E-Book, Deutsch, Band 14, 170 Seiten
Reihe: Time Squad
Terrid Time Squad 14: Die Zeit-Festung
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5112-5
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 14, 170 Seiten
Reihe: Time Squad
ISBN: 978-3-8328-5112-5
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Time Squad ist eine deutsche Science-Fiction-Serie, die in 21 Heften zwischen 1977 und 1985 erschien. Die Protagonisten der Serie sind die Agenten der Zeitpolizei, die zu verschiedenen Zeitpunkten und an den unterschiedlichsten Orten die Gegner der Menschheit bekämpfen und Veränderungen der Zeitlinie verhindern.
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1.
Der Fleischsaft quoll ihm zwischen den Zähnen hervor, sickerte am Mundwinkel hinab und tropfte durch die Barthaare auf den Schoß des Essers. Pheldor kyr Rhynar ließ es sich schmecken.
Seine Kollegen und Gefährten taten es dem Ritter gleich, und ihre Manieren waren noch um einiges schlimmer als das Betragen des Ritters zu Rhynarstein. Es gab noch keine Gabeln auf Monsalvasch, wie wir den Planeten nannten. Die Eingeborenen – deren Pheldor kyr Rhynar einer war – nannten die Welt Shyftan, die Sonne Shyf und den Kontinent zu unseren Füßen Hirath.
Der größte Teil der Gäste näherte sich einem prachtvollen Rausch. Es war unglaublich, was diese Burschen in ihre Kehlen schütteten, ohne sich dabei eine tödliche Alkoholvergiftung einzuhandeln.
Wir hielten uns vorsichtig zurück, nicht zuletzt, weil an der Spitze der hufeisenförmigen Tafel unsere Chefin saß – thronte, wäre der passendere Ausdruck gewesen.
Ausnahmsweise hatte sich Demeter Carol Washington von ihrer Lieblingskleidung getrennt. Sie trug weder abgewetzte Jeans noch ein weites, buntkariertes Baumwollhemd. Der Himmel mochte wissen, wie sie es geschafft hatte, ein schulterfreies Abendkleid zu besorgen – aber genau das trug sie an diesem Abend. Das Kleid war schneeweiß, und das allein hatte genügt, die Einwohner von Monsalvasch fast um den Verstand zu bringen. Da sie weder anionische Tenside noch nichtionische Tenside kannten, von Phosphaten, Silikaten, optischen Aufhellern, Enzymen, Bleichmitteln, Duftstoffen und Hilfsstoffen gar nicht zu reden – aus diesem Gemenge bestanden nämlich die Zauberprodukte der irdischen Waschmittelindustrie –, war selbst die tüchtigste Hausfrau von Shyftan nicht in der Lage, ihrer Wäsche das superstrahlende Weiß zu geben, das auf der Erde selbstverständlich war. Dazu kam das kupferfarbene Haar unserer Chefin, die grünlichen Augen und eine Figur, die von dem Kleid dezent hervorgehoben wurde... Die Shyftaner jedenfalls waren hingerissen.
Vor allem dieser König – Asgarn, Edler von Gynhall, König zu Hirath und so weiter und so fort – schielte derart begehrlich zu D.C. hinüber, daß es fast schon peinlich wirkte. Mir jedenfalls ging dieser Blick auf die Nerven. Der König war immerhin gutgewachsen, sonnenverbrannt, sehr sportlich und mit den leicht ergrauten Schläfen ausgestattet, die angeblich verheerend wirken sollten. Asgarn war Witwer und König, eine ausgesprochen reizvolle Kombination. Daß er eine Tochter hatte, die nach den Vorstellungen der Shyftaner bereits heiratsfähig war, störte den König nicht im mindesten.
Die Tochter, Smerdis hieß das Mädchen, saß an Demeters linker Seite und himmelte die Chefin mindestens so intensiv an wie ihr Vater, wenn auch mit anderer Begründung. Am Tisch saßen nämlich auch noch einige Männer, die sich um die Hand dieses Mädchens zankten.
Da war Pheldor kyr Rhynar, der fest davon überzeugt war, daß er mit einem wuchtigen Hieb seiner Streitaxt dem gefürchteten Monstrum von Lhallwyn den Garaus gemacht hatte. Der Ritter war ein Hüne von Gestalt und wirkte hochgradig verfettet. Zuschlagen konnte er dennoch für drei, essen für vier, und die Grenzen seiner Trinkfestigkeit verloren sich im Grenzenlosen.
Da war Shandrak, der Schwarze, ein schweigsamer, hagerer Mann, ganz in schwarzes Leder gekleidet. Er hatte seine mörderische Harpune dem Monstrum von Lhallwyn in den Leib gejagt und es so zur Strecke gebracht. Als gesuchter Verbrecher, der nur von der Gnade seiner Herren abhängig war, hatte er naturgemäß keine Aussichten auf die Hand der Prinzessin.
Zur Tafelrunde gehörten weiterhin zwei Mitarbeiter der Time-Squad, Inky (alias Anastasius Immekeppel) und Winnetou (alias Charriba White Cloud). Beide hatten mit ihren Lasern auf das Monstrum von Lhallwyn gefeuert und auch getroffen. Ich stellte mit nicht geringem Vergnügen fest, daß zumindest Inky ab und zu den Blick zwischen den beiden Frauen pendeln ließ.
Und da war ich, Tovar Bistarc, der nur einen Hebel umgelegt hatte. Danach hatte das Monstrum von Lhallwyn keine Energie mehr bezogen. Die Maschine, der es seine Existenz verdankte, war stillgelegt.
»Auf die Chefin von Lhallwyn!« rief Pheldor kyr Rhynar und hob den Humpen. D.C. verbeugte sich leicht und griff nach ihrem Glas. Sie nahm einen Schluck von dem Wein, einen kleinen Schluck, wohingegen Pheldor einen tiefen Zug aus dem Humpen nahm und ihn danach knallend auf dem Tisch absetzte.
Im Hintergrund drehte sich über einem offenen Feuer ein Schwein, von dem die Bediensteten immer wieder Scheiben abschnitten, um damit den Hunger ihrer Herrschaften zu stillen. Und dieser Hunger war gewaltig.
Es war unglaublich, welche Mengen unsere neuen Freunde verzehren konnten.
Joshua Slocum stieß mich an. Wir saßen am rechten Ausläufer des Hufeisens.
»Das Mittelalter hat auch seine Vorzüge, nicht wahr?« sagte er halblaut. »Hier versteht man wenigstens zu feiern.«
»Mag sein«, gab ich leise zurück. »Aber so, wie ich Demeter kenne, geht es morgen schon wieder los.
Unsere verehrte Chefin kennt keinen Urlaub, weder für sich noch für andere.«
Es schepperte ein wenig, als der erste Gast unter dem Tisch verschwand. Offenbar neigte sich das Fest seinem Ende entgegen.
Ich stand auf, entbot mit einer gekonnten Verbeugung der Chefin meinen Gruß und ging zum Fenster hinüber. Glas gab es nicht in diesen Fenstern, das Material war auf Shyftan noch unbekannt. Entsprechend zugig waren daher die Gemäuer, in denen selbst die Edlen des Landes hausten.
Der Mond von Shyftan schien auf ein friedliches Land herunter. Ich konnte die Zelte auf dem Vorfeld der Burg sehen, den Schein der Feuer, an denen die Soldaten aus Asgarns Gefolge saßen und ebenfalls feierten.
Dieses Land sollte künftig unsere Heimat sein, für lange Zeit, wie mir erschreckend deutlich wurde. An diesem Punkt sollte unsere Flucht zu einem vorläufigen Ende kommen.
Ich sah auf die Uhr an meinem Handgelenk. Auf dieser Welt nützte das Instrument nichts. Es zeigte mir, daß es später Abend war, und diese Übereinstimmung war purer Zufall, nicht mehr. Die Uhr sagte mir auch, daß wir das Jahr 2368 schrieben, und auch diese Angabe war alles andere als zuverlässig. Wir hatten zwei Transporte durch Raum und Zeit hinter uns. Der eine hatte uns erwiesenermaßen mehr als zwei Jahrtausende in die Zukunft geführt. Welche Zeit der Transport von Delta Rebecca nach Shyftan in Anspruch genommen hatte, wußten wir nicht. Es konnten Jahrtausende sein, es war aber auch möglich, daß die Verbindung zwischen den beiden Welten praktisch ohne Zeitverlust funktionierte. Auch dies gehörte zu den Problemen, die wir zu lösen hatten und deren es wahrlich genug gab.
Eines dieser Probleme lagerte im Keller des Schlosses von Lhallwyn, war grünlich und geschuppt und von den Eingeborenen als das ›Monstrum von Lhallwyn‹ bezeichnet worden. Diesen Beinamen hatte sich das scheußliche Ungetüm redlich verdient, ich konnte mich nicht erinnern, jemals einer so widerlichen und gefährlichen Bestie begegnet zu sein.
Ein anderes Problem hörte auf den angenehm klingenden Namen ›Goldene Sieben‹. Darunter hatten wir uns die Herrscher des zweiten großen Kontinents vorzustellen, den es auf Shyftan gab. Es handelte sich um sieben Ritter in goldenen Monturen, die aber im Gegensatz zu ihrer Ausrüstung eher der Schrecken als der Glanz des Landes waren. Sie hausten in einem Gebäude, das allgemein als Festung bezeichnet wurde.
»Nachdenklich?«
Inky hatte sich fast geräuschlos an meine Seite geschoben. Er hielt einen Pokal in der Hand und nippte an dem Wein.
»Ich überlege, was uns die nächste Zeit bringen wird«, sagte ich halblaut. Ich drehte mich um und lehnte mich an die Wand. Von den Gästen lag die Hälfte bereits unter dem Tisch. Der König erleichterte sich gerade in einem donnernden Rülpser, danach deutete er mit der Grazie eines unverkennbar Volltrunkenen an, wie sehr er es bedauere, Demeters zarte Ohren durch so ungebührlichen Lärm... und so fort. D.C. ließ die Tirade mit einem geradezu verklärten Gesichtsausdruck über sich ergehen. Sie beherrschte sich mustergültig.
»Eines steht fest«, murmelte Inky. »Früher oder später werde ich diesen Asgarn vertrimmen, wenn er nicht aufhört, Demeter wie ein verliebter Kater anzuschnurren.«
Inky war – und das traf auf beinahe jeden Junggesellen der Time-Squad und eine erhebliche Zahl der verheirateten Mitglieder zu – in unsere Chefin verliebt. Das war nicht weiter verwunderlich, aber ziemlich hoffnungslos, da Demeter mit Gunstbeweisen geizte wie ein Schotte aus dem Bilderbuch mit Geld.
»Wir können uns um die Zeitmaschine kümmern, die im Keller der Burg steht«, zählte ich auf. »Wir können uns um die geheimnisvolle Festung kümmern. Wir können einen Vorstoß zur Erde wagen.«
»Dort treiben sich die Nokther herum«, warf Inky ein.
Ich hatte es nicht vergessen. Die Erinnerung an die Invasion der Echsenwesen war noch frisch und plastisch.
Unsere gute alte Erde stand am Beginn eines grauenvollen Krieges, von dem wir wußten, daß er länger dauern würde als alle früheren Kriege der Menschheitsgeschichte zusammengenommen. Was die geheimnisvollen Oberen planten, die sowohl die Menschen als auch die Nokther kontrollierten, wußten wir nur annähernd – eines ihrer Ziele war, die Menschheit in einem ununterbrochenen Verschleißkrieg zu einer Rasse von unerbittlich harten Kämpfern zu machen, die natürlich stets im Dienste der Oberen stehen würde.
Wir wußten nicht einmal, wie diese Oberen auch nur aussahen, und doch dachten wir immer wieder an den Kampf, den wir mit diesem Gegner auszutragen hatten. Noch war die Time-Squad nicht geschlagen, noch...




