E-Book, Deutsch, Band 1800, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Thompson Plötzlich Daddy - was nun?
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86349-021-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1800, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86349-021-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Familie? Die kommt für Mike nicht in Frage. Er hat ein gut gehendes Restaurant in Vermont und viele Freunde, das reicht. Doch da überträgt man ihm plötzlich das Sorgerecht für ein Baby! Dabei hat er wirklich keine Ahnung, wie er mit dem kleinen Brian umgehen soll. Zum Glück ist seine Jugendfreundin Allie zur Stelle: süß, charmant, sexy und sehr kinderlieb. Noch bevor der Sommer vorbei ist, hat er sein Herz an die beiden verloren. Und er wird Allie einen Antrag machen! Aber dann erfährt er: Für den Herbst hat sie andere Pläne. Ohne ihn und Brian ...
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1. KAPITEL
„Allie Hendricks ist wieder da.“
Mike Foster wollte gerade seinen Lieferanten anrufen, um ihm wegen einer verspäteten Lieferung den Marsch zu blasen. Bei den Worten legte er das Telefon jedoch wieder hin und starrte seinen Koch Barney verblüfft an. „Allie? Kann nicht sein. Es ist doch Semesterbeginn.“
„Ich weiß bloß, dass sie zurück ist.“
„Vielleicht nur über das Wochenende?“
Kunstvoll wendete Barney ein paar Eier. „Nein, sie hat das Medizinstudium abgebrochen. Ist gestern Abend einfach so bei ihrer Mutter aufgetaucht und hat die Bombe platzen lassen. Elaine hat fast der Schlag getroffen.“
Mike war schockiert. „Das kann ich mir nicht vorstellen.“
„Eine echte Schande“, fuhr Barney fort. „Wenn jemand das Zeug zur Ärztin hat, dann mit Sicherheit Allie. Da sieht man mal wieder, dass man niemanden wirklich einschätzen kann – ganz egal, wie lange man ihn kennt.“
Mike nickte geistesabwesend. Stimmt, manche Menschen waren unberechenbar. Vor wenigen Sekunden hätte er allerdings noch geschworen, dass Allie nicht dazugehörte. Sie war immer so zielstrebig gewesen.
Mit sechzehn Jahren war sie zum ersten Mal in seinem neu eröffneten Diner aufgetaucht. Und schon damals hatte sie genau gewusst, was sie werden wollte: Ärztin. Dieses Ziel hatte sie mit aller Hartnäckigkeit verfolgt. Niemand hatte auch nur ansatzweise daran gezweifelt, dass sie es erreichen würde.
Vor lauter Verwunderung vergaß Mike um ein Haar seinen Anruf. „Warte mal kurz“, sagte er zu Barney und wählte erneut. Als er den Lieferanten endlich am Telefon hatte, gab er ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er das Fleisch sofort brauchte – schließlich sei das Diner kein vegetarisches Restaurant. Doch kaum hatte er aufgelegt, kehrte er wieder zum Thema Allie zurück.
„Warum hat sie das Studium abgebrochen?“
„Keine Ahnung. Über die Gründe weiß ich nichts Näheres.“
Mike war genervt. Typisch Kleinstadt! Die Gerüchteküche brodelte ständig, aber meistens wusste niemand etwas Genaues. Dabei musste offenbar etwas Schwerwiegendes passiert sein, wenn Allie das Studium abgebrochen hatte. War sie von der Uni geflogen? Ausgeschlossen. Überfordert? Quatsch, nichts hatte Allie je überfordern können. Hatte sie womöglich Liebeskummer?
„Alles okay mit dir?“ Barney warf Mike einen raschen Seitenblick zu, bevor er sich wieder dem Grill zuwandte.
„Klar“, antwortete Mike.
In diesem Augenblick kam Maury, einer der Pflegesöhne seines Bruders Daniel, zur Hintertür herein. „Hey, Mike! Ich soll dir von Daniel ausrichten, dass Allie Hendricks in der Stadt ist.“
„Habe ich gehört“, erwiderte Mike lächelnd. Er mochte alle Söhne von Daniel, aber zu Maury hatte er ein besonders enges Verhältnis: Sie beide verband die Leidenschaft fürs Kochen. Ihm graute daher bereits vor dem Ende der Ferien, weil Maury dann nicht mehr so oft im Diner arbeiten konnte.
„Darf ich heute das marokkanische Hähnchen zubereiten?“, fragte Maury eifrig, wobei ihm offenbar das Wasser im Mund zusammenlief.
„Klar, du kannst schon mal das Gemüse klein schneiden“, gab Mike zurück. „Die Hähnchenteile sind bloß noch nicht da.“
Mike hatte sein Restaurant nach sich selbst benannt: Mike’s Diner war mittlerweile das beliebteste Lokal in Serenity Valley, einem abgeschiedenen Tal im Süden des US-Bundesstaates Vermont. Die Stammgäste kamen aus den drei Städten im Tal: aus LaRocque, wo sich das Diner selbst befand, aus Holman im Süden und aus Churchill auf der anderen Seite des Flusses. Mike servierte alles, was in einem Diner so üblich war. Sein exzellenter Ruf gründete sich allerdings vor allem auf die täglich wechselnde Tagesspezialität.
Der Laden brummte. Noch dazu hatte Mike Familie: seinen älteren Bruder Daniel und den jüngeren, Ian. Das Leben war schön.
Aber das war nicht immer so gewesen. Mike war als Kind von seinen Eltern vernachlässigt worden und hatte sich zu einem rebellischen Teenager entwickelt. Nachdem er mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, hatten seine Eltern ihn kurzerhand enterbt.
Daraufhin war er in einer Erziehungsanstalt gelandet, in der er Daniel und Ian begegnet war. Die drei äußerlich und charakterlich total unterschiedlichen Jungen verband ein gemeinsames Ziel – aus ihren Fehlern zu lernen und ehrliche und hart arbeitende Bürger zu werden.
Und dieses Ziel hatten sie erreicht. Daniel war inzwischen Tierarzt, Ian Geschäftsmann und Schafzüchter, und Mike besaß das Restaurant. Auf dem Weg zum Erfolg hatten sie sich gegenseitig stets unterstützt. Und da sie alle ihre Nachnamen in Foster geändert hatten, galten sie in den Augen der Öffentlichkeit als Brüder. Die Menschen im Tal wussten nichts über ihre Vergangenheit. Das war den Foster-Brüdern nur recht. Schließlich spielte es keine Rolle mehr, was sie als Jugendliche angestellt hatten. Wichtig war nur das Jetzt.
Mike öffnete sein Diner jeden Morgen um sieben Uhr, bewältigte den Frühstücksandrang und bereitete danach das Mittagessen vor. Sobald es nachmittags ruhiger wurde, widmete er sich dem allabendlich servierten Tagesgericht. Hilfe bekam er dabei von Barney, Maury und den beiden Vollzeitkellnerinnen Becky und Colleen.
Dank Maurys Anwesenheit hatte Mike die Zeit, mit den frühen Mittagsgästen zu sprechen. „Hallo, Ray. Hallo, Ed“, begrüßte er zwei Lokalpolitiker. „Es sind noch jede Menge Tische frei.“ Während er ihre Bestellungen aufnahm, wanderten seine Gedanken allerdings immer wieder zu Allie.
Die intelligente, freundliche, fleißige und hübsche – nun ja, auf ihre Art sogar schöne – junge Frau hatte bisher jeden Sommer und in den übrigen Ferien bei ihm als Kellnerin gejobbt. Natürlich hatte er ihr herzlich gratuliert, als sie endlich den ersehnten Studienplatz für Medizin bekommen hatte. Insgeheim hatte er jedoch den Verlust seiner besten, aber eben auch überqualifizierten Kellnerin bedauert.
Nachdem Mike weitere Mittagsgäste zu ihren Tischen geleitet hatte, kehrte er in die Küche zurück. Während Maury Mandeln und getrocknete Aprikosen hackte, machte er sich dort an die Vorbereitung des inzwischen gelieferten Hähnchens.
Plötzlich tauchte Becky neben ihm auf. „Allie Hendricks ist wieder da“, erzählte sie strahlend. „Sie ist zum Mittagessen gekommen.“
Mike war erstaunt, wie sehr er sich über diese Mitteilung freute. Nachdem er sich die Hände gewaschen hatte, ging er in den Speisesaal. Suchend sah er sich nach Allie um. Allerdings erkannte er sie erst auf den zweiten Blick. Konnte diese umwerfende Brünette hier wirklich Allie sein?
Plötzlich verspürte er das brennende Verlangen, seine Frisur im Spiegel zu kontrollieren. Wie albern! Schließlich kannte er Allie doch seit Jahren. Sie war wie eine kleine Schwester für ihn. Was spielte sein Aussehen da schon für eine Rolle? Ihr Aussehen dagegen warf ihn um.
Sie wirkte viel reifer und … kultivierter als früher. Aus der schüchternen Leseratte war eine selbstsichere und elegante Frau geworden. Die Allie von früher hatte immer einen Pferdeschwanz getragen, während ihr heute das dunkle glänzende Haar offen auf die Schultern fiel.
Automatisch musterte Mike sie von Kopf bis Fuß – aber das hätte ja jeder normale Mann getan. Ihr leuchtend roter Rollkragenpullover brachte ihre Haut zum Leuchten und verlieh ihren braunen Augen einen intensiveren Ton. Und in dem schwarzen Rock und den Stiefeln sah sie absolut … weiblich aus.
Langsam ging er auf sie zu. Beim letzten Mal hatte er sie zur Begrüßung umarmt, doch das kam ihm jetzt irgendwie unangebracht vor. Also streckte er nur die Hand aus und schenkte ihr ein brüderliches Lächeln. „Hey, Allie! Schön, dich wiederzusehen.“
Überrascht hob Allie eine Augenbraue und schüttelte seine Hand.
„Trägst du dein Haar jetzt etwas länger? Steht dir gut.“
„Äh, danke.“ Mike spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. „Deine Frisur gefällt mir auch.“
Allie unterdrückte ein Lächeln. „Und? Wie läuft es so?“
„Gut … sehr gut sogar.“ Mike räusperte sich verlegen. Ihm war bewusst, dass er sich gerade wie ein Idiot benahm, aber er war machtlos dagegen. Jede einzelne seiner Körperzellen schrie danach, mit dieser tollen Frau zu flirten. Dabei handelte es sich doch um Allie, die nach wie vor acht Jahre jünger war als er! Komisch, auf einmal kam ihm dieser Altersunterschied gar nicht mehr so groß vor.
Mike versuchte, sich zusammenzureißen. Allie war nämlich nicht nur viel jünger als er, sondern steckte offensichtlich auch mitten in einer Krise. Immerhin hatte sie ihr Medizinstudium abgebrochen. Auf keinen Fall war dies der richtige Zeitpunkt für Annäherungsversuche.
„Also bleibst du uns eine Weile erhalten?“, fragte Mike und führte Allie an einen der abgeschiedeneren Tische.
Sie setzte sich und sah ihn an. „Ja. Ich brauche einen Job.“
„Einen Job?“, wiederholte Mike verblüfft.
„Natürlich nur, falls du Hilfe brauchst.“ Sie blickte sich im Diner um und schien plötzlich etwas weniger selbstsicher. „Sieht ganz so aus, als hättest du alles bestens unter Kontrolle. Na ja, ich wollte auch nur mal vorbeischauen, um …“
...



