Thanner | Alpengold 204 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Thanner Alpengold 204

Als Schwiegertochter unerwünscht
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1980-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Als Schwiegertochter unerwünscht

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7325-1980-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ganz eng schmiegt sich die hübsche Vahmer-Lisa an die breite Brust ihres Liebsten Erik, und die Wärme, die von seinem starken Körper ausgeht, vertreibt für einen Moment den Kummer aus ihrem Herzen. So lange schon sind sie ein Paar - und doch dürfen sie sich nur heimlich lieben, denn Philomena Trenkwalder, Eriks Mutter, wird niemals eine Magd als Schwiegertochter dulden! Doch das Geheimnis der Liebenden wird unvermutet gelüftet, und von da an wendet sich Lisas Glück. Um die unerwünschte Schwiegertochter vom Hof zu vertreiben, ist Philomena jedes Mittel recht ...

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»Lisa!«

»Was?« Erschrocken fuhr Lisa Vahmer in ihrem Bett hoch. Hatte sie nur geträumt? Oder hatte tatsächlich jemand ihren Namen gerufen? Sie war sich nicht sicher.

Verschlafen blinzelte sie. Vor ihrem Fenster war es noch stockdunkel. Der Wind trieb Schneeflocken gegen die Scheibe und fauchte um die Ecken des Bauernhauses. Der Wetterbericht hatte am vergangenen Abend angekündigt, dass es noch tagelang weiterschneien würde. Andererseits: Was wussten die Meteorologen schon? Im Sommer hatten sie einen Regenguss nach dem anderen vorhergesagt – und es waren die trockensten Monate seit Jahrzehnten geworden. Vielleicht würden die Schneefälle gar nicht so schlimm werden …

Lisa schaltete die Nachttischleuchte an. Augenblicklich wurde ihre gemütliche Kammer in sanftes Licht getaucht. Neben Lisa regte sich ihr Freund im Bett. Seine dunklen Haare waren vom Schlaf zerzaust, und er war unter der Bettdecke so nackt, wie der Herrgott ihn geschaffen hatte.

»Was’n los?«, murmelte er.

»Hast du das auch gehört, Erik?«

»Nein, was denn?«

»Nun …«

»Lisa!«, kam es erneut von unten, diesmal hörbar eindringlicher und mit einem Anflug von Ärger in der Stimme.

»Deine Mutter ruft mich.« Lisa sah ihren Freund an. »Glaubst du, sie ahnt etwas?«

»Das glaube ich nicht, sonst würde sie längst in der Tür stehen und ein Donnerwetter auf uns niederfahren lassen, dass die Wände wackeln.«

»Das ist ja sehr ermutigend …«

»Jesses, Maria und Josef!«, kam es da von unten.

»Du solltest besser nachschauen, was meine Mutter will. Wenn sie schon die heilige Familie anruft, muss es etwas Ernstes sein.«

»Willst du nicht lieber runtergehen?«

»Sie verlangt ausdrücklich nach dir. Aber du kannst mich gern rufen, wenn ich helfen kann.«

»Also schön.« Lisa schob die Steppdecke zur Seite, stand auf und erschauerte augenblicklich. Sie schlief zu jeder Jahreszeit bei offenem Fenster, und so war es in ihrer Kammer bitterkalt.

Hastig angelte sie ihren Morgenmantel vom Stuhl und schlüpfte hinein. Die Leuchtzeiger des Weckers standen auf halb fünf. Was mochte die Bäuerin bloß so zeitig von ihr wollen?

Lisa arbeitete seit einem Jahr als Magd auf dem Trenkwalder-Hof. Ihr Dienst begann morgens um halb sechs. Dann bereitete sie das Frühstück vor, kümmerte sich um die Kühe und fütterte die Hühner. Außerdem half sie im Haushalt und erledigte alle Arbeiten, die auf dem Bauernhof täglich anfielen.

Während sich ihr Freund mit einem leisen und verdächtig zufriedenen Seufzer wieder unter die Bettdecke kuschelte, zog Lisa ihre Hausschuhe an und verließ ihr Zimmer. Sie tappte die Treppe hinunter und hörte ein Stöhnen. Sie folgte dem Geräusch und betrat die Bauernküche.

Der Raum war rustikal und einladend eingerichtet: Am Fenster stand ein Frühstückstisch mit einer Eckbank und zwei Stühlen. Die karierten Vorhänge am Fenster waren aus demselben Stoff genäht wie die Sitzkissen. Und auf dem Fensterbrett reihten sich Keramiktöpfe mit frischen Kräutern aneinander.

Philomena Trenkwalder stand mit einem Besen bewaffnet neben dem Herd und warf Lisa einen vorwurfsvollen Blick zu.

»Du bist ja gar nicht angezogen«, tadelte sie.

»Ich hab noch geschlafen. Warum haben Sie mich gerufen?«

»Weil ich deine Hilfe brauche. Dort oben …« Die Bäuerin deutete zur Decke. »Siehst du sie?«

Lisa kniff die Augen zusammen und spähte nach oben. Die Decke war mit Holz verkleidet, das im Lauf der Jahre Flecken bekommen hatte. Zwischen den Sprenkeln lauerte etwas Langbeiniges in einem Netz – eine Winkelspinne! Sie war groß genug, um Lisa einen Schauer über den Rücken zu jagen.

»Ach du liebe Zeit! Vielleicht sollten wir ihr einfach die Küche überlassen.«

»Lass die Scherze und unternimm etwas!«, schnaufte ihre Chefin und fügte sanfter hinzu: »Bitte!«

»Einen Moment.« Lisa griff nach einem Glas und einem Notizzettel. Dann kletterte sie auf einen Stuhl, stülpte das Glas über die Spinne und holte sie mithilfe des Zettels von der Decke. Die Bäuerin trat unwillkürlich einen Schritt zurück, als Lisa vom Stuhl sprang. Philomena war nicht zimperlich. Sie nahm es durchaus mit einem nervösen Stier auf, wenn es sein musste, aber Spinnen konnte sie partout nicht ausstehen.

»Was mache ich denn jetzt mit dir?« Nachdenklich schaute Lisa auf das Tier nieder, das in dem Glas herumkrabbelte und allem Anschein nach einen Ausweg aus seiner Lage suchte. »Draußen schneit es. Dort würdest du keine Stunde überleben.«

»Bring sie um!«, verlangte die Bäuerin.

»Warum denn? Das arme Tier möchte auch leben. Ich werde es in der Scheune aussetzen.«

»Ausgeschlossen. Wenn du das machst, kann ich dort keinen Fuß mehr hineinsetzen. Bring sie um!«

Lisa zögerte, aber sie brachte es nicht übers Herz, das Leben der Spinne zu beenden. Sie eilte in den Flur, vertauschte ihre Hausschuhe mit Stiefeln und eilte über den Hof.

In dieser Nacht hatte es wieder kräftig geschneit. Ein eisiger Wind fauchte der jungen Magd entgegen, als sie über den Hof zum Stall lief, und trieb ihr Schneeflocken ins Gesicht, die so kalt waren, dass sie wie Nadelspitzen stachen.

Sie setzte die Spinne zwischen zwei Heuballen ab. Das Langbein verschwand umgehend in einer dunklen Ecke, und Lisa kehrte ins Haus zurück. Ihr war so bitterkalt, dass ihre Zähne aufeinanderschlugen. Der Morgenmantel hielt die Kälte kein bisschen ab.

Lisa zog ihre Stiefel aus und stürmte in ihre Kammer hinauf.

Erik saß auf der Bettkante und blickte ihr forschend entgegen. »Was war denn los? Ein Notfall?«

»Sozusagen. Deine Mutter hatte eine Spinne in der Küche entdeckt. Ich sollte sie umbringen, aber …« Lisa brach ab und machte eine vage Handbewegung.

»Stattdessen hast du sie lieber eingefangen und im Stall ausgesetzt. Stimmt’s?«

»Woher weißt du denn das schon wieder?«

»Ich kenne dich. Du hast ein weiches Herz. Du würdest vermutlich sogar versuchen, einen blutrünstigen Grizzlybären zu retten, wenn der in unserem Tal umgehen würde.«

»Das ist zum Glück nicht zu befürchten.«

»Wer weiß! Komm wieder ins Bett! Bei dieser Kälte holst du dir ja den Tod!« Erik streckte die Arme aus und zog sie an sich. »Himmel, du fühlst dich an wie ein Eisklotz! Warte, ich taue dich ein bisserl auf …«

Er verschloss ihre Lippen mit einem Kuss, bei dem etwas in ihr zu schmelzen schien. Ein heißes Glücksgefühl schoss durch ihre Adern und vertrieb die Kälte. Lisa schmiegte sich glücklich an ihren Schatz.

Er begann, sie zu streicheln, und liebkoste ihren Rücken und ihre schmale Taille, dann kitzelte er sie unter dem Arm. Ein helles Lachen entfuhr ihr. Erschrocken presste sie eine Hand auf ihren Mund und lauschte.

»Was ist denn los?« Verwundert hielt ihr Freund inne.

»Hoffentlich hat deine Mutter mich nicht gehört. Glaubst du, sie ahnt etwas?«

»Von uns beiden? Das glaube ich nicht.«

»Wann wollen wir es ihr eigentlich erzählen?« Lisa löste sich von ihrem Freund und sah ihn ernst an. »Sie hat noch keine Ahnung, dass wir zusammen sind. Wir müssen es ihr endlich sagen, Erik.«

»Warum denn? So, wie es jetzt ist, ist es wunderbar.«

»Aber deine Mutter weiß noch nicht, dass wir uns lieben. Wir treffen uns immer hinter ihrem Rücken. Die Heimlichkeiten lassen mich kaum noch schlafen. Ich habe ständig Albträume, dass sie uns in einer kompromittierenden Situation ertappt und vom Hof wirft.«

»Das würde sie niemals tun.«

»Bei dir sicherlich nicht, aber bei mir? Als Magd bin ich entbehrlich. Sie wird nicht erfreut sein, wenn sie herausfindet, dass wir sie seit Wochen belügen.«

Lisa wurde das Herz schwer. Sie war bis über beide Ohren in Erik verliebt und überglücklich, dass der Bauer ihre Gefühle erwiderte, aber die Sorge vor der Reaktion seiner Mutter schwebte über ihnen wie das berüchtigte Damoklesschwert.

Philomena wusste noch nicht, dass sie ein Liebespaar waren. Das hatte auch seinen Grund: Sie hatte Vorbehalte gegen eine Beziehung ihres Sohnes zu einer Magd, denn sie befürchtete, er würde auf eine Frau hereinfallen, die ihn nur wegen seines Hofes heiraten wollte. Lisa hätte ihr gern versichert, dass sie ihren Schatz auch lieben würde, wenn er arm wie eine Feldmaus wäre, aber dazu bekam sie keine Gelegenheit, denn Erik bestand darauf, dass sie ihre Liebe noch für sich behielten.

»Meine Mutter hatte erst vor wenigen Monaten einen Herzinfarkt. Ich will sie nicht aufregen. Lass uns noch ein wenig warten!«, schlug er vor. »Wir haben es doch schön zusammen, findest du nicht?«

Lisa hob unglücklich die Schultern und ließ sie wieder fallen. »Manchmal komme ich mir vor wie dein schmutziges kleines Geheimnis.«

»Mein süßes und über alles geliebtes Geheimnis«, korrigierte er und wollte sie wieder an sich ziehen, aber sie löste sich von ihm.

»Mir ist nicht wohl dabei, unsere Liebe vor deiner Mutter zu verheimlichen. Geheimnisse haben die unliebsame Angewohnheit, früher oder später ans Licht zu kommen. Und dann meistens mit einem großen Knall. Glaub mir. Ich weiß, wovon ich spreche.« Lisa dachte an ihren früheren Freund. Er hatte ein Geheimnis vor ihr gehabt. Ein Geheimnis, das ihr Leben für immer verändert hatte …

»Wir sagen es ihr bald«,...



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