E-Book, Deutsch, Band 3, 300 Seiten
Reihe: Sexy Millionairs
Summers Bastard Millionaire - sanft berührt
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-98701-1
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman. Sexy Boss Romance in New York und der Karibik
E-Book, Deutsch, Band 3, 300 Seiten
Reihe: Sexy Millionairs
ISBN: 978-3-492-98701-1
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michelle Summers ist großer Fan von Boss Romances, weshalb sie nicht widerstehen konnte, selbst zum Stift zu greifen. Für die Autorin gehört eine Prise Erotik in und zwischen den Zeilen genauso zu ihren Romanen dazu, wie eine aufregende Handlung voll sinnlich-prickelnder Momente.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
Zoey
Drei Jahre später
»Miss Gilligan ist hier«, kündigte mich Miss Anderson, eine rundliche Frau mit einem altmodischen Häubchen auf dem Kopf, an. Mit dem Staubwedel in der Hand und der schneeweißen Spitzenschürze über ihrem Kleid, schien sie ein wenig aus der Zeit gefallen. Nicht nur sie, um genau zu sein.
Es war ein wenig eigenartig gewesen, sich durch dieses riesige Haus führen zu lassen, in dem alles, von den Dielen bis zum Treppengeländer, wie aus dem Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts wirkte, obwohl wir uns im New York der Moderne befanden. Der Teppichläufer, die Wandverzierungen, die Schnörkel an den Türen. Als wäre ich mit dem Verlassen meines Wagens in einer früheren Epoche gelandet. Oder in einem Museum, aber nicht in einem Privatwohnsitz. Nur ein schwerreicher Exzentriker konnte hier leben, so viel war klar. Ich hingegen passte mit meinen bunten Haarsträhnen und meiner beachtlichen Sammlung von Ohrringen, die sich aneinanderreihten und zwar nur an einem Ohr, nicht hierher. Okay, das mit den Ohrringen war ein wenig zu sehr Neunziger, und somit war auch ich etwas aus der Zeit gefallen, aber eben nur etwas. Und die Neunziger feierten doch gerade ihr Comeback …
Im Grunde wäre es mir egal gewesen, wie irgendwelche Millionäre lebten. Es ging mich schließlich nichts an. Noch dazu war ich dank des Hangs meiner WG-Mitbewohnerin und guten Freundin Tanya zu Esoterik einiges gewöhnt, was schräge Einrichtungen anging. Sie liebte jede Art von Dekosteinen, magischen Kristallen und anderen Symbolen. Direkt über unserer Wohnungstür hing zum Beispiel ein Schutzstern, der alles Böse am Betreten unserer WG hindern sollte. Bis jetzt, das musste man fairerweise sagen, funktionierte der Stern prächtig. Wir waren bisher weder ausgeraubt noch entführt worden. Ich war mir sicher, auch ohne Schutzzauber wäre nichts dergleichen passiert, aber Tanya war eben Tanya.
Das hier war allerdings eine andere Nummer. Schutzsterne und Dekosteine mochten ihren Preis haben, hier allerdings handelte es sich ganz gewiss um unbezahlbare Unikate. Über dem Kamin fiel mir ein goldumrahmtes Gemälde einer, ich vermutete, Kirche auf. Die Farben wirkten alt und verblasst, und das Bild extrem teuer. Direkt darunter präsentierte sich ein tönernes Gefäß mit abgeblätterten Deko-Elementen. Auch sicher nicht billig.
Da ich die Woche über jeden Tag würde herkommen müssen, um mit dem Hausherrn zu trainieren, sah ich mich früher oder später eine der unbezahlbaren Vasen zu Boden schicken, die offen herumstanden und als eine Art Kunstschatz präsentiert wurden. Auf Sockeln, wie in einer Ausstellung.
Und wenn Callahan & Marcus für solche Fälle nicht versichert waren, würde Tanya mir die Karten legen müssen, denn ich schwamm nicht gerade im Geld. Eine Mingvase könnte ich jedenfalls in diesem und im nächsten Leben nicht ersetzen – und im übernächsten mutmaßlich auch nicht. Galt es als Arbeitsunfall, wenn man eine unersetzliche Antiquität zerstörte? Warum hatte mich Sam nicht vorgewarnt? Dann hätte ich das bei den Chefs erfragen können …
Es blieb mir wohl nur, penibel darauf zu achten, wo ich hintrat und um Himmels willen bloß keinen Sockel versehentlich anzustoßen. Am besten gar nichts erst anzufassen, außer dem Hausherrn. Aus beruflichen Gründen natürlich.
»Sir?«, fragte Miss Anderson und räusperte sich.
Erst da bemerkte ich die hochgewachsene Gestalt am Panoramafenster. Die zurückgezogenen Seidenvorhänge erlaubten einen Ausblick auf den Latourette Park. Der Mann hatte der Haushälterin und mir den Rücken zugewandt. Keine Ahnung wieso, doch es umgab ihn etwas Unnahbares, das ich sofort spürte und was mir einen kleinen Schauer den Rücken runterjagte. Weswegen ich meinen Blick lieber von seiner imposanten Gestalt zu den bunten Blättern schweifen ließ, die draußen fröhlich vor sich hin wirbelten.
Ich liebte den frühen Herbst, wenn die ersten Blätter fielen. Das hatte so etwas Beruhigendes an sich. Nur ein leckerer Eierlikör hätte dieselbe Wirkung auf mich. Den hätte ich jetzt gut gebrauchen können. Aber ich war im Dienst. Also blieben mir nur die Blätter.
»Miss Gilligan«, sagte die Hausdame noch einmal mit einem weiteren Räuspern, das wie das erste klang, aber einen Tick energischer rüberkam.
Ich fühlte mich ein wenig wie in diesen alten Kostümfilmen, in denen dem König die Ankunft seiner Gäste durch einen Ausrufer verkündet wurde. Das passte ja auch perfekt zum exzentrischen Mobiliar. »Lady Zoey Gilligan die Erste aus Brooklyn ist soeben eingetroffen, Euer Hoheit.«
Natürlich hatte Miss Anderson das nicht gesagt. In Wirklichkeit starrte sie den Hausherrn ungefähr genauso irritiert und zugleich ungeduldig an, wie ich es tat. Ich musste zugeben, dass er – oder viel mehr seine Rückenansicht – irgendwie in dieses Flair des Altmodischen und Vergangenem passte, strahlte er doch etwas Aristokratisches und Machtvolles aus, wie er so dastand, aufrecht, im edlen Anzug.
»Ich habe es gehört«, erklärte er, ohne sich umzudrehen. Irgendetwas da draußen schien seine Aufmerksamkeit zu fesseln.
Ich fragte mich, was es war, denn ich entdeckte dort draußen nichts außer bunten Blättern. Und gestutzten Hecken, die als Figuren getrimmt worden waren. Der Sonnenkönig ließ grüßen.
Ich schmunzelte. Schon als ich durch den Vorgarten gekommen war, hatte ich diese zu Figuren gestutzten Hecken bemerkt. Kurzzeitig hatte ich mich wie Alice im Wunderland gefühlt Sie reihten sich nahtlos ein in die Liste der Dinge, die diesen Ort zu etwas Außergewöhnlichem machten. Einer anderen Welt im Grunde.
Ganz ehrlich, ich mochte eigentlich keine Hausbesuche. Und dieser hier strapazierte meine Nerven … Ich stand hier wie bestellt und nicht abgeholt.
Aber ich hatte es Nick wohl kaum abschlagen können, die Urlaubsvertretung von Sam zu übernehmen. Nick war schließlich mein Boss und ich erst vor einigen Wochen eingestellt worden, nachdem ich endlich meinen DPT-Abschluss in der Tasche hatte. Vier Jahre College um den Bachelor zu bekommen und schließlich vier weitere lange Jahre, um den Doctor of Physical Therapy zu machen, ohne den ich nicht eigenständig hätte behandeln dürfen. Aber mein Leben lang nur die Behandlungspläne von anderen abarbeiten? Nein, das wäre nichts für mich. Auch wenn meine Qualifikation mich jetzt zu einem teureren Spaß für einen Arbeitgeber machte.
Vermutlich hätte ich deutlich länger nach einem Job suchen müssen, hätte sich Mum nicht für mich eingesetzt. Ihr Wort galt was bei Callahan & Marcus. Und natürlich auch der Umstand, dass ich zahlreiche Praktika bei ihnen gemacht hatte, man mich kannte und wusste, was ich drauf hatte, weswegen sie mich wohl auch auf die Reinkarnation von Louis XIV. losgelassen hatten. Zumindest wollte man mich auf ihn loslassen … Er schien daran immer noch kein Interesse zu haben und drehte mir weiter demonstrativ den Rücken zu.
War das normal für diese Art von Patienten? Die mit VIP-Status? Mum hatte ja schon oft durchklingen lassen, dass es in der Gemeinschaftspraxis von Callahan & Marcus den einen oder anderen VIP-Klienten gab. Während meiner Praktika war ich jedoch nie mit einem in Berührung gekommen. Schon aufregend, dass das jetzt anders war. Aber ein wenig sorgte ich mich auch. Man hörte ja immer wieder davon, wie solche Leute ihre Angestellten traktierten. Und der hier schien keine Ausnahme zu sein …
Langsam drehte der Mann im Anzug sich zu uns um und mir stockte der Atem, als sich unsere Blicke trafen.
Was für helle Augen! Sie wirkten wie Eiskristalle.
Ich konnte seinem Blick keine zwei Sekunden standhalten, weil er mich so forschend ansah, als wäre ich ein Fremdkörper.
Vielleicht projizierte ich auch, denn ehrlich gesagt fühlte ich mich absolut fehl am Platz, meine bunten Strähnen riefen in ihm womöglich auch noch die Assoziation wach, ich wäre ein Punk. Gut, die Tatsache, dass ich gerade meinen einseitigen Undercut nachwachsen ließ, verstärkte den Eindruck vermutlich. Dabei waren meine zuvor raspelkurzen Haare über meinem reichlich geschmückten Ohr inzwischen schon wieder einige Zentimeter lang, und meine restliche Mähne verdeckte den Undercut ohnehin großteils.
»Sie können gehen, Miss Anderson.«
Diese Stimme, wirklich sehr außergewöhnlich. Jedenfalls gab es nur wenige Männerstimmen, die in mir gleichzeitig Wohlgefühl und Fluchtreflex auslösten. Und ein eigentümliches Kribbeln in der Bauchregion. Ich gab es nur ungern zu, aber der Typ hatte was.
Die Haushälterin nickte mir sichtlich genervt zu und hatte es offenbar eilig, hier wegzukommen.
»Sie sind nicht Samantha«, stellte der Hausherr nüchtern fest, kaum dass Miss Anderson außer Reichweite war.
»Das war mir gar nicht aufgefallen«, murmelte ich.
»Bitte?«, fragt er energischer.
»Samantha ist in den Flitterwochen, Mr. Wilsaw«, entgegnete ich professionell. »Ich war davon ausgegangen, Mr. Callahan oder Samantha hätten Sie darüber informiert, dass ich sie vertreten würde.«
»Das haben sie«, sagte er nüchtern. »Sie können dann gehen.«
Ich fühlte mich wie eine Fliege, die gerade mit einer gelangweilten Handbewegung wegfegt worden war. »Aber ich bin doch gerade erst gekommen? Warum, wieso …?«, stotterte ich. Und ich hatte wegen dem Besuch hier lange im Stau gestanden. Das nur nebenbei. War nämlich gerade Nachmittag und somit Rush Hour, weil die meisten gerade Feierabend machten. Und viel wichtiger: Wie sollte ich das meinem Chef erklären?
»Sie sind nicht Samantha.«
Ich wei-heiß! »Ich arbeite auch für die Praxisgemeinschaft Callahan & Marcus. Ich wurde angewiesen, Samantha zu vertreten«, klärte ich ihn nochmals auf. Samantha und ich...




