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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 162025, 144 Seiten
Reihe: Julia
Taylor Die falsche Braut des Wüstenkönigs?
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3500-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 162025, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-3500-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie soll den König von Nazrat heiraten? Tessa ist schockiert, als ihre Freundin verlangt, dass sie an deren Stelle für die Pflichtehe mit Kahan vor den Altar tritt. Da das Gesicht der Braut während der Zeremonie hinter einem Schleier verborgen ist, würde der Schwindel erst danach auffallen. Ein verrückter Plan - und Tessas einzige Chance, etwas über den Verbleib ihres geliebten Bruders herauszufinden, der auf einer Reise nach Nazrat verschwand. Widerstrebend stimmt sie zu. Dumm nur, dass sie sich bald wirklich nach Kahans Nähe sehnt ...
Anne Taylor hat schon früh ihre Liebe zum Schreiben entdeckt. Bereits als Kind hat sie sich Geschichten ausgedacht und zu Papier gebracht. Lesen und Schreiben ist für sie wie eine Reise in andere Zeiten und Länder. In der Wirklichkeit reist Anne Taylor vorzugsweise nach Bella Italia. Ihr Traumland ist allerdings Australien. Am liebsten verbringt die Autorin ihre Zeit mit ihrer Familie und ihren Haustieren, einer Katze und einem Meerschweinchen.
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1. KAPITEL
„Natürlich liebe ich Kahan nicht“, erklärte Kendra beiläufig, während der Privatjet auf der Landebahn des Flughafens von Nazrat aufsetzte. Gleißend helles Sonnenlicht fiel durch die schmalen Fenster des Jets. Eine Anzeige über der Tür zur Pilotenkabine informierte sie, dass die Außentemperatur sechsunddreißig Grad Celsius betrug.
„Aber – du willst ihn morgen heiraten!“
Tessa starrte ihre Freundin fassungslos an. Obwohl Freundin zu viel gesagt war. Vor zehn Jahren hatten sie zusammen eine noble und sehr teure Privatschule in England besucht, das war eigentlich alles, was sie verband. Bis sie sich in der vergangenen Woche zufällig in London über den Weg gelaufen waren und Kendra sie spontan eingeladen hatte, sie zu ihrer Hochzeit nach Nazrat, einem Königreich im Norden von Afrika, zu begleiten.
Kendra zuckte in ihrer schneeweißen Designerlederja-cke gleichgültig mit den Schultern. „Das ist ein Deal, den Daddy für mich ausgehandelt hat. Und ich gebe zu, dass es verlockend ist, Königin von Nazrat zu werden. Kahan ist ein mächtiger Mann, und das Land ist sagenhaft reich, dank der Diamantenfunde in den letzten Jahren. Eben ist wieder eine neue Mine im Norden des Landes entdeckt worden. Daddy bekommt dafür die Schürfrechte und ich … ich werde Kahans Frau. Dann nehme ich die höchste gesellschaftliche Stellung ein, die möglich ist. Alle meine Freundinnen müssen dann vor mir knicksen. Du auch!“
Sie lächelte Tessa süffisant an. Die schüttelte nachdenklich den Kopf. Sich auf diese Weise zu verkaufen – das hatte Kendra doch eigentlich nicht nötig. Ihr Vater war ein vermögender Geschäftsmann aus Nazrat, dessen Bergbau-konzern zu den größten der Welt zählte. Kendra fehlte es an nichts. In England gehörte sie zu den angesagten It-Girls, die unter den begehrtesten Junggesellen des Landes wählen konnten.
Wollte man wirklich immer noch mehr, auch wenn man eigentlich schon genug hatte? Tessa überlegte. Sie sagte sich, dass sie schon zufrieden wäre, eine hübsche kleine Wohnung zu besitzen und einen Job zu haben, der ihr ein anständiges Einkommen sicherte, anstatt ständig von der Hand in den Mund zu leben. Wenn man alles verloren hatte, wurde man bescheiden in den Ansprüchen. Aber vielleicht machte sie sich auch nur etwas vor.
Würde sie ablehnen, wenn ein König um ihre Hand anhalten würde? Auch wenn sie ihn nicht liebte? Wahrscheinlich nicht. Ein Leben in Reichtum und Sicherheit war nicht zu verachten, das hatte sie in den vergangenen zehn Jahren gelernt. Aber würde sie auch so denken, wenn alles noch so wäre wie früher? Wenn sie immer noch die verwöhnte Tochter eines Earls wäre und nicht eine überarbeitete und unterbezahlte Krankenschwester in einem Londoner Krankenhaus? Würde sie trotzdem mehr wollen?
Oder würde sie immer noch von der großen Liebe träumen, wie sie es als junges Mädchen getan hatte? Von einem Märchenprinzen, der mit ihr in seinem Sportwagen in den Sonnenuntergang brauste? Solche romantischen Gefühle hatte sie sich mittlerweile abgewöhnt. Sobald die Nachricht vom Ruin der Familie Gordon durchgesickert war, hatten sich die jungen Männer, die ihr den Hof gemacht hatten, sehr schnell verabschiedet. Das war ziemlich ernüchternd gewesen.
Kendra stand mit der ihr eigenen katzenhaften Eleganz auf. Ihr Make-up war auch nach dem fast fünfstündigen Flug von London nach Azira, der Hauptstadt von Nazrat, immer noch makellos, ihr üppiges rabenschwarzes Haar fiel ihr in sanften Wellen über die Schultern. Tessa fasste rasch ihr eigenes langes blondes Haar am Hinterkopf zusammen, drehte es zu einem Chignon und steckte es mit einer Spange fest. Bei den zu erwartenden Temperaturen war eine Hochsteckfrisur bestimmt die beste Lösung.
Trotzdem schnappte sie überrascht nach Luft, als die Tür des Jets sich öffnete und sie mit Kendra auf die Gangway trat. Nach dem kühlen, regnerischen London kam ihr das heiße Wüstenklima Nazrats vor wie ein Schlag ins Gesicht. Im Nu war Tessa schweißgebadet. Rasch setzte sie ihre Sonnenbrille auf, um sich vor der gleißenden Sonne zu schützen. Neben dem silbrig glänzenden Jet, in dem sie gereist waren, wartete eine schwarze Stretchlimousine. Ein Chauffeur in Uniform lud ihr Gepäck in den Kofferraum – Tessas einzelnen alten Lederkoffer und Kendras zwölf Designergepäckstücke.
Deutlicher lässt sich unser gesellschaftlicher Abstieg wohl nicht zeigen, dachte Tessa seufzend. Ob Kendra sie deshalb eingeladen hatte – um neben dem Aschenbrödel besser glänzen zu können? Aber was immer der Grund war, Tessa wusste, dass sie ihr dankbar sein musste für die Möglichkeit, Nazrat zu besuchen, auch wenn die Einladung völlig überraschend für sie gekommen war. Wie sonst hätte sie jemals in das sagenumwobene Königreich mit seinem unglaublichen Reichtum und Luxus gelangen sollen? Und vielleicht konnte sieendlich herausfinden, was mit Neil geschehen war?
Ihr jüngerer Bruder war das Wichtigste in Tessas Leben. Nachdem sie ihren gesamten Besitz verloren hatten, war es ihre Aufgabe gewesen, sich um ihn zu kümmern. Neil war damals gerade erst sechzehn gewesen. Er war gezwungen, an eine öffentliche Schule zu wechseln und litt sehr unter den chaotischen Zuständen. Mit neunzehn musste Tessa plötzlich Mutter und Vater für ihn sein, nachdem ihre eigene Mutter einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte und wochenlang unfähig gewesen war, irgendetwas zu tun. Es fiel Tessa zu, ihren Umzug in eine kleine Wohnung zu organisieren und einen Job für sich zu suchen, um die Familie über Wasser zu halten. Lady Gordon lebte jetzt in Südspanien und genoss ihr Leben in der Sonne. Zu ihren Kindern hatte sie kaum noch Kontakt.
Das war jetzt acht Jahre her, trotzdem verspürte Tessa bei dem Gedanken immer noch einen Stich in der Brust. Konnte man seine Vergangenheit einfach so abschütteln, als hätte sie niemals existiert? Sie wurde jeden Tag, an dem sie in ihrem winzigen Apartment in einem Londoner Vorort aufwachte, daran erinnert, dass nichts in ihrem Leben mehr so war wie zuvor. Nachdem sie alles hatten veräußern müssen, um die Schulden ihres Vaters abzubezahlen, war ihr nicht einmal mehr das sprichwörtliche letzte Hemd geblieben. All die Antiquitäten, ihre teuren Kleider – selbst ihr geliebtes Reitpferd war unter den Hammer gekommen.
Neil war alles, was ihr noch an Familie geblieben war. Während sie erschöpfende Schichten in einem öffentlichen Krankenhaus mit langen Dienstzeiten und schlechter Bezahlung arbeitete, hatte er eine Karriere als freischaffender Journalist eingeschlagen. Tessa war sehr stolz auf ihn gewesen, als sein erster Artikel bei einer namhaften Zeitung erschienen war. Seitdem hatte er sich einen Namen als Reisejournalist gemacht, der aus den entlegensten Teilen der Welt berichtete.
Doch seit vor drei Monaten der Kontakt zu ihm abgerissen war und sie kein Lebenszeichen mehr von ihm erhalten hatte, war sie fast krank vor Sorge. Natürlich war ihr klar, dass sie nicht immer regelmäßige Nachrichten von ihm erwarten konnte, aber eine so lange Funkstille hatte es noch nie gegeben. Irgendetwas war geschehen, da war sich Tessa sicher. Er hatte ihr noch in einer E-Mail geschrieben, dass er sich in Nazrat aufhielt und einem Skandal auf die Spur gekommen war und dann – nichts mehr.
Deshalb hatte sie keinen Moment gezögert, Kendras Angebot anzunehmen. Vielleicht konnte sie vor Ort herausfinden, was mit Neil geschehen war. Mit klopfendem Herzen stieg Tessa in die wartende Limousine. In der Ferne ragten die beeindruckenden Wolkenkratzer der Hauptstadt Azira auf. Die Metropole galt als das Dubai Nordafrikas. Dank umfangreicher Diamantenfunde war Nazrat ein reiches Land, das alles daransetzte, mit luxuriösen Hotels und Geschäften Touristen anzuziehen.
Nachdenklich starrte Tessa aus dem Seitenfenster, als die Limousine sich in den Verkehr vor dem Flughafen einfädelte und auf einer fünfspurigen Autobahn Richtung Azira fuhr. Was würde Nazrat für sie bereithalten? Würde sie endlich herausfinden, warum Neil sich nicht mehr meldete?
Kahan stand auf dem Balkon seiner Privatsuite und schaute hinunter in den Innenhof des Palasts, in dem geschäftiges Treiben herrschte. Zahllose Dienstboten eilten hin und her, um die Vorbereitungen für den kommenden Tag abzuschließen. Zur Hochzeit des Königs musste der Palast seiner Vorfahren sich von seiner besten Seite zeigen.
Kahan zweifelte nicht daran, dass sein Haushofmeister jede Ecke des riesigen Gebäudes auf Hochglanz hatte polieren lassen. Staatsmänner und gekrönte Häupter aus der ganzen Welt wurden für die Zeremonie erwartet, die mit einem Bankett abgeschlossen wurde, das sich bis in die Morgenstunden des darauffolgenden Tages ziehen würde.
Kahan sah der Feier mit stoischem Gleichmut entgegen. Er legte wenig Wert auf Pomp und Luxus. Aber natürlich wusste er, dass er als Oberhaupt von Nazrat der Welt und seinen Gästen schuldig war, ein Spektakel zu liefern, an das man sich noch lange erinnern würde.
Schließlich hatte schon die Hochzeit seines Vaters mit seiner zweiten Frau Leyana vor fünf Jahren länger als eine Woche gedauert und mehrere Millionen gekostet. Bei dem Gedanken daran verkrampfte sich Kahan der Magen immer noch. Wie hatte sein Vater nur so tief sinken können, eine Frau zu heiraten, die jünger als sein ältester Sohn war? Aber sein Vater war schon seit langer Zeit nicht mehr er selbst, musste Kahan sich bedrückt eingestehen.
Eine beginnende Demenz hatte dafür gesorgt, dass der alte König vor drei Jahren abdanken musste, weil er nicht mehr in der...




