Summer | Verhängnisvolle Sehnsucht in Cornwall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 152023, 144 Seiten

Reihe: Julia

Summer Verhängnisvolle Sehnsucht in Cornwall


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1869-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 152023, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7515-1869-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Deidres Herz klopft wie verrückt: Am liebsten würde sie Ethan auf der Stelle küssen! Ihre einstige große Liebe zufällig in ihrem idyllischen Heimatstädtchen am Helford River wiederzusehen, weckt eine längst vergessene Sehnsucht in ihrem Herzen. Dabei ist die junge Maklerin nur hierhergekommen, um das Familienanwesen zu verkaufen! Dass sich in Ethans sommerhimmelblauen Augen ihre sinnlichen Gefühle spiegeln, macht alles noch schlimmer. Denn Deirdre ist nicht allein ins malerische Cornwall gereist: Ihr Verlobter begleitet sie ...



Melody Summer hat bereits als Zwölfjährige davon geträumt, Bücher zu schreiben. Vorher wurde sie jedoch erst noch Schauspielerin, eröffnete ein freies Theater, arbeitete dort als Dramaturgin und schrieb über zwanzig Theaterstücke. Inzwischen hat sie auch zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen es um Geheimnisse, Liebe, Schicksal und Intrigen geht. Sie liebt es, mit ihren fünf Hunden und ihrem Mann durchs Exmoor zu streifen, am Bristol Chanel zu sitzen und von der Terrasse aufs Meer hinauszusehen. Wenn sie nicht gerade schreibt oder wandert, liest sie alles, was sie in die Finger bekommen kann.

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1. KAPITEL


Deirdre stand am Ufer des Helford River und blinzelte in die Sonne. Nach so langer Zeit wieder hier zu stehen, ließ Erinnerungen in ihr lebendig werden, die sie schon lange vergessen zu haben glaubte.

Sie hatte die anderen schon nach Falmouth vorausgeschickt, wo in einer Stunde die Testamentseröffnung stattfinden sollte. Denn als sie sich vorhin für den Besuch beim Anwalt umgezogen hatte, war ihr plötzlich buchstäblich die Luft weggeblieben. Sie war ans Fenster gestürmt und hatte es aufgerissen. Ihr Blick war über die Wiesen hinunter zum Helford River gewandert, der in der Sonne glitzerte. Und mit einem Mal musste sie dorthin, ans Wasser, an den Ort, an dem die Pinien Schatten spendeten und die Wellen sanft ans Ufer schlugen. Also hatte sie ihrem Verlobten Timothy gesagt, er solle mit seinem eigenen Wagen vorausfahren, und hatte sich auf den Weg zum Fluss gemacht. Ihr Bruder war ebenfalls schon unterwegs.

Jetzt stand sie hier unten, auf dem mit kleinen Kieseln durchmischten Sand, und die Sonne wärmte ihr die Haut. Die Luft war geschwängert vom süßen Aroma der Pinien und dem Duft der Rosen und Hortensien, die in voller Blüte standen. Der Wind strich ihr über die Haut und wehte ihr immer wieder eine Strähne ihrer langen braunen Haare ins Gesicht. Als sie vor vier Tagen vom Tod ihrer Mutter erfahren hatte, war ihre Welt zusammengebrochen. Es war nicht nur die Mischung aus Trauer und Erleichterung gewesen, die sie vollkommen erschüttert hatte, und für die sie sich schämte, sondern auch die Konfrontation mit ihrem alten Leben, das sie so sorgfältig hinter sich gelassen hatte. Doch jetzt, mit Tims Anwesenheit am Helford River, begannen sich beide Leben zu vermischen, und das ließ Deirdre schlagartig wieder zu dem jungen Mädchen werden, das einst von hier nach London geflohen war. Plötzlich fühlte sie sich wieder machtlos und schwach, obwohl sie das nie wieder sein wollte.

„Du bist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin“, sagte sie leise zu sich selbst. „Das alles ist lange vorbei, denke einfach nicht mehr daran.“ Sie atmete noch einmal tief die salzige Luft des Meeresarms ein und machte sich auf den Rückweg.

Sie ging den South West Coast Path in Richtung Helford Passage zurück, dem winzigen Fischerdorf, das heute hauptsächlich vom Tourismus lebte. Die Ginstersträucher am Wegesrand streiften ihre nackten Beine. Nach wenigen Minuten tauchten die ersten Gebäude des kleinen Ortes vor ihr auf.

Nichts hat sich hier verändert, dachte Deirdre, und doch war alles anders. Mit entschlossenen Schritten ging sie die asphaltierte Straße entlang, die zwischen den wenigen Häusern von Helford Passage ins Landesinnere führte. Das Haus ihrer Familie lag etwas oberhalb und verfügte über einen gigantischen Blick über den Ort und den Helford River. Nun wieder etwas ruhiger, stieg sie in ihr neues Mercedes Cabriolet der C-Klasse, das vor dem Haus geparkt war, und lenkte den Wagen vorsichtig die enge Auffahrt hinunter.

Während der knapp zwanzigminütigen Fahrt nach Falmouth stiegen die unterschiedlichsten Erinnerungen in ihr auf, die sie in den letzten Jahren erfolgreich unterdrückt hatte. Deirdre seufzte. Sie musste die Sache schnell hinter sich bringen und dann wieder nach London zurückkehren. Dort gelang es ihr ganz gut, die Vergangenheit zu verdrängen, hier unten in Cornwall kostete es sie hingegen unendlich viel Kraft, nicht an früher zu denken.

In den letzten Jahren war sie kaum hier gewesen, und im letzten Jahr kein einziges Mal. Sie hatte geglaubt, alles längst hinter sich gelassen zu haben.

In drei Tagen war die Beerdigung ihrer Mutter, danach würde sie von hier verschwinden.

Mum.

Auch dieser Gedanke war zu kompliziert, um daran festzuhalten. Ja, sie war unendlich traurig, dass sie nicht mehr da war, doch ihre Mutter hatte Deirdre nicht erst vor vier Tagen verloren, sondern bereits vor neunzehn Jahren. Und so traurig sie über den Tod ihrer Mutter war, mindestens genauso erleichtert war sie. In den letzten Jahren war es für Deirdre immer unerträglicher geworden, ihre Mutter zu besuchen, die so sehr in der Vergangenheit gelebt hatte, dass es schon einer Manie gleichkam. Dass sie Deirdres Wunden dadurch auch immer wieder aufriss, hatte ihre Mutter nicht gesehen. Überhaupt war sie so sehr auf sich selbst konzentriert gewesen, dass Deirdre irgendwann nur noch so selten wie möglich hergekommen war. Jetzt wunderte sie sich, dass das schlechte Gewissen aufgrund dieser wenigen Besuche, mit dem sie eigentlich gerechnet hatte, bislang ausblieb.

Die anderen warteten bereits vor dem Eingang der Anwaltskanzlei, die sich inmitten der Stadt in einem schlichten, zweistöckigen Klinkerbau befand.

Glücklicherweise fand sie einen Parkplatz ganz in der Nähe. Wenige Minuten später befand sie sich gemeinsam mit den anderen in dem stickigen Büro von Mr. Woolton, dem Anwalt der Familie Pritchard. Timothy saß neben Deirdre auf einem abgenutzten Ledersofa. Es war das erste Mal, dass ihr Verlobter sie nach Cornwall begleitet hatte. Sein teurer Duft nach Sandelholz und Zitrusfrüchten stieg ihr in die Nase. Ihr Bruder Paul und seine Frau Evelyn hatten jeweils mit einer ihrer Zwillingstöchter in zwei Sesseln Platz genommen. Etwas weiter entfernt thronte Mr. Woolton hinter seinem Schreibtisch. Der mächtige Schnurrbart zitterte, als er sich nach vorne lehnte und die vier Anwesenden einen Moment lang musterte.

Schließlich räusperte er sich: „Ihre Mutter hat das Testament nach der Scheidung gemacht und es seitdem nie verändert.“

Deirdre runzelte die Stirn. Die Scheidung war neunzehn Jahre her, das war zwar einerseits lang, aber andererseits hatte ihre Mutter seitdem auch kaum das Haus verlassen. „Wieso hätte sie etwas ändern sollen?“

Der Anwalt strich sich über seinen Schnurrbart. „Nun, es ist eher ungewöhnlich, dass es in einem so langen Zeitraum keine Änderungen mehr gegeben hat. Aber kommen wir nun zur Eröffnung.“ Er griff nach einer Akte, die auf seinem Schreibtisch lag, und schlug sie auf. „Eigentlich ist alles recht einfach. Der gesamte Besitz, der aus Riverview House besteht und den viertausend Pfund auf der Bank, wird zwischen beiden Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt.“ Er sah von dem Dokument auf und betrachtete Paul und dann Deirdre über den Rand seiner Lesebrille hinweg. „Somit gehört Ihnen jeweils eine Hälfte des Hauses.“

Einen Moment schwiegen alle. Deirdre atmete tief ein. Im Grunde hatte sie damit gerechnet. Aber in den letzten Jahren hatten Paul und Evelyn mit ihrer Mutter zusammen in Riverview House gelebt, während Deirdre in London gewesen und kaum noch an den Helford River gekommen war. Sie wäre also nicht allzu überrascht gewesen, wenn ihre Mutter ihr Testament doch zu Pauls Gunsten geändert hätte. Aber dafür hätte sie Energie aufbringen müssen, sie hätte das Haus verlassen und etwas unternehmen müssen, und genau das hatte ihre Mutter seit neunzehn Jahren konsequent vermieden.

„Was passiert im Falle eines Verkaufs?“, hörte sie ihren Verlobten das Schweigen durchbrechen. „Wenn wir unseren Anteil verkaufen wollen?“ Timothy sah den Anwalt fragend an.

Deirdre erstarrte. In diesem Moment hasste sie Tims Macher-Art. Das Erbe war nicht Tims, sondern ihres. Natürlich war es nur vernünftig, das riesige Anwesen zu verkaufen, aber es störte sie, dass Tim das Thema so selbstverständlich angesprochen hatte. Zumal das Gebäude seit einhundertfünfzig Jahren im Besitz der Familie Pritchard war. Wenn entschieden wurde, Riverview House zu verkaufen, dann sollte diese Entscheidung von einem Mitglied der Familie getroffen werden und nicht von einem Fremden. Ihr Blick wanderte automatisch zu ihrem Bruder hinüber, der ihren Verlobten anstarrte. Er war ganz weiß im Gesicht.

„Das ist kein Problem“, ließ sich Mr. Woolton vernehmen. „Der Erlös, der durch den Verkauf des Anwesens erzielt würde, wird zu gleichen Teilen unter den Erben aufgeteilt. Wenn Sie wünschen, kümmere ich mich gern um den Verkauf.“

„Das wird nicht nötig sein.“ Tim zog seine Visitenkarte aus der Tasche seines, wie immer, perfekt sitzenden Jacketts. „Ich bin selbst Immobilienmakler und habe eine große Agentur in London.“

„Sie gehört uns beiden“, konnte Deirdre sich nicht zurückhalten anzumerken.

„Selbstverständlich“, sagte Tim. „Wir leiten das Geschäft zusammen.“

„Es wird nicht verkauft“, meldete sich jetzt ihr Bruder mit seltsam hoher Stimme zu Wort. „Riverview House ist unser Zuhause. Ihr wohnt in London, aber Evelyn, die Kinder und ich, wir lieben Riverview. Es ist unser Heim, alles, was wir haben. Wir werden es nicht verkaufen.“

Einen Moment lang war es still im Raum. Dann ergriff wieder Timothy das Wort. „Gar kein Problem, das verstehen wir natürlich.“ Er sah den Anwalt an. Seine dunklen Augen wirkten kalt. „Ich nehme an, es besteht auch die Möglichkeit, dass ein Erbe den anderen auszahlt, nicht wahr, Mr. Woolton?“ Er strich sich ein imaginäres Staubkorn von seinem teuren Maßanzug.

„Selbstverständlich.“ Der Jurist nickte.

Paul nahm seine Tochter vom Schoß und setzte das Mädchen vorsichtig auf den Teppichboden. Er stand auf und wandte sich an seine Schwester. „Deirdre, du weißt genau, dass ich kein Geld habe. Ich kann dich nicht auszahlen.“

Deirdre sah ihren Bruder hilflos an. Er hatte recht. Als Werftarbeiter verdiente er gerade zweitausend Pfund brutto, davon konnte er mehr schlecht als recht die Familie ernähren.

„Eben“, antwortete Timothy an ihrer Stelle. Er schenkte Paul ein strahlendes Lächeln. „Das ging alles gut, solange eure Mutter noch...



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