E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Thielen Wo anders leben?
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-8309-7094-1
Verlag: Waxmann Verlag GmbH
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Migration, Männlichkeit und Sexualität. Biografische Interviews mit iranischstämmigen Migranten in Deutschland
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-8309-7094-1
Verlag: Waxmann Verlag GmbH
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Das Zusammenwirken unterschiedlicher Phänomene sozialer Ungleichheit auf die Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten rückt gegenwärtig ins Zentrum interkultureller Forschung.
In einer differenztheoretischen Perspektive untersucht Marc Thielen das dynamische Wechselspiel von Herkunft, Männlichkeit und Sexualität in exemplarischen Migrationsbiografien und hinterfragt damit verbreitete Stereotype zu einer vermeintlich 'fremden' Männlichkeit. Hierzu wurden Männer befragt, die den Iran infolge ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung verlassen haben und somit in der deutschen Mehrheitsgesellschaft zugleich einer ethnisch-kulturellen sowie sexuellen Minderheit angehören.
Trotz dieser 'Mehrfachminorisierung' präsentieren sich die Befragten als handelnde Subjekte, die ihre Migration in der aktiven Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Machtmomenten bewältigen.
Die Untersuchung rekonstruiert folglich sowohl die Vielfalt und Prozesshaftigkeit geschlechtlich-sexueller Lebensweisen als auch die Grenzen, die selbstbestimmtes Leben reglementieren. Dadurch wird deutlich, dass die Verschränkung in unterschiedliche Differenzlinien nicht lediglich passives Ausgeliefertsein impliziert, sondern ebenso als eine biografische Ressource genutzt werden kann.
Marc Thielen, Dr. phil., studierte Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaften. Er ist Hochschullehrer im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Bremen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Buchtitel;1
2;Inhalt;5
3;Einleitung;8
4;Kapitel I – Forschungsgegenstand und theoretische Einbettung;14
4.1;1. Sexuelle Orientierung, Flucht und Asyl – Zur Beschreibung des Feldes;14
4.1.1;1.1 Menschenrechtsverstöße gegen sexuelle Minderheiten als Ursache von Fluchtmigration;15
4.1.2;1.2 Die Islamische Republik Iran als exemplarisches Herkunftsland;19
4.1.3;1.3 Homophobe Gewalt als geschlechtsspezifische Verfolgung;27
4.1.4;1.4 Geschlecht und Sexualität im deutschen Asylrecht;31
4.1.5;1.5 Geschlecht und Sexualität in ihrer Bedeutung für die Lebenssituation im Asyl;38
4.2;2. Migration im transnationalen und totalen Raum;40
4.2.1;2.1 Transnationale Migration und transnationaler Raum;41
4.2.2;2.2 Transkultur als Folge transnationaler Migration?;46
4.2.3;2.3 Der Flüchtlingsraum als totaler Raum;49
4.3;3. Männlichkeit im Kontext von Migration;54
4.3.1;3.1 Hegemoniale Männlichkeit;55
4.3.2;3.2 Männliche Herrschaft und männlicher Habitus;58
4.3.3;3.3 Zur Konstruktion ‚fremder‘ Männlichkeit;62
4.4;4.Sexualität im Spannungsfeld von Macht und Kultur;66
4.4.1;4.1 Dispositiv der Sexualität und Heteronormativität;67
4.4.2;4.2 Sexualpädagogik zwischen Homogenisieren und Dynamisieren;73
4.4.3;4.3 Zur gleichgeschlechtlichen Sexualität in muslimischen Kontexten;76
5;Kapitel II – Fragestellung und Methode;81
5.1;1. Fragestellung und Ziel der Untersuchung;81
5.2;2. Forschungsprozess und methodisches Vorgehen;83
5.2.1;2.1 Zugangsprobleme und -wege zu Interviewpartnern;84
5.2.2;2.2 Die Durchführung der autobiografisch-narrativ;88
5.2.3;2.3 Das Problem der Sprache im Interview;91
5.2.4;2.4 Die Auswertung der Interviews;93
5.3;3.Der Einfluss des totalen Flüchtlingsraums auf die Interviewsituation;95
5.3.1;3.1 Das Interview als Anhörung;96
5.3.2;3.2 Das Interview als potenziell retraumatisierende Situation;99
5.3.3;3.3 Das Interview als sozialarbeiterisches Anamnesegespräch;102
5.3.4;3.4 Das Interview als therapeutisches Setting;103
5.3.5;3.5 Zusammenfassung;105
6;Kapitel III – Biografische Porträts;107
6.1;1. Mohammed: „Jetzt kann ich damit leben, aber glücklich bin ich nicht“ – Eine Geschichte gegen sich selbst gerichteter Homophobie;107
6.1.1;1.1 Frühe Erfahrungen von Anders- und Marginalisiertsein;107
6.1.2;1.2 Erwachsenwerden als Doppelleben;109
6.1.3;1.3 Hegemoniale Männlichkeitserwartungen als Auswanderungsmotiv;111
6.1.4;1.4 Tabuisierung der Homosexualität im Asylverfahren;113
6.1.5;1.5 Annahme einer von außen aufgezwungenen sexuellen Identität;115
6.1.6;1.6 Assimilation in eine subkulturell offerierte Lebensweise;117
6.1.7;1.7 Zerrissensein zwischen religiöser und sexueller Identität;119
6.1.8;1.8 Zusammenfassung;121
6.2;2. Assad: „Ich war eigentlich nie mal zufrieden mit meinem Leben“ – Eine Geschichte traumatischer homophober Gewalt und Verfolgung;122
6.2.1;2.1 Familiäre Zurichtung auf hegemoniale Männlichkeit;122
6.2.2;2.2 Marginalisierung im Kreis der männlichen Peers;125
6.2.3;2.3 Ausnutzende und missbrauchende Intimität;126
6.2.4;2.4 Traumatische Verfolgungs- und Foltererfahrungen;127
6.2.5;2.5 Sozialer Ausschluss als Fluchtmotiv;130
6.2.6;2.6 Missachtung im deutschen Asyl;132
6.2.7;2.7 Eingeschränkte Lebensperspektiven in der Migration;135
6.2.8;2.8 Zusammenfassung;136
6.3;3. Reza: „Ja, ich bin ein Schwuler, ein richtiger Schwuler“ – Eine Geschichte emanzipatorischer Identitätsentwicklung;138
6.3.1;3.1 Geschlechtlichkeit als individuelle Erfahrung;138
6.3.2;3.2 Intimität zwischen binnenmännlicher Gewalt und heteronormativer Begrenzung;140
6.3.3;3.3 Fassade hegemonialer Männlichkeit und Aufbau einer beruflichen Karriere;143
6.3.4;3.4 Eine sexuelle Lebensweise als Auslöser für Verfolgung und Flucht;145
6.3.5;3.5 Aktive Integration und berufliche Diskontinuität in der Migration;149
6.3.6;3.6 Momente von Rassismus und Marginalität in Deutschland;151
6.3.7;3.7 Selbstbewusst-offensiver Umgang mit der sexuellen Lebensweise;153
6.3.8;3.8 Zusammenfassung;154
6.4;4.Philippe: „Aber es macht für mich auch nicht Sinn, irgendwelche Art von Coming-out“ – Eine Geschichte reflexiver Identitätsentgrenzung;155
6.4.1;4.1 Kindheit und Jugend zwischen Tradition und Revolution;157
6.4.2;4.2 Migration als Rahmen für die Aneignung einer;159
6.4.3;4.3 Integration als umfassende Assimilation;162
6.4.4;4.4 Von der nationalen zu einer transnationalen Verortung;164
6.4.5;4.5 Emanzipation von der sexuellen Identitätsregl;166
6.4.6;4.6 Zusammenfassung;168
6.5;5. Fallvergleichende Schlussfolgerungen;170
7;Kapitel IV–Vielfalt und Grenzen geschlechtlich-sexueller Lebensweisen in der Migration;173
7.1;1. Sozialisationsspuren im Iran – Männlichkeit und Sexualität zwischen Begrenzung und Ermöglichung;173
7.1.1;1.1 Männliche Sozialisation zwischen Zurichten und Zulassen;174
7.1.1.1;1.1.1 Zurichtung auf hegemoniale Männlichkeit;175
7.1.1.2;1.1.2 Die Peergroup als Instanz männlicher Sozialisation;178
7.1.1.3;1.1.3 Zulassen alternativer Geschlechterkonstruktionen;179
7.1.2;1.2 Familiärer Umgang mit gleichgeschlechtlicher Sexualität;181
7.1.2.1;1.2.1 Sanktionierung;182
7.1.2.2;1.2.2 Pathologisierung;183
7.1.2.3;1.2.3 Duldung;184
7.1.3;1.3 Männliche Initiation zwischen Zwang und Lust;185
7.1.3.1;1.3.1 Initiation als Zwangsheterosexualität;186
7.1.3.2;1.3.2 Initiation als lustvolle Erfahrung;189
7.1.4;1.4 Zusammenfassung;191
7.2;2. Migration und Lebensweisen – Intimes Handeln und sexuelle Subjektverortungen zwischen Kontinuität und Veränderung;192
7.2.1;2.1 Migration und Lebensweisen in biografischer Kontinuität;194
7.2.1.1;2.2.1 Sicherung einer verfolgten Lebensweise;194
7.2.1.2;2.1.2 Fortführung einer geschlechtlich-sexuellen Lebensweise;198
7.2.1.3;2.1.3 Verwirklichung einer geschlechtlich-sexuellen Lebensweise;199
7.2.1.4;2.1.4 Knüpfung der Lebensweise an ein Identitätskonzept;202
7.2.2;2.2 Migration und Lebensweisen in biografischer Veränderung;205
7.2.2.1;2.2.1 Migration als Verunsicherung und Erprobungsrahmen;206
7.2.2.2;2.2.2 Migration als Motor für die Konstruktion einer sexuellen Lebensweise;209
7.2.3;2.3 Zusammenfassung;212
7.3;3. Vielfältige Lebensweisen im totalen Flüchtlingsraum – Männlichkeit und Sexualität im Asyl;214
7.3.1;3.1 Institutionelle Diskurse zu gleichgeschlechtlichem Begehren;215
7.3.1.1;3.1.1 Juristisch-medizinische Konstruktion;216
7.3.1.2;3.1.2 Lebenslange Monosexualität;219
7.3.1.3;3.1.3 Spezifische sexuelle Identität;220
7.3.2;3.2 (De-)Thematisierung des Fluchtmotivs Sexualität;221
7.3.2.1;3.2.1 Aufrechthaltung einer Fassade hegemonialer Männlichkeit;222
7.3.2.2;3.2.2 Sicherung des Ansehens in der Aufnahmegesellschaft;224
7.3.2.3;3.2.3 Legitimation als aufenthaltssichernde Strategie;225
7.3.3;3.3 Männlichkeit und Sexualität im Asylbewerberheim;226
7.3.3.1;3.3.1 Binnenmännliche Hierachisierung und Gewalt;227
7.3.3.2;3.3.2 Fehlende Maskulinität als Marginalisierungsmoment;228
7.3.3.3;3.3.3 Homophobe Gewalt;229
7.3.4;3.4 Zusammenfassung;231
7.4;4. Herkunft, Geschlecht und Sexualität in der Mi;233
7.4.1;4.1 Binationale intime Beziehungen zwischen Rassis;234
7.4.1.1;4.1.1 Fremdsein als Nachteil auf dem deutschen ‚Be;235
7.4.1.2;4.1.2 Rassismus in intimen Beziehungen;237
7.4.1.3;4.1.3 Exotisierung und Sexualisierung der Herkunft;240
7.4.1.4;4.1.4 Beziehungen als soziale Unterstützung und I;242
7.4.2;4.2 Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in transnationalen Kontexten;244
7.4.2.1;4.2.1 Tabuisierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen;245
7.4.2.2;4.2.2 Thematisierung und Akzeptanz vielfältiger L;247
7.4.2.3;4.2.3 Entgrenzte Coming-out-Dynamiken im transnationalen Raum;250
7.4.3;4.3 Zusammenfassung;251
8;Kapitel V – Resümierende Schlussbetrachtungen im Hinblickauf intersektionelle Forschungsperspektiven;253
8.1;1. Das zeitgleiche Auftreten unterschiedlicher Differenzlinien;254
8.2;2. Von der Interkulturalität zur Intersektionalit;256
8.3;3. Intersektionalität und Identität;257
8.4;4. Intersektionalität und Biografie;260
9;Literatur;265
10;Anhang;280




