E-Book, Deutsch, 172 Seiten
Thomas Laras Jahreschronik 2022
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-5328-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
oder : aus einem Katzenleben in Kurort Hartha und Sellin
E-Book, Deutsch, 172 Seiten
ISBN: 978-3-7568-5328-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Joachim Thomas wurde 1950 geboren. Aufgewachsen im Harz und Hannover, wo er auch sein Abitur ablegte, studierte er anschließend Rechtswissenschaft in Münster. Der berufliche Werdegang begann als Amtsrichter in Hamburg und Hamburg-Harburg, führte über das Sächsische Staatsministerium der Justiz in Dresden zum Direktor des Amtsgerichtes in Dippoldiswalde ( Sachsen). Seit Januar 2016 befindet er sich im Ruhestand, hat also hinreichend Zeit, sich seinen Hobbys - dem Malen und Schreiben - zu widmen. Er lebt zusammen mit seiner Frau Dagmar und der Hauskatze Lara einerseits in einem kleinen Ort in der Nähe von Dresden, sowie andererseits auf der schönen Insel Rügen. Seine bisherigen Veröffentlichungen waren weitgehend fachbezogen ( verschiedene Kommentare ua. zum sächsischen Nachbarrechtsgesetz ). Veröffentlicht sind ferner die Bücher : " Zeitensprünge", "Mit unterbeleuchteten Fußgängern ist zu rechnen", "Mittelstadt" sowie " Ach, wie war es doch vordem". Seit 2017 erscheint jährlich "Laras Jahreschronik".
Autoren/Hrsg.
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Ich glaube, das kann ich inzwischen sagen, denn sie kennen mich ja bereits. Mich, die Hauskatze der Familie Thomas aus dem Grundbachtal im Kurort Hartha und gleichermaßen auch aus der Seestraße in Sellin. Lara- die Hauschronistin, die mehr oder weniger dazu verpflichtet ist, alles das niederzuschreiben, was meine ach so sehr hochgeschätzten Menscheneltern- Dagi und Jochi- im Jahr so erleben.
Inzwischen muss ich zu der Schreiberei allerdings nicht mehr genötigt werden. Ganz im Gegenteil, mir macht das Chronikschreiben derart viel Spaß, dass ich es bin, der meinen lieben Jochi vom Computer vertreibt, um selbst das Heft bzw. die Maus in die Hand zu nehmen. Maus finde ich gut. Die Computerfachleute haben eben auch an Katzen gedacht. Macht auch viel mehr Spaß- mit der Maus in der Pfote den Computer zu bedienen- das regt an.
Ja, liebe Freunde , es ist anregend, sehr sogar, einen Blick auf das vergangene Jahr zu richten und sich in Erinnerung zu rufen, was so alles geschehen ist- im Großen (also in der Weltpolitik) wie auch im Kleinen (also bei uns zu Hause). Wie immer beschränke ich mich im Wesentlichen auf das Kleine, auf unseren, ganz persönlichen häuslichen Jahresrückblick. Alles andere wäre für mich nicht anregend, sondern eher aufregend- zu aufregend. Denn im zurückliegenden Jahr 2022 ist die Welt noch mehr aus den Fugen geraten, als in den beiden Coronajahren davor- und das will etwas heißen.
Natürlich ist Corona nicht vom Tisch. Und die Einschränkungen im persönlichen Leben zu Beginn des Jahres sind extrem. Noch immer ist die Kultur praktisch am Boden-Musik- und Theaterveranstaltungen finden weiterhin nur ganz sporadisch statt. Der Einkauf erfolgt weiter mit Maske. Die Pandemie ist das allumfassende Thema in den Medien, wie auch im täglichen Umfeld. Ich spüre das nicht so. Meine Kater besuchen mich auch ohne Maske. Aber „Zungi“ nicht mehr- ich habe ihn seit langem nicht mehr gesehen. Gibt es ihn noch? Ich mache mir Sorgen. Geimpft werde ich zwar auch- aber nicht gegen Corona. Reicht auch so- ist schlimm genug- der Tierarzt kann das bezeugen. Aber nicht nur Corona hält die Welt im Atem. Das Katastrophenjahr 2022 ist selbstgestrickt- also von den Menschen selbst verursacht. Es fängt an mit dem Einmarsch der Russen in der Ukraine. Ein Krieg, der ungeahnte Auswirkungen hat- auch für uns. Die Preise in den Geschäften steigen, das Gas für die häusliche Heizung steigt in nicht geahnte Höhe. Gleiches gilt für Benzinpreise und eigentlich alle wesentlichen Erzeugnisse. Wir Tiere können da nur sagen. Die Menschen spinnen.
Aber- wie gesagt- von alledem bekomme ich nur sporadisch etwas mit. Also dann, wenn ich abends auf meinem Katzenbaum liege und mit einem halben Ohr die Nachrichten verfolge, die Dagi und Jochi sich in der Glotze ansehen. Meine täglichen Mahlzeiten sind gesichert, Schlagsahne gibt es auch, wenn ich das wünsche. Und überhauptwenn ich etwas total frustrierend empfinde , dann ist das „Lola“, die ungehörige Katze von Gegenüber, die ab und an in das mir zustehende Reich frech und ungefragt eindringt. Allein das ist schlimm genugalles andere betrifft mich nur am Rande. Und von diesem Rand aus- also quasi von völlig neutraler Seite- beschreibe ich das Jahr 2022, unser Jahr, das von Lara, Dagi und Jochi.
Ich wünsche und hoffe, dass Sie trotz der verzwickten Lage im Weltgeschehen, trotz Corona und Energiekrise viel Freude haben an dem, was ich Ihnen erzählen werde. Und das ist gar nicht einmal so wenig- wer hätte das gedacht. Meinen umtriebigen zweibeinigen Mitbewohnern ist es doch irgendwie gelungen, auch in diesem Jahr einiges zu unternehmen und zu erlebenmit und ohne Maske. Man könne sich ja nicht ganz verkriechen, meinen sie. Und da muss ich ihnen zweifellos zustimmen. Ich verkrieche mich ja gewöhnlich auch nicht, mache meine Rundgänge und halte Augen und Ohren offen, um alles mitzubekommen, was so in der näheren Nachbarschaft passiert. Nur dann, wenn irgendwelche ungehörigen überdimensionierten Hunde mein Revier betreten oder die bereits erwähnte ebenso freche wie faule Nachbarskatze „Lola“ ihren massigen Körper durch meinen Garten schleppt, dann suche ich schon mal den Sichtschutz unserer Koniferen auf. Aber auch nur dann. Ansonsten bin ich durchaus neugierig. Muss ich ja auch sein, quasi von Berufs wegen. Denn wenn ich den Kopf in den Sand stecken würde oder mich in irgendein Erdloch verkriechen würde, hätte ich ja nichts zu erzählen oder niederzuschreiben. Das aber möchte ich nicht- und sie doch sicherlich auch nicht.
Wenn meine schriftstellerischen Ergüsse sie wider Erwarten langweilen sollten- dann ist es halt so. Kann ich auch nicht ändern. Legen Sie das Buch einfach in die Ecke und stellen selbst etwas auf die Beine. Geht doch auch. Denn eines ist sicher- und das habe ich ihnen bereits im letzten Jahr gesagt als Abwandlung einer sehr bemerkenswerten Lebensweisheit, die man sich getrost zu Herzen nehmen sollte: derjenige, der sich für nichts mehr interessiert im Leben, der hat schon verloren. Und Sie- liebe Leserin und lieber Leser und auch ich- wir sind doch alle Gewinner. Eben!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß an diesem Jahresüber- und Rückblick 2022. Trotz Corona, trotz Krieg in der nahen Ukraine und trotz Energie- und sonstiger Krisen -wieder ein Jahr mit vielen schönen Ereignissen und Erlebnissen- bei uns jedenfalls, bei Dagi, Jochi und Lara Thomas.
Viel Spaß beim Lesen.
Lassen sie mich mal nachdenken- womit habe ich meine letzte Jahreschronik beendet? Ja – ich weiß noch, dass ich ihnen berichtet habe, dass meine Menscheneltern mit ihren Freunden Marion und Jürgen im Dezember eine schöne Wanderung im Erzgebirge unternommen haben. Zum Sauensäger nach Blockhausen. Sehr aufgeräumt sind sie zurückgekehrt, um dann am Computer die schon erwartete Mitteilung zu erhalten, dass einmal mehr die Silvesterfeier im Tivoli Freiberg ausfällt. Natürlich coronabedingt- was auch sonst. Hoffnung hatten sich die beiden ohnehin nicht gemacht. Aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass sie nicht dennoch enttäuscht sind.
Nicht daran denken, was alles hätte sein können, sondern nach Alternativen suchen, nach Beschäftigung, um all die Corona-Unbill beiseite zu schieben und zu vergessen. Bei Dagi ist das ihre Arbeit an der Nähmaschine, das Produzieren von einzigartigen und erlesenen Designer Mode-Unikaten. Also wirklich- ich verbitte mir ein Lachen oder auch nur leises Schmunzeln. Nein- in der Tat- Dagi hat in den letzten zwei Jahren ihre Näherei derart fortentwickelt und professionalisiert, dass sie jeder Haute Couture Designerin (ich habe nachgelesen: das ist französisch und heißt: gehobene Schneiderei) kalt lächelnd die blanke Schulter zeigen könnte. Tut sie aber nicht, sondern erfreut sich an ihren, vornehmlich für die Enkelkinder gestalteten Kleidungsstücken.
Jochi werkelt weiter im Haus rum. Es gäbe immer etwas zu streichen oder zu reparieren- meint er. Ich halte dagegenman muss insoweit nicht seiner Meinung sein. Es gibt auch ein Leben ohne Pinsel und Farbe. Ist auch egal. Entscheidend ist, dass er die Dreharbeiten am neuen Lara-Film beendet hat und uns diesen nun voller Stolz vorführt. Ich muss neidvoll anerkennen: ein hervorragendes Werk. Ich wusste gar nicht, wie toll ich bin. Den Enkeln wird der Film mit Sicherheit gefallen. Sie bekommen ihn als Weihnachtsgeschenk- und mich quasi als Protagonistin dazu.
Kurz vor Weihnachten flattert dann auch meine druckfrische und hochglanzpolierte letztjährige Jahreschronik ins Haus. Ich bin neugierig und möchte wissen, wie das Werk geworden ist- hat mir ja schließlich reichlich Arbeit beschert. Jochi nimmt mich auf den Schoß und geht das Buch Seite für Seite mit mir durch. „Nicht schlecht, Herr Specht“- möchte ich mal ganz bescheiden anmerken. Wenn das nicht so wäre, würden sie jetzt nur leere Seiten sehen. Dann hätte ich nämlich darauf verzichtet, mir diesen schriftstellerischen Stress noch einmal aufzuhalsen. Aber so- alles paletti.
Die Weihnachtstage selbst verlaufen ungewohnt ruhig. Wir sind am Heiligabend unter uns, feiern in alle Stille. Am ersten Feiertag sind Sarah und Karsten mit Tamika und Tessa bei uns. Na klar, die beiden Kleinen wissen, wo es schöne Geschenke gibt- und Oma und Opa lassen sich nicht lumpen. Die glücklichen Kinderaugen beweisen das. Ist doch primaich betrachte das Familienidyll aus sicherer Distanz und freue mich mit den beiden kleinen Irrwischen. Distanz ist immer gut, sonst kommen die Mädchen noch auf die Idee, mich kleines und unschuldiges Kätzchen als Super- Weihnachtsgeschenk einzupacken. Und das muss- bei aller Liebenicht sein. Sie- liebe Leser- kennen mich und wissen, dass mir meine Ruhe heilig ist. So soll es auch bleiben.
Und aus der sicheren Distanz kann ich auch in all dieser wundersamen Ruhe den lieblichen Weihnachtsliedern lauschen, die begleitet von Tessas mühsamen ersten musikalischen Frühversuchen auf dem Keyboard, beschwingt durchs Haus ziehen. Weihnachten kann so wunderbar sein.
Ich erwähnte es ja bereits- Silvester findet dieses Jahr nicht statt. Oder- besser ausgedrückt- nicht so, wie meine beiden...




