Summers | Mit dir bin ich unendlich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: ONE

Summers Mit dir bin ich unendlich

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0443-4
Verlag: ONE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Reihe: ONE

ISBN: 978-3-7517-0443-4
Verlag: ONE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die 17-jährige Olivia hat alles, was man mit Geld kaufen kann. Doch glücklich ist sie nicht. Seit sie denken kann, kämpft sie mit Versagensängsten. Als sie von der Privatschule fliegt und an eine öffentliche Highschool wechselt, wird Olivia dort schnell abgestempelt. Ihre Unsicherheit deuten die anderen als Arroganz. So auch Nathan, dem es eigentlich gar nicht ähnlich sieht, Menschen in Schubladen zu stecken. Doch als die beiden gemeinsam an einem Schulprojekt arbeiten müssen, blickt er hinter Olivias Fassade und entdeckt dort so viel mehr ...



Mila Summers wurde 1984 in Würzburg geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie studierte Europäische Ethnologie, Geschichte und Öffentliches Recht und erfüllte sich mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans einen großen Traum. Wenn sie nicht gerade reist oder in den Büchern auf ihrem SuB schmökert, gilt ihre ganze Leidenschaft dem Schreiben von Liebes- und Jugendromanen.
Summers Mit dir bin ich unendlich jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material



   
Kapitel 1


Olivia


Es sind genau zweiunddreißig Stufen bis nach unten ins Erdgeschoss. Auf jeder einzelnen verweile ich einen kurzen Moment, bis ich meinem Schicksal doch nicht länger entgehen kann.

Der Geruch von Eiern mit gebratenem Speck liegt in der Luft. Eine leicht süßliche Note mischt sich darunter. Pancakes oder Waffeln. Das Dröhnen des Entsafters ist zu hören.

»Guten Morgen, Rosalia.« Erleichtert atme ich auf, als ich unsere Haushälterin – und damit die gute Seele des Hauses – in der Küche erblicke. Von meinen Eltern fehlt zum Glück jede Spur.

»Guten Morgen, Olivia. Hast du gut geschlafen?« Trotz der vielen Jahre, die Rosalia nun schon in den USA lebt, hört man noch immer ihren mexikanischen Akzent.

Ihre Stimme ist weich und vertraut. Ich fühle mich von ihrem Klang warm ummantelt und gebe mich einen Augenblick zu lange der Vorstellung hin, alles könnte doch noch gut werden.

»Wie ein Stein«, lüge ich. Kaum dass die Worte meinen Mund verlassen haben, möchte ich sie auch schon wieder zurücknehmen. Es gibt keinen Grund, Rosalia anzulügen. Sie kennt die Abläufe und einstudierten Floskeln, die uns nach außen wie die perfekte Familie wirken lassen. Sie weiß um das aufgesetzte Lächeln, das meine Augen nicht erreicht und durchschaut die gespielte Freude, die nie ein Teil von mir sein wird.

Und dennoch kann ich nicht anders. Zu sehr ist mir das Ganze schon in Haut und Haar übergegangen. So sehr, dass ich es nicht einmal schaffe, mit Rosalia, meiner einzigen Vertrauten, über die Albträume der vergangenen Nacht zu sprechen.

Rosalia nickt. Ich kann den Hauch eines Zweifels auf ihrer leicht gerunzelten Stirn erkennen. Doch sie schweigt. Weiß, dass es besser ist, manche Dinge in diesem Haus ungesagt zu lassen.

Anstatt mich weiterhin Rosalias fragendem Blick auszusetzen, greife ich nach einem der bereitgestellten Teller und lade mir ein paar der frischen Pancakes auf. Am liebsten ertränke ich sie in Ahornsirup. Aber Mom schaut mich dann immer so rügend an. Seit ich denken kann, hält sie Diät. Also halte ich mich zurück, auch wenn es mir nicht besonders leichtfällt.

»Na, Olivia, bist du bereit für deinen ersten Schultag?« Dads Stimme ist plötzlich in meinem Rücken zu hören.

Ich erstarre mit dem Teller in der Hand. Mein Herz springt katapultartig in die Höhe und versucht aus meinem Brustkorb zu hüpfen, während ich nur mühevoll das Zittern meiner Hände unter Kontrolle bekomme. Normalerweise beachtet mich mein Vater beim Frühstück überhaupt nicht. Seine komplette Aufmerksamkeit gilt für gewöhnlich seinem Smartphone oder der Tageszeitung.

»Guten Morgen, Dad«, zwinge ich mich zu sagen, während ich mich mit einem zögerlichen Lächeln auf den Lippen zu ihm umdrehe und mich mit beiden Händen an meinem Teller festhalte.

Auch er lächelt – was allerdings nichts weiter zu sagen hat. Mein Dad ist ein perfekter Schauspieler. Er weiß ganz genau, wann er welchen Gesichtsausdruck aufsetzen muss, um die Leute für sich zu gewinnen. Seit einer gefühlten Ewigkeit arbeitet er in der Politik. Gerade hat er es sich in den Kopf gesetzt, der Gouverneur von South Carolina zu werden. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass ihm auch das gelingen wird.

Er klopft mir auf die Schulter als wäre ich einer seiner Wahlhelferinnen. »Mit dieser Portion Pancakes wirst du den ersten Tag sicher spielend leicht überstehen.«

Für jemanden, der meinen Vater nicht besser kennt, klingen seine Worte vielleicht sogar nett. Doch ich weiß es besser, kenne die unterschwellige Botschaft, die darin mitschwingt.

Ein weiteres Versagen meinerseits würde er unter keinen Umständen dulden. Das hat er mir mittlerweile mehrfach deutlich klargemacht, seit ich von der teuren Eliteschule South Carolina Joel Roberts Poinsett School for Science and Mathematics in Hartsville geflogen bin.

Auch jetzt, knapp zwei Monate später, träume ich noch immer von seinem Wutausbruch und den Vorwürfen, die er mir beinahe täglich macht. Sosehr ich mich auch bemühe, ich werde es nie schaffen, die Tochter zu sein, die mein Vater sich wünscht. Ich weiß das. Er weiß das. Und dennoch stehen wir uns lächelnd gegenüber. Der perfekte Schein.

Wenn es nach meinem Vater ginge, sollten meine Talente besonders in den Naturwissenschaften und der Mathematik liegen. Aber ich bin kein Roboter, den man per Knopfdruck programmieren kann. Alles, was mit Zahlen zu tun hat, ist für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln.

Ich zeichne und male gerne. Meine Leidenschaft sind Landschaften und Tiere. Für meinen Vater ist die Malerei nicht mehr als ein Hobby – ein Zeitvertreib, der mich im Leben nicht weiterbringt. Seine Unzufriedenheit und die grollende Wut über seine untalentierte Tochter lässt er mich deutlich spüren. Nach dem Rauswurf von der Eliteschule hat er mir all meine Zeichenutensilien und sämtliche Malblöcke einfach so wegnehmen lassen.

Mein Dad gibt Anweisungen. Seine Angestellten folgen diesen. Ein einfaches, gut funktionierendes System, das ihn zuverlässig ans Ziel bringt. Während andere nur reden, ist Dad ein Macher. Er lässt sich nicht von so banalen Dingen wie einer Tochter, die so ganz und gar nicht seinen Erwartungen entspricht, aus der Bahn werfen. Oh, nein!

»Rosalia, machst du mir bitte einen Espresso?«

Wer meinem Dad das erste Mal gegenübersteht, hört den latenten Vorwurf in seiner Stimme nicht. Der weiß nicht, wie sehr er es hasst, auf etwas warten zu müssen. Rosalia hat die Anweisung, Dad sofort nach seinem Erscheinen einen Espresso zu servieren. Ich bin mir sicher, dass sie bestimmt nur höflich sein und unser Gespräch nicht unterbrechen wollte und ihm den Kaffee deshalb noch nicht zubereitet hat.

»Aber natürlich, Sir.« Rosalia wendet sich schnell von uns ab und widmet ihre volle Aufmerksamkeit der Espressomaschine, die mehr gekostet hat als ein Kleinwagen.

Geld spielt in unserer Familie keine Rolle. Mom war in ihren jungen Jahren eine recht erfolgreiche Schauspielerin. Heute ist ihr ihre Vergangenheit ein wenig peinlich, weil sie vor allem in Daily Soaps mitgespielt hat. Aber nicht so peinlich, wie es meinem Dad ist. Wenn es in Gesprächen doch mal um die Karriere meiner Mom geht, lässt er kein gutes Haar daran. Zumindest im familiären Kreis. Sind Fremde dabei, wechselt er einfach das Thema. Er hat das perfektioniert. Ich staune jedes Mal aufs Neue darüber. Dabei kenne ich seine Fähigkeiten schon mein ganzes siebzehnjähriges Leben lang.

»Olivia, mein Schatz, wie siehst du denn aus?« Mom kommt im perfekt sitzenden türkisfarbenen Etuikleid irgendeines namhaften Designers und passenden High Heels wie eine Diva die Marmortreppe hinunterstolziert. Ganz so, als würde ihr hier in der Küche ein Paparazzo auflauern und nur darauf warten, sie endlich abzulichten.

Auch sie lächelt, während sie mich von oben bis unten mustert.

»Heute ist mein erster Schultag an der Beaufort High«, sage ich und hoffe, damit wäre das Thema abgehakt.

Doch Mom wäre nicht Mom, wenn sie sich damit schon zufriedengeben würde.

»Und dort hat guter Geschmack also Hausverbot, oder wie erklärt sich dein mausgraues Outfit sonst?«

Sie setzt sich neben Dad. Sein Blick bleibt derweil auf der Tageszeitung, die Rosalia ihm mit dem Espresso gereicht hat. Er beachtet meine Mom nicht einmal, und dennoch lächelt sie tapfer weiter. The Show must go on!

All diese Kleinigkeiten sind mein Alltag, mein Leben. Fake-Lächeln, Fake-Interesse und Fake-Familie. Das sind wir: die Walshs. Eine schrecklich nette Familie, die ihr Zahnpastalächeln perfektioniert hat und als glückliche amerikanische Vorzeigefamilie im Fernsehen Werbung machen könnte.

»Ich ziehe mich gleich noch mal um«, erwidere ich. Das Letzte, was ich möchte, ist noch mehr im Fokus zu stehen, als ich es ohnehin schon tue.

Mom nickt zufrieden, während ich den ersten Bissen meines Frühstücks nehme.

Rosalia macht die mit Abstand besten Pancakes der Welt. Sie sind fluffig und schmecken ein wenig nach Zimt und Geborgenheit. Sie erinnern mich an das Blackstone's Café. Nur vage, und dennoch spüre ich diesen Kloß in meinem Hals.

Abschätzig schaut Mom mich an, als ich mir die zweite Gabel in den Mund schiebe. »Rosalia!«, ertönt es sofort vorwurfsvoll aus ihrem Mund.

Ich habe Mitleid mit unserer Haushälterin.

»Ja?«, fragt diese mit Besorgnis in der Stimme. »Ist etwas nicht zu Ihrer Zufriedenheit, Ma'am?«

Mom deutet auf meinen Teller. »Wir haben doch darüber gesprochen, dass wir morgens auf übermäßigen Süßkram verzichten wollen. Ich habe ja nichts dagegen, wenn Sie ab und an Pancakes oder Waffeln servieren. Aber Olivia soll eine vernünftige Beziehung zu Lebensmitteln aufbauen. Ein grüner Smoothie ist gut fürs Immunsystem und regt die grauen Zellen an.«

Während Mom das sagt, blättert Dad die Seite um. Statt seiner Familie widmet er sich lieber den wirklich wichtigen Dingen seines Lebens: seiner politischen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.