E-Book, Deutsch, Band 2742, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
Thanneck Fürsten-Roman 2742
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8898-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Skandal um Mitternacht
E-Book, Deutsch, Band 2742, 64 Seiten
Reihe: Fürsten-Roman
ISBN: 978-3-7517-8898-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Du hast unsere Familie in Verruf gebracht! Bebend vor Empörung verbannt Graf von Hohenstein seine Tochter aufs Land. Alexandras rebellische Ader hat ihm schon so manche schlaflose Nacht beschert, aber als das neueste Skandalvideo zu einer ihrer Eskapaden viral geht, ist das Maß voll. Auf einem abgelegenen Jagdgut in den österreichischen Alpen soll sie zur Ruhe kommen und sich auf ihren Platz in der Gesellschaft besinnen. Statt rauschender Bälle erwarten sie endlose Wälder, einsame Berge ... und Marius. Der verschlossene Wildhüter ist anders als die Männer, mit denen sie sich sonst trifft. Trotzdem zieht etwas sie unwiderstehlich zu ihm hin. Doch Marius ist nicht der, für den sie ihn hält. Und bald könnte ein einziger Kuss genügen, um alles zu zerstören, das sie liebt ...
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Skandal um Mitternacht
Von der High Society verstoßen – von der Liebe überrascht
Von Caroline Thanneck
Du hast unsere Familie in Verruf gebracht! Bebend vor Empörung verbannt Graf von Hohenstein seine Tochter aufs Land. Alexandras rebellische Ader hat ihm schon so manche schlaflose Nacht beschert, aber als das neueste Skandalvideo zu einer ihrer Eskapaden viral geht, ist das Maß voll. Auf einem abgelegenen Jagdgut in den österreichischen Alpen soll sie zur Ruhe kommen und sich auf ihren Platz in der Gesellschaft besinnen. Statt rauschender Bälle erwarten sie endlose Wälder, einsame Berge ... und Marius. Der verschlossene Wildhüter ist anders als die Männer, mit denen sie sich sonst trifft. Trotzdem zieht etwas sie unwiderstehlich zu ihm hin. Doch Marius ist nicht der, für den sie ihn hält. Und bald könnte ein einziger Kuss genügen, um alles zu zerstören, das sie liebt ...
Marius lag im Bett und starrte die Decke so vorwurfsvoll an, als wäre sie höchstpersönlich für seine schlaflose Nacht verantwortlich. Ein Streifen Mondlicht fiel durch den Spalt in den Vorhängen in sein Schlafzimmer, sodass sich die rustikalen Möbel schemenhaft vor den mit Holz verkleideten Wänden abzeichneten.
Die Leuchtziffern auf seinem Wecker rückten unbarmherzig weiter und zeigten 00:44 Uhr an. Mitten in der Nacht.
Schlafenszeit.
Er hätte sich gern zu den Glücklichen gezählt. Jedoch ...
»Oh, ja! Jaaa!« Das trillernde Jubilieren der hohen Frauenstimme drang mühelos durch die Wände zu ihm. »Das ist so gut! Weiter!«, feuerte sie seinen Freund an und ließ Marius ernsthaft darüber nachdenken, sein Schlaflager in der Badewanne aufzuschlagen. Die war so knapp bemessen, dass er mit seinen eins neunzig gerade mal darin sitzen konnte, aber dafür lag das Bad eine Etage tiefer und weit genug vom Gästezimmer entfernt, dass er von den Geräuschen des nächtlichen Bettsports seines Freundes verschont bleiben würde.
Marius drehte sich auf die Seite und zog sein Kissen über den Kopf.
»Hör ... bloß ... nicht ... auf!« Ein spitzes Juchzen folgte.
Marius murmelte einen leisen Fluch.
Warum hatte er sich noch mal breitschlagen lassen, seinen besten Freund eine Zeit lang bei sich wohnen zu lassen? Ach ja, das Feuer. Sebastians Studentenbude war bei einem Hausbrand so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er nicht nur sein Zuhause, sondern auch die meisten seiner Habseligkeiten verloren hatte. Marius hatte ihm angeboten, zu ihm nach Aurach zu kommen und in seinem Gästezimmer zu wohnen, bevor er im Oktober an die Uni zurückkehrte. Dankbar hatte Sebastian zugegriffen.
Er war ein gutmütiger Mitbewohner, von dem man tagsüber nicht allzu viel sah. Nachts jedoch war seine Anwesenheit kaum zu überhören. Seit einer Stunde war er mit einer Frau zugange. Marius schätzte, dass sie inzwischen in den Genuss von drei Höhepunkten gekommen war, und es hörte sich nicht danach an, dass ihr oder seinem Freund bald die Puste ausgehen würde.
Marius wünschte sich, er hätte Ohropax im Haus – oder wenigstens genügend Schnaps, um sich dermaßen zu betrinken, dass er in einen seligen Schlummer fallen würde. Leider rührte er keinen Alkohol an. In dieser Nacht wäre er jedoch versucht, eine Ausnahme zu machen, um endlich etwas Schlaf zu finden.
Marius presste das Kissen fester über seine Ohren.
Wie hieß es doch so schön? Jede gute Tat fand ihre Strafe?
Wie er die Nächte allein vermisste!
Nichts als das Flüstern des Windes draußen in den Kiefern und das Rauschen des kleinen Bachs hinter der Hütte hatte ihn durch die Nächte begleitet. Wie ein Schlaflied, das ihm die Berge höchstpersönlich brachten. Jetzt jedoch rumpelte das Bett nebenan rhythmisch gegen die Wand. Marius war hellwach und empfand eine höchst verwirrende Mischung aus Ärger und ... Verflixt, war das unsanfte Ziehen in seinem Bauch etwa Neid?
Es behagte ihm kein bisschen, sich das eingestehen zu müssen. Während Sebastian jede Woche eine andere Frau mitbrachte, war er seit dreieinhalb Jahren allein. Er hatte sich eingeredet, das läge an der begrenzten Anzahl an jungen Frauen in Aurach. Das Dorf lag in den österreichischen Alpen und bestand aus wenig mehr als einer Handvoll Bauernhöfen, einer Kirche und einem Jagdgut. Doch sein Freund schien trotzdem reichlich Bekanntschaften zu schließen. Diese Ausrede galt also nicht.
Ich brauche keine Ausrede, diskutierte er mit der leisen Stimme in seinem Hinterkopf. Mir fehlt rein gar nichts in meinem Leben. Und ich bin nicht neidisch auf meinen besten und ältesten Freund.
Ein dumpfes Knurren entfuhr ihm. Ach, verflixt noch mal. So wurde das nichts mit dem Schlafen. Wenn er schon wach war, konnte er genauso gut aufstehen und seinen Bericht für die Verwaltung des Nationalparks zu Ende schreiben.
Mit einem leisen Schnauben stand er auf, streifte lange Hosen und ein T-Shirt über und verließ sein Schlafzimmer. Er stieg nach unten in die Küche, knipste das Licht an und setzte die Kaffeemaschine in Gang.
Als er sich auf die Stelle als Wildhüter im Nationalpark beworben hatte, war auch eine eigene Hütte Teil der Vereinbarung gewesen. Wobei »Hütte« eine recht spärliche Beschreibung für das rustikale Holzhaus war, das zwar klein, aber überaus behaglich eingerichtet war. Es fehlte an nichts. Holz und warme Farben dominierten die Einrichtung. Bunte Flickerlteppiche und Aquarelle von den Bergen machten jeden Raum behaglich. Im Keller gab es sogar eine Sauna. Ein Luxus, den er in den nicht enden wollenden Wintern hier in den Bergen zu schätzen gelernt hatte.
Als Ranger war er bei Wind und Wetter draußen unterwegs. Er dokumentierte jede Veränderung in der Flora und Fauna und beobachtete, wie sich der Wildbestand entwickelte. Seit einigen Jahren siedelten sich Luchse und Goldschakale wieder in den alpinen Regionen an. Eine Entwicklung, die weitreichende Folgen für den Nationalpark hatte.
Marius schenkte sich gerade eine Tasse Kaffee ein, als ein sanftes Rauschen laut wurde und ein Vogel durch das offene Küchenfenster hereinflog und auf der Lehne eines Küchenstuhls landete. Es war Lumi, die Schneeeule. Ihr Kopf drehte sich ruckartig zu ihm, ihre Augen leuchteten bernsteinfarben im Schein der Küchenlampe. Sie klickte hörbar mit ihrem Schnabel.
»Kein Glück bei der Futtersuche?« Marius öffnete den Kühlschrank und holte einige Streifen Fleisch heraus. Er legte sie auf ein Brett und schob es ihr hin.
Er hatte Lumi als winziges, halbnacktes Federbündel im Wald gefunden, als er auf einer seiner üblichen Runden gewesen war. Ein Nest hatte er weit und breit nicht finden können, und so hatte er sie mit nach Hause genommen und von Hand aufgezogen. Seitdem lebte sie bei ihm. Sie streifte nachts umher, kehrte aber immer wieder zu ihm zurück.
Sie verspeiste ihr Mahl, dann hüpfte sie an den Rand der Stuhlkante, bis sie dicht bei ihm war, und rieb ihren Schnabel zutraulich an seiner Brust.
»Deine Eule ist treuer als jede Frau, die ich kenne«, riss ihn eine belustigte Männerstimme aus seinen Gedanken.
Sebastian kam in die Küche, die Haare zerzaust, mit nackter Brust und nichts als einem Handtuch, das er um seine Hüften geschlungen hatte.
Marius gestattete sich ein Hochziehen seiner rechten Augenbraue.
»Was ist?«, murmelte sein Freund.
Marius machte eine vage Geste. »Dein Outfit. Ziemlich spärlich, oder?«
»Sorry, ich wusste nicht, dass es einen Dresscode gibt, wenn ich mir nachts etwas zu trinken hole.« Sebastian grinste unbekümmert. Dann öffnete er die Kühlschranktür, holte eine Flasche Cola heraus und schraubte sie auf, bevor er mehrere Züge trank.
»Wie du nach dem Koffein in dem Zeug schlafen willst, ist mir ein Rätsel«, brummte Marius.
»Sagt der Mann, der eine Tasse Kaffee in der Hand hält.«
»Ich will noch arbeiten.«
»Was, jetzt? Es ist mitten in der Nacht.«
»Ich weiß.« Marius konnte ein leises Grollen nicht aus seiner Stimme heraushalten.
Sein Freund zog die Stirn in Falten, dann leuchtete Erkenntnis auf seinem Gesicht. »Hast du uns etwa gehört?«
»Selbst van Gogh hätte euch gehört«, versetzte Marius trocken. »Und der ist tot.«
»Ganz zu schweigen von seinem fehlenden Ohr.« Sein Freund grinste. »Ich würde ja sagen, dass ich leiser sein sollte, aber ich will nichts versprechen, das ich nicht halten kann. Was soll ich machen? Die Ladies sind einfach hingerissen von mir.«
»Vermutlich von deiner unglaublichen Bescheidenheit.«
»Das muss es sein.« Sebastians Grinsen reichte von einem Ohr zum anderen.
»Du bist wirklich unverbesserlich.«
»Ich tue, was ich kann.« Mit dem Selbstbewusstsein von zehn Männern schlenderte Sebastian zum Fenster und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Fensterbrett, während er zusah, wie Marius seine Eule kraulte. »Du vertraust ihr mehr als den meisten Menschen, oder?«
Marius schwieg, denn dagegen gab es nichts zu sagen. Seine Erfahrungen hatten ihn gelehrt,...




