Tanner | Eine Nacht mit einem Callboy - Mein geheimes Verlangen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

Tanner Eine Nacht mit einem Callboy - Mein geheimes Verlangen


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1139-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

ISBN: 978-3-7325-1139-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Für Carina bricht eine Welt zusammen - ihr Freund hat sie betrogen. Kurzerhand wirft sie ihn aus ihrer Wohnung und ihrem Leben. Da taucht plötzlich Kai auf, ein alter Bekannter. Zwischen ihm und Carina knistert es gewaltig. Aber Carina zieht sich zurück. Ihr geht das alles viel zu schnell. Sie will sich nicht schon wieder auf einen Mann einlassen mit der Gefahr, verletzt zu werden. Dennoch quält sie das Verlangen. Leidenschaftlicher Sex ohne Verpflichtungen - genau das braucht Carina jetzt. Also macht sie etwas, was sie nie von sich gedacht hätte: Sie bestellt sich einen Callboy. Aber ist es wirklich das, was Carina glücklich machen wird?

Mein geheimes Verlangen erzählt die Geschichten von Frauen im besten Alter und der Erfüllung ihrer heimlichen erotischen Wünsche.

Die nächste Folge 'Im Auftrag der Lust' erscheint am 13.11.2015.

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Autoren/Hrsg.


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Ich wache auf, als sich der Schlüssel in der Wohnungstüre dreht. Paul kommt nach Hause. Es ist schon spät. Ein kalter Luftzug weht durch die Wohnung. Gegen elf muss ich auf dem Sofa beim Fernsehen eingeschlafen sein. Das passiert in letzter Zeit öfter – freitags fühle ich mich schlapp, fast so, als falle die berufliche Anspannung der ganzen Woche von mir ab. Aus diesem Grund zieht es mich auch nicht mehr so oft ins Nachtleben wie früher. Ab und zu treffe ich mich mit Freundinnen, meistens jedoch samstags. Meinen Freund Paul scheint das nicht zu stören. Er trifft sich selten mit seinen Kumpels und genießt es, wenn ich zu Hause bin und auf ihn warte. Paul ist selbstständig und arbeitet viel. Er hat vor einiger Zeit den Malerbetrieb seines Vaters übernommen und schuftet fast rund um die Uhr, oft genug sogar an den Wochenenden.

Heute Abend war er unterwegs. Seine Mitarbeiter haben ihn zu einem gemeinsamen Essen eingeladen, eine Art Betriebsfeier, die man hinter seinem Rücken organisiert hat, um ihn damit zu überraschen.

Ich bin nicht mit, hatte keine Lust und habe ihn alleine losziehen lassen. Für Paul war das durchaus in Ordnung. Es kommt öfter vor, dass wir Dinge alleine unternehmen, obwohl wir ein Paar sind. Unsere Freunde wundern sich manchmal darüber, doch uns ist das egal.

Auch haben wir beide eigene Wohnungen. Paul war es immer wichtig, einen Rückzugsort zu haben, den er allerdings nur selten wirklich nutzt. So verbringen wir die meiste Zeit in meiner Wohnung: sechzig Quadratmeter im Parterre eines kernsanierten Altbaus in einer ruhigen Seitenstraße. Den Park erreicht man in wenigen Minuten zu Fuß.

Jetzt höre ich Pauls Schritte im Flur. Er drückt die Tür ins Schloss und schiebt den Riegel vor. Schnell werfe ich die Wolldecke zur Seite und richte mich auf. Mein Herz klopft, ich tue so, als würde mich das Geschehen im Fernsehen, das die ganze Zeit lief, brennend interessieren.

Als Paul das spärlich beleuchtete Wohnzimmer betritt, lächle ich ihm entgegen. »Hallo, da bist du ja«, sage ich erfreut, während ich mit einem Blick auf die Uhr des Blu-ray-Players feststelle, dass es fast drei Uhr morgens ist.

Paul betrachtet mich mit unbewegter Miene. »Hast du auf mich gewartet?«

Ich schaue an mir herab. Die Frage erscheint mir gerechtfertigt: Noch immer trage ich den weichen Pulli und die figurbetonte Jeans, die er so an mir mag, weil ich darin einen Knackarsch habe. Sagt er jedenfalls immer.

»Nein.« Ich lache. »Bin wohl vor der Flimmerkiste eingeschlafen.« Um meine Worte zu unterstreichen, gähne ich herzhaft.

Paul nickt stumm und sinkt mit einem schweren Seufzer auf die andere Seite des Sofas. Er hat Alkohol getrunken. Eine Fahne weht mir entgegen. Irgendetwas scheint mit meinem Freund nicht zu stimmen. Seine Bewegungen wirken fahrig, sein Blick huscht unstet umher. Er birgt das Gesicht in den Händen, atmet ein paarmal tief durch.

»War es nicht schön mit deinen Leuten?«, wage ich einen zaghaften Versuch, etwas über den Verlauf des Abends in Erfahrung zu bringen. Ich schnappe nach der Fernbedienung und schalte den Fernseher aus.

Paul schaut auf, blickt mir tief in die Augen.

»Ich habe Scheiße gebaut.« Er mustert mich mit treuen Hundeaugen. Ich betrachte ihn besorgt, muss nicht lange überlegen, weiß, dass etwas Gravierendes passiert sein muss. In den letzten sechs Jahren habe ich ihn gut genug kennengelernt. Ich weiß, dass er eigentlich ein cooler Typ ist, immer ein Grinsen und einen frechen Spruch auf den Lippen. Wenn er mir nun wie ein Häufchen Elend auf unserem großen Ledersofa gegenübersitzt, ahne ich, dass der Abend nicht nach seinen Vorstellungen verlaufen sein kann.

»Ich habe Scheiße gebaut«, flüstert er noch mal in die Stille, als ich nicht reagiere.

»Was hat das zu bedeuten?«, frage ich und beginne mir jetzt wirklich Sorgen um meinen Freund zu machen.

Er ergreift meine Hand und drückt sie. »Du kennst doch Katja?«

Ich atme tief durch und fühle, wie sich mir die Kehle zuschnürt. Natürlich kenne ich Katja, dieses kleine Biest. Sie ist Ende zwanzig, also zehn Jahre jünger als Paul. In seinem Betrieb arbeitet sie seit einem halben Jahr in der Buchhaltung. Mir ist bei meinen gelegentlichen Besuchen in Pauls Büro nicht entgangen, dass dieses kleine Miststück ein Auge auf ihn geworfen hat. Während es in einem kleinen Handwerksbetrieb eher rustikal zugeht, wirft sie sich jeden Morgen in Schale und kommt in aufreizenden Klamotten ins Büro. Mal trägt sie ultrakurze Röcke, dann Blusen mit tiefem Ausschnitt, dann hautenge Tops und figurbetonte Hosen, die ihre Beine wie eine zweite Haut umschmeicheln. Um das klarzustellen – ich bin nicht neidisch: Katja kann es sich durchaus leisten, in sexy Klamotten herumzulaufen. Sie hat eine verdammt knackige Figur, große Titten und ein, wie sagt man, gebärfreudiges Becken. Lange schwarze Haare umrahmen das fein geschnittene Gesicht und die stahlblauen Augen, die Lippen bringen wohl selbst den treuesten Ehemann auf sündige Gedanken.

Und genau diese Katja hat es auf meinen Paul abgesehen.

Natürlich habe ich ihn schon mehrmals darauf angesprochen. Jedes Mal hat er gelacht und abgewinkt. Sie sei viel zu jung für ihn und unreif, nicht sein Typ, und ich solle mir keine Sorgen machen. Meine Eifersucht sei unbegründet. Doch immer, wenn ich Paul in der Firma besuche und dabei zwangsläufig auch Katja begegne, geht mir die Hutschnur hoch. Sie ist überfreundlich zu meinem Freund. Die lasziven Blicke, die sie ihm auch in meiner Anwesenheit zuwirft, entgehen mir nicht. Schließlich bin ich nicht blind und blöd – auch wenn ich blond bin.

Wenn Paul um drei Uhr morgens von einer Betriebsfeier nach Hause kommt wie ein geprügelter Hund und mich auf Katja anspricht, dann ahne ich, aus welcher Richtung der Wind weht. So wie es aussieht, hat sie ihn wieder angemacht. Und ich fürchte, dass Paul diesmal schwach geworden ist. Meine Knie werden weich bei diesem Gedanken. Ich schlucke trocken.

»Sag, dass das nicht wahr ist.« Meine Stimme ist nur ein Hauch, ich schwanke zwischen unendlicher Trauer und Wut. Wut auf Paul, aber auch auf dieses schwarzhaarige Biest.

»Carina, bitte …«, setzt Paul mit feucht schimmernden Augen an.

Ich stoße seine Hand fort. »Lass mich«, zische ich und springe in die Höhe. Ruhelos wie ein Tiger im Zoo wandere ich durch das Wohnzimmer. »Du bist fremdgegangen. Hast mich mit dieser Schlampe betrogen, das ist es doch, oder?«

Paul erhebt sich ebenfalls. Langsam und schwerfällig, wie ein alter Mann, tritt er auf mich zu und packt mich mit beiden Händen an den Schultern. Ich schüttele ihn ab. »Fass mich nicht an«, speie ich ihm entgegen. Ich habe das Esszimmer erreicht, das sich in einer Art offenem Wintergarten befindet. Von hier aus kann ich die Lichter der Großstadt sehen. Ich trete ans Fenster und schaue hinaus in die Nacht. Er muss nicht sehen, dass ich weine.

»Lass es mich dir erklären«, fleht Paul mich an.

»Was gibt es da zu erklären?«, frage ich mit tränenerstickter Stimme und beobachte ihn im Spiegelbild des Fensterglases.

»Ich … ich habe es … nun, ich habe es abgebrochen.«

Jetzt drehe ich mich doch zu ihm um. »Du hast … was?«

»Abgebrochen«, wiederholt er kleinlaut. »Ich habe es nicht zu Ende gebracht.«

Nun übertrumpft die Wut meine Trauer und Enttäuschung. »Ist nicht dein Ernst«, zische ich. »Du verarschst mich doch.«

»Nein.« Er schüttelt mit bedeutungsvoller Miene den Kopf. »Ich habe es nicht zu Ende gebracht. Ich konnte nicht …«

Mit verschränkten Armen lehne ich an dem massiven Esstisch und betrachte meinen Freund. Mein Herz rast, schwer hebt und senkt sich meine Brust.

»Was willst du mir damit sagen? Dass du keinen hochgekriegt hast?« Ich fühle mich wie auf einer Achterbahn der Gefühle und frage mich, was Paul mir sagen möchte.

Er schüttelt den Kopf. »Das ist es nicht.«

»Hast du es mit ihr … getrieben?«

Wieder weicht er meiner Frage aus. Er zögert. »Ich möchte, dass du die ganze Geschichte hörst, Carina.«

Ich atme ein paarmal tief durch und nicke. »Schieß los.«

»Wir waren in diesem neuen Restaurant, bei diesem Griechen, von dem ich dir neulich erzählt habe. Weißt du, dort, wo wir auch mal essen gehen wollten.«

»Geschenkt – ich will die Geschichte hören«, dränge ich ihn, denn ich spüre, dass Paul auf Zeit spielt.

Er nickt. »In Ordnung. Also, das Team hat mich mit diesem Abend überrascht. Alle waren da, Jürgen, Kurt, Lutz, Jochen …«

»… und Katja«, füge ich verbittert hinzu.

Paul nickt und blickt zu Boden. »Ja«, sagt er leise. »Und Katja.«

»Es muss geil für ein männertolles Rasseweib sein, als einzige Frau in einem reinen Männerbetrieb zu arbeiten«, bemerke ich sarkastisch.

»Carina, bitte«, unterbricht mich Paul. »Ja, sie war auch mit. Und sie hat mich den ganzen Abend angemacht.«

»Das ist nichts Neues.«

Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Paul zieht sich einen der Stühle heran, dreht ihn um und setzt sich verkehrt herum darauf. Er stützt das Kinn auf die Lehne, legt sich in Gedanken die nächsten Sätze zurecht. »Sie hat mich richtig angemacht diesmal.«

»Nur für’s Protokoll«, fahre ich ihm in die Parade. »Sie ist viel zu jung, unreif und gar nicht dein Typ.« Nun strecke ich die Hand aus und deute mit dem Zeigefinger auf Pauls Oberkörper. »Deine Worte, du erinnerst dich?«

Er nickt. »Das habe ich gesagt, aber, Carina, du musst verstehen – ich bin auch nur ein Mann.«

»Das ist die beste Ausrede, wenn ihr mal wieder von eurem Schwanz gesteuert werdet«, gifte ich mit hochrotem Kopf. Längst ist meine...



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