Terrid | Mythor 88: Der Kampf um die Burg | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 88, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Terrid Mythor 88: Der Kampf um die Burg


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9840-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 88, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9840-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Mythor, der Sohn des Kometen, hat in der relativ kurzen Zeit, da er für die Sache der Lichtwelt kämpfte, bereits Großes vollbracht. Nun aber hat der junge Held Gorgan, die nördliche Hälfte der Welt, verlassen und Vanga, die von den Frauen regierte Südhälfte der Lichtwelt, erreicht, wo er von der ersten Stunde seines Hierseins an in gefährliche Geschehnisse verstrickt wurde. Diese Geschehnisse nahmen ihren Anfang im Reich der Feuergöttin, wo Mythor für Honga, einen aus dem Totenreich zurückgekehrten Helden, gehalten wurde. Es kam zur Begegnung mit Vina, der Hexe, und Gerrek, dem Mann, der in einen Beuteldrachen verwandelt worden war. Es folgten Kämpfe mit Luftgeistern und Amazonen, es kam zu Mythors Gefangenschaft, zur Flucht und zu erneuten Kämpfen mit denen, die sich an Mythors Fersen geheftet hatten. Gegenwärtig setzt Mythor alles daran, den Hexenstern zu erreichen, wo er seine geliebte Fronja, die Tochter des Kometen, in schwerer Bedrängnis weiß. Doch Mythors Pläne lassen sich noch nicht realisieren - das Schicksal will es anders! Unser Held wird in die Auseinandersetzungen zwischen den Amazonen von Horsik und denen von Narein verwickelt. Er wird zum Teilnehmer am KAMPF UM DIE BURG ...

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1.


Wie ein Band strahlender goldfarbener Sterne zog der Ring der Lagerfeuer sich um die Burg. An jedem Feuer saßen etliche Belagerer, brieten ihr Fleisch, ließen sich's wohl sein und freuten sich darauf, in den nächsten Tagen die Burg zu stürmen. Sie scherzten, tranken Bier und Wein oder stellten den Marketendern nach oder den Buhlmännchen, die es wohl in jedem Heer in Haufen gab.

So ungefähr stellte sich Phyter die Szenen vor, die sich jenseits der Befestigungsanlagen von Burg Narein abspielten. Er stand auf der Spitze des höchsten Turmes und schaute über das Land, das vom Halbmond beschienen wurde. Wolken trieben über den nächtlichen Himmel Ganzaks; der Herbst hatte gerade begonnen.

Dieser Tag war kalt gewesen. Phyter zog den Mantel enger um die Schultern.

Eigentlich hatte er dort oben nichts zu suchen. Die Zinnen und Wehrgänge der Burg waren für die Wachen bestimmt, die mit gleichmäßigem Schritt die Wälle abmarschierten und nach dem Rechten sahen.

Von der eigentlichen Burg waren die Belagerer nicht weit entfernt. Die Kernburg selbst – im Innern in mehrere Sturmabschnitte zusätzlich unterteilt – war umgeben von einem weiten Kranz von Gebäuden, in denen die Menschen wohnten, die Narein bevölkerten. Es gab dort Unterkünfte für die Feldsklaven, für herumziehende Händler, die auf den Marktplätzen ihre Waren feilboten. Es gab Silos und Kaschemmen, kleinere und größere Handelshäuser, Badestuben und vielerlei mehr.

All dies wurde umgeben von der ersten, der äußersten Mauer. Sie war gesichert mit Wall, Graben und Palisaden, und es würde die Belagerer erhebliche Mühe kosten, auch nur dort einzudringen. Auf dem äußersten Wall der Festung schritten die Wachen ihre Runden ab. Sie würden als erste Gelegenheit haben, sich im blutigen Kampf mit Ruhm und Ehren zu bedecken. Phyter hätte am liebsten dort draußen seinen Abendspaziergang gemacht, sich vielleicht sogar herausgeschlichen an die Lagerfeuer der Horsikerinnen, um dort zu lauschen und wertvolle Kunde zu gewinnen über die Pläne der Gegnerinnen.

Man ließ ihn nicht, das war Phyters stiller Verdruss. Er sah nach Norden, wo sich jetzt Mythor herumtrieb. Der hatte bewaffnet die Burg verlassen dürfen, wie sich Phyter neidvoll erinnerte.

Unter ihm wurde gerade eine Wache abgelöst. Alles war ruhig, und wäre der Belagerungsring nicht gewesen, hätte man sich schwerlich ein friedfertigeres Bild ausmalen können. So ähnlich sah es aus, wenn die Herrinnen von Narein eines ihrer berühmten Feste gaben. Dann strömten Schaulustige von nah und fern her, und dann wurde Narein von einem ähnlichen Feuerkranz umgeben wie in dieser Nacht.

Phyter wollte sich gerade anschicken, den Turm zu verlassen, hinabzusteigen in die Stille seiner Kammer und zur Chronik von Narein die Bemerkung hinzufügen, dass es an diesem Abend wieder ruhig gewesen war, als er drüben etwas bemerkte.

Eines der Feuer bei den Belagerern loderte plötzlich besonders hell auf, und wenig später stieg eine funkenspeiende Feuerkugel in den dunklen Himmel auf und kam herangeflogen.

»Schlecht gezielt«, bemerkte Phyter sachkundig.

Eine der großen Ballisten der Belagerer hatte eine Kugel aus Werg und Pech in die Burg geschossen. Jenseits der ersten Mauer blieb das Geschoss liegen.

»Feuer!«, schrie eine gellende Stimme. »Brandwachen, her zu mir.«

»Nichts Neues fällt ihnen ein«, murmelte Phyter. Mit diesen Handlungen begannen alle Eroberungsversuche, die die Horsikerinnen bisher unternommen hatten – als erstes wurde versucht, einen Teil des Vorwerks einzuäschern. Jetzt kamen in rascher Folge die Geschosse herangeflogen. Klatschend barsten die Pechkugeln auf dem Boden, brennende Fetzen flogen umher, verfingen sich in den Häusern, und die sonnentrockenen Dächer fingen beinahe sofort Feuer.

In der Vorburg wurde es lebendig. Männerkreischen war zu hören, dazwischen die energischen Stimmen der Kriegerinnen. Zwei von Swiges Amazonen leiteten die Abwehr und die Feuerbekämpfung.

Der Sommer war regenarm gewesen, auch das Holz der Hauskonstruktionen war zapftrocken. Nach kurzer Frist brannte eine ganze Häuserzeile. Das Geschrei wurde lauter.

Vieh wurde aus den lichterloh brennenden Stallungen geholt und in Sicherheit gebracht. Menschen konnten ihre Behausungen im letzten Augenblick verlassen, schwer bepackt, bevor die Hütten prasselnd zusammenstürzten.

Phyter verfolgte das Geschehen vom Turm aus. Er konnte im Licht der brennenden Häuser auch sehen, wie zehn Kriegsmägde eine Balkenschleuder in Stellung brachten. Das Katapult verschoss, einen riesigen Bogen gleich, schenkeldicke Speere. Phyter sah, dass die Schützinnen auf die gegnerische Balliste zielten. Trafen sie sie, dann war das gegnerische Geschütz außer Gefecht gesetzt, und die Bedienungsfrauschaft auch.

Mit einem hässlichen Geräusch schnellte die handfesseldicke Sehne nach vorn. Nach einem Augenblick war das Geschoss in der Dunkelheit verschwunden – aber ein paar Herzschläge später ertönte Wutgeschrei bei den Horsik-Kämpferinnen, und eine Funkensäule, die dort in die Höhe wirbelte, wo die Feuer-Balliste gestanden hatte, bewies, dass die Narein-Kämpferinnen genau gezielt hatten.

Dafür aber hatten die Nareiner mehr als genug zu tun, den Brand zu löschen, der in einem der zahlreichen Vorwerke ihrer großen Burganlage tobte. Mit Rammen und Spitzhacken gingen die Verteidiger noch unversehrten Häusern zu Leibe und rissen sie ein, schleppten das Holz und das Stroh weg, bevor es Feuer fangen konnte. Andere Häuser, zumal in Richtung des auffrischenden Windes gelegen, wurden befeuchtet, damit sie sich nicht durch Funkenflug entzünden konnten.

Die Burgbewohner hatten mehr als genug zu tun, den Schaden in erträglichen Grenzen zu halten. Sie wussten aber, dass dies erst der harmlose Anfang der Belagerung war.

An den anderen Verteidigungsabschnitten war es ruhig. Dort erloschen nacheinander die Lagerfeuer der Belagerer – jedenfalls wurden sie für Phyter unsichtbar.

Unterdessen hatten die Horsikerinnen ein paar Hundertschaften ihrer Kriegerinnen in Bewegung gesetzt. Sie strebten jenem Abschnitt entgegen, an dem sich die Verteidiger massiert hatten – allerdings waren die Nareiner mit Feuerlöschen hinreichend beschäftigt.

Phyter ballte die Fäuste. Ein Schwert wollte er haben, hinunterlaufen, die Palisade mit eigener Faust schirmen. Die Horsikerinnen setzten an dieser Stelle zum Sturm an.

Und sie waren gut, diese elenden Weiber. Phyter knirschte mit den Zähnen, aber er zollte den Horsikerinnen die Anerkennung, die sie verdienten.

Die Nareiner, die nicht damit gerechnet hatten, dass die Horsikerinnen genau da angreifen würden, wo man sie am besten frühzeitig sehen konnte, wurden ein wenig überrascht.

Ein Widder legte die Palisade nieder, dann wälzte sich eine wild brüllende Kriegerinnenschar über die Trümmer hinweg.

Dahinter lag der Graben, nur knapp brusthoch, aber dafür zwanzig Mannslängen breit. Sumpfig war er, und am Boden lag allerlei Spitzes, das die Beine verletzen konnte.

Viel Blut konnte der Übergang über dieses Hindernis nicht kosten – wohl aber Zeit. Mühsam musste ein Bein vor das andere gesetzt werden, und derweilen konnten die Nareiner Bognerinnen Maß nehmen für ihre gefiederten Geschosse.

An diesem Abend hatten die Horsikerinnen Glück. Zwar schrie sich Phyter die Kehle wund, als er vor der Horde warnte, aber sein Schreien verhallte. Die Kriegerinnen der Horsik-Sippe durchwateten den Graben, und sie verloren dabei kaum Kämpferinnen, da sich niemand um sie zu kümmern schien. Sobald sie am jenseitigen Ufer gelandet waren, griffen sie an.

Jetzt hielt es Phyter nicht länger auf seinem Beobachtungsplatz. Er hastete die steinernen Stufen hinab, verließ den Turm und rannte über den inneren Burghof.

Burg Narein besaß insgesamt fünf kleinere und größere Höfe, und jede dieser Flächen musste vom Gegner gesondert erobert werden. Auf dem höchsten Hof standen die Gebäude, in denen die Amazonen von Narein wohnten, und dieser Teil war stets das eigentliche Ziel des Angriffs der Horsikerinnen gewesen.

Phyter durchquerte den ersten Burghof, dann den zweiten. Am Tor zum Vorhof wurde er aufgehalten, aber man ließ ihn durch. Phyter rannte weiter.

Das Haupttor der Burg stand weit offen. Die Fallgitter waren hochgezogen. Ein Menschenstrom wälzte sich über die Planken der Zugbrücke, Vieh wurde ins Innere der Festung geführt.

Phyter schob sich durch das Gedränge, dem Feuerschein entgegen. Er wandte sich nach rechts. Dort griffen die Horsikerinnen an.

»Los, kommt mit!«, schrie er einer Schar Kriegsmägde zu, die unschlüssig schienen.

»Verschwinde«, riefen sie Phyter zu und machten heftige Gebärden. »Das ist nicht deine Sache.«

Aber Phyter dachte nicht daran, seine Pläne zu ändern. Er rannte weiter, auf den bedrohten Abschnitt der Burg zu.

Er konnte nicht übersehen, was sich dort abgespielt hatte, aber er konnte ermessen, wie die Horsikerinnen wüteten, wenn er die Gesichter der Fliehenden betrachtete.

Er musste sich anstrengen, um die Flut der Flüchtlinge durchqueren zu können. Er brauchte viel Zeit dazu, aber er schaffte es.

Irgendwo fand er ein Schwert, das er hastig aufnahm, und als er endlich einen freien Platz fand, war er zum Kampf bereit.

Zur Rechten sah er Trümmerhaufen, auf denen noch die Glut tanzte. Zur Linken stiegen gerade neue Brände in den Nachthimmel.

Wo waren die Horsikerinnen, wo die Narein-Kämpfer? Phyter fand auf den ersten Blick niemanden.

»Verschwinde, Bursche!«, hörte er eine raue Kommandostimme.

Zur Rechten erschienen die Narein-Kämpferinnen, mindestens eine...



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