Thomann | Ausbildung der Ausbildenden (E-Book) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Thomann Ausbildung der Ausbildenden (E-Book)

Professionelles Handeln in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung
5. Auflage 2019
ISBN: 978-3-0355-1235-9
Verlag: hep verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Professionelles Handeln in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-0355-1235-9
Verlag: hep verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses E-Book enthält komplexe Grafiken und Tabellen, welche nur auf E-Readern gut lesbar sind, auf denen sich Bilder vergrössern lassen.
«Ausbildung der Ausbildenden» ist seit beinahe zwanzig Jahren das Standardwerk für die Aus und Weiterbildung in der Erwachsenenbildung. Nun erscheint es in einer stark überarbeiteten Neuauflage. Grundlagentexte wie Materialien zur Bearbeitung von Praxissituationen wurden sorgfältig auf ihre Aktualität hin überprüft und an die sich wandelnden Herausforderungen angepasst, insbesondere in den Bereichen Beratung, Gestaltung von Bildungsorganisationen und Lernen von Erwachsenen. Über alle sieben Kapitel ziehen sich neu Ausführungen zum digitalen Lernen.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Inhaltsverzeichnis Kapitel I

1.Einleitung

2.Gesellschaftlich-institutioneller Zugang

2.1Learning Society zwischen Programmatik und Realität

2.2Lebenslanges Lernen

2.3Kompetenzorientierung und Prinzipien des Lernens

2.4Standards

2.5Der «Rollenstrauss» von Ausbildenden

3.Biografisch-reflexiver Zugang

3.1Lernen Erwachsener

3.2Die bildungsbiografische Methode

3.3«Produktives Scheitern» – Reflexion von Scheitererfahrungen

3.4Die Berufssozialisation von Lehrenden

3.5Das Konzept der subjektiven Theorien

3.6Reflexive Kompetenz

Literaturverzeichnis

Kapitel I

Kompetent sein und reflektieren – eine Einleitung und zwei Zugänge

Standards

?Sie erkennen gesellschaftliche, politische und soziale Tendenzen in ihrer Relevanz für Bildungssituationen und berücksichtigen diese in Ihrem Alltag als Bildungsprofi.

?Sie sind sich Ihrer Rollenanteile als Ausbildende bewusst und verfügen über ein handlungsorientiertes Konzept des «Rollenmanagements».

?Sie sind in der Lage, bildungsbiografische und berufssozialisatorische Aspekte bei sich selber sowie bei Ihren Lernenden zu erkennen und für Ihre Bildungsarbeit Schlüsse daraus zu ziehen.

?Sie wissen um Ihre «subjektiven Theorien» und verfügen im Sinne reflexiver Kompetenz über Instrumente und Vorgehensweisen für deren partielle Bewusstmachung.

1.Einleitung

Komplexe Situationen sind vorerst immer nur als Ganzes zu erfassen, erst danach werden sie segmentierend entschlüsselt. Dies gilt auch für Situationen in der Bildung: Oftmals schimmert hier die gesamte Situation im Glücksfall in einzelnen Segmenten durch und ist so punktuell erfassbar.

Hoffentlich schimmert Ihnen diese Ganzheitlichkeit in meinen folgenden Ausführungen etwas entgegen.

Obschon Lernende vorab als Subjekte ihres eigenen Aneigungsprozesses gelten, Bildungsmonopole bröckeln und im Zuge von Online-Lernangeboten Lehrende bei steigender Partizipation von Lernenden scheinbar an Bedeutung verlieren, kommt uns Ausbildner/innen weiterhin zumindest steuernde und strukturierende Funktion im unübersichtlichen Meer von Bildungsdaten zu.

Dabei manifestiert sich Lehrverhalten als Moderation, Beratung oder Instruktion. Solches Verhalten basiert stets auf der Kunst der Improvisation, solidem Handwerk und analysierter Erfahrung. Dafür bietet dieses Buch Anregungen und Ermutigung.

Zweifelsohne wird die Professionalisierung von Aus- und Weiterbildenden durch die Komplexität der Anforderungen, aber ebenso durch die Widersprüchlichkeit und Konfliktanfälligkeit der Ausbildenden-Rollen erschwert. Technologien und Instrumente verschaffen da nur bedingt Sicherheit. Zudem verfügen Ausbildende in der Regel über reichlich Selbstkritik und Selbstanspruch, was wiederum wenig Sicherheit garantiert.

Dieses Buch richtet sich an Aus- und Weiterbildende verschiedener Berufsfelder, aber auch an Bildungsverantwortliche und Lehr-/Lernberatungspersonen sowie an Lernende, die lernen zu lehren und nach neuerem Lernverständnis zusehends selber didaktische Steuerung übernehmen.

Die in meinen Ausführungen jeweils integrierte Kontext- und Subjektorientierung verdeutlicht – so zumindest mein Anspruch –, dass ich unter Ausbildenden weder «Lehrmittelvollstrecker» noch «curriculare Vollzugsbeamte», sondern schöpferische, differenzierte und reflexive Berufsleute verstehe.

Ich weiss, dass Reflexion vor dem «Ernstfall» alles Mögliche als relevant empfinden kann (vgl. Oelkers 2000, S. 81) und Praxis durch Ausbildung bedient werden muss. In diesem Sinne verstehe ich meine Ausführungen explizit als «Verwendungs-» und nicht als «Ausbildungswissen» (vgl. Oelkers 2000, S. 80), das vorliegende Buch nicht als «Lehr-», sondern als «Anregungsmittel», um Praxissituationen zu «bearbeiten», statt sie «vorzubereiten».

Ausgewählte theoretische Aspekte, Geschichten aus eigener Praxis und einige erprobte Instrumente dienen Ihnen dazu, sich besser «durch den alltäglichen Dschungel vielfältiger Bedingungen beissen zu können» (Oser 2000, S. 83).

Dabei bewege ich mich nicht im Reigen einschlägiger Methodenhandbücher, die – wenn sie Wissen mit Sofortwirkung versprechen – für meinen Geschmack Denk- und Reflexionsvermögen von Ausbildenden gehörig unterschätzen.

Ebenso wenig lehne ich mich explizit an spezifische allgemeine oder erwachsenenspezifische didaktische Theorien an; vielmehr sehe ich meinen Ausgangspunkt in der alltäglichen Kompetenzanforderung an Ausbildende von erwachsenen Lernenden. Selbstverständlich verwende ich theoretische Aussagen aus der didaktischen Literatur, selbstverständlich beinhaltet meine Auswahl von Themen und Materialien eine Theorie im Sinne von Grundannahmen und Überzeugungen.

Nach Tietgens (1992, S. 98) ist es in der Erwachsenenbildungsliteratur üblich, entweder «konkret an den Vorgängen zu schreiben, oder hoch in den Ansprüchen». Ich situiere mich dazwischen – mit Blick auf beide Seiten in unterschiedlicher Distanzierung.

Absichtlich wage ich manchmal den Blick über den Bildungszaun in andere Berufsgärten; eine solche Sichterweiterung tut uns Bildungsfachleuten aus meiner Sicht nur gut.

Ich schreibe von «Lernenden», «Kursteilnehmer/innen», «Studierenden», «Lehrer/innen/Lehrenden», «Ausbildenden/Ausbildner/innen», «Weiterbildungsfachleuten», «Seminarleiter/innen» und gebrauche diese Begriffe auch in ihrer geschlechtsspezifischen Schreibweise unterschiedlich, abwechselnd, gelegentlich beliebig. Ebenso unterscheide ich «Ausbildung» nicht von «Weiterbildung». Vorliegendes Material eignet sich somit in der Aus- und Weiterbildung für Ausbildende als Unterrichts- und Lektürematerial oder kann von interessierten Praktiker/innen und Einzelpersonen gelesen werden.

Mein Text bezieht sich mehrheitlich auf die Arbeit mit Erwachsenen, obschon ich die Begriffe «Erwachsenenbildner/in» oder «Erwachsenenbildung» sparsam benutze, da die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenalter sich zusehends verflüssigen – meist auf Grund einer «Verjugendlichung» des Erwachsenenstatus. Im Zeitalter der neuen Kindlichkeit sind alle jung, manche noch jünger, alle wollen alt werden und keiner will es sein.

Die einzelnen Kapitel sind in beliebiger Reihenfolge lesbar, Querverweise deuten daraufhin, dass dieselben Aspekte wiederkehrend in neuer Annäherung und anderer Akzentsetzung – also sozusagen in verschiedener Kleidung – behandelt werden. So taucht beispielsweise die «Rolle» in den Kapiteln I, III, IV, VI und VII auf, «Evaluation» als Kursevaluation im Kapitel II, als Teil des Qualitätsmanagements in Kapitel VII, Aspekte der «Wahrnehmung» in den Kapiteln IV und V und so fort. Dabei versuche ich, Wiederholungen möglichst zu vermeiden. Bei der Akzentuierung lasse ich mich durchaus von eigenen Interessen und der Lust an der Sache leiten.

Die Kapitel sind aus Gründen der thematischen Verschiedenheit nicht identisch strukturiert, unterschiedliche Kapitelgrössen beabsichtigen keine thematischen Wertungen.

Eine durchgehende Struktur ist hingegen durch die «Reflexionsfragen» repräsentiert; diese können Sie für sich selbst oder Ihren Unterricht benutzen. Die Übungen, Fallbeispiele oder Rollenspiele sind teilweise als Gruppenübungen oder -arbeiten im Kontext der «Ausbildung der Ausbildenden» gedacht; einzelne Lesende adaptieren die Anleitungen oder überspringen die Übung.

Eigene und andere Geschichten, Beispiele und Erklärungen integrieren sich kleingedruckt in den Text, sie sind das Fleisch am Knochen. Wer beim Knochen bleiben will, darf das Fleisch getrost ignorieren.

Die jeweils zu Beginn der Kapitel formulierten Standards (s. a. Erklärungen in Kapitel I, 2.4) meinen nicht, erreicht werden zu müssen. Vielmehr dienen diese Textmaterialien als eine Ressource unter anderen für eine Standardannäherung.

Einige Textpassagen, Instrumente oder Übungen, die weder aus der Literatur noch aus eigener Feder stammen, sind gewachsene und nicht persönlich autorisierbare, von mir überarbeitete Kursunterlagen des Fundus der aeB Akademie für Erwachsenenbildung aus meiner Zeit als Studiengangsleiter für Lehrgänge in Erwachsenenbildung und Supervision/Organisationsberatung (1995–2005). Stellvertretend für sämtliche Fundus-Mitgestaltenden bedanke ich mich an dieser Stelle beim damaligen Geschäftsleiter der aeB, Herrn Hans-Peter Karrer, und bei meiner Kollegin Elisabeth Fröhlich Luini.

Es freut mich, dass die aeB auch für die 5. Auflage weiterhin die Herausgeberschaft übernimmt und der jetzige Geschäftsleiter Daniel Friederich nach wie vor mir und dem Buch das Vertrauen ausspricht.

Zahlreiche Textteile des Buches haben sich in den letzten Jahren verändert, angeregt durch meine Lehraufträge an der Hochschule für Angewandte Psychologie der FHNW (seit 2007) und vor allem durch meine Tätigkeit im ZHE Zentrum für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung der PH Zürich (seit 2009), ab 2018 der Abteilung...


Thomann, Geri
Geri Thomann (1957–2025) war ausgebildeter Primarlehrer und Heilpädagoge, promovierter Bildungswissenschaftler und diplomierter Coach und Organisationsberater. Er arbeitete von 1983 bis 1993 als Schulischer Heilpädagoge im Rahmen eines Schulversuchsprojekts an der Schule Urdorf ZH, danach über 10 Jahre als Ausbildungsleiter und Leiter Weiterbildung und Dienstleistungen an der aeB Akademie für Erwachsenenbildung in Luzern. Nach einigen Jahren als Geschäftsleitungsmitglied der Schweizerischen Weiterbildungszentrale WBZ gründete er seine Firma bbe bildung|beratung|entwicklung, über die er Beratungsaufträge abwickelte. Von 2007 bis 2024 war er Lehrbeauftragter für Beratungsthemen an der Hochschule für Angewandte Psychologie der FHNW.2009 gründete Geri Thomann an der Pädagogischen Hochschule Zürich das Zentrum für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung, das er – später als gewachsene Abteilung – bis zu seiner Emeritierung 2022 leitete.2012 wurde ihm die Professur für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung der Zürcher Fachhochschule verliehen.25 Jahre publizierte Geri Thomann – hauptsächlich im hep Verlag – zu Weiterbildungs- und Beratungsthemen wie «produktives Scheitern», «Lateral führen», «Zwischen Beraten und Dozieren», «Improvisieren» und «Grenzmanagement».Als Absolvent der Jazzschule Luzern veröffentlichte er zudem einige Tonträger, zum Beispiel den «Bretonischen Morgen» bei Unit Records.

Geri Thomann (1957–2025) war ausgebildeter Primarlehrer und Heilpädagoge, promovierter Bildungswissenschaftler und diplomierter Coach und Organisationsberater. 
Er arbeitete von 1983 bis 1993 als Schulischer Heilpädagoge im Rahmen eines Schulversuchsprojekts an der Schule Urdorf ZH, danach über 10 Jahre als Ausbildungsleiter und Leiter Weiterbildung und Dienstleistungen an der aeB Akademie für Erwachsenenbildung in Luzern. Nach einigen Jahren als Geschäftsleitungsmitglied der Schweizerischen Weiterbildungszentrale WBZ gründete er seine Firma bbe bildung|beratung|entwicklung, über die er Beratungsaufträge abwickelte. Von 2007 bis 2024 war er Lehrbeauftragter für Beratungsthemen an der Hochschule für Angewandte Psychologie der FHNW.
2009 gründete Geri Thomann an der Pädagogischen Hochschule Zürich das Zentrum für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung, das er – später als gewachsene Abteilung – bis zu seiner Emeritierung 2022 leitete.
2012 wurde ihm die Professur für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung der Zürcher Fachhochschule verliehen.
25 Jahre publizierte Geri Thomann – hauptsächlich im hep Verlag – zu Weiterbildungs- und Beratungsthemen wie «produktives Scheitern», «Lateral führen», «Zwischen Beraten und Dozieren», «Improvisieren» und «Grenzmanagement».
Als Absolvent der Jazzschule Luzern veröffentlichte er zudem einige Tonträger, zum Beispiel den «Bretonischen Morgen» bei Unit Records.



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