E-Book, Deutsch, 230 Seiten
Summer My Last Hope
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96204-260-8
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
E-Book, Deutsch, 230 Seiten
ISBN: 978-3-96204-260-8
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Seit einem Unfall vor fünfzehn Jahren lebt Blake Hanson in seinem persönlichen Albtraum. Er hat sich komplett von der Außenwelt abgeschottet und verlässt aufgrund seines Aussehens nur einmal im Jahr sein Anwesen. Aurora Shaw hingegen ist eine lebensfrohe Frau, die kein Fettnäpfchen auslässt und alles mit Humor nimmt. Sie stellt Blakes Welt völlig auf den Kopf und das mit nur einem Anruf. Das Verlangen, den anderen persönlich kennenzulernen, wird mit der Zeit immer größer, sodass Blake den einzigen Tag im Jahr nutzt, an dem er sich der Welt zeigt. Halloween. Eine Nacht, in der er die Chance bekommt, Aurora gegenüberzutreten, ohne sein Geheimnis offenbaren zu müssen. Aurora ist jedoch fest entschlossen, es nicht nur bei der einen Begegnung zu belassen und verlangt Blake mit diesem Wunsch alles ab. Sie ist Blakes letzte Hoffnung auf ein glückliches Leben, doch gleichzeitig könnte sie ihn auch endgültig brechen.
Der Gedanke 'Das kann ich auch!' motiviert Kate Summer 2015 dazu, ihr erstes Buch zu schreiben. Seitdem tut sie nichts anderes mehr und fühlt sich auch erst richtig wohl, wenn sie von Büchern und Geschichten umgeben ist. Anfangs hat sie die Geschichten nur für sich selbst geschrieben, als Hobby, um ihre Gedanken und Wünsche irgendwie festzuhalten und sich eine Welt zu erschaffen, in der alles möglich ist.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Aurora »Verdammt, ich verhungere gleich noch!«, jammerte ich und stopfte mir eine blonde Haarsträhne zurück in den Dutt, die sich immer wieder löste und somit echt nervte! Meine Arbeitskollegin Jeannette, die links von mir saß, lachte. »Wir haben doch in einer halben Stunde Pause, dann kannst du etwas essen.« »Bis dahin bin ich verhungert«, meinte ich schmollend und sah zu ihr. Sie schüttelte belustigt Kopf und nahm den nächsten Anruf entgegen, während ich mich nach etwas Essbarem umschaute. Irgendwo musste es doch etwas geben … »Parker«, zischte ich meinem Kollegen zu, der mit dem Rücken zu mir gewandt eine Reihe weiter saß. Er drehte sich zu mir. »Was?« »Hast du ein paar Cookies von deiner Mom dabei?«, fragte ich hoffnungsvoll. Er verdrehte die Augen. »Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der so oft Hunger hat wie du.« Sobald er in seinen Rucksack griff und eine Tüte mit selbstgebackenen Keksen hervorzog, war ich mir sicher, dass mein Gesicht zu strahlen begann. »Du bist mein Held.« »Jaja, erzähl das lieber meiner Mom«, erwiderte er. »Das werde ich das nächste Mal, wenn sie dich abholen kommt und dir einen dicken Schmatzer gibt«, foppte ich ihn und zog hastig die Tüte aus seiner Reichweite, als er sie mir wieder wegnehmen wollte. »Meine!« Ich schnappte mir einen Cookie und leckte ihn ab. »Den willst du jetzt bestimmt nicht mehr zurück.« Angeekelt rümpfte Parker die Nase, was Antwort genug war. Ha! Dann blieb mehr für mich. Grinsend wandte ich mich von dem blonden Muttersöhnchen ab und stopfte mir den halben Keks in den Mund, als plötzlich ein Anruf einging. Oh nein. Ich sah mit vollen Backen zu Jeannette, die stumm die Brauen hob. Gleich im Anschluss sah ich wieder auf den Bildschirm, der mir eine Handynummer anzeigte, und schluckte, so schnell ich konnte, den Bissen hinunter. Anschließend setzte ich mir das Headset auf und räusperte mich, bevor ich den Anruf entgegennahm. »One Plus, Sie sprechen mit Ms. Shaw«, meldete ich mich mit einem aufgesetzten Lächeln und wurde von der rauchigen, tiefen Stimme am anderen Ende beinahe umgehauen. »Hallo, hier spricht Blake Hanson. Ich habe seit heute Morgen ein Problem mit meiner Leitung und brauche umgehend einen Techniker.« Eine Gänsehaut kroch mir über den Rücken und breitete sich auf meinen Armen aus, weshalb ich unfähig war, zu antworten. »Hallo?«, fragte Mr. Hanson nach und wirkte dabei verärgert, was seine Stimme umso attraktiver machte. Himmel, ich hatte noch nie so ein unglaubliches Timbre gehört! »Äh, ja«, murmelte ich, als Jeannette mir in die Seite stieß und mich zurück in die Realität holte. »Entschuldigen Sie. Was stimmt denn mit Ihrer Leitung nicht?« Ich lauschte angespannt und ignorierte Jeannette, die bei meiner dummen Frage aufstöhnte Schweigen. Verdammt, was war denn jetzt los? Wieso sagte er nichts mehr? »Mr. Hanson?« Es ertönte ein Räuspern. »Ich weiß es nicht. Ich gelange mit den Anrufen nicht mehr nach draußen und bekomme lediglich ein Besetztzeichen, wenn ich es auf der Leitung versuche«, erklärte er, während ich mein Kinn auf einer Hand abstützte und ein Seufzen unterdrückte. Gott hatte etwas gut bei mir, weil er diese wunderbare Stimme erschaffen hatte. Ich dachte daran, wie es wohl wäre, wenn mir Mr. Hanson etwas ins Ohr flüstern würde … Irgendwas Schmutziges … Grundgütiger! Ich riss mich zusammen und verdrängte die Vorstellung, die ein warmes Gefühl in meiner unteren Bauchgegend auslöste. »Verstehe.« Im Gegenteil, ich verstand gerade gar nichts. Dachte ich wirklich über Dirty Talk mit einem Fremden nach? Wie absurd war das?! Ich kaute auf meiner Lippe herum, versuchte, meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, und überlegte stattdessen, wie Mr. Hanson aussah: Er wäre groß und breit gebaut, was ich einfach liebte, denn dann müsste ich mich zu ihm hinaufstrecken. Und er hätte vorzugsweise dunkles Haar … »Also wissen Sie, was das Problem ist?«, fragte er. »Ja«, seufzte ich verträumt. Wie er wohl küssen würde? »Aurora«, zischte Jeannette. »Konzentriere dich endlich!« Ruckartig setzte ich mich aufrecht hin. »Ja, ich verstehe«, wiederholte ich und versuchte, wieder professionell zu klingen. »Sie brauchen einen Techniker!« »Jesus Maria«, stöhnte Parker hinter mir auf. Ich zog verlegen den Kopf ein und schalt mich innerlich eine Idiotin. »Ich weiß«, sagte Mr. Hanson langsam und kam sich garantiert verarscht vor – was ich verstehen konnte, schließlich stellte ich mich verdammt blöd an. »Wann kann denn einer Ihrer Techniker vorbeikommen?« »Da muss ich eben nachschauen. Warten Sie bitte einen Moment«, bat ich und klickte im Computer herum, öffnete den Terminkalender und suchte nach einem freien Mitarbeiter. »Mr. Hanson?« »Ja?« »Heute sind leider schon alle Techniker ausgebucht. Kann auch morgen früh jemand zu Ihnen kommen?« »Ich muss aber heute telefonieren können«, entgegnete er. »Das verstehe ich, aber heute ist zu kurzfristig«, murmelte ich. »Hören Sie, Ms. Shaw«, meinte er sanft, was mich komplett durchdrehen ließ. Mein Name klang bei ihm wie eine sinnliche Verführung. »Ich wickle alle meine Geschäfte über das Telefon ab und muss für meine Kunden erreichbar sein.« Bei seiner Stimme konnte ich verstehen, wieso seine Kunden so gern mit ihm telefonierten. Gott, ich musste mir ernsthaft einen Therapeuten suchen. Langsam entwickelte ich seltsame Vorlieben. »Das verstehe ich auch«, beschwichtigte ich ihn. »Trotzdem kann ich heute nichts mehr für Sie tun. Das Frühste, was ich Ihnen anbieten kann, wäre gleich morgen um acht Uhr.« Kurz schwieg er, dachte offenbar nach und stimmte schließlich zu. »Gut, dann eben morgen früh.« »Super, ich trage Sie gleich in den Terminkalender ein«, versicherte ich ihm fröhlich. »Wäre das dann alles, Mr. Hanson?« »Ich denke schon«, sagte er zögerlich, und ich genoss ein letztes Mal dieses göttliche Timbre. »Danke, Ms. Shaw.« Ich würde mit Sicherheit von ihm träumen. »Gut dann, ähm … freut mich, dass ich Ihnen helfen konnte.« Daraufhin sah Jeannette mich ausdruckslos an, fast so, als wollte sie sagen: Dein Ernst?! Ich zuckte unbeholfen die Achseln. »Mich ebenfalls«, murmelte Mr. Hanson. Stille. Plötzlich wurde ich nervös. Was sollte ich noch sagen? Sollte ich überhaupt etwas sagen? Nein! Das Problem war gelöst, also bedeutete das, ich musste auflegen. Aber verdammt, ich wollte noch länger mit ihm reden. »Wenn etwas ist, melden Sie sich einfach bei uns«, meinte ich und erntete erneut einen irritierten Blick von Jeannette. Ich ignorierte sie und konzentrierte mich auf Mr. Hanson. »Danke, das werde ich. Bye, Ms. Shaw.« Dann legte er auf, sodass ich noch einen Moment auf den Bildschirm starrte. »Scheiße, was war das denn?«, stieß Jeannette hervor, ehe sie mit Parker in Gelächter ausbrach. Ich wandte mich zu ihnen um und schlug mir die Hände vors Gesicht. »Gott, ich bin so erbärmlich!« »Oh ja, das bist du eindeutig«, bestätigte Parker, wofür ich ihm einen giftigen Blick zuwarf. »Tritt ruhig noch auf jemanden drauf, der am Boden liegt. Danke.« »Bitte.« Schnaubend drehte ich mich zu meinem Bildschirm. »Was ist da eigentlich gerade passiert, dass du praktisch dein Hirn verloren hast, kaum, dass du den Anruf entgegengenommen hast?«, wollte Jeannette höhnisch grinsend wissen. »Daran war allein diese Stimme Schuld!«, fluchte ich. »Die müsste verboten werden. Verdammt, die war nicht normal.« Ich sah zu ihr. »Oder stimmt wirklich etwas nicht mit mir, weil ich so krass auf eine Stimme abfahre?« »Na ja … manchmal gab es da ein paar Anzeichen«, murmelte Jeannette und fuhr eilig fort, als ich empört nach Luft schnappte: »Aber ich hatte das auch mal. Dieser Typ hatte eine unglaubliche Stimme, war dafür aber zum Sterben hässlich.« Sie verzog das Gesicht. »Also ja – so was gibt es.« Das beruhigte mich ein wenig. Nach meiner Schicht fuhr ich ins Roll Inn, in dem meine beste Freundin Lydia arbeitete. Früher hatte ich selbst in dem Retro-Diner gearbeitet, das noch schwarz-weiße Fliesen besaß und Sitzecken, die von rotem Leder bezogen waren. Neonlichter zierten die Wände, neben denen Bilder von Oldtimern, Coca-Cola oder Frauen hingen. Aber das Beste war der Service, der das Essen auf Rollerblades servierte. Allerdings hatte ich vor eineinhalb Jahren den Job bei One Plus bekommen, für die ich nun im Call Center arbeitete, und wegen der besseren Bezahlung im Roll Inn gekündigt. Trotzdem ging ich Lydia täglich besuchen und gönnte mir zwei Pancakes mit einem Erdbeermilchshake. »Hey, Rora«, rief sie und kam auf mich zugerollt. Ihre dunkelbraunen Augen strahlten eine Warmherzigkeit aus, durch die ich mich jedes Mal geschätzt fühlte, und ihr dunkelbraunes Haar, das ihr in Locken auf die schmalen Schultern fiel, umrahmte ihr herzförmiges Gesicht. Sie war eine umwerfend schöne Frau, mit einer schlanken Figur und einer liebenswerten Art. Wenn ich Probleme hatte, war sie für mich da und machte ansonsten jeden Blödsinn mit. Dafür liebte ich sie. ...




