E-Book, Deutsch, Band 2, 319 Seiten
Reihe: Dark Heart
Tatlisu Dark Heart 2: Omnia
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-646-60730-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Atemberaubende Romantasy über die gefährliche Liebe zu einem Dämon
E-Book, Deutsch, Band 2, 319 Seiten
Reihe: Dark Heart
ISBN: 978-3-646-60730-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anja Tatlisu lebt mit ihrer Familie, zwei Katzen und einem Hund in einem Vorort von Köln. Neben ihrem Beruf als Sekretärin schrieb sie mehrere Jahre Twilight-Fanfictions und wagte sich 2015 mit ihrem ersten eigenen Werk an die Öffentlichkeit. Mittlerweile quillt ihr Ideen-Ordner über und sie befürchtet, dass ein Leben kaum ausreicht, um all den schönen Plots gerecht werden zu können.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
Levis Worte trafen mich hart wie ein Faustschlag im Magen, der mir die Atemluft aus den Lungenflügeln presste. Gleichzeitig fühlte es sich an, als hätte er ein stumpfes Messer in meine Brust gerammt und die Klinge wäre abgebrochen. Keuchend wickelte ich meine Arme um mich, weil ich fürchtete, jeden Moment in meine Einzelteile zu zerspringen. Die beiden schwarzen Federn, die mich mitten in der Nacht zu ihm geführt hatten, entglitten meinen Händen, fielen wie in Zeitlupe zu Boden und ein leises metallisches Geräusch durchbrach die unheilvolle Stille, machte das Unfassbare beängstigend realistisch.
»Was hast du getan?«, hörte ich mich sagen, doch erkannte ich meine eigene Stimme nicht. »O mein Gott … was hast du nur getan?«
Um mich herum brach scheinbar alles zusammen. Tränenblind nahm ich nur noch Schemen wahr. Ich bekam kaum Luft, glaubte in den Trümmern meines eingestürzten rosaroten Wolkenschlosses zu ersticken.
Er war es gewesen. Er hatte mein Leben zerstört. Er hatte mir alles genommen.
Und ich? Ich hatte mich gegen jede Vernunft, trotz aller Warnzeichen, in ein überirdisches Wesen verliebt, das meine Familie getötet hatte. Mir wurde schlecht und meine Knie so instabil, dass ich mich mit letzter Kraft an einen der Fachwerkbalken festklammerte, die Levis wandloses Haus zwischen Schlaf- und Wohnbereich stützten, um aufrecht stehen zu bleiben.
»Du musst atmen, Heaven«, drang aus weiter Ferne eine Stimme an mein Ohr. »Atme!«
Warme Hände legten sich auf meine Wangen, umschlossen mein Gesicht. »Atme«, hörte ich Levi nun deutlicher, als würde mich die Berührung erden, mich aus dem überemotionalen Niemandsland zurückbringen, obwohl er die Wurzel allen Übels verkörperte, das über mich hereingebrochen war.
»Warum?«, wimmerte ich. »Warum hast du das getan?«
Levi ließ mein Gesicht los, zog mich an seine Brust und hielt mich in seinen Armen. Ich sträubte mich, aber mir fehlte die Kraft, etwas gegen ihn auszurichten.
»Ich habe deine Eltern nicht angerührt.« Seine Umarmung wurde trotz meines schwachen Widerstands fester. »Hörst du? Ich habe sie nicht angerührt. Das musst du mir glauben.«
Ich verstand, was er sagte, doch seine Worte ergaben keinen Sinn. Mit beiden Händen stemmte ich mich gegen seine Brust. Diesmal ignorierte er meine abwehrende Haltung nicht, sondern gab meinem dringenden Bedürfnis, auf Abstand zu gehen, nach.
»Wie soll ich dir überhaupt jemals wieder irgendetwas glauben?«, flüsterte ich mit brüchiger Stimme.
Angespannt rieb er sich über die Stirn, fuhr mit beiden Händen durch seine verwuschelten Haare und verschränkte sie im Nacken, während er mehrfach konzentriert ein- und ausatmete. Seine Augen wechselten flackernd die Farbe. Blau. Silber. Schwarz. Er kämpfte mit seinem inneren Dämon.
Eine fürchterliche Leere breitete sich in mir aus. Ich hatte ihm vertraut. Von Anfang an. Aber jetzt nicht mehr. Selbst wenn er mir Antworten auf all meine Fragen geben würde, hätte ich die Glaubhaftigkeit seiner Worte infrage gestellt. Dennoch musste ich wissen, was in jener Nacht geschehen war.
Levi gab seine Haltung auf, ließ die Arme sinken und machte einen Schritt auf mich zu. Ich wich zurück. Dadurch blieb die Distanz zu ihm unverändert, wirkte räumlich betrachtet minimal. In meinem Inneren sah es jedoch anders aus. Eine gigantische Kluft hatte sich zwischen uns gebildet.
»Vertrau mir, Heaven, bitte …«, erwiderte er matt. »Alles zu seiner Zeit. Ich –«
Langsam und bestimmt schüttelte ich den Kopf.
Levi verstummte. Er befeuchtete seine Lippen, bevor er weitersprach. »Zwing mich nicht dich noch mehr zu verletzen.«
Meine ohnmächtige Verzweiflung wandelte sich in enttäuschte Wut. »Noch mehr?«, wiederholte ich spöttisch. »Das schaffst du nicht …«
Levi schluckte hart. »Gut«, sagte er leise. »Wenn du meinen Worten keinen Glauben mehr schenken kannst, werde ich dir zeigen, was in der Brandnacht geschehen ist.«
Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und straffte die Schultern. Sein Blick veränderte sich, wurde fremd, ging durch mich hindurch, als würde ich nicht existieren. Der unruhige Farbwechsel seiner Augen verlangsamte sich. Das kristallklare Blau schwand zuerst, zurück blieb das flüssige Silber, ehe sich die undurchdringliche Schwärze ausbreitete, seine Haut den wunderschönen ätherischen Alabasterton annahm, sich das lebendige Blond seiner Haare zusehends verdunkelte, in tiefstes Schwarz überging und sich seine mächtigen Schwingen rauschend ausbreiteten. Dann stand der Dark Heart in all seiner zerstörerischen Pracht vor mir.
Meine innere Unruhe wuchs, steigerte sich, bis sie kaum mehr auszuhalten war. Ich wollte – nein, musste – erfahren, was in jener Nacht geschehen war, sosehr ich mich davor fürchtete, daran zu zerbrechen.
Wie in Zeitlupe streckte er mir seine offene Hand entgegen, wartete darauf, dass ich sie ergriff. Ich streifte den Rucksack von meiner Schulter, ließ ihn zu Boden fallen und kam ihm, ohne zu zögern, entgegen, obwohl sich alles in mir dagegen wehrte. Mich auf ihn einzulassen, ihm ein letztes Mal zu vertrauen, kostete mich größte Überwindung.
Der Dark Heart zog mich ganz nah an sich heran. Trotz allem, was er mir angetan hatte, gelang es mir nicht, mich dem betörenden Sog seines finsteren göttlichen Wesens zu entziehen. Egal, wie angestrengt ich dagegen ankämpfte, die Anziehungskraft war so viel stärker als ich, durchströmte jede Faser meines Körpers.
»Was auch immer gleich passiert«, flüsterte er, »du darfst unter keinen Umständen die Verbindung mit mir kappen. Wenn du das tust, Heaven, wird deine Seele in der Vergangenheit zurückbleiben und ich werde dich nicht retten können.«
Ich nickte. Dieses Risiko musste ich eingehen. »Das bedeutet, ich sterbe im Hier und Jetzt?«
»Ja.«
Ein hoher Preis, der höchste von allen. Dennoch war ich bereit ihn zu zahlen, um endlich die Wahrheit über den Verlust meiner Familie zu erfahren.
»Okay.« Das nervöse Pochen meines Herzens nahm zu. Ich spürte es im Hals und es hallte in meinen Ohren wider.
»Bist du dir sicher, dass du das wirklich willst?«
»Absolut sicher.«
Die Miene des Dark Heart wirkte genauso unergründlich wie seine Augen, während sich seine Flügel um mich legten, mich einwickelten und so eng umschlossen, bis ich glaubte unsere Körper würden miteinander verschmelzen. Dann spürte ich eine Hand in meinem Nacken, die andere an meiner Taille. Der wundervolle Duft voller Widersprüchlichkeiten verstärkte sich, kroch mir verführerisch in die Nase und vernebelte meine Sinne, ehe der Dark Heart sich langsam nach vorne beugte und ich sein überirdisches Flüstern vernahm. »Du wirst in meinem Körper sein, über meinen Verstand verfügen und durch meine Augen sehen. Was du fühlst, wird nicht unter meinem Einfluss stehen, aber du darfst dich nicht davon leiten lassen, wenn du dir selbst gegenüberstehst. Egal, wie sehr du dir auch wünschen wirst das Unvermeidliche aufzuhalten, versuch es gar nicht erst, denn es wird dir nicht gelingen. Die Vergangenheit ruht unumstößlich in sich und ist durch nichts und niemanden veränderbar.«
Ich war nicht fähig, in irgendeiner Art darauf zu reagieren. Dafür hatte mich der verzehrende Sog bereits viel zu sehr vereinnahmt. Ganz so, als stünde ich unter einem Bann und wäre kein Teil dieser Welt mehr.
Die Lippen des Dark Heart legten sich auf meine, besiegelten den Pakt endgültig, hüllten mich in dunklen Nebel, brachten mich zum Schweben und lösten mich von allem Irdischen los, während Raum und Zeit wie zarte Wolkengebilde an mir vorbeihuschten.
***
Nebraska, Pleasent Dale, dreizehn Jahre zuvor …
Umgeben von meinen Brüdern stand ich im Schutze der Dunkelheit zwischen den Bäumen und Sträuchern des gepflegten Gartens und beobachtete durch die großen Fenster das Treiben im Inneren des Hauses. Mutter, Vater, Großmutter und Kind saßen fröhlich um einen reich gedeckten Tisch, feierten Thanksgiving im engsten Kreis der Familie.
Ich wandte mich nach rechts, blickte rüber zu unserem Anführer. »Stib tu rid reel chersi, as tu as zrudien stilwe, rebdur?«
Lucian machte sich nicht die Mühe,...




