Tappeiner | Remoment | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 388 Seiten

Tappeiner Remoment


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-946820-57-4
Verlag: Hybrid Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 388 Seiten

ISBN: 978-3-946820-57-4
Verlag: Hybrid Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Welt steht kurz vor ihrer Vernichtung und der Soldat Dominic Burg ist als einziger Mensch dazu in der Lage, dies zu verhindern. Nur durch ein waghalsiges Experiment könnte der Lauf der Geschichte geändert werden. Dominic muss in die Vergangenheit reisen und die Zeugung des Diktators Hong Sung verhindern. Dort kreuzt die lebensfrohe Viola seinen Weg. Dominic muss sich zwischen dem Schicksal der Welt und seiner großen Liebe entscheiden.

Daniel Tappeiner, Jahrgang 1983, geboren in Norditalien, war über ein Jahrzehnt lang in einem weltführenden Dental-Konzern tätig, wo er für Tages- und Entwicklungstätigkeiten zuständig war, während er zugleich an mehreren Romanen arbeitete, bis er sich letztlich völlig der Schriftstellerei verschrieb. Tappeiner lebt seit 2003 gemeinsam mit seiner Ehefrau in Meran, Südtirol.
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Dominic hatte etwas später in einem abgelegenen Motel am Rande der Stadt ein Zimmer bezogen. Er hatte aus zehn leerstehenden frei wählen dürfen und sich für Nummer 8 entschieden.

Bei all seinen Tätigkeiten war er Eckharts Anweisungen genauestens nachgekommen. Er hatte einzig und allein mit dem Motelrezeptionisten und einer Verkäuferin eines Bekleidungsgeschäftes gesprochen, als er sich noch ein wenig jahrgangsaktuellere Kleidung besorgt hatte. Ansonsten war bisher keinerlei Kommunikation erfolgt.

Auch sonst hatte er sich von sämtlichem Trubel ferngehalten. Er versuchte gewissermaßen, ein stummer Schatten zu sein.

Die verheerenden Auswirkungen eines Nichtbeachtens dieser Regeln waren Dominic umfassend bewusst. Denn das Eingreifen in die Vergangenheit war mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Das kleinste Einwirken könnte alles ändern. Würde nur ein einziger Mensch seinetwegen, aufgrund eines unmerklichen Zufalls, einen anderen auch nur um eine Minute verpassen, so würden diese sich niemals kennenlernen. Die nicht resultierende Bekanntschaft würde demnach weitere potentiell daraus entstehende Aufeinandertreffen verschiedenster Personen verhindern. Somit würde eine Vielzahl an Menschen an einem zukünftigen Zeitpunkt nicht dort sein, wo sie ansonsten gewesen wären. Eine Schöpfung unzähliger, neuer Handlungsstränge würde sich wie ein Virus ausbreiten und ein völliges Ungleichgewicht der geschichtlichen Entwicklung herbeibeschwören. Allein dadurch könnte ein weiteres zukünftiges, weltvernichtendes Ereignis kreiert werden und seine Mission, den Planeten vor genau so etwas zu bewahren, wäre kläglich gescheitert.

Oder aber einige Menschen würden sich schlicht und einfach nicht kennenlernen, ohne weitere besondere Folgen für das Fortbestehen von Planet und Menschheit. Wer konnte das schon so genau wissen?

Dominic jedenfalls hatte sich zum Ziel gesetzt, diesbezüglich kein Risiko einzugehen. Natürlich wusste er, dass er letztendlich hier war um ein Menschenleben auszulöschen und selbstverständlich war ihm bewusst, dass er schon allein dadurch eine Welle unabwendbarer, zukünftiger Ereignisse kreierte, welche unberechenbare Folgen nach sich ziehen würden. Doch ausgerechnet Tatsache veranlasste Dominic dazu, wenigstens alle restlichen, bereits bestehenden Prozesse und Entwicklungen möglichst so belassen zu wollen, wie sie waren.

Dieses Vorgehen beorderte er als seinen obersten Leitsatz.

Einen Block entfernt von dem Motel hatte Dominic sich soeben in einem kleinen Lebensmittelladen eingefunden. In seinen Händen hielt er bereits einen Warenkorb und schlenderte spähend zwischen den Einkaufsregalen umher.

Es befanden sich nur einige wenige Kunden in dem Laden. Er hatte vor, sich etwas Proviant zu besorgen und ihn auf sein Motelzimmer zu schaffen. Anschließend würde er sich dort, fernab allen Wirbels, erst einmal stärken.

Dominic griff sich einige Konservendosen, Toastbrot, vakuumverpackten Schinken sowie mehrere Packungen Orangensaft und verstaute sie in seinem Korb.

Als er sich anschließend auf den Weg zur Kasse begab, erblickte er eine junge, blonde Frau. Sie stand direkt am Kassentisch, wobei sie in gebückter Haltung forschend auf einen Verkaufsständer starrte.

Sie trug eine unauffällige, kleine Handtasche mit sich, deren kaputten Reißverschluss sie mit Stecknadeln zusammenhielt. Ihren mit Lebensmitteln vollbepackten Warenkorb hatte sie bereits auf dem Laufband abgestellt. Ihr gepflegtes, glattes Haar reichte bis an ihre Ellbogen. Die lieblichen Konturen ihres Gesichtes wirkten auffallend attraktiv.

Sie kramte zwischen den am Ständer hängenden Rasierklingen umher und fragte unbeschwert: »Sind denn die Klingen für den Ladyrasierer wieder aus?« Ihre Stimme vermittelte eine erfrischende Leichtigkeit.

Inzwischen war Dominic an der Kasse angelangt, stellte sich in gebildeter Manier an und wartete.

Hinter der Kassentheke saß eine korpulente, teilnahmslos wirkende Dame, welche sich indes mit einer Nagelfeile ihre Fingernägel glättete.

»Wenn Sie da keine sehen, dann sind sie wahrscheinlich ausgegangen, Schätzchen. Aber zur Sicherheit können Sie hinten bei den Badeutensilien nochmal nachsehen«, meinte die Kassiererin gelangweilt.

Ein letztes Mal noch warf die junge Kundin einen genauen Blick auf den Ständer und flüsterte ein gedankenvertieftes »Ja, das werde ich dann wohl tun müssen …« vor sich hin.

Dann richtete sie sich auf, wandte sich um und traf auf Dominics Blick.

Große, grüngraue Augen musterten ihn eingehend vom Scheitel bis zu Ferse. »Gehen Sie ruhig vor«, sagte sie mit einem wohltätigen Lächeln.

, schoss es Dominic blitzartig durch den Kopf.

So warf er ihr teilnahmslos ein knappes Nicken und ein verlegenes Lächeln entgegen und trat an den Kassenschalter.

Sogleich huschte die Frau an ihm vorüber und verschwand hinter den Warenreihen. Währenddessen nahm Dominic seine Einkäufe aus dem Korb und legte sie auf das Laufband, wobei er den Warenbehälter der Frau etwas beiseiteschob.

Unbekümmert tippte die Verkäuferin einen Artikel nach dem anderen in die Kasse.

»Hab sie!«, hallte die Stimme der jungen Dame plötzlich durch den Ladenraum.

Dominic erkannte aus den Augenwinkeln, wie sie zwischen den Produktregalen herbei marschiert kam und eine Packung Rasierklingen in die Höhe hielt.

Im selben Augenblick ertönte unerwartet ein melodisches Gedudel aus der Geldkasse und die Kassiererin sah mit erzwungener Freundlichkeit zu Dominic auf.

»Glückwunsch, Sie sind in dieser Woche unser hundertster Kunde. Sie bezahlen somit nur den halben Preis für Ihre Einkäufe. Das macht dann 4,98.«

»Na toll …«, stieß die Blonde enttäuscht hervor, als Dominic irritiert auf die aufflackernden Buchstaben des Kassendisplays starrte, die das Wort bildeten. »Naja, ich gönn’s Ihnen«, sagte sie schließlich und blickte ihm mit einem gelassenen Lächeln entgegen.

Dominics Unbehagen wuchs zusehends.

In ihm schrillten sämtliche Alarmglocken.

, fragte er sich,

Er begann innerlich zu hyperventilierten, seine Gedanken fuhren Achterbahn. Ohne sein Einwirken wäre der jungen Dame der Titel des hundertsten Kunden zugesprochen worden. Was aber nun? Was änderte sich jetzt für sie? Würde sie aufgrund der verlorenen Ersparnis nun in keinen weiteren Geschäften mehr Einkäufe tätigen, was womöglich einen Schlüsseleffekt für ihr späteres Leben darstellte? Hatte er ihr damit nun eine wichtige Begegnung verbaut? Beinahe panisch griff er nach seinen Waren und packte sie ein. Währenddessen liefen bereits die Einkaufsartikel der jungen Frau über das Band und die Verkäuferin tippte wiederum den Preis eines jeden Produkts in die Kasse.

Nachdem Dominic die Besorgungen sicher in einer Tüte verstaut hatte, zog er einige Münzen aus seiner Hosentasche. Er zählte das Geld ab und legte den genauen Betrag des Einkaufs auf die Theke.

»32,40, bitte«, verlautete die Kassiererin und blickte der blonden Dame mit leerem Ausdruck entgegen.

Diese zückte sogleich eine mit Glitzerperlen bestückte Geldbörse aus ihrer Handtasche hervor. Mit schlanken Fingern kramte sie nervös in dem funkelnden Portemonnaie herum. »Na super! Sowas Dummes aber auch. Ich habe mal wieder nicht genug Geld dabei. Einfach prima …«, seufzte sie kläglich. »… und alles bloß, weil ich ihn vorgelassen habe.« Sofort darauf sah sie sich beschämt und entrüstet zu Dominic um und erkannte seinen erstarrten Blick. Er stand mit großen Augen da und hatte mit reumütigem Ausdruck das Geschehen verfolgt.

»Tut mir leid, so war’s nicht gemeint. Sie können doch auch nichts dafür«, entschuldigte sie sich.

Dann wandte sie sich wieder der Frau hinter der Kassentheke zu. »Wie viel würde es ausmachen, wenn ich den Salat und die Schokosnacks zurücklege?«

Nun galt es weiteren Schaden in Grenzen zu halten, dachte Dominic. Nahezu neurotisch zückte er einige Geldscheine hervor und klatschte sie auf den Tresen.

»Hier, bezahlen Sie damit Ihre Einkäufe. Bitte.«

Schlagartig wechselte ihr Blick von einem zerknirschten zu einem überraschten Ausdruck. Die junge Dame starrte einen Augenblick lang verlegen in seine hellblauen Augen und musterte die angespannten Gesichtszüge. »Aber das kann ich nicht annehmen …«

»Doch, das können Sie. Bitte.«, entgegnete er mit ernstem Ausdruck und fügte ein »Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag« hinzu.

Dominic wollte nur noch so schnell wie möglich dieser katastrophalen Lage entfliehen, um nicht noch mehr Unheil anzustellen. Er hatte sich doch geschworen, seine Kommunikation auf das absolut nötigste zu reduzieren, und dann tauchte plötzlich diese hübsche Frau auf und er warf den Vorsatz gleich wieder über den Haufen. Was war nur los mit ihm? Er war Soldat auf einer Mission, er durfte sich nicht von so einem Fräulein, und sei es noch so attraktiv, den Kopf verdrehen lassen. Die Zukunft der Welt stand auf dem Spiel! Schließlich griff er nach seiner Nylontüte, wandte sich ruckartig um und marschierte nervös zum Ausgang.

Ein Blick über die Schulter zeigte die beiden Frauen, wie sie sich irritiert und fragend ansahen. Da drehte sich die jüngere zu ihm und winkte aufgeregt. »Aber so warten Sie doch erst mal.«

Dominic sah sofort wieder nach vorne und legte sogar noch an Schritt zu. Seine Bewegungen glichen unweigerlich einem sich auf der Flucht befindenden Paranoiden. Mit dem beunruhigenden Gefühl,...



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