E-Book, Deutsch, 380 Seiten
Thacker DAS GEHEIMNIS IM EIS
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95835-734-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, 380 Seiten
ISBN: 978-3-95835-734-1
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
USA-Today-Bestseller-Autor Nick Thacker schreibt actionreiche Abenteuerromane, Thriller und Krimis, die oft in einem Atemzug mit Clive Cussler und James Rollins genannt werden und durch ihren schnellen und mitreißenden Stil gekennzeichnet sind. Er lebt in Colorado Springs, zusammen mit seiner Frau, zwei Kindern und zwei Hunden.
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Kapitel 4
Julie kam sich vor wie ein Schulmädchen auf dem Abschlussball, das sich am Arm des Mannes, den es liebte, festhielt. Sie hatte ein riesiges Grinsen im Gesicht, und obwohl sie wusste, dass sie lächerlich aussah, weigerte sie sich, es zu zügeln.
Sie und Ben waren herausgeputzt. Ben trug Khakis und ein seidenes Oxford-Hemd und sie ein hinreißendes, kastanienbraunes Herbstkleid, das sie im Souvenirladen des Broadmoors gekauft hatte, nachdem sie am Flughafen von Colorado Springs gelandet waren. Die ganze Zeit über, während sie sich fertig gemacht hatte, hatte Ben sich beschwert, sich dann aber mitten im Satz unterbrochen, als sie aus dem riesigen Hotelbadezimmer gekommen war. Sie hatte das rückenfreie Kleid getragen, keine Schuhe, und die Ohrringe, zu denen sie ihm den Link geschickt und die er ihr zum Geburtstag gekauft hatte.
Julie hatte nicht bedacht, dass sie sich möglicherweise anziehen müssten, aber als sie es endlich auf die Brücke hinaus geschafft hatten, die die beiden Seiten des Sees auf dem Hotelgelände miteinander verband, war sie regelrecht ausgelassen.
»Ben, dieser Ort ist .«
Ben zuckte nur mit den Schultern, aber sie blieb stehen und sah zu ihm auf, bis er in Gelächter ausbrach.
»Ja, ist ganz nett, schätze ich«, sagte er.
Sie überquerten die Brücke und hielten an einer der Bänke an, die das Geländer säumten. Sie holte ihr Handy aus ihrer Clutch – die zufällig zum Kleid passte – und machte ein paar Selfies.
The Broadmoor war in den sanften Schein Tausender Glühbirnen, die in den Bäumen hingen, und historischer Straßenlampen, die über die Gehwege auf dem Gelände verteilt waren, getaucht. Paare und Familien spazierten gemütlich umher, auf dem Weg zum oder vom Abendessen oder einer der vielen Bars und Veranstaltungsorte, die das Resort zu bieten hatte.
Nach dem besten italienischen Essen, das Julie je gekostet hatte – täglich aus Parma in Italien eingeflogener Prosciutto, unter vielen anderen Spezialitäten des Küchenchefs – im Restaurant an der Westseite des Sees, sollten sie sich mit Reggie in einem der Festsäle im klassischen Ostflügel treffen. Julie wusste, dass Ben Reggie warten lassen wollte, damit sie aufs Zimmer zurückgehen und sich »noch mal umziehen« konnten, aber Julie war felsenfest entschlossen, pünktlich zum Treffen zu erscheinen.
Der Bankettsaal passte zum kunstvollen Alte-Welt-Dekor des restlichen Geländes, und als sie eintraten, fiel es Julie schwer, sich auf die Anwesenden zu konzentrieren. Hohe Gewölbebögen teilten den Raum in kleinere Abschnitte, und jeder Bogen wurde von händisch verzierten Wandleuchtern erhellt, die ein sanftes, gleichmäßiges Gelb auf das kunstvolle Kranzprofil warfen. Die malerischen Bogengänge lenkten ihren Blick zur Decke hinauf, ein weiteres, sorgfältig handgefertigtes Designelement des Saals. Kleine, eingelassene Deckenleuchten versorgten den Rest des Raums mit dem, was das abendliche Mondlicht, das durch eine Wand hereinströmte, nicht vermochte. Hinter einer massiven Glaswand bot ein Innenspringbrunnen den Hintergrund zu einer umwerfenden Szenerie.
»Jules«, sagte Ben, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sie kehrte ins Jetzt zurück und realisierte, dass alle im Raum sie anstarrten.
Reggie, natürlich mit einem Lächeln, saß neben Joshua Jefferson, dem Mann, der sie durch das Amazonasgebiet gejagt hatte, bis er von seinem eigenen Team, seiner Firma und – vielleicht – seinem eigenen Vater verraten worden war. Joshua saß kerzengerade auf seinem Stuhl, die Arme auf dem Tisch, und er wirkte stoisch. Sein sandbraunes Haar und jungenhaftes Gesicht verbargen eine Härte, die Julie aus erster Hand erlebt hatte, sowie eine Schläue, die ihnen mehr als ein Mal das Leben gerettet hatte.
Joshua gegenüber, neben Reggie, stand die größte Frau, die Julie je gesehen hatte. Julie fand, dass sie eher in den Amazonas-Regenwald passte. Ihre Haare waren zu einem strengen Zopf zurückgebunden, und der Anblick allein verursachte Julie beinahe Kopfschmerzen. Ihre Augen waren von der gleichen Farbe wie ihr dunkelbraunes Haar, und neben ihnen zogen sich die winzigsten Anzeichen von Altersfalten nach unten. Ihr Ausdruck war unbeschwert und lässig, beinahe das perfekte Gegenteil von Joshuas, aber ihre Arme – stark und muskulös – waren vor ihrer Brust verschränkt.
Reggie sprang auf, als sie sich dem Tisch näherten. »Ben, Julie, ich möchte euch Mrs. E vorstellen.« Er ließ seinen Blick von einer Seite zur anderen huschen und wartete darauf, dass sich alle drei die Hände schüttelten. »Sie ist im Auftrag von Mr. E, ihrem Ehemann, hier.«
Julie beobachtete Bens Gesicht und bemühte sich, nicht zu lachen. Sie hatten ihre Versionen davon, wie der enigmatische und paranoide »Mr. E« wohl sein mochte, miteinander geteilt, aber jede Schilderung hatte nur in eine ausgelassene Scharade geendet, in der sie sich wie ihre liebsten Filmbösewichte aufgeführt hatten.
leibhaftig zu sehen, machte es nicht leichter, keine Miene zu verziehen. Die Frau war wie eine echte Wonder Woman. Julie glaubte sogar, Adern auf ihren kräftigen Armen hervortreten zu sehen.
In einem letzten Versuch, nicht durchzudrehen, senkte Julie den Blick zu Boden.
»Bitte, setzt euch«, sagte Reggie mit einer Geste auf zwei leere Stühle am Tisch. Ben wartete auf Julie, zog den Stuhl für sie vor, dann setzte er sich neben sie. Mrs. E blieb stehen. Sie ging zu einem Fernseher auf einem Rollwagen, der am Zimmerrand bereitstand, und zog ihn näher zum Tisch.
Bis jetzt hatte sie kein Wort gesprochen, und so war Julie von der tiefen Stimme und dem leicht exotischen Akzent der vor ihr stehenden Frau überrascht. »Bitte vergeben Sie meinem Mann den Unwillen, zu reisen. Er bevorzugt ein Arrangement.«
Alle nickten, und Mrs. E fuhr fort. »Mein Name ist Mrs. E. Mein Mann, Mr. E, und ich sind die alleinigen Besitzer eines großes, multinationalen Kommunikationskonzerns. Unser Interesse gilt vielen Sektoren, aber unsere lukrativste Unternehmung ist derzeit im Technologiesektor.«
Julie warf Ben einen Blick zu, konnte seine Miene aber nicht deuten. fragte sie sich.
»Mr. E hat auf Ihre Ankunft gewartet. Bitte erlauben Sie meinem Mann, alles Weitere zu erklären.«
Mrs. E trat von der Kopfseite des Tischs zurück und hielt inne, als ob sie Applaus erwartete. Schließlich setzte sie sich neben Reggie. Der Fernseher erwachte zum Leben.
sagte ein Mann. Seine Stimme klang so leblos wie die Kiste, aus der sie drang, und er hörte sich an, als ob er von einem Script ablas. Wieder eine Pause, diese viel zu lang.
fragte sich Julie. Sie runzelte die Stirn.
Der Mann, der zu ihnen sprach, wirkte doppelt so alt wie Mrs. E, aber er sah nicht zwingend aus. Er zeigte mehr Falten, kurzgeschnittenes, graues Haar, und einen Kleidungsstil, der aussah, als passte er besser ins Mittelalter als in die moderne Gesellschaft. Er blinzelte zu viel, was ihm den Anschein verlieh, unschlüssig zu sein, unsicher.
Reggie sah zu Julie, dann zu Ben. Sie konnte seine Miene nicht deuten, aber sie schien eine Mischung aus und zu sein.
Mr. E fuhr mit seinem Monolog fort.
Er öffnete den Mund, um weiterzureden, aber Ben drehte ruckartig den Kopf zur Seite. »Ja? Was springt dabei für Sie raus?«, sagte er im Flüsterton zu Julie, Joshua und Reggie.
Der Mann auf dem Bildschirm hielt inne und räusperte sich. Mrs. E erklärte. »Das ist ein Digitalrekorder und Ein-Weg-Telefon«, sagte sie und stieß einen kleinen, rechteckigen Gegenstand auf dem Tisch vor ihnen an. »Sie können die Stimme meines Mannes hören, und er kann Ihre hören.«
Bens Augenbrauen zogen sich in die Höhe, als Mr. E seine Frage beantwortete.
»Was meinen Sie damit, dass sie ›unsere...




