Teufel / Soll | Autismus-Spektrum-Störungen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 151 Seiten

Reihe: Psychologie im Schulalltag

Teufel / Soll Autismus-Spektrum-Störungen


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8409-3075-1
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 151 Seiten

Reihe: Psychologie im Schulalltag

ISBN: 978-3-8409-3075-1
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Das Unterrichten von Schülerinnen und Schülern mit der Diagnose „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) stellt für Lehrkräfte oftmals eine Herausforderung dar, denn die Besonderheiten der Betroffenen wirken sich sowohl auf lernpsychologische Prinzipien als auch auf das soziale Miteinander im Klassenverband aus. Das Buch bietet zunächst einen Überblick zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über ASS: Es werden Erscheinungsbilder, mögliche Ursachen sowie (lernpsychologische) Folgen erläutert. Dies beinhaltet auch Erläuterungen zu den daraus resultierenden herausfordernden Verhaltensweisen wie z.B. impulsive und (auto-)aggressive Durchbrüche, mangelnde Flexibilität oder Festhalten an Routinen. Der theoretische Teil endet mit der Darstellung des diagnostischen Prozesses.
Auf dieser Wissengrundlage werden praktische Hilfsmöglichkeiten vorgestellt, die im schulischen Alltag eingesetzt werden können, um eine förderliche Lernsituation für alle zu schaffen. So werden z.B. Werkzeuge zur Stärkung der Handlungsplanung sowie zum Ausbau der Orientierungs- und Strukturierungsfähigkeiten aufgezeigt. Darüber hinaus werden Tipps für die Gestaltung offenerer Situationen (wie Pausen) und zur Kontaktgestaltung mit Gleichaltrigen an die Hand gegeben. Auch sozialrechtliche Aspekte wie Teilhabeassistenz, Nachteilsausgleich etc. werden erläutert. Dieses Buch gibt Lehrkräften eine fundierte und praxisbezogene Unterstützung im Umgang mit autismusspezifischen Besonderheiten an die Hand, damit Lernende mit einer ASS ihr Potenzial bestmöglich entfalten können.

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Zielgruppe


(Angehende) Lehrkräfte aller Schularten, Beratungslehrer_innen, Schulpsycholog_innen, Sozialpädagog_innen, Teilhabeassistent_innen.

Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;7
2;Einleitung;11
3;1Fallbeispiele;14
3.1;1.1Paul – Asperger-Syndrom;14
3.2;1.2Clara – Frühkindlicher Autismus;16
4;2Phänomene und definitorische Festlegungen;17
4.1;2.1Symptomatik und Erscheinungsbilder;17
4.1.1;2.1.1Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion;18
4.1.2;2.1.2Beeinträchtigungen der Kommunikation und Sprache;19
4.1.3;2.1.3Eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster und Interessen;20
4.2;2.2Häufigkeit;22
4.3;2.3Komorbiditäten (Begleitstörungen);23
5;3Ursachen;25
5.1;3.1Biologisch-genetische und Umweltrisikofaktoren;25
5.2;3.2Veränderte Gehirnentwicklung und -differenzierung;27
5.3;3.3Familiäre Häufung;28
5.4;3.4Ausgeschlossene Risikofaktoren;28
6;4Folgen;30
6.1;4.1Aufmerksamkeit;31
6.1.1;4.1.1Fokussierte Aufmerksamkeit;33
6.1.2;4.1.2Geteilte Aufmerksamkeit;33
6.1.3;4.1.3Gemeinsame Aufmerksamkeit („Joint Attention“);34
6.2;4.2Soziale Kognition;35
6.2.1;4.2.1Imitation;37
6.2.2;4.2.2Theory of Mind;37
6.3;4.3Verhaltenssteuerung und Selbstregulation;40
6.3.1;4.3.1Handlungsplanung und Problemlösen;41
6.3.2;4.3.2Kognitive Flexibilität;43
6.3.3;4.3.3Emotionale Selbstregulation;43
6.4;4.4Wahrnehmungsbesonderheiten;44
6.4.1;4.4.1Sensorische Überempfindlichkeit;46
6.4.2;4.4.2Sensorische Unterempfindlichkeit;46
6.4.3;4.4.3Lokaler vs. globaler Informationsverarbeitungsstil;47
6.5;4.5Motorik;49
6.6;4.6Neuropsychologische Besonderheiten als Ressource;50
7;5Diagnose;52
7.1;5.1Allgemeiner Ablauf der Diagnostik;52
7.2;5.2Screening-Instrumente;54
7.3;5.3Entwicklungs-/Leistungsdiagnostik;56
7.4;5.4Autismusspezifische Diagnostikinstrumente;58
8;6Interventions- und Fördermaßnahmen;62
8.1;6.1Didaktisch-methodische Hilfen für den Unterricht;65
8.1.1;6.1.1Visuelle Strukturierungshilfen;65
8.1.2;6.1.2Prompting;78
8.1.3;6.1.3Lernen durch Konsequenzen;81
8.1.4;6.1.4Soziales Lernsetting;90
8.1.5;6.1.5Gerechte Benotung?;90
8.1.6;6.1.6Unterrichtsgestaltung und eigenes Verhalten auf dem Prüfstand;91
8.2;6.2Herausforderndes Verhalten;93
8.2.1;6.2.1Grundhaltung bei herausforderndem Verhalten;94
8.2.2;6.2.2Herausforderndes Verhalten verstehen und einordnen;96
8.2.3;6.2.3Herausforderndes Verhalten verändern: Lösungsansätze;105
8.2.4;6.2.4Was hilft wann?;109
8.3;6.3Potenzielle Fallen im Umgang mit Schülern mit ASS;111
8.4;6.4Elternarbeit;115
8.5;6.5Soziale Integration;116
8.5.1;6.5.1Transparenter Umgang mit der Diagnose;116
8.5.2;6.5.2Aufklärung der Klasse;116
8.5.3;6.5.3Pausensituation;117
8.6;6.6Geeignete Rahmenbedingungen für Schüler mit ASS;118
8.6.1;6.6.1Neuerungen des Bundesteilhabegesetzes;118
8.6.2;6.6.2Teilhabeassistenz;119
8.6.3;6.6.3Nachteilsausgleich;121
8.6.4;6.6.4Einfluss des (kognitiven) Leistungsprofils;122
8.6.5;6.6.5Förderschwerpunkte;123
8.6.6;6.6.6Vernetzung und Fortbildung;124
8.6.7;6.6.7Verhaltenstherapeutische Anbindung des Schülers mit ASS;124
8.6.8;6.6.8… und nach der Schule?;125
9;7Ausblick;128
10;8Weiterführende Literatur;130
11;9Weiterführende hilfreiche Adressen;131
12;10Empfohlene Internet-Links;132
13;Literatur;133
14;Anhang;137


2 Phänomene und definitorische Festlegungen

Das Konzept eines Autismus-Spektrums verdeutlicht bereits, dass sich die kognitiven Fähigkeiten, die Sprachentwicklung und weitere Aspekte der Symptomatik innerhalb der Betroffenen-Gruppe unterscheiden können. Die Heterogenität von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) ist bei der Diagnostik sowie der Förderung von betroffenen Kindern und Jugendlichen stets zu berücksichtigen und spielt gewiss auch im Schulalltag eine bedeutende Rolle. Menschen mit ASS zeigen ein unterschiedliches allgemeines Funktionsniveau, sind also unterschiedlich stark bezüglich der Teilhabe am Leben beeinträchtigt. Es gelingt ihnen unterschiedlich gut, fehlende Kompetenzen zu kompensieren und im Alltag zurecht zu kommen. Dies hat Auswirkungen auf ihre Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit sowie die Notwendigkeit und das Ausmaß der Unterstützung. Aufgrund der Vielfalt der Erscheinungsbilder ist es hilfreich, das übergeordnete Strukturprinzip zu kennen, in das sich die individuellen Verhaltensweisen einordnen lassen. Die im Folgenden vorgestellte „Symptomtrias“ (siehe Abbildung 1) bildet das Grundgerüst für alle ASS.

2.1 Symptomatik und Erscheinungsbilder

ASS sind gemäß der Internationalen Klassifikation der WHO (ICD-10; DIMDI, 2019) als tiefgreifende Entwicklungsstörungen definiert. Aktuell werden in Deutschland innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen drei Subdiagnosen unterschieden:

• Frühkindlicher Autismus
• Asperger-Syndrom
• Atypischer Autismus

Trotz einiger Unterschiede, die früher zu der Unterscheidung dieser drei Subdiagnosen geführt haben, wurden bei der Überarbeitung des US-amerikanischen Klassifikationssystems (American Psychiatric Association, 2013) diese drei Subdiagnosen zugunsten einer einzigen Autismus-Spektrum-Störung aufgelöst. Andere Spezifizierungen als Diagnosezusätze sollen jedoch auch weiterhin eine Beschreibung individueller Unterschiede ermöglichen (z. B. zur Sprachentwicklung). Es kann davon ausgegangen werden, dass in der neuen Klassifikation der WHO (ICD-11, voraussichtlich ab 2022 auch für Deutschland gültig), ebenfalls nur noch die Diagnose einer „Autismus-Spektrum-Störung“ vergeben werden kann, ohne zugehörige Subdiagnose. Da dieser Ansatz in Deutschland somit auch Anwendung finden wird, beziehen sich die Aussagen in diesem Buch auf alle drei Subdiagnosen, wenn von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gesprochen wird.

Autismus-Spektrum-Störungen sind nicht durch ein einzelnes Symptom gekennzeichnet, sondern gehen mit vielen verschiedenen Symptomen einher, die in unterschiedlicher Kombination vorliegen können. Sind mehrere dieser Symptome vorhanden, kann von Psychologen und Psychiater eine entsprechende Autismus- Diagnose gestellt werden. Die verschiedenen Autismus-Symptome lassen sich wiederum drei Symptombereichen zuordnen:



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