei Print- und Onlinemagazinen sowie für lokale Medien im Einsatz. Er übersetzt Romane und Sachbücher, spricht Hörbücher, präsentiert drei eigene Podcasts und moderiert auf Veranstaltungen wie Conventions und Messen.
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Nachts

Es gab nicht viel, auf das man sich in dieser Welt verlassen konnte. Doch eines war Yula absolut klar: Wenn sie aus dem Schlaf hochschreckte und durch die Ritzen in den Brettern vor ihrem Fenster keinen Lichtschein sah, war etwas nicht in Ordnung. Ganz und gar nicht in Ordnung. Die junge Frau hatte für gewöhnlich einen guten Schlaf, nahm allerdings auch jedes Geräusch wahr, das nicht zur normalen Soundkulisse ihres Hauses gehörte. Irgendetwas hatte sie geweckt.

Sie stieg, so leise sie nur konnte, aus ihrem Bett und tastete sich zum Fenster. Sie hatte recht gehabt. Es war mitten in der Nacht. Auf der Straße war nichts und niemand zu sehen. Yula verharrte einen Moment. Die schlanke Gestalt mit den schulterlangen dunklen Haaren zitterte, allerdings nicht nur vor Kälte. Fünf lange Minuten geschah nichts. Doch dann hörte sie erneut ein Knacken im Stockwerk unter ihr. Oder kam es bereits von der Treppe? Sie hatte ihr Haus sehr gut gesichert. Doch immer wieder gelang es jemandem, ihre Vorkehrungen zu überwinden. Meist waren es Drogensüchtige auf der Suche nach wertvollem Tauschmaterial. Hatte man Pech, konnte es aber auch ein perverser Vergewaltiger oder Mörder sein. Oder noch schlimmer, einer von den Schatten. Yula schlich zu ihrem Bett zurück, griff sich den Baseballschläger, glitt zur Zimmertür und öffnete sie nahezu geräuschlos. Den Schläger in der rechten Hand tastete sie sich an der Wand entlang zum Treppengeländer. Um sie herum war es totenstill und stockfinster. Das war allerdings kein Problem. Sie konnte sich mühelos im Haus orientieren. Schließlich hatte sie ihr ganzes Leben hier verbracht. Schritt für Schritt schlich sie die Treppe hinunter. Das Holz war inzwischen schon reichlich morsch geworden. Wenn man aber wusste, wo man hintreten musste, konnte man die Stufen fast lautlos überwinden. Genaugenommen war dies sogar eines ihrer besten Warnsysteme. Die Geräusche eben schienen allerdings eher aus dem Untergeschoss gekommen zu sein, vielleicht sogar aus dem Keller. Innerlich ärgerte Yula sich, dass sie die Kellerfenster aus reiner Faulheit noch immer nicht weiter verstärkt hatte. Nach einem Einbruch vor einiger Zeit hatte sie die Spuren nur notdürftig geflickt und sich seitdem um eine größere Aktion gedrückt. Wie nachlässig das war! Ihr Nachbar und bester Freund Gin hatte ihr sogar einige Metallstangen zum Verstärken angeboten.

Inzwischen war sie im Erdgeschoss angekommen und horchte. Erst hörte sie gar nichts, doch dann nahm sie ganz leise ein scharrendes Geräusch unter sich wahr. Es klang, als würde jemand oder etwas über den alten Fußboden im Keller robben. Einige Härchen in ihrem Nacken und an den Armen stellten sich auf. Sollte sie darauf hoffen, dass das, was auch immer sich da unten aufhielt, von alleine aus dem Keller verschwand, nur die Kellertür bewachen und sich für den Notfall bereithalten? Oder sollte sie lieber hinabsteigen und die Sache selbst in die Hand nehmen? Was, wenn da nicht nur einer war? Dann wäre es genauso schlecht, einfach zu warten. Yula entschied sich wie so oft für den Angriff als beste Verteidigung, schob fast lautlos den Riegel zur Kellertür beiseite und steckte den Kopf in das Loch, das noch schwärzer wirkte als der Rest ihrer Umgebung. Die Treppe nach unten war aus Stein, und die kahlen Stufen kamen ihren nackten Füßen heute Nacht besonders kalt vor. Seit dem letzten Scharren war nichts mehr zu hören gewesen. Sie entschied sich, zunächst nach links zu gehen. Groß war der Keller ohnehin nicht. Es gab einen Bereich, in dem früher die Vorräte gestanden, und einen auf der anderen Seite, den ihre Mutter als Waschraum genutzt hatte. Dort befanden sich auch die beiden Fenster. Obwohl Yula nichts hörte, spürte sie eindeutig eine Präsenz hier unten. Inzwischen konnte sie gut zwischen Einbildung und realer Bedrohung unterscheiden, und hier war definitiv jemand mit ihr im Raum. Jemand oder etwas. Nicht jedoch auf der linken Seite. Mit dem Baseballschläger im Anschlag und immer bereit, sofort fest zuzuschlagen, wechselte sie nun die Seite, als plötzlich etwas nach ihren Haaren griff. Sie schrie auf, wirbelte herum, ließ ihrem Angreifer den Holzschläger entgegenfliegen und traf. Die Finger ließen ihre Haare los, ein unheimliches Stöhnen war zu hören, und dann war alles still.

Wie angewurzelt blieb Yula stehen und traf eine Entscheidung. Sie hatte gelernt, in einer unsicheren Situation niemals Licht zu machen. Jetzt jedoch spürte sie keine Gefahr mehr. Sie tastete nach den kleinen, selbstgebauten Fackeln und dem Sturmfeuerzeug, das ihr ein freundlicher alter Herr am Ende der Straße regelmäßig befüllte oder reparierte. Die Flamme loderte hell und blendete sie. In einem solchen Moment konnte ein Angreifer die Verwirrung ausnutzen und sich einen Vorteil verschaffen. Doch nichts geschah. Als sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, blickte sie zu Boden. Was da vor ihr lag, konnte unmöglich ein Mensch sein. Und wenn doch, dann war dieser auf eine Art deformiert, wie sie es noch nie gesehen hatte. Sie schnappte nach Luft, trat einmal gegen das Bündel vor ihren Füßen, und als es sich nicht regte, rannte sie leichenblass die Treppe hinauf und öffnete alle Schlösser an der Haustür.

Auf der Straße war es menschenleer. Sie legte die letzten Meter bis zu ihrem Ziel zurück und klopfte an die Tür des Hauses nebenan. Als nichts passierte, hämmerte sie so laut, wie sie nur konnte, gegen das spröde Holz und begann zu weinen. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sie das Codewort vergessen hatte. »Alice«, jammerte sie. »Alice!«

»Ich komm ja schon, ich komm ja schon«, hörte sie von drinnen die vertraute Stimme.

Als die Tür sich öffnete, sank sie in die Arme ihres guten Freundes. Dieser sagte zuerst nichts, zog sie aber vorsichtshalber hinein, schloss die Tür und wartete, bis seine Nachbarin die Fassung ein wenig wiedergefunden hatte.

»Was ist los, Kleine?«

»Er ist tot«, platzte es aus ihr heraus.

»Wer ist tot?«, fragte Gin.

Wortlos löste sie sich aus seiner Umarmung und zog ihn mit sich.

»Wir sollten nicht mehr rausgehen. Es ist mitten in der Nacht. Du kannst gerne hierbleiben.«

»Nein! Ein Toter liegt in meinem Haus. Ich muss ihn wegschaffen!«, jammerte Yula.

Gin erkannte, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt für lange Diskussionen war. Er griff nach einer Waffe und folgte ihr über den Gehweg bis zu ihrem Haus. In der Eile hatte sie die Tür nicht geschlossen.

»Meinst du, es ist noch jemand drin ...?«, fragte sie wie erstarrt.

»Außer deinem angeblich toten Freund?«, entgegnete Gin. »Sicher nicht. Heute Nacht ist es eher ruhig.« Er zog die Tür ins Schloss, sicherte sie, blieb aber dennoch in Alarmbereitschaft. So ganz traute er seinem eigenen Optimismus offenbar doch nicht. »Also, wo ist der Kerl?«

»Eigentlich weiß ich nicht, was er ist. Ich glaube, es ist ein Schatten.«

Gins Gesicht wurde aschfahl. »Du sagst, du hast einen Schatten getötet, und der liegt jetzt hier in deinem Haus?«

Schweigend nahm Yula seine Hand und führte ihn die Stufen zum Keller hinunter. Unten bot sich den beiden ein grauenhaftes Bild. Wenn die Regierung recht hatte und es sich bei den Schatten nur um Süchtige handelte, die an den Folgen zu hohen Konsums verschnittener Drogen litten, waren die Auswirkungen mehr als bizarr. Das Wesen besaß zwar je zwei Beine und Arme; der restliche Körperbau hatte aber nichts Menschliches an sich. Das Gesicht bestand aus einer glatten Fläche ohne erkennbare Öffnungen. Es gab weder Augen noch Nase oder Mund. Dafür konnte man mehrere Schlitze und Erhebungen verschiedener Größe erkennen. Zusammen mit dem dürren Körperbau, den langen Gliedmaßen und den fehlenden Haaren sah dieses Individuum definitiv nicht wie ein Drogensüchtiger aus.

»Das ist nicht das, was der Kanzler uns immer erzählt. Ich habe zwar keine Sekunde an die Sache mit den Drogen geglaubt, aber das toppt wirklich alles«, sagte Gin fast belustigt.

»Denkst du, die Geschichten sind wahr?«, fragte Yula.

»Du meinst, ob das hier ein Außerirdischer ist?« Seine Freundin schwieg.

»Ich kann mir vieles vorstellen, Kleine. Aber lass uns für den Moment keine voreiligen Schlüsse ziehen, sondern erstmal etwas gegen unser Problem unternehmen. Ich habe eine Wanne, in der wir das Ding mit einem Gemisch aus Salzsäure und anderen Chemikalien auflösen können. Das sollte funktionieren, zumindest, wenn es halbwegs so beschaffen ist, wie wir.«

Yula riss die Augen auf. Sicher, sie hatte schon viele furchtbare Dinge gesehen und getan. Gins emotionsloser Vorschlag versetzte ihr aber einen Stich. Dennoch wagte sie nicht zu widersprechen. Ihr Freund holte einige große Decken hervor, in denen sie den Leichnam in seinen Keller beförderten. Yula selbst nahm die folgenden Stunden nur wie durch einen Schleier wahr. Sie folgte Gins Anweisungen und kam erst wieder ein wenig zur Besinnung, als er ihr erklärte, dass sich einige Teile der Kreatur nicht so gut auflösten wie erhofft. Er stopfte die Reste in einen Sack und spülte danach die Wanne. Yula kam das Ganze sehr fachmännisch vor, und sie wusste nicht, ob ihr der Gedanke gefiel. Danach reparierten die beiden noch das eingeschlagene Kellerfenster in ihrem Haus und schraubten zwei Eisenstangen davor. Gin versprach, in den nächsten Tagen alles noch einmal gründlich fest zu verschweißen, damit ab jetzt niemand mehr ins Haus gelangen konnte. Diesmal war es wirklich verdammt knapp gewesen!

»Danke, mein Freund. Ohne dich hätte ich das nie geschafft. Kann ich dir vielleicht irgendetwas Gutes tun?«, fragte sie.

»Wenn du irgendwo etwas Gin findest ...?«

Ihr Freund hatte seinen Namen nicht ohne Grund erhalten. Für einen Tropfen dieser...



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