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Tasso | Störche, Roboter und saugende Küsse | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 616 Seiten

Tasso Störche, Roboter und saugende Küsse

Meine 50 Reporter-Jahre
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-2640-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Meine 50 Reporter-Jahre

E-Book, Deutsch, 616 Seiten

ISBN: 978-3-7519-2640-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was bleibt nach 50 Jahren Arbeit als Autor? Vor allem Erinnerungen an Störche, Roboter und saugende Küsse. An Themen und Menschen, die wichtig waren und noch sind: für uns alle. Was haben Störche und der demographische Wandel in den Industriestaaten gemeinsam? Können wir die Überalterung unserer Gesellschaft durch intelligente Roboter verhindern? Werden Lems "saugende Küsse" uns die letzten eigenen Gedanken aus den Hirnen saugen? Hatte der Computer-Forscher Joseph Weizenbaum recht, wenn er statt einer Mission zum Mars zunächst - ganz analog - mehr Menschlichkeit, Frieden und Nahrung für alle Menschen auf der Erde forderte? Kann die "Grüne Revolution" des Nobelpreisträgers Norman Borlaug die Ernährung von bald zehn Milliarden Menschen sichern? Lässt Trump die Mexikaner an seiner "Mauer" verhungern? Lässt Westdeutschland die Ostdeutschen an der Mauer in den Köpfen "verhungern"? Und wer darf überleben, wenn die globale Erwärmung nicht mehr geleugnet werden kann und deutlich spürbar wird? All diese Probleme führen zu der einen Frage: Sind wir noch zu retten?

Hardy Tasso (*1950), Studium Politik und Deutsch. Seit 1971 freiberuflicher Wissenschaftsautor für ARD- und ausländische Rundfunksender. Etwa 1.500 Hörfunksendungen über Themen aus den Bereichen Natur, Technik, Informatik, Sozialpolitik; Fernsehfilme über das Leben mit behinderten Kindern und Gewalt in Familien; Hörbücher über Daniel Golemans "Emotionale Intelligenz" und Stephen Hawkings "Das Universum in der Nussschale"; Bücher über Drogensucht, Umweltschutz, Künstliche Intelligenz.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1980 * Drei Drogenabhängige schaffen den Ausstieg


In der Drogenzeit hatte ich eine ziemliche Ablehnung gegen die Gesellschaft, gegen Arbeit, gegen Autoritäten und meine Eltern und war auch ziemlich unselbständig, weil ich es nicht geschafft hatte, mich ein bisschen so durchzuringen oder durchzusetzen, anderen Leuten gegenüber, sondern eigentlich immer in die Defensive gegangen bin, in jeder Situation, sei es bei den Behörden, oder sei es anderen Leuten gegenüber, sei es meinen Eltern gegenüber...

Der Grund für meine Therapie war eigentlich der, dass ich... ich hatte schon mal eine Therapie angefangen, die habe ich neun Monate gemacht, aber schon in der Therapie wurde ich rückfällig und bin dann rausgegangen, weil ich permanent rückfällig wurde. Ich habe in Bremen gewohnt, und nach der ersten Therapie ging wieder alles von vorne los, dass ich sehr viel geschossen habe und eigentlich ziemlich durchhing und auch Tabletten noch dazu genommen habe, Schlaftabletten, Beruhigungstabletten, und dann bin ich irgendwann im Krankenhaus gelandet. Ich verlor die Wohnung, und das war eigentlich denn auch der Grund, dass ich mir überlegt hatte, jetzt musste mal was passieren, Du musst mal was machen. Es war eigentlich so mehr so ein Druck von außen. Nicht so, dass ich mir das schon vorher so konkret überlegt hatte, sondern eben auch ziemlich durch diesen ganzen Druck, der durch den Wohnungsverlust und Geldverlust und so weiter bestand.

Die zweite Therapie lief eineinhalb Jahre. Und in der Therapie selbst wurde eben sehr großer Wert gelegt auf Bewältigung von Konflikten, die in der Therapie an den einzelnen Personen auffielen. Und auch auf Vergangenheitsbewältigung wurde sehr viel Wert gelegt. Und natürlich darauf, was nach der Therapie passieren würde. Also Beruf oder Schule, das nahm auch einen ziemlich großen Raum ein, weil zum Teil auch ich daran gescheitert bin, so Arbeit und Lehre.

Das war praktisch eine Gruppentherapie, wo wir sehr viel Gruppensitzungen hatten und wo die ganzen Probleme, die man so hatte, ziemlich ausführlich besprochen wurden und auch angegangen wurden. Und in der Therapie habe ich das erste Mal gelernt so Selbständigkeit und auch, mich auseinanderzusetzen mit anderen Leuten und vor allen Dingen auch so mit dem ganzen Umfeld, mit der Gesellschaft. Weil ich gesehen habe, dass das Drogenproblem nicht von ungefähr kommt, sondern dass das auch irgendwo ein gesellschaftliches Problem ist. Und in der Therapie hab' ich gelernt, mich damit auseinanderzusetzen, wie man eben am Arbeitsplatz klarkommt, wie man mit anderen Leuten klarkommt und wie man überhaupt so in der Gesellschaft leben kann, ohne auszuflippen.

Das wichtigste, was ich für mich persönlich in dieser Therapie gelernt habe, war, dass ich über meine Vergangenheit ziemlich viel gelernt habe. Ich hatte keine Lust mehr, sowas noch mal zu erleben. Und vor allen Dingen habe ich gemerkt, dass es sehr dufte sein kann, wenn man Menschen kennt, mit denen man offen reden kann, mit denen man sich unterhalten kann, das hatte ich in der Drogenzeit überhaupt noch nicht gekannt.

Und dann habe ich auch angefangen, eben in der Gesellschaft Fuß zu fassen, indem ich arbeiten ging. Ich fing schon in der Therapie eine Lehre an, und ich bin hinterher auch mit den Leuten zusammengezogen, mit denen ich Therapie gemacht hatte, und hatte dadurch auch noch so die Möglichkeit, weiterhin mich über die Sachen auseinanderzusetzen, die in der Lehre abliefen und die ich täglich erlebt habe. Und ich konnte durch diese Leute für Sachen, mit denen ich nicht klarkam, Unterstützung bekommen. Und ich habe auch versucht, meine Freizeit zu gestalten, indem ich zum Beispiel in Bürgerinitiativen ging oder indem ich Gewerkschaftsarbeit gemacht habe, wo ich eigentlich immer ziemlich ausgelastet mit war.

Diese politische Arbeit hat dann einen wichtigen Platz in meinem Leben nach der Therapie eingenommen. So ist das auch im Moment noch, dass ich eben versuche, gesellschaftliche Verhältnisse und Prozesse für mich irgendwie einzuschätzen. Und dadurch sehe ich, dass das nicht irgendwas ist, was vom Himmel fällt, man lebt irgendwo, und man muss das als gegeben hinnehmen, sondern dass man auch gegen das, was man meint, was Unrecht ist, was macht und nicht einfach wieder in die Defensive geht und sagt, 'man kann sowieso nichts machen'. Sondern ich habe gesehen, dass man doch irgendwo was machen kann und vor allen Dingen was machen sollte.

Aber am meisten geholfen, hinterher nicht wieder mit Drogen zu beginnen, hat mir die Gruppe; die war für mich auch nach der Therapie ein ziemlicher Rückhalt. Wir hatten auch noch einmal in der Woche mit einem ehemaligen Therapeuten Gruppengespräche gemacht, und das war schon viel Wert. Und vor allen Dingen half auch, dass ich auch andere Leute kennengelernt hatte. Ich hatte vorher immer nur Menschen gekannt, die auch Drogen nahmen, die ziemlich ausgeflippt waren, die nichts gemacht haben, nicht gearbeitet haben, sich so treiben ließen. Und da hatte ich so Kontakte angeknüpft mit Leuten, die eben schon so ein bisschen so im Leben standen, wo ich gesehen habe, mit denen komm ich ganz gut klar, ich liege mit denen oft auf der gleichen Ebene.

Heute sieht mein Leben so aus, dass ich mit meiner Freundin zusammenwohne, wir kommen auch ganz gut zusammen klar, und ich mache eine Umschulung von der LVA aus, weil ich ein Rückenleiden habe. Ja, und mit der Arbeit das habe ich eben nach der Therapie ziemlich gut gepackt. Ich habe kontinuierlich seitdem eigentlich auch gearbeitet und habe auch so keine Schwierigkeiten mehr, dass ich denke, schmeißt alles hin wieder. Ich habe doch irgendwie so viel Selbstbewusstsein, dass ich denke, ich schaffe das. Ist genauso wie jetzt mit der Umschulung, da habe ich gesehen, da kommt ziemlich viel auf mich zu, das ist ziemlich hart, aber irgendwo habe ich so den Willen, das ist ziemlich wichtig, ich habe im Moment einen ziemlich starken Willen, das alles so zu schaffen. Genauso mich eben in der Gesellschaft zu behaupten.

Mit Drogen läuft heute nichts mehr bei mir. Ich trinke ab und zu mal Alkohol. Ab und zu rauche ich auch mal Haschisch, aber das hält sich meiner Meinung nach ziemlich im Rahmen. Früher war immer so das Verlangen da, einfach so das Verlangen, was im Kopf zu haben. Klar habe ich auch manchmal das Verlangen, was zu trinken, aber ich weiß dann, irgendwie ist Schluss - und bisher hat das für mich noch nicht so negative Sachen mit sich gebracht. Nach wie vor gehe ich meiner Arbeit nach, und vor allen Dingen hat sich das auch so entwickelt, dass ich merke, mit meiner Sucht umgehen zu können, dass ich das im Griff habe. Früher war das immer so im Hinterkopf das Gefühl, Du musst Dir was reinziehen, Du musst, und mehr und immer mehr, bis zum Exzess und das habe ich absolut nicht mehr im Moment, dass ich immer meine, jetzt musst Du reinziehen, reinziehen, reinziehen. Sondern irgendwie entscheide ich das für mich, wenn ich mal Lust hab und mal rausgehe, dass ich dann ein Bier trinke, oder wenn ich keine Lust habe, dann trinke ich eben keins. Also, ich bin überzeugt, ganz klar, dass ich nicht wieder süchtig werde. Ich habe eineinhalb Jahre Therapie gemacht und bin jetzt fast drei Jahre aus der Therapie raus, also fast fünf Jahre bin ich jetzt clean.

Also damals habe ich mir gesagt, bevor die anderen mich kaputt machen, dann mache ich mich eher selbst kaputt - halt die "Anderen", das sind die Bedingungen gewesen, Gesellschaft und so. Und das hat bei mir dazu geführt, dass ich das also ziemlich konsequent gemacht habe, mich so kaputt gemacht habe, und auch mehrere Male in Klapsmühlen, also in geschlossenen Anstalten gelandet bin. Und bevor ich in Therapie kam, lief gegen mich ein Entmündigungsverfahren, da war ich schon ziemlich lange auf einer geschlossenen Abteilung. Und dann stand der Prozess noch offen. Dann gab es für mich eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder auf lange Sicht hin in einer Klapsmühle zu sitzen und nicht mehr rauszukommen und vielleicht irgend so einen Paragrafen zu bekommen, dass das Gericht entscheidet, wann ich rauskomme, und entmündigt zu werden; oder in...



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