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E-Book, Deutsch, 353 Seiten, Web PDF
Thiry Eine empirische Analyse der Marktdisziplinierung deutscher Sparkassen
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-8349-8368-8
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 353 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8349-8368-8
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Ein abgestimmtes Nebeneinander von staatlicher und marktlicher Bankenregulierung erscheint geboten, um die Stabilität des Bankensystems sicherzustellen. Allerdings besteht ein Zielkonflikt zwischen einem glaubhaften staatlichen Institutsschutz und der Motivation gesicherter Gläubiger, Banken im Bedarfsfall über höhere Zinsforderungen oder über Kapitalabzüge zu disziplinieren. Anhand der bis 2005 mit staatlichen Garantien ausgestatteten deutschen Sparkassen untersucht Daniel Thiry, ob geschützte Gläubiger tatsächlich auf die Ausübung von Marktdisziplin verzichten. Im Zuge einer umfangreichen empirischen Analyse werden bemerkenswerte Anzeichen dafür gefunden, dass Sparkassen bei einer erhöhten Risikoübernahme durch unterschiedliche Gläubigerkollektive bestraft werden.
Zielgruppe
Research
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Notwendigkeit und Formen der Bankenregulierung.- Theoretische Erkenntnisse zur Marktdisziplinierung von Banken durch Fremdkapitalgeber.- Empirische Befunde zur Marktdisziplinierung von Banken durch Fremdkapitalgeber.- Disziplinieren gesicherte Fremdkapitalgeber deutsche Sparkassen?.- Schlussbetrachtung.
Kapitel 1 Einleitung (S. 1)
Kreditinstitute erbringen volkswirtschaftlich wünschenswerte Leistungen, wobei sie sich der Gefahr eines panikartigen Einlagenabzugs (Bank Run) durch ihre Gläubiger ausgesetzt sehen. Da aus dem Eintritt eines Bank Runs gesamtwirtschaftlich unerwünschte Konsequenzen resultieren, wurden auf der ganzen Welt Einlagensicherungssysteme als Instrument der staatlichen Bankenregulierung implementiert.
Diese stabilisieren das Bankensystem und schützen Gläubiger vor Vermögensverlusten. Gleichzeitig reduzieren Einlagensicherungssysteme aber auch die Anreize abgesicherter Fremdkapitalgeber, Bankaktivitäten zu überwachen und Banken im Falle einer erhöhten Risikoübernahme zu bestrafen.
Die Theorie geht überwiegend davon aus, dass insbesondere vollständig geschützten Fremdkapitalgebern die Motivation fehlt, um Banken aus Eigeninteresse selbst zu kontrollieren und für das Eingehen vermehrter Risiken über die Forderung höherer Risikoprämien oder über Kapitalabzüge (Volumenbeschränkungen) marktseitig zu disziplinieren.
Dadurch werden Banken Möglichkeiten eröffnet, unbemerkt höhere Risiken einzugehen. Vor allem seit den negativen Erfahrungen aus der US-amerikanischen Krise der Savings and Loan Associations (S&L) in den 1980er Jahren wird in der Regulierungsforschung und -praxis mehrheitlich die Einschätzung vertreten, dass eine stabilitätsorientierte Verhaltensbeeinflussung der Banken nicht nur auf staatlichen, sondern auch auf marktlichen Elementen beruhen sollte.
Deshalb sind wegen des Gläubigerschutzes ausbleibende Überwachungs- und Sanktionierungsbemühungen seitens der Fremdkapitalgeber im Hinblick auf ein stabiles Bankensystem durchaus kritisch zu hinterfragen.
Aber trifft es tatsächlich zu, dass geschützte Fremdkapitalgeber auf die Ausübung von Marktdisziplin verzichten? Während die empirische Analyse des Sanktionierungsverhaltens ungesicherter Fremdkapitalgeber bereits häufig Gegenstand empirischer Untersuchungen war, ist den abgesicherten Gläubigern bislang kaum Bedeutung beigemessen worden.
Gleichwohl liefern vereinzelte Studien für andere Länder erste Anzeichen dafür, dass geschützte Gläubiger ebenfalls höhere Renditen von Banken mit überhöhten Risiken verlangen oder Kapitalabzüge bei diesen Instituten vornehmen. Diese überraschende und teils den theoretischen Überlegungen widersprechende Erkenntnis lässt beispielsweise vermuten, dass der Gläubigerschutz als nicht hinreichend glaubhaft empfunden wird.
Der öffentlich-rechtliche Sektor der deutschen Sparkassen und Landesbanken verfügt über einen solidarischen Haftungsverbund, der die Existenz bestandsgefährdeter Institute explizit sicherstellt. Zudem waren sämtliche Gläubigerforderungen bis in das Jahr 2005 hinein ebenfalls durch explizite staatliche Garantien des öffentlichen Trägers (Anstaltslast und Gewährträgerhaftung) vollständig abgesichert.
Folglich kann zumindest bis zum Wegfall der staatlichen Garantien davon ausgegangen werden, dass sich alle Gläubiger dieses Sektors praktisch keinem Verlustpotenzial ausgesetzt sahen. Die seltene Möglichkeit, mit den deutschen Sparkassen eine Gruppe mehrerer hundert vergleichbarer Institute mit einem unbeschränkten Gläubigerschutz vorzufinden, wurde als Anlass einer eigenen empirischen Untersuchung zur direkten Marktdisziplinierung durch Fremdkapitalgeber genommen.
Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel der vorliegenden Ausarbeitung, erstmals zu analysieren, ob deutsche Sparkassen für eine erhöhte Risikoübernahme durch verschiedene Gruppen der Fremdkapitalgeber über höhere Risikoprämien oder über Volumenbeschränkungen sanktioniert werden. Zur Beantwortung der Fragestellung wird unter Einsatz statistischer Verfahren (analog zu vergleichbaren Studien für andere Länder) überprüft, ob signifikante Zusammenhänge zwischen Indikatoren der wirtschaftlichen Lage der Sparkassen und (1) den Durchschnittsrenditen oder (2) den Wachstumsraten verschiedener Fremdkapitalgattungen bestehen.
Mit öffentlichen Informationen aus den HGB-Jahresabschlüssen und privaten Informationen aus den Betriebsvergleichen der Sparkassen steht hierfür eine hochwertige Datenbasis zur Verfügung, die die Unterscheidung von 15 Fremdkapitalkategorien zulässt.




