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Sundaresan | Die Pfauenprinzessin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 500 Seiten

Reihe: Die Sterne Indiens

Sundaresan Die Pfauenprinzessin

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-628-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 500 Seiten

Reihe: Die Sterne Indiens

ISBN: 978-3-96655-628-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der epische Auftakt der Saga »Die Sterne Indiens«: Der historische Roman »Die Pfauenprinzessin« von Indu Sundaresan jetzt als eBook bei dotbooks. Indien, 1588: Als ihre Blicke sich das erste Mal begegnen, ist das Schicksal des Moghulreiches besiegelt ... Mehrunnisa, die Tochter eines Provinzadeligen, und Kronprinz Jahangir werden ihre schicksalhafte Begegnung auf dem Basar von Kabul nie vergessen - aber der Moghulkaiser verweigert der nicht standesgemäßen Verbindung seine Zustimmung. Gegen ihren Willen muss Mehrunnisa einen brutalen General des Herrschers heiraten. Unter den wachsamen Augen des Hofstaats versuchen die beiden Liebenden verzweifelt, trotzdem einen Weg zueinander zu finden, ohne dabei den Fallstricken der Palastpolitik zum Opfer zu fallen. Als die Situation bei Hofe sich zuspitzt und ein Bürgerkrieg auszubrechen droht, müssen Jahangir und Mehrunnisa sich entscheiden, wem sie wahre Treue schulden ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde historische Roman »Die Pfauenprinzessin« von Indu Sundaresan - der epische Auftakt einer zweibändigen Historiensaga über die bekannteste Herrscherin Indiens. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Indu Sundaresan ist eine indischstämmige Amerikanerin, die für ihre historischen Romane weltbekannt wurde. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre an der University of Delaware begann sie mit dem Schreiben. Ihr Werk wurde weltweit in 23 Sprachen übersetzt, heute lebt Indu Sundaresan mit ihrer Familie in Seattle. Bei dotbooks veröffentlichte Indu Sundaresan ihre historischen Romane: »Die Pfauenprinzessin« »Die Kaiserin der Rosen« »Die Tochter des Raja«
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Prolog


Heulend fuhr der Wind in die Zeltbahn am Eingang und riss sie an den Nähten beinahe entzwei. Ein Schwall eisiger Luft drängte herein, streckte arktische Finger in warme Nacken und verzehrte die spärlichen blauen Flämmchen des Feuers. Die Frau, die in einer Ecke auf der dünnen Baumwollmatte lag, schauderte. Schützend legte sie die Arme über den gewölbten Leib und stöhnte. »Ayah …«

Die Hebamme erhob sich gemächlich, wobei spröde Gelenke knackten, und humpelte zum Eingang. Sie befestigte die Zeltplane, trat an die Bettstatt, hob die Decke und lugte der Gebärenden zwischen die Beine. Die Frau zuckte zusammen, als schwielige, schmutzverkrustete Finger in sie hineinstießen.

Die Ayah wirkte zufrieden. »Jetzt dauert es nicht mehr lange.«

Das Feuer im Kohlenbecken in der Ecke flammte munter auf, als die Hebamme Luft in den glühenden Kameldung fächerte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lehnte sich die Frau zurück. Der Schweiß auf ihrer Stirn wurde kalt. Wenige Minuten später zog ihr die nächste Wehe ins Kreuz. Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht laut aufzuschreien, denn sie wollte die Menschen draußen vor dem Zelt nicht beunruhigen. Auf den Gedanken, dass der heulende Sturm selbst den lautesten Schrei verschluckt hätte, kam sie nicht.

Draußen brach früh die Nacht über das Lager herein. Männer kauerten um ein blakendes, knackendes Feuer; der Wind pfiff ihnen um die Ohren, blies ihnen Sand in Augen und Kleidung und stach wie Nadeln auf ihren Gesichtern.

Am Rande der Wüste außerhalb von Kandahar standen ein paar verschlissene alte Zelte in einem engen Kreis. Kamele, Pferde und Schafe drängten sich rings um das Lager aneinander und suchten Wärme und Deckung vor dem Sturm.

Ghias Beg löste sich aus der Gruppe am Feuer, bahnte sich einen Weg durch die Tiere und stapfte zu dem Zelt, in dem seine Frau lag. Vor der flatternden schwarzen Zeltwand kauerten drei Kinder, kaum sichtbar im fliegenden Sand, die Arme umeinander gelegt, die Augen vor dem Sturm geschlossen. Ghias Beg berührte den ältesten Jungen an der Schulter. »Mohammed«, schrie er gegen den Lärm des Windes an. »Wie geht es deiner Mutter?«

Das Kind hob den Kopf und schaute mit Tränen in den Augen zum Vater auf. »Ich weiß nicht, Bapa.« Seine Stimme war leise und kaum zu hören; Ghias musste sich zu ihm hinabbeugen. Mohammed krallte sich mit der Hand an seine Schulter. »O Bapa, was soll nur aus uns werden?«

Ghias kniete nieder, zog Mohammed in die Arme und drückte ihm einen sanften Kuss auf den Haaransatz, wobei er mit dem Bart Sand aus Mohammeds Haaren schabte. Zum ersten Mal in der ganzen Zeit hatte der Junge Furcht gezeigt.

Über den Kopf seines Sohnes hinweg warf er seiner Tochter einen Blick zu. »Saliha, geh und sieh nach deiner Maji.«

Das kleine Mädchen erhob sich schweigend und schlüpfte ins Zelt.

Als sie eintrat, sah die Frau auf. Sie streckte eine Hand nach Saliha aus, die sofort an ihre Seite eilte.

»Bapa will wissen, wie es dir geht, Maji.«

Asmat Begam lächelte. »Ja, beta. Geh und sag Bapa, es dauert nicht mehr sehr lange. Sag ihm, er braucht sich keine Sorgen zu machen. Und du sei auch unbesorgt. Hörst du, beta

Saliha nickte und richtete sich auf, um zu gehen. Einem Impuls folgend, beugte sie sich noch einmal über ihre Mutter, nahm sie fest in den Arm und barg ihren Kopf an Asmats Schulter.

Die Hebamme schnalzte missbilligend mit der Zunge und kam aus ihrer Ecke. »Nein, nein, fass deine Mutter nicht an, kurz bevor das Kind zur Welt kommt, jetzt wird es ein Mädchen, weil du eins bist. Geh und nimm deinen bösen Blick mit.«

»Lass sie, Ayah«, protestierte Asmat schwach, als die Hebamme ihre Tochter nach draußen scheuchte, verstummte aber rasch, denn sie wollte nicht mit der Frau zanken.

Ghias hob eine Augenbraue, als er Saliha sah.

»Bald, Bapa.«

Er nickte und wandte sich ab. Nachdem er das Turbantuch über dem Gesicht festgesteckt hatte, kreuzte er die Arme über der Brust und entfernte sich vom Lager, in gebeugter Haltung gegen den heulenden Wind ankämpfend. Im Schutz eines großen Felsens ließ er sich schwerfällig zu Boden gleiten und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. Warum hatte er es so weit kommen lassen?

Ghias’ Vater war Höfling des Schahs von Persien gewesen. Sowohl Ghias als auch sein älterer Bruder Mohammed hatten als Kinder eine gute Erziehung genossen. Sie waren von stetig anwachsendem Wohlstand umgeben und hatten eine glückliche Kindheit verlebt, während sie, bedingt durch die Aufgaben des Vaters, zuerst nach Khurasan, dann nach Yazd und schließlich nach Isfahan umgezogen waren, wo Mohammed Sharif im vergangenen Jahr, 1576, als Wesir von Isfahan starb. Wäre alles seinen normalen Gang gegangen, hätte Ghias sein sorgloses Leben als Adliger weitergeführt, hätte seine Schulden bei Schneidern und Weinhändlern alle zwei bis drei Monate mühelos getilgt und für die Ärmeren eine offene Hand gehabt. Doch es sollte nicht so sein.

Der alte Schah starb und Schah Ismail II. bestieg den Thron von Persien; das neue Regime war Ghias’ Familie nicht wohl gesinnt. Ebenso wenig wie die Schuldner, dachte Ghias und lief hinter den schützenden Händen rot an. Wie Pariahunde, die an einem Abfallhaufen schnüffeln, waren die Schuldner über den Haushalt seines Vaters hergefallen, hatten geübte Blicke über Möbel und Teppiche schweifen lassen. Auf Ghias’ Schreibtisch hatten sich Rechnungen gestapelt, die sowohl ihn als auch Asmat verwundert hatten. Die vakils – Beamte seines Vaters – hatten sich immer darum gekümmert. Doch die vakils waren verschwunden. Es war kein Geld da für die Schuldner, denn das Eigentum seines Vaters – Ghias’ Erbe – war nach dessen Tod an den Staat zurückgefallen.

Einer der Höflinge des Schahs, ein langjähriger Freund seines Vaters, setzte Ghias über sein Schicksal in Kenntnis: Tod oder Gefangenschaft im Schuldturm. Da wusste Ghias, dass er nicht länger als Ehrenmann in Persien leben konnte. Sein Kopf sank noch tiefer in die Hände, als er an ihre übereilte nächtliche Flucht dachte, ehe die Soldaten kamen, um ihn festzunehmen. Sie hatten Asmats Schmuck in ein Bündel gepackt, zusammen mit goldenen und silbernen Gefäßen und anderen Wertsachen, mit denen sie unterwegs handeln konnten.

Zu Anfang hatte Ghias keine Ahnung, wo er Zuflucht suchen sollte. Sie schlossen sich einer Karawane von Kaufleuten an, die nach Süden zogen, und unterwegs war immer wieder von Indien die Rede. Warum auch nicht, hatte Ghias gedacht. In Indien herrschte der Mogulkaiser Akbar, der als gerecht, freundlich und vor allem offen gegenüber gebildeten, gelehrsamen Männern galt. Vielleicht fände er eine Stellung bei Hofe und könnte so einen neuen Anfang machen.

Ghias hob den Kopf, denn der pfeifende Wind ließ einen Moment lang nach, und in der plötzlichen Stille war der schwache Schrei eines Neugeborenen zu hören. Sogleich wandte er sich nach Westen, Richtung Mekka, kniete auf dem harten Boden nieder und hob beide Hände. Allah, gib, dass das Kind gesund und die Mutter wohlauf ist, betete er still. Nach dem Gebet ließ er mutlos die Arme hängen. Noch ein Kind, jetzt, da er vom Pech verfolgt war. Er drehte sich zum Lager um, dessen schwarze Zelte im Sandsturm kaum zu erkennen waren. Er sollte zu Asmat gehen, zu seiner geliebten Frau, doch die Füße wollten ihm nicht gehorchen.

Ghias lehnte sich an den Felsen und schloss die Augen. Wer hätte gedacht, dass die Schwiegertochter des Wesirs von Isfahan in einer solchen Umgebung ihr viertes Kind zur Welt bringen würde? Oder dass dessen Sohn aus der Heimat fliehen müsste, ein Flüchtling vor dem Arm der Justiz? Schlimm genug, dass er seiner Familie Schande bereitet hatte, doch was danach während ihrer Reise geschah, war noch schlimmer gewesen.

Auf dem Weg nach Kandahar im Süden hatte die Karawane Daschte-Lut durchquert, die große Wüste Persiens. Die Ödnis war von eigenartiger Schönheit; meilenweit unfruchtbares Land, aus dem anscheinend wie aus dem Nichts großartige dunkelrosa Klippen aufstiegen. Doch auch diese Klippen waren trügerisch; sie hatten einer Gruppe Wüstenräuber als Versteck gedient, bis es für die vom Unglück verfolgte Karawane zu spät war.

Ghias schauderte und zog sich den rauen Wollumhang fester um die Schultern. Die Diebe waren unter schrillem Geschrei über sie hergefallen. Sie hatten fast nichts zurückgelassen; der Schmuck war verschwunden, ebenso die goldenen und silbernen Gefäße, und die Frauen waren an Ort und Stelle vergewaltigt worden. Asmat war nur deshalb davongekommen, weil sie hochschwanger war. Nach den Plünderungen löste sich die Karawane auf, da die Menschen auf der Suche nach einer Zuflucht in alle Richtungen flohen. Im Anschluss an das Gemetzel fand Ghias zwei alte Maultiere, auf denen sie abwechselnd nach Kandahar ritten. Unterwegs bettelten sie in den zahlreichen Karawansereien um Almosen.

Erschöpft und ungepflegt war die Familie nach Kandahar eingezogen, wo eine Gruppe afghanischer Nomaden ihnen Unterschlupf gewährte und gerade so viel Nahrung abgab, wie sie entbehren konnte. Doch Ghias hatte nur wenig Geld, selbst die Reise nach Indien schien unmöglich. Jetzt hatten sie auch noch ein weiteres Kind.

Nach ein paar Minuten erhob er sich und ging langsam auf das Zelt zu.

Asmat schaute von ihrem Bett auf. Ghias wurde das Herz schwer, als er die dunklen Ränder unter ihren Augen bemerkte. Sie lächelte ihm zu. Ihr Gesicht war unsagbar ausgemergelt, die Haut über den Wangenknochen war zum Zerreißen gespannt. Er streckte die Hand aus und strich ihr sanft das noch immer schweißverklebte Haar aus der Stirn. In Asmats Arm gebettet und in ein altes Tuch...



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