Thayne | Die Nacht, in der er zurückkehrte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

Thayne Die Nacht, in der er zurückkehrte


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7337-3056-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-7337-3056-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was war das? Atemlos lauscht Easton. Ein Geräusch in dem großen, stillen Haus hat sie aus einem wundervollen Traum gerissen. Natürlich ging es darin mal wieder um Cisco, in den sie sich als Teenager verliebte, mit dem sie eine zärtliche Nacht verbrachte, der sie verließ ... Da ist das Geräusch schon wieder! Vorsichtig schleicht sie die Treppe hinunter - und steht unvermittelt dem Mann aus ihrem Traum gegenüber. Cisco ist zurück! Und er hat ein entzückendes Baby auf dem Arm, das Easton schmerzlich klar macht, was hätte sein können. Ist es wirklich zu spät?



RaeAnne Thayne hat als Redakteurin bei einer Tageszeitung gearbeitet, bevor sie anfing, sich ganz dem Schreiben ihrer berührenden Geschichten zu widmen. Inspiration findet sie in der Schönheit der Berge im Norden Utahs, wo sie mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern lebt.

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1. KAPITEL

Erschrocken fuhr Easton Springhill aus dem Tiefschlaf hoch. Was war das für ein komisches Geräusch gewesen?

Schläfrig blinzelte sie auf ihren Wecker, der die unchristliche Zeit von morgens halb fünf anzeigte. Wie immer hatte sie die Vorhänge offen gelassen, damit sie beim Aufwachen auf die schneebedeckten Berggipfel blicken konnte. Doch jetzt sah sie nur die Sterne am dunklen Nachthimmel glitzern.

Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich auf das Kopfkissen zurückfallen. So schnell würde sie nicht wieder einschlafen, zumal der Wecker ohnehin in einer Stunde klingeln würde.

Wie ärgerlich. Sie hasste es, kurz vor dem Weckerklingeln aufzuwachen. Noch dazu, wenn sie aus einem schönen Traum gerissen wurde. Zu gern hätte sie weitergeträumt, denn wie so oft in ihren Träumen war es um ihn gegangen.

Aber vielleicht war es besser, dass sie aufgewacht war. Immer, wenn sie von ihm träumte, war sie am nächsten Tag in einer seltsam erregten Stimmung – so, als hätte sie ihn wiedergewonnen, wenn auch nur in ihrem Unterbewusstsein. Gleichzeitig war sie deprimiert, dass die Realität anders aussah und sie die harte Arbeit auf der Ranch in Idaho allein bewältigen musste.

Ärgerlich schüttelte sie den Kopf. Wie konnte sie so etwas denken? Sie hatte doch ein wundervolles Leben, ihre Freunde, ihre Verwandten mit der kleinen Nichte und dem Neffen. Und sie liebte die Winder Ranch.

Ihr fehlte nur das eine, oder besser der eine.

Sie setzte sich im Bett auf und überlegte, wovon sie wohl aufgewacht war. Jack und Suzy, ihre beiden Collies, bellten draußen auf dem Hof. Doch die bellten immer, egal, ob eine Kuh entlaufen war oder eine Maus über den Hof lief.

Wie auch immer, da sie sowieso nicht mehr einschlafen würde, konnte sie ebenso gut aufstehen und die freie Stunde genießen, bevor sie sich an die Arbeit machte.

Als sie eben nach ihrem Morgenmantel greifen wollte, hörte sie wieder das komische Geräusch. Es kam von unten und hallte durch das große, leere Haus.

Sie erstarrte mitten in der Bewegung und spitzte die Ohren. Es klang wie eine Mischung aus Schreien und Jaulen. Gleich darauf klackerte etwas auf den Boden, als ob eine Plastikschüssel aus dem Küchenschrank auf die Steinfliesen gefallen wäre.

Ihr Herz fing an zu rasen, und sie bekam ein mulmiges Gefühl im Magen. Sie wünschte, sie hätte einen der Hunde mit ins Haus genommen.

Sie schlüpfte in ihre Pantoffeln, zog den Morgenmantel über das uralte Garfield-T-Shirt, das einer der Jungen vor Jahren zurückgelassen hatte, und griff nach der Schrotflinte ihres Onkels. Brant hatte darauf bestanden, das sie die unter ihrem Bett aufbewahrte.

Immerhin lebte sie allein auf einer abgelegenen Ranch. Die nächsten Nachbarn wohnten meilenweit entfernt, und keine einigermaßen vernünftige Frau würde darauf verzichten, sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und das konnte sie; immerhin war sie mit drei Ziehbrüdern aufgewachsen, die ihr alles Nötige beigebracht hatten.

Mit zitternden Fingern suchte sie in ihrer Nachttischschublade nach den Schrotpatronen und lud die beiden Läufe.

Vorsichtshalber steckte sie noch ihr Handy in die Tasche ihres Morgenmantels für den Fall, dass sie die Polizei zu Hilfe rufen musste. Sie scheute sich, gleich anzurufen, vielleicht hatte sich ja bloß ein Waschbär in ihre Küche verirrt.

Beherzt stieß sie die Schlafzimmertür auf und ärgerte sich einmal mehr darüber, dass sie nach Jos Tod nicht ins Erdgeschoss gezogen war, wo es ebenfalls zwei Schlafzimmer gab. Aber irgendwie hing sie an ihrem Mädchenzimmer im ersten Stock, das sie bewohnte, seit sie nach dem Tod ihrer Eltern ins Farmhaus gezogen war.

Leise ging sie die Treppe hinunter. Kurz vor der knarrenden Stufe, der die Jungs früher immer ausgewichen waren, wenn sie spät nach Hause kamen, hörte sie von Neuem den seltsamen Laut. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, und sie umfasste die Schrotflinte fester.

Das hörte sich so gar nicht nach einem Waschbär an, eher nach einem Berglöwen.

Ihr fiel ein, dass sie am Tag zuvor am Rand der Nordweide Spuren bemerkt hatte. Aber würde eine Wildkatze ins Haus kommen, selbst wenn ein Fenster offen stünde? Noch nie hatte sie davon gehört, dass ein Puma in ein bewohntes Haus eingedrungen wäre. Die Tiere waren Einzelgänger und mieden nach Möglichkeit den Kontakt mit Menschen.

Genau wie Cisco.

Da sah man wieder mal, wohin es führte, wenn sie von ihm träumte. Am nächsten Tag fiel er ihr dann bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit ein.

Als sie unten an der Treppe ankam, setzte ihr Herz für einen kurzen Moment aus. Sie hätte schwören können, dass sie am Abend zuvor das Küchenlicht ausgemacht hatte. Es gehörte zu ihrem Ritual vor dem Zubettgehen, dass sie durch das Haus ging und nachsah, ob alle Lampen gelöscht und die Türen und Fenster geschlossen waren.

Und sie konnte sich nicht vorstellen, dass ein Berglöwe, selbst wenn er die Klauen noch so weit ausstrecken konnte, das Licht anmachen würde.

Aus der Küche kam ein Geräusch von splitterndem Glas, und gleich darauf folgte ein unterdrückter Fluch.

Definitiv kein Puma, sondern ein menschliches Wesen.

Die Schrotflinte fest umklammernd, drückte sie sich an der Wand entlang. Sollte sie sich in ihr Büro schleichen und den Notruf wählen oder den Eindringling selbst stellen?

Was aber, wenn es mehrere Einbrecher waren? Besser erst die Polizei rufen.

Vorsichtig bewegte sie sich auf ihre Bürotür zu, als sie plötzlich ein Quieken hörte, fast ein Kichern, und dann eine tiefe Stimme als Antwort.

Sie kannte zwei süße Babys, die auch solche quiekenden Geräusche von sich gaben, aber die würden sie wohl nicht mitten in der Nacht besuchen. Joey Southerland, der zehn Monate alte Sohn von Quinn und Tess, schlief bestimmt friedlich in seinem Bett in Seattle, und die kleine Abby Western bei ihren Eltern Mimi und Brant in Los Angeles.

Wenn sie es nicht waren, wer konnte es dann sein?

Um das herauszufinden, würde ihr wohl nichts anderes übrig bleiben, als in die Küche zu gehen. Danach könnte sie, falls nötig, immer noch die Polizei anrufen.

Sie schlich zur Küchentür und riss sie auf. „Keine Bewegung, oder ich schieße!“, rief sie und bemühte sich vergebens, ihrer Stimme den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Es dauerte einen Moment, bis sie sich an das grelle Licht gewöhnt hatte und etwas erkennen konnte.

Als sie sah, wer da in ihrer Küche stand, schoss ihr spontan der Gedanke durch den Kopf, dass ihr ein Berglöwe lieber gewesen wäre. Dann hätte sie wenigstens gewusst, was sie tun müsste. Doch mit diesem gefährlichen Mann ihr gegenüber, der etwas im Arm hielt – ein Baby …?

„Verdammt, East, du hast mich zu Tode erschreckt!“

Ihr wurde heiß und kalt zugleich. Das konnte doch nicht wahr sein. Vielleicht träumte sie ihren komischen Traum weiter. Warum sollte Cisco del Norte in ihrer Küche stehen, mit einem schwarz gelockten Baby im rosa Samtanzug im Arm?

Nein. Die Schrotflinte in ihrer Hand war real, ebenso wie der Mann in ihrer Küche, der sie aus müden Augen anblickte und aussah, als hätte er sich tagelang nicht rasiert. Seine Kleidung hatte auch schon bessere Zeiten gesehen.

Und er hielt definitiv ein Baby im Arm.

Sie legte die Schrotflinte beiseite und trat näher. „Du hast Glück, dass ich nicht gleich geschossen habe. Was machst du hier, Cisco? Warum hast du nicht angerufen? Und was ist das für ein Baby?“

Die Kleine auf seinem Arm fing wieder an, fröhlich zu glucksen, und Easton sah, dass sie gebräunte Haut und schwarze Locken wie Cisco hatte. Ihre Augen waren groß und blau, und sie hatte süße Grübchen in den Wangen.

Das Kind mochte ebenso alt wie Joey und Abby sein, aber darin war Easton kein Experte. Das Alter eines Kalbs konnte sie nach einem bloßen Foto bestimmen, aber bei Menschen fiel ihr das nicht so leicht.

„Das ist eine lange Geschichte“, erwiderte Cisco.

„Am besten fängst du ganz von vorne an und erzählst mir, warum ich ewig nichts von dir gehört habe. Und wie es kommt, dass du um fünf Uhr morgens mit einem Baby im Arm in meiner Küche stehst und aussiehst, als wärst du in einen Tornado geraten.“

Er seufzte, und sie bemerkte die feinen Linien um seinen Mund, den Anflug von Härte, der den jugendlichen Charme von früher überdeckte. Noch nie hatte sie ihn so erschöpft gesehen.

„Tut mir leid. Vielleicht hätten wir lieber in ein Hotel gehen sollen. Aber wir sind gestern von Bogotá nach Salt Lake City geflogen, und als wir spät abends ankamen, war Isabella in ihrem Babysitz eingeschlafen. In dem Mietauto schlief sie dann weiter, ohne auch nur einmal aufzuwachen, obwohl ich zwischendurch tanken musste.“

„Das erklärt nichts, außer dass das Baby Isabella heißt.“ Mit leiser Stimme fügte sie hinzu: „Und dass du aus Kolumbien kommst.“

Cisco hatte schon immer ein Talent zum Geschichtenerzählen, zum Erfinden von Gründen und Ausreden gehabt. Als er noch in die Schule gegangen war, hatte sich das für ihn als sehr praktisch erwiesen, weil er damit die Lehrer hatte austricksen können. Aber diejenigen, die ihn kannten und liebten, fielen meist nicht darauf herein.

„Entschuldigung, was hattest du gerade gefragt?“

Sie sah, dass er sich vor Erschöpfung mit einer Hand am Küchentisch abstützte, und nahm ihm das Baby ab.

Als die Kleine sich weich in ihren Arm schmiegte,...



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